Ausgabe 
29.11.1896 Erstes Blatt
 
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Venedig. 27. November. Au der Küste von Stzilien, Sardioie» und Calabrten wüthen orkanartige Stürme, welche zahlreiche Seeunsällr veranlaßten. Bet Catanjars scheiterte ein österreichisches Schiff. Die Besatzung konnte gerettet werden.

Pari-, 27. November. Der Führer der Collcciivisten in der französischen Kammer, Jule- GueSde, wird wahr« scheiolich heute seine Interpellation einbrtngen, betreffend die Ausweisung BebelS und Buebs, welche nach Frank« reich gekommen waren, um eine Versammlung abzuhalten, die ihnen in Elsaß Lothringen verboten war. Die Debatte wird vorauSfichtlich zu einem Tumult führen. Meline und Barthou werden ihre autisociallstische Politik neuerdings bekräftigen.

Athen, 27. November. Die Ueberschwemmung richtete hier eine entsetzliche Katastrophe an. Ganze Straßen- züge und viele Fabriken stehen unter Waffer. Die Bewohner befinden sich in Lebensgefahr. Der Fluß Jlyssu» sührt viele Leichen mit fich.

Hamburg, 28. November. DemHamb. Eorresp " zufolge verbleibt Major Leut wein auf seinem Posten mit Rücksicht auf die in dem Schutzgebiete nahende Gefahr der Rinderpest. Oberst Liebert werde Gouverneur von Ost­afrika und demnächst auch Commandeur der Schutztruppe.

Hamburg, 28. November. Um die Verhaftung bei Führers Tom Mans rasch herbetzusühren, waren tausend Photographien btffdben unter die hiesigen Schutzleute vertheilt worden. Nach deffeu Verhaftung wurde er dem Polizeirath Roscher vorgeführt, woselbst ihm bei Strafandrohung eine Rückkehr nach Deutschland untersagt wurde. Da der Plenar« seuat niemals Deputationen annimmt, wird die heutige lieber» Weisung einer Protestresolution, betreffend die Ausweisung Tom Maul, unausführbar. Die Soctaldemokraten haben für Montag sieben Volksversammlungen einberufe». Bis jetzt striken 11000 Manu.

München, 28. November. Rach einem Privattelegramm derMünch. N. Nachr." aus Berlin wird Bayern auf die Militärgeschworenengerichte, die im Felde un­brauchbar seien, verzichten, auch auf die Beschränkung der Oeffeutltchkeit eingehen und seine Zustimmung zu der neuen Miiitär-Strasproceßordnuug in erster Linie von der Form abhängig machen, wenn da- Reservatrecht der bayrischen Krone anerkannt und berücksichtigt wird.

WB. Hamburg, 28. November. Hundert Arbeiter der SchifffahrtS«GesellschaftKette" wollen bei Nicht­bewilligung der neuen Lohnforderungen striken. Sechzig Speicherarbeiter der Firma Nathan, Philipp u. Eomp. wurden eutlaffen, weil sie nicht Schauermavnarbeiten ver­richten wollten. LautHamburger Echo" stellten auch die Arbeiter der Stadtwafferkunst und der Gaswerke Forde­rungen. Tie Direetionen machten kleine Zugeständnisse, die Arbeiter wollen aber, wenn nicht einheitliche Lohnerhöhnng erfolgt, sämmtlich noch heute die Arbeit niederlegen. In dea Gasanstalten beßadet fich gegenwärtig nur für drei Tage Gas.

Locale» und j-rovlnzieller.

Gieße», den 28. November.

SeuefnugShiufer. Ihre König!. Hoheit die Groß- Herzogin hatten am Donnerstag Nachmittag die Herren Oberbürgermeister Morneweg aus Darmstadt, Dr. Gaß wer aus Mainz, Süchler auS WormS, Gnanth aus Stehen und Brink aus Offenbach in den Audienzsaal deS Reue* Palais lade» lasten. Unter dem Vorsitz Ihrer Königlichen Hoheit wurde die Conferenz von Herrn Kammerherrn vo» Frankenberg eröffnet und zur Besprechung über Bildung einesVictoria-Melita-Vereins" übergegangen, welcher de* Zweck haben soll, in de» fflnf größten Städten des Groß- herzozthumSGenesungshäuser" für Unbemittelte z» gründen. Getue Königliche Hoheit der Groß Herzog be­ehrte die Versammlung ebenfalls mit Allerhöchftseiner An- Wesenheit und beteiligte Sich lebhaft au der Diskussion.

Stadttheoter. Am Sonntag Nachmittag findet wiedmc eine der bei unsere» kleinen so beliebt gewordenenKi»d er- vorfiell»»gen" statt.Sin Märchen auS 1001 Rächt" wird diesmal onfgeführt. Abend» geht die große Gesang!» posteDer Stabstrompeter" t» Scene. Die vor- berettnnge« für die am kommende» Dienstag erfolgende Auf­führung vo» Herma»» Sudermann» neuestem Derbe Moritnri" find, wie man uuS an» dem Theaterdure« mittheilt, in vollem Sange, villet» für diese Vorstellung Molche der enorme» koste» wegen bet etwa» erhöhten Preise«

Wv. 282

EEes Blatt

Sonntag den 29. November

1896

Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ttveis Gieren.

] Hratisöeikage: Hießener Iamilienbkätter

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Alle ÄxnencfH-SurreMr M In- un> Auslandes nehme» Anzeige» ffir brnGießener Anzeiger-' entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bor«. 10 Uhr.

8 6. Zur Wiuterzeit gelten folgende Bestimmungen: a) Sobald Glatteis entsteht, muß soweit die Hof- ratihen nut Einschluß der Höfe, Gärten und sonstigen Grundstücken an der Straße oder an öffentlichen Platz n liegen, der Fußpfad, oder wenn kein Fuß­pfad vorhanden ist, die Straße zwei bis drei Fuß

bestreut 7 Uhr sogleich, Stunde

nachher, entsteht eS aber in der Nacht, bis 7,/3 Uhr Morgens gestreut sein.

b) An den auf die Straße gehenden Dachkandeln,

Die Gießener Aamitienvksiter neerden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.

fetzentwurf hat ter Lolonialrath bereit» gut gedeihen, und dürften somit, derPost" zufolge, die Schwierigkeiten, die fich der Annahme eine» dieSoezÜglichen Vertrages hauptsäch­lich entgkgenstellten, behoben, und damit der Uebergang der Eolonie in die Reichsverwaltung erleichtert fein.

Masters nach der Straße re. muß da» auf den Seitenpflaftern oder Fußpfaden angefetzie Ei» auf Kufforbern G^oßherzogl. Polizeibehörde aufgehaueu und weggefchaffc werden.

e) Außerdem ist bei Frostwetter dafür zu sorgen, daß das etwa vom Innern der Hofraithen auSgeschüttrte Master nicht durch die Floßrtnneu auf die Straße laufen kann.

d) Bor den öffentlichen Brunnen ist, so oft e» nöthig erscheint, aufetsen und mit Asche' ober Sand streuen zu lasten.

) Bei etntretenbem Thauwetter find nach Aufforderung der Local-Polizeibehörde ohne Verzug die Straßen, öffentlichen Plätze und insbesondere Floßrinnen aufetsen, kehren und Schnee und 618 alsbald von Straßen rc. entfernen zu lasten.

f) Das Fahren mit kleinen Schlitten und da» Schleifen aus den öffentlichen Plätzen und Fußpfaden ist untrrsagt. Menn diesem Verbot zuwider dennoch Schleifen entstehen, so find Diejenigen, welchen die Reinigung überhaupt obliegt, auf Änffordern der Polizeibehörde verbunden, die Schleifen entweder mit Sand oder Asche tüchtig bestreuen oder aufhauen zu loff-n.

g) Beim Schneefall muß läng» der Hofraithen mit Einschluß der Höfe, Gärten und sonstigen Grund­stücke auf dem Banket, oder wo kein solches vor­handen ist, auf der Straße ein 3 bi» 4 Fuß breiter Pfad rein gekehrt und die» bei fortdauerndem Schnee­fall so oft al» nöthig wiederholt werden.

h) Schnee und ® darf au» dem Innern der Hof- raikhen nicht auf die Straße gebracht werden, ohne daß für augenblickliche Megschoffung gesorgt wird.

