Ausgabe 
29.10.1896 Erstes Blatt
 
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säure,'enthaltend im Thomasmehl, düngen solle, so sei dieselbe zu bejahen, da die meisten Wiesen arm an PhoSphorsäure seien. Die Annahme, daß 1 Ctr. Thomasmehl und 5 Ltr. Kainit der Normaldüngung eines Morgens entsprechen, hat sich nicht be­währt, ein Centner Thomasmehl habe gar keinen Erfolg ge- habt, denn Versuche dam't auf armen Wiesen haben ergeben, trotzdem alle Borbedmgungen günstig waren, daß die aus­gehungerten Pflanzen die Phosphorsäure nicht aufzunehmen vermochten, indeß konnten sich die Pflanzen für den nächst« jährigen Sommer kräftigen- es wurden auf einer Versuchs­wiese, die vorher 15 Ltr. Heu ergeben, in dem der Düngung folgenden Jahre 45 Ctr. geerntet, allerdings bet Anwendung von drei Centnern PhoSphorsäure. Wenn der Ertrag einer Wieie aufS höchste durch reiche Düngung mit PhoSphorsäure gesteigert sei, so genüge in der Folge eine geringere Dünger- meoge. Die Ersahruog lehrte, daß nach dem ersten Jahre der Erfolg nicht beurtheilt werden kann. Versuche haben er­geben, daß eine reichliche PhoSphorsäuredüngung (16 Ctr. Thomasmehl) sechs Jahre vorhält, in welchem Zeitraum sich der Mehrertrag auf 227 Ctr. pro Hectar berechnete- es sei sonach eine Ueberschußdüngung für sehr arme Wiesen rationell. Nehme man den Ertrag eines Hectars Wiese mit durchschnittlich 100 Centner Heu an, so wird durch dasselbe dem Boden ca. 70 Pfd. PhoSphorsäure entzogen. Diese müßten wieder ersetzt werden, und zwar durch 4 Ctr. Thomasmehl, welche die 70 Psd. PhoSphorsäure enthielten. Die Wiese mit Super- phoSphat zu düngen, empfehle sich nicht, dasselbe sei zu theuer, es sei dasselbe nur zu empfehlen, wenn die PhoSphorsäure rasch wirken soll, etwa im Frühjahr- auch die Düngung mit Knochenmehl sei nicht rationell, nöthigensalls zulässig bet humusreichem Boden, Thomasmehl sei leichter löslich. Herr Prof. Wagner ging hierauf auf die Kali frage über. Kalt set ein unentbehrlicher Stoff für den Pflanzenwuchs, aber kaltreiche Böden seien selten, besonders set der Wtesenboden relativ arm au Kali. 100 Pfd. von den Pflanzen aufgenommene PhoSphorsäure machten den Ersatz durch 340 Pfd. Kali nöthig, Lehm- und Thonbödeu seien kainithaltiger, deshalb sei ein Ersatz in gleichem Maße nicht nöthig. Wenn man von einer einen Morgen großen Wiese 25 Centner Heu ernte, so wüste der dadurch dem Boden entzogene Stoff ersetzt werden durch 1 Ctr. Thomasmehl und 5 Ctr. Kainit, set der Heuertrag größer, so mllste auch mehr Thomasmehl und Kainