Ausgabe 
29.11.1896 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

sich eine Anzahl von Formularen zu Liquidationen für Reise­kosten und Tagegelder, setzte die Namens deS BerichtschreibrrS und des R chrerS darunter und erhob in 15 Fällen die von ihm ausgeschriebenen Beträge. Der Justizfißcuß ist auf diese Weise im Ganzen um einen Betrag von 357 Mk. geschädigt worden. Da- Geld aber reichte noch nicht auS, um ihn von seiner Schuldenlast zu befreien, und er beschloß, einen sogen. Coup zu wachen, und dann ivS Ausland zu gehen. In einem Zwrnosversteigerungstermin, dem er zu seiner Ausbildung betzuwobnen hatte, hatte er erfahren, daß von einem Bieter eine Bürgschaft von 4500 Mk. hinterlegt war. Am 23 Juli hat er eS verstanden, sich diese Summe anzueignen. Er hatt, obwohl er in eine andere Abthetlung versetzt war, Zutritt zur Calculatur und bemächtigte sich deS Actenstück», worin d'e richterliche Verfügung enthalten war, daß die 45( 0 Mk. als gericht icheS Asservat zu bewahren seien. Diese Verfügung riß er heraus und füllte dagegen eine Ausgabe- Verfügung und eine EmpfangSqu ttung unter Benutzung deS vorichr f -mäßigen AuSgabcformularS auS, unterzeichnete das Schriftstück mir dem täuschend ähnl-ch nachgrahmten NamenS- zuae deS Amtsrichters Rocholl und empfing darauf die 4500 Mk, bestehend in vier Taufendmarkscheinen und fünf Hundertmarkscheinen. Ehe er weitere Pläne faßte und Berlin den Rücken kehrte, wollte er aber noch einmal einen tiUen Nachmittag daselbst verleben. Er kaufte sich einen Anzug und begab sich mit gehobenem Gefühl in die in der Friedrich strahe belegenePreußenkneipe", allwo täglich eine Damen- eap lle concertirt und ein Dutzend junger Mädchen in schwarzen Kleidern und weißen Blousen threS Amtes alS Kellnerin warten. Zmmer, der körperlich einen sehr dürftigen und keineswegsvornehmen" Eindruck macht, ließ fich zunächst in der Bterabtheilung nieder und die ihm zuglwiesene Kellnerin konnte bald der Schaar der anderen Heben und der Mit­angeklagten Wirthin zuflüstern, daß der junge Herr ein famoser Gast fei, und entzückend viel Geld auSgebe. Ju der That hatte dieser in kurzer Zeit mehrere Flaschen Wein und Cham­pagner vorfahren laffen, und deutlich die Abficht bekundet, noch weitere Localstudien zu machen und namentlich in der Weinabtheilung der Frau Mithin, einer energischen Ungarin, seine Huldigungen darbringen zu dürfen. Die maßgebenden Instanzen waren der Meinung, daß dem Manne geholfen werden könne, und so zog denn Zimmer in die stillere und gemülhlichere Weinabtheilung, d>e Frau Wirthin setzte fich zu ihm. Mit der behaglichen Ruhe im Wetnzimmer war eS bald vorbei, denn der junge Mann mit dem neuen Anzug und dem großen Portemonnaie übte eine ganz merkwürdige Anziehungskraft auf die Kellnerinnen aus, die denverfluchten Kerl" bald umschwärmten, wie die Falter das Licht. ES entwickelte fich ein ganz unglaubliches Gelage. Der junge Mann bestellte 18 Portionen Abendbrod und hatte in kurzer Zeit vier Fla'chen Rothwein und 20 Flaschen Secl zu bezahlen. Seine Rechnung betrug 324 Mk. DaS störte ihn aber nicht. Mit der G aud-zza eines kleinen Rothschild nahm er einen Tausend- markichein auS seiner Brieftasche, ließ wechseln und zoh te

500 Mk. der bedienenden Kellnerin, die die überschießenden 176 Mk. schmunzelnd al- Trinkgeld einsteckte. Der Ge st deS Weines brachte sowohl bet Z. als auch bei den übrigen Theilnrhmern d«S Gelage- da- Blut heftig in Wallung und besonders Z. mürber immer übermüthiger. Er sah nichts davon, daß die liebenswürdige Frau Wirthin, wie behauptet wird, beim Entkorken der in Mafien aufma'schirenden Flaschen mit der Röderer carte blanche die Hälfte deS theuren NaffeS in den E Sküdel laufen ließ, er halte auch nicht- da­wider, daß die Frau Wirthin au- feinem Portemonnaie die Kaffe führte und den K-llnerinnen reichliche Trinkgelder zu> wendete. Die höchsten Tric- behielt er fich selbst vor. Die Angeklagte Thunig hatte ihm besonder- angethan, als fie al- Kellnerin£oni* in seiner Nähe weilte. Er schenkte ihr mit Gönnermiene plötzlich einen Tausendmorkschein als Trinkgeld. Darob aber wurden die anderen Kellnerinnen neidisch, fie erzählten den Vorgang der Wirthin und auf deren Weisung mußte Frl. Toni den schönen braunen Schein wieder herau-geben. Der junge Mann meinte aber, daß er mit seinem Gelde machen könnte, was er wolle und so steckte er denn den Schein mit graciöser Verbeugungseiner Braut", wie er fich auSdrückte, ins Mieder. Die Angeklagte Sellin hatte an jenem Tage ihr Kindchen begraben und trat erst am späten Nachmittag ihren Dienst an. Z. ließ fich sehr bald überzeugen, daß seine Pflicht sei, daß arme Mädchen auS der Trübsal zu reißen, er kam dieser Pflicht vollauf nach und alß man sich in den Garten begib und dort noch Cognac und Mocca serviert wurde, schenkte er auch ihr einen Tausendmarkschein, nachdem fie vorher schon 6 Mk. erhalten hatte. Sie mußte ihn aber zu ihrem großen Leidwesen auf Befehl der Frau Schleifer wieder heraußgeben. Daß Verschleudern so großer Geldsummen machte schließlich einige im Local anwesende Gäste stutzig, fie machten Crim nalbeamten von ihren Wahrnehmungen Mittheilungen und Z. wurde in demselben Augenbl'ck ver­haftet, alß er daß Local verlassen wollte. Bon den 4500 Mk. wurden noch 2961 Mk. bei ihm vorg»fanden. Alß der Schutzmann im Local erschien, hat ihn Frau Schleifer selbst darauf aufmerkiam gemacht, daß die Angeklagte Thanig 1000 Mk. in ihrem Mieder verberge. Der Angeklagte Zimmer war in vollem Umfange geständig. Der von ihm angerichtete Schaden ist von seinem ehrbaren Vater unter großen Opfern voll ersetzt worden. Die drei weiblichen Angeklagten bestritten ihre Schuld und behaupteten, daß sie den Z. für einen leichtlebigen, sehr reichen und deßhalb in ihrem Sinne guten Gast, keineßwegß aber für einen Ver­brecher gehalten hätten. Die Zahl der Fragen, die der Vorsitzende Landgerichtßdirector Denso den Geschworenen vorlegte, betrug 35. Staatsanwalt Hagen beantragte das Schuldig in vollem Umfange der Anklage. Er führte u. A. au-, daß Z'mmer nicht nur der schweren Urkundenfälschung, sondern auch deß Amtßverbrechenß im Sinne beß § 348 St.« G.-B. (Vernichtung ihm amtlich zugänglicher Urkunden durch einen Beamten) ober mindestenß beß Vergehenß gegen § 137

(Vernichtung von Meten) schulbig sei. Der Vertbeidiger be­kämpfte bte Anwendung beß erschwerenden § 348 und be­schränkte fich im Wesentlichen darauf, den Geschworenen möglichst Milde gegenüber den leichtsinnigen Streichen drß Z anzaempfehten. Die Bertheidiger der we blichen An­geklagten trugen aus Freisprechung an. Die Geschworen"» sprachen den Angeklagten Zimmer unter Zubilligung von mildernden Umständen schuldig der Uikundenfälschung in 15 Fällen und der Beiseiteschaffung einer amtlichen Urkunde in einem Falle, die Angeklagte Schleifer schuldig der Hehlerei, die Angeklagten Kellnerinnen Thunig und Sellin der Hehlerei nicht schuldig. Der Staat-anwalt beantragte gegen den Angeklagten Z'mmer fünf Jahre Gefängniß und vierjährigen Ehrverlust, gegen die Angeklagte Schleifer 10 Monate Ge- iängniß und zweijährigen Ehrverlust, gegen die beiden Kellnerinnen Freiiprechung. Daß Uitbeil lautete gegen Z'mmer auf vier Jahre Gefängniß und Erklärung der Un­fähigkeit zur Bekleidung eineß Amtes während der Dauer eine- JaareS, gegen die Ang'klagte Schleifer auf neun Monate Gefängn'ß. Den beiden Angeklagten wurden je drei Monate auf die erlittene Untersuchungshaft in Ab­rechnung gebracht.

CUerotur unb Kanft

Der lustige Herriedeuer Laubfrosch - Kalender für 1897 (Expedition in Würzburg, Preis 30 Ptg.) bringt in diesem Jadre wieder die gelungensten Geschichten und Spässe und die !öfb lichften Bilder. Trotz der großen Anzahl von Kalendern, welche all­jährlich dem Publikum dargetoten werden, bat sichDer Herriedener Laubfrosch," welcher nun seit 29 Jahren erscheint, eie echter Volk-« kalender und in Folge seine- rein humoristischen, von j'ber andern Tendenz freien Ehnacsirs feine internationale Verbreitung gefichert.

Stadel- altbewährter Lchreibkaleuber. ein Ter»i«s kalender, Gästebuch «ud Hau-Haltnugsvuch für 1H97, Die Stahel'fche PeUagSvucdhandlu g in.zburg gibt feit 95 Jahren ein stet- auf der Höhe der neuesten Anforderungen gehaltene-, wirklich praclischeS Buch in Quartformat heraus, welches wegen seiner vortheilhaften Eintheilung ebenso beliebt bei Hautzfiauen ist, als gerne von Kanzleien, Gerichtsstellen, Bdoocaien, Notaren und Gefchästsinhadern als Terminkalender benOUt wird. Mii vielen Betla ien kostet es wie bisher gebunden nur Mk. 1. (Die mit Papier durchschossene Ausgabe Mk. 1.60.)

Der beste Beweis maschine^ der allbekannten Firma M. Jacodfohn. Berlin, Linienstraße 126, dürfte wohl sein, daß diefe Fi>ma im Laufe der letzten 10 Jahre viele Tausende do* Familien Nähmaschinen an Lehrer , K ieger- und Beamtenoereine, sowie auch an M tglteder derselben und Private geliefert. Reserenzea findet man im heutige« Inserat. 10481

DaS altbewährte virmeustorfer Bitterwasser, für welche- seit Jahren kaum Propaganda gemacht wurde, bleibt nicht zurück, nachdem einige Bttterwafierfirmen den R clamemarkt mit schwerem Geschütz bearbeiten. Die Generalagentur für da- natür­liche abführende Birmenstorfer Bitterwasser von Karl Herz in Frankfurt a. VI. versendet eben allein an die deutschen Aerzie circa 60,000 Prob«flaschen gratis und franco und fordert noch diejenige» Ae zte au', die aus Versehen noch keine Probeflalchen erhielten, fo die ju verlangen. 467t

Empfehlungen

Kaffee

Nngebr. Mk. 1.10 biß Mk. 1.60 gebrannt 1.40 2

-arantirt rein tyib feinschmeckend, Willigere Sorten ohne Garantie cm- pfiehlt 9236

61) r. Wallenfels,

Marktplatz 17.

Sroßh. fjrlßldjt Stoalsriftubaljurn.

Verdingung der Si-ferun- von 770 tttitf Bahugreuzsteineu und 4H0 fctütf Weggreu,steine» ein schtiehlich deren vertbeilung an die -leubauliuie SalzschlirfSchlitz

Die obigen Lieferungen sollen im G^nz-n oder noch G markungen getrennt -ffenllich verdungen werden

Die Verb« n gung-unter lagen känn'n bei her unter«eichneten Behörde in Güßen (Franksurterst aße 64) oder bei der Neu­bau Abthetlung 11 in Lauterbach (Gast- Hau- zur Traube) etngeseh'N, jedoch nur von der erstgenannten Behörde gegen poftfreie Einsendung von 70 Pfennig be­zogen we'den.

Angebote find postfrei und unter ent­spreche! der Ausschrift an die unterze chnete Behörde bi- zum Eröffnung--Termin Samstag den 12. Deeemder d. I., Vormittags 1> Uhr, einzureichen.

Auschlagssrist zwei Wochen.

Großh. Baubehörde für Nebenbahnen

in Oherbeffcn. 10502

Iatteln, fft. Muscades, Kafetuüffe, Keapok., Kasetuüsse, fange Sicifian., tzaftlmaudcln, fft. dünnfchas., Fafetrosinen, §afeffeigen.

ZSallnüjfe, fft. Warbots

empfiehlt 10469

Emil Fischbach.

Kieler Bücklinge per Stück 5 Pfennig, stet- frisch, empfiehlt 10472

I M. Lchulhos.

Backzuthaten

)ur Feinbäckerei

in bekanr t vorzüglichen Qualitäten empfiehlt b'lligst

Ph. Herrmann,

10399________SeUelk-we- 88.

4 Pfd. Korndrod

(echte- Bauernbrod) 40 Pfg. bei

J. Klingelhöffer,

10338__________Astecweg._________

Apfelsinen und Citronen neuer Ernte eingetroffen. 10177

Hch. Arnold II.

Flanell Hemden

für Männer, Flauen und Kinder, FraueN'Unterhosen Franen-Hautjacken Frauen- u.KinderstrümPse empfiehlt tu billigsten Preisen

Robert Stuhl,

9808 Neustadt 2»

acn

>e«P E

Weisswein Äft

Fritz Schläger,Wein- , Alzey. Kheinh.

Buckskins

in großer Auswahl zu besonders billigen

Preisen offeriren 10058

Aug. Montanus Nachf.

Inh: « A Vt Jmhenser.

0T Giessen, Markt 10. **QS

Waschbütten, auch zum Ein salzen geeignete, empfiehlt billigst

Wilh. Kohlermann, 10328 Küferei, Neustadt 15.

Mod II. (Summcrdbach Rhld .

E E

^lorlheile: fiädifle Utinlldikeif, !luter Keschmack, nnörfira Randjeu, ärplidi beftäligt.

Sol. Praklisth. Eleganl. Billig.

Adlerpfeife

(System BerghauS)

D. R. ti. M. 8 Modelle.

Brillante Atteste.

KT Lotdene MedaiU»

Münster V-9S.

Prospecte gratis und franco.

Eugen krümmet (io.

Adler Psrisensabrik

B

Anthracitkohlen, Nutzkohlen, Melirte Kohlen, Briquetts und kleines Brennholz, fuhren- u. cenlnerweise, empfiehlt billigst

H. Hof,

9577 88. Bahnhofstraße 88.

Wollene und wasserdichte Pferdedecken in großer Auswahl billi st 9491 Laut- Wittich II., Eaitlcr, Neustadt 6.

17992J

iS?« \ Wasserdichte Itticn ii. \

Obige Artikel, welche van Solinger Firmen zu angeblichen Fabrikvreisen dem Publikum unaufgefordert zugesandt werden, find bei uns in bester Dualität l denselben Preisen zu haben. Taschenmesser imit. Schildpatt, i grone und 1 kleine Klinge, vergold. Kork,ieber, X 1.20; Scheere, geschmiedet, vergold. Grifft, X 1; Rafirmefier, bohl geschliffen, X 175.

Nach auswärts bet 2 Stück ebenfalls franco.

9144 Brüder Schmidt, Stahlwaarenhandluna, Selter-weg «3.

Große Auswahl in

Sophakissen Pantoffeln Eckbrettchen Körbchen' u. Kinderarbeiten crLme und farbigen Canevasstofien zu Läufern, Fenstermänteln und Kaffeedecken. Waschächte Ttickseide und Gold Pompadour Wolle Nordisches Stickgarn.

A. Holterhaff Söhne, 20 Seltersweg 20. 1017« W

vorgkikilhuktkll Artikrlll: M Büffet- 11. Servirtischdecken D

Paradehandtücher Ä

Tablette-und Eisdeckchen j Wand- und Betttascheu d

Plaide-und Schirmhülle« ä Iregfi-, Mavschkttei-.

-lltvatlen- nnb Haubschlch-Sirtr- M

in Strff und Plüsch

Haussegen D

und

Lesezeichen.

Gummisohlen, Gummiabsätze

104*

empfiehlt ix größter Auswahl

Wilh. Herbert.

Gummischuhe, russisches Fabrikat,

50

IcWi- Vtrlt

tzaarke

ont und 1

vl teil B< st­ur v P

I». n 11« ff, et A

jlüe Wrke, sür 1 n» ni jit stzhmliibst

Berlin, Linie- et. str..dr'»vr. sihtigröiejnuuW

nntit. -««dmas »atz Itwtre fch>ffchni ^aschw>n iu binigm Pni ßndMaschlmnonk erb Private gelitfe bfichtich mtrbtn;

ibtrt Adnsien auf. Int dmmgsschnll tun bk in d «rbditn, mhmt uni ioft n unb iStfabi V»tvm«l,t-stahr Mt 175 an. Tom »f 2(W. 1 Oabr

'Mbmt oon

8«8ri6riiongt etwa 6 3aör(n btrflt KJ btt t6flUd)tm ®tb trcratur gui btmäbi »lch lehr ruhsg. ;3otTfn an Herrn f IMaschine zur ooUfti -tsoUnr hoch.chtk riasionrvrw.-liei

9ollj896_

Bitte

Von Jnte jede fine sch '"diu. billig ä MnnurGiof/fs fnac/il dk Md gibt

ÄuSP

Kleider Mäntel ^let Art (la« iD Mohair»016 hihe Lfioen in reirh»«r . Fabrik d

E.We6 * Biel«

pöflcbireberd Muster bereit^

dinmei»len Colonü lil Gothaer l AüliksMer