Der Pirffener Anzeiger «rfajant täglich, Mt Ausnahme deS Montags.

breit mit Asche oder Sand genügend werden. Entsteht da» Glatteis zwischen Morgens und 9 Uhr Abends, so muß längstens mit Ablauf der erst » halben

uad sonstigen Ableitungen des

icffer, ?en und -ts<M

1

Deutsches Reich.

Berlin, 25. November. Die Schamlosigkeit, mit welcher, wie in der gestrigen Nummer dervolkSZsttung" gerügt worden ist, die meisten Reich-tagSavgeorbneten an­dauernd ihre Pflichten vernachlässigen, wirb immer größer. Als gestern die Sitzung eröffnet wurde, waren »och nicht 20 Abgeordnete zugegen, deren Zahl auch späterhin kaum Iber 50 hmauSging. ES fehlten also ungefähr 340 Ab­geordnete. Menn baS so fortgeht, daß fich der Reichstag in dieser Meise zuriticat«r seiner selbst macht, so wird e» itSthig fein, daß die Wähler jeden Abgeordneten am Ende einer Session fragen, wieviel ® langen er geschwänzt hat, damtt fie eonstatire» können, wte sehr er sie belogen bat, nachdem er iheren bet der Wahl versprochen hatte, seine Pflichten al» Volksvertreter »ach bestem Könne« zn erfülle«. Kie möge» alsdann einem solche« Abgeordnete» den Laufpaß geben. Den Reichstag dnrch andauernde Pfl chtverletzunz in den Augen der Regierungen und des vo ke» verich ltch zn wachen, ist wahrlich nicht die Aufgabe der Volksvertreter.

verlln, 26. November. Bekanntlich sollen in einem »schtragSetat vom RerchStaqe die Mittel gefordert werden, «n da» Gebiet der Neu-Guinea-Lompaguie in die Ar'.chsverwaltnug übernehmen zn können. Diesen neuen Ge-

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ner Cafe.

Ausschank it Pilsener ifgerl. Brauhaus),

Münchener ügerL Brauhaus), liner Weissbier.

Cafe it vorzüglicher Güte. >. Cbocoläde.

>n Preisen. W seit

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ront mit imtliditn Srilkel»

Bekanntmachung.

Wir bringen die nachstehenden Bestimmungen de» Local- Reglements vom 10. November 1879 mit dem Anfügen zur allgemeinen kruntn'ß, daß die Pol'zeibeamten angewiesen sind, gegen Zuwiderhandelnde unnachsichtig Anzeige zu er­hebe».

Gießen, den 27 November 1896.

Großherzogliche» Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.

vierteljähriger flörmoemeutsprtis t S Mark 20 Pfg. urit Lringerloha.

Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Expeditio« und Druckerei:

-chukstrahe Ar.7. fferusprech« 61.

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Auswahl, looea g?*, Sammet Schultnlragm. Tücher, u urd Kinder, alle NSb. Ee.Hakcham, Stickereien, ' X^emben, Craoatten, W zu äußerst billigen talMit 29.

Wolff» telegraphisch«» Eorrrwondenz-Bsrean.

Berli», 27. November. Wie diePost" wiffeu will, habe man sich entschlossen, einen neuen Entwurf, betreffend die Organisation deS Handwerks, auSzuarbeiten. Der Entwurf nähere fich, wenn diePost" richtig unter­richtet fei, tu der Untcrcommiifion des BuadeSrathSauSfchuffe» für Handel und Gewerbe der Vollendung. Die Vorschläge de» BnndeSrathS dürsten fich durch Vereinfachung der Organi­sation gegenüber dem preußischen Entwurf auSzeichoen. DaS Blatt bezeichnet al» wahrscheinlich, daß die Handwerks- auSschüffe völlig fortfallen. Die jetzigen Innungen dürften bestehen bleiben und nur die ZvaugSinnungen eingesührt werden, wo die Mehrheit der Handwerker die» selbst ver­lange. Nicht ausgeschlossen sei ferner, daß man die Organi­sation auf die Städte beschränkt.

