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Somüa, bett 29. November
Drittes Blatt
189S
VlerteljShriger
Kenerat-Htnzeiger
Aints- uni Anzeigeblutt für den Kreis Giefzen
Hratisßeikage: Hießener Aamikienökäiier.
Advent
Alle Annoncen-Bureaux de» In« und Lu»lande» nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annohm, Anzeige« zu der Nachmittag« für de« folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.
Die Gießener W«»ttle« »täller Werde« dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigeleg».
Der
#i»je«er Auzetger erscheint täglich, Wtt Ausnahme de» Montag».
Gießener Anzeiger =
Tin neue- Jahr beginnt für die christliche Kirche mit be« heutigen Loge. Wir feiern daS Neujahr der Ehriften- heil, bin ersten Advent. Wohl Manche« steht dieser Jahreswechsel fern und ist ihm zu einer dunkeln Tage geworden. And doch, ein eigener st ller Zauber, eine die Herzen ahnungS- frofl bewegende Macht liegt auf den AdveutS Sonntagen, eine Empfindung begleitet fie, die so tief ist, datz die Wenigsten sich ihr ganz zu entziehen vermögen. E- ist daS alternde, fich -u Ende neigende Jahr m t seinen kurzen Tagen, seiner Hellen, aber rasch am HimmtlSbogen vorüberziehenden December- sonne, eS ist die nahende Weihnacht mit der helleren Sonne her Freude, die ihre Strahlen vor fich hersendet, welche vereint diese Empfindungen in uns erwecken und unsere Seelen erfreuen zugleich und rühren.
Ahnungen und Hoffnungen erfüllen uns. Der Blick ist «uf das Kommende qer chtet. ES ist uns wie vor dem Sonnenaufgang zu Muihe, wenn der Himmel sich röthet und Vie ersten goldenen Streifen ihn säumen. Es ist uns zu Muthe, al« ob wir noch einmal jenen Herr! chen Sonnen Aufgang der Weltgeschichte m«terleden sollten, der so lange ersehnt und gehofft und durch die wetffagenden Stimmen oller Völker verheißen war. Aber wir schauen zugleich das Helle Licht, das ausgegangen über die Welt, die Erfüllung deffen, waS die Borzeit gehofft.
In ihm, unserm Herrn und Heilend, find die Weiffagungen erfüllt. Sre find ander«, aber herrlicher erfüllt, als die Welt fie dachte. Sie find geistig erfüllt und im Innern zur Wahrheit geworden. Es ist ein König in die W'lt getreten, aber nicht ein König mit dem Herrscher- stabe Davids, sondern ein König deS großen, unsichtbaren, alle Völker und Menschengeschlechter um Pannenden Re cheS der Wahrheit. Und er thronet nicht in Jerusalem auf de« Berge Zion, er thronet in den Herzen aller Derer, die Vor ihm sich beugen. Und er kam nicht zu herrschen, sondern zu dienen. TS Ist ein Hoherpriester in daS Allerhetligste getreten, aber nicht um an dem Altäre JehovahS das Opfer der Böcke und Farren darzubrtngen, nein! um das Opfer deS Gehorsams, sich selbst und fern Leben darzubringen im schmachvollen Tode, um für die Wahrheit zu zeugen, auS der er geboren. Und er hat ein Reich des Geistes und der Liebe gegründet unter den Menschen, daS nimmer aufhören soll. Er hat ein Reich deS Friedens aufgerichtet in den Tiefen unserer Seele, des Friedens, den die Welt nicht zu geben, aber auch n cht zu rauben vermag und der durch alles laute Getümmel des Menschenverkehrs, durch den Streit der Parteien, durch den Krieg der Völker nicht von uns genommen werden soll.
DaS ist die Ersüllnng der Weissagungen! DaS ist das Licht, welche- aufging in dunkler Nacht! Und die Kirche Ehrtsti, die mit 'dem ersten Advente ein neues Kirchenjahr beginnt, fie wll dieses Licht verbreiten. Sie will von Neuem ihre Pforten wetr aufthun und einladen, zu dem zu kommen, der da ist der Weg, die Wahrheit und daS Leben. Es soll in einem ganzen vollen Jahre von den Kanzeln herab in den Kirchen, in unfern Häusern, an Kranken- und Sterbebetten, vor der Jugend in den Schulen, vor Hohen wie Niedrigen, Vor Kranken wie Gtsunden, ja in allen Verhältnissen des LebenS daS alte, aber nie veraltende Evangelium gepredigt werden von dem Herrn, der auS Liebe zu uns Mensch geworden ist, damit er unser Erretter und Erlöser würde, damit er unS neue Lebenskräfte schenke und uns reich mache in Gott.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. November. Der provisorische Börsen- A ns schuß wird voraussichtlich heute seine Arbeiten beenden. Der Stebener-AuSschuß zur Berathung der E'nwäade des Bunde» der Landwirthe und de« LandwirthschaftSraihS hat de» Plenum keme b stimmten Vorschriften unterbreitet, sich vielmehr nur recht! ch Über jene geäußert. Das Plenum wird Voraussicht ich daS Gleiche thuu. Die Ansichten über die zukünftige Gestaltung der Productenbörse find sehr ge- theilt. Zunächst erklärte der Vertreter deS LandwirthschafrS- Ministerium«, daß die Regierung auf Grund des Landwrrth- fchaftSkammergefetzeS Unzweifelhaft verpflichtet fei, der Land» wirthschaft eine Vertretung au der Prod^e'enbSrse zn gewähren. Dteselde Ansicht vertrat der »Poft* zu Folge auch das Handelsministerium und zwar auf G'.und d S Börsen' gesetzes. Eine sehr eingehende Debatte knüpfte sich dann M die Frage der PreiSnotirungen und Schlußscheine, die -"ch den heutigen Vormittag noch ganz in Anspruch »atz».
kur.ft ertheilt. Als Standquartiere zu lSnaerem oder kürzerem Aufeutdalte wären die GedtrgSstädichen Spotten (Hotel Post, Gasthäuser zur Traube, Krone, Hiss Hau», Lchrerheim u. A.) Gedern (Gasthäuser von Höker, Sttebrltng und Landmann), Ulrichstein (Psannsttel und Grob) vorzuschlagen. In den Dörfern Grebenhain, HartmaunShain, Herchenhatn, RebgeS- baiu und Rudingshain wäre wohl auch nicht allzuoerwöhnten Sporlleuten in guten Gastwirthschaiten Unterkunft zu verschaffen. UebeT alle diese Verhältnisse beräume man nicht, fich beim Vorstand deS Vogelsberger Höhen Elub (z. H deS Earl Glock) Rath« zu erholen und «ft mit Sicherheit eine Zufriedenstellung der bezüglichen WÜ> fche in jeder H nficht vurouSzusagiN. Im „Tourist" wird, sobald genügender S4neefall die Ausübrng des Sports ermöglicht, alsbald Mittheilung gemacht werden. Die für den Winter vorgesehenen Räumlichkeiten deS ElubhauseS des Vogelsberger Höhen-E>ubS, welches im Winter zwar nicht ständig bewirth- fchaftet wird, werden aber auf Wunsch und vorherige Be- nochrtchrtgung deS Wirths (Clubwirth JohS. Stein in Breungeshain, Post Schotten) d m Schneewanderer zu kurzer Rast, Erwärmung und einfacher Erfri chung geöffnet, sodaß er fich bescheidene Eir.kchr und Erholung mitten im Schneegedtet bei mäßigen Preisen gestatten kann. Der Clubwirth ist selber Schneeschuhläufer. Sollen diese wenigen Ze'len bet recht vielen Touristen die Lust erwkcken, dem schönen Vogelsberg im Winter einen Besuch abzustotten, so wäre der Zweck dieser kurzen Mittheilung erfüllt, freundlicher Empfang, gute Verpflegung zu mäßigen P-eisen kann ihnen Allen versprochen werden. Der eigenartige winterliche Reiz deS Vogelsberg«, seine schneebedeckten Thäler, Höhen und Wälder und in letz» teren die v elgestaltigen Reif- und EiSgebtlde, die in grotesken Formen Bäume und Sträucher bedecken und die Ausübung deS SporiS zu einem wechselvollen Genüsse gestalten, neben der gesunden den Körper stählenden Bewegung werden soviel Anz'ehendeS bieten, daß die Besucher bleibende Eindrücke in fich aufnehmen und als schöne dauernde Erinnerung mit nach Hause nehmen werden. Der Vogelsberg ist von einem Kranz von Bahnen umgeben. Die Linien Gießen—Fulda, Fulda— Gelnhausen, Gelnhrusen—Gießen spannea ihre eisernen Wege um die Peripherie ceS Gebirgs und von der Linie Gelnhausen—Gießen zweigen die drei Nebenbahnlinien Stockheim—Gedern, Nidda—Schotten und Hungen—Laubach ab, welche den Touristen an den Fuß des hohen Vogelsbergs befördern. Darum Frischauf zum Vogelsberg!
•* Falsche Zwanzigmarkscheine. Falsifikate von ReichS- banknoten über zwanzig Mark tauchen gegenwärtig mehr- sach auf. Sie tragen die Nummer F 262,416 und sind auch durch andere Merkmale kenntlich. Das bei ihnen verwendete Papier ist glatt und gelblich-weiß. Der Ausdruck „Zwanzig Mark" auf der Rückseite ist hellroth statt braun- rorh. Es fehlen das Wasserzeichen und die Willoxfasern. Die GefichtSzüge der beiden Knaben find verzerrt, und die Strafandrohung ist in dünner, unregelmäßiger Schrift gedruckt. ______________
Friedberg, 25. November. Der hiesige Gemeinderath nahm in feiner letzten S'tzung den Vorschlag des Schulvorstande« bezüglich der Gehaltsfestsetzung der definitiv angeftellten Lehrer an. Der AnfongSgehalt beträgt hiernach 1200 Mk., der Max.malgehalt 2200 Mk. Die M-eth-Ent- schädigung beträgt 350 Mk. für jeden Lehrer und 450 Mk. für jeden Oberlehrer.
A Rixfeld, 26. November. DaS zweijährige Kind deS LandwtnhS Heinrich Groh spielte im Nachbarhause mit anderen Kindern. Hierbei stürzte eS in einen auf der Erde stehenden Topf, der mit heißem Wasser gefüllt war, und verbrühte sich derart, daß eS ei'ige Stunden darauf unter den gräßlichsten Schmerzen seinen Geist aufgab.
Gieße», den 28. November 1896.
• * Kirchliche Dienpnachrichte«. Am 30. October wurde dem Pfarrer Gotha zu Undenheim die kaeholische Pfarrstelle zn Mainflingen, im Decanat Seligenstadt, mit W>rknng vom 11. November an, — am 10. November wurde dem Pfarrer Bettel zu Unter-Schönma'tenwaa die katholische Pfarrstelle zu Zornheim, im Decanat Nieder O m, mit Wirkung vom 19. Nov'wber an, — cm 12. November wurde dem Piar-verwalter Josef Rudolf zu Heimersheim, im Decanat Alzctz, die katholische Psarrst lle daselbst, — an demselben Tage wurde dem Pfarrer Otto zu Armsheim die katholische Pfarrstelle zu Nackenheim, im Decanat Oppenheim, übertragen.
• * Erledigte Lehrerfielle«. Erledigt sind: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schoasheim, Kreis Dteburg, mit einem nach dem Dienstalter fich bemessenden jährlichen Gehalte von 950 bis 1000 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- dienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schneppenhausen, Kreis Darmstadt, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kostheim, Kr. Mainz, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000—1500 Mk.
• • Schuldienst-Nachrichten. Am 29. October wurde dem Schullehrer Ludwig Hnnrtch Müller zu Frischborn eine Lehrtrstelle an der Gemeindeschule zu PohlGvnß, Kreis Fredberg, — an demselben Tage wurde dem Schulamts- aspiranten Pcter Buch zu Oder Rotdach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stammheim, K eis Friedberg, — am 31. Ociober wurde dem SchulamtSaSpiranten Martin Jung au» Gensingen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heimertshausen, Kreis Alsseld, übertragen/ — am 4. November wurde der von dem KreiSrath zu Groß Gerau, sowie d'w katholischen Pfarrer und OrtSvorstand zu Gernsheim präsenttrte Schullehrer AlohS Müller zu Herbstein, KieiS Lauterbach, für diese Stelle beftäiigt; — am 7. Noobr. wurde dem Schulverwalier Aoton Link zu Harheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Mörlen, Kreis Friedberg, — am 11. November wurde dem SchulamtSaSpiranten Jacob Bergmann auS Dietesheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Zornheim, Kreis Mainz, — am 14. November wurde dem SchulamtSaSpiranten Friedrich Eimer au« Nieder-Wöllstodt eine Lehrerstelle an der Gerne vdeichule zu Oder Olmen, Kreis AlSfeld, — an demselben Tage wurde dem SchulamtSaSpiranten Gustav Eichelmann aus Steinfurth eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß Eichen, Kreis Schotten, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Adam Ebert zuKimbach eine Lehrristelle an der Gemeindeschule zu Babenhausen, Kreiß Dieburg, übertragen- — an demselben Tage wurden die Schulverwalterinnen an der höheren Bürgerschule zu Ober- Jagrlh irr Auguste Frey und Anna Ladage zu Lehrerinnen an ti.-ser Anstalt, unter Belassung in der Kategorie der BolkS- schullehreri'rnen, ernannt.
*♦ »BogelSberger tzöheuelub". Freunde des Schneeschuhsports auf ein ganz besonders geeignetes Gebiet ousm'rksam zu- machen, ist der Zweck dieser Zeilen. Der Vogelsberg, insbesondere in seinen höheren und höchsten Lagen bietet dem Schneeschuhläuser ein Terrain, wie er eß fich nicht schöner wünschen kann. Der hohe Vogelsberg (der sogenannte Oderwald) bildet ein Hochplateau von mehreren Stunden Ausdehnung. Die Höhenlage des OberwaldeS, zwilchen 600—800 Meter, wie überhaupt die cltmatischen Verhältnisse gewährleisten in der Regel ein wehrmonatlicheS ununterbrochenes Liegenbletbcn des Schnee«. Die ausgedehnten Triften und Haiden find zu größeren Touren wie geschaffen, die Abhänge bieten ausreichende Gelegenheit, die Kunst deS Laufens auch auf coup rtem Terra n zu üben. Bis j tzi find dem Schneeschuhsport nur wenig (im Gebirge an säifige) Jünger erwachsen, dagegen wird derselbe, wenn auch weniger sportmäß g, als in Ausübung deS schweren Winterdienstes von den höheren und niederen Forstbeamten auf« Eifrigste gepSogen. ES ist ohne Zweifel, daß die vorzüglichen Kchneebahnen bezw. -Flächen in Kürze einen größeren Zuzug auch von auswärtigen berufrmLßgen AnSübrrn deS schönen Sports nach nuferen Bergen verursachen und wird denselben ganz gewiß von den einheimtschen gerne Unter Weisung und Btihülfe za Theil werden. Allen Denjenigen, welche einen Versuch zu mache» fich entschließ-n, wird vo» Vorstand des Vogelsberger Höven ElubS (z. H deS Herrn Rechner Earl Glock in Schotten) aufs Bereitw'.lligste AuS-
PermiWUi.
* Eo^geht eS zu! Bei dem Schwurgericht zu Berliu wurde am Dienstag eine Ankla ge wegen wiederholter schwerer Urkundenfälschung gegen den erst 20 Jahre alten Justizanwärter Erich Zimmer verhandelt,- neben ihm saßen auf der Anklagebank GaftwirthSfran Bertha Schleifer und die Kellnerinnen Anna Thunig und Helene Sellin unter der Anklage der Hehlerei. Der erste Angeklagte hat in verschmitzter und dreister Weise 16 Urkundenfälschungen begangen. Er war als Justizanwärter am Amtsgericht II thätig, lebte aber keineswegs so, wie eß den beschetdenr« Verhältnissen, worin er groß geworden ist, entsprach er hatte Freunde, deren Kasse weit größer war, als seine eigene, er reichte mit seinem Taschengeld nicht auß und ließ fich nun dazu herbei, fich aus verbrecherische Weise Geld zu verschaffen, nm sein lockere« Lebe» fortsühren zu können. Er verschaffte
vrillgerloh«.
Durch die Post dezog« 2 Mark 50 Pf-.
Krbaction, Lrpkdttt« und Druckerei:
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