Berli«, 27. November. DieBerliner Lorresp." meldet, von Allerhöchster Seite sei genehmigt worden, daß zunächst versuchsweise bis Ende September 1898 Unter- osfiziere mit einer octiven Dienstzeit Im Heere oder der Marine von mindesten» 6 Jahren in die königlichen Schutz­mannschaften eingestellt werden dürfen.

Berlin, 27. November. Wie dieNordd. Allg. Zig." meldet, hat da» ReichSversicherungSamt in seiner gestrigen Plenarsitzung die Unfallverhütungsvorschriften der See - B rusögenoffeuschast über wasserdichte Schotten für Paffagierbampfer in außereuropäischer Fahrt genehmigt. Die Vorschriften bezwecken, daß die Dampfer noch schwimmfähig bleiben, auch wenn z. B. infolge eines Zusammenstoßes ein erheblicher Theil de» Schiffsraumes fich mit Wasser füllt. Keine anbrre seefahrende Nation besitzt ähnliche Bestimmungen.

Hamburg, 27. November. 1 50 Kutscher der TrauS- port-Actien-Gestllschaft Hercke legten der Direktion einen neuen Lohntarif vor und wollen, falls dieser nicht be­willigt wird, striken.

Pari», 27. November. Die Kammer nahm den Gesetz' enttourf an, wodurch die Einführung und der Umlauf fremder Scheidemünze in Frankreich verhindert wird. Die Budgetberathung wurde daraus wieder begonnen.

Depeschen deS «nrcauHerold".

Berli», 27. November. Dem BundeSrath ist, wie verlautet, der Entwurf von Bestimmungen zugegangea, betr. die Zulassung von Werthpapieren zum Börfenhaadel.

Berli», 27. November. Heute wurde von der Budget- Commission deS Abgeordnetenhauses der Gesetz­entwurf, betrtffenb Ankündigung und Umwandlung der 4procentigen consolidirten Staatsanleihe in Si/,procentige, unverändert angenommen. Ein Antrag, die Schonzeit auf fflnf Jahre zu ermäßigen, wurde mit 12 gegen S Stimmen abgelehnt.

Berlin, 27. November. Die Vertagung des Ab­geordnetenhauses wird mit Rücksicht auf die Lom- mtssious-Verhandlungen bereits am SamStag eintreten und etwa dis zum 10. December dauer».

Berlin, 27. November. DiePost" schreibt: Die Margartne-Gesetzgebnug wird zweifellos i« Laufe be» Winter» die Parlamente wiederum beschäftigen. Daß vo« der ReichSregieruug keine Initiative in dieser Angelegen­heit ergriffen werden wird, darf als sicher gelte». Im Reichstage wird voraussichtlich die deutsch conservative Fractio« de» vom BundeSrath abgelehnten Entwurf wesentlich in der Fassung de» Beschlüsse- der Reichstags Commission wieder einbringen, aber auch hn Abgeordnetenhause dürfte die «orgariuesrage zur Sprache gebracht werde». Sie wir höre«, wtrd die freiconservattve Fractio» bet der Berathnng der laudwirttzschaftltche« Etats die Frage tm die Regieren» stellen, welche Stellung die BnndeSrathS-Bevollmächtigte« für Pcenßea zu dem Beichluffr de» Reichstage» eingenommen Haden.

Berlin, 27. November. Am 1. December wird die Fernfprech-Berbindnng zwischen Berlin nab Hamburg einerseits und AmsterdamRotterdam andererseits eröffaM. Die Gebühr für ein gewöhnliche» Gespräch bi» zmr Dauer von drei Mwnten betrügt 8 Mk.

Berlin, 27. November. In der heutigen BormittngS- Ziehung der Berliner Gewerbe-AnSfiellung»- Lotterie fielen Gewinne h» Werthe von 1000 Mk. auf die Nr. 834 368 «ad 217 861 , solche im Werthe von 600 Mk. ans Nr. 91 428, 863 868 und 181 189.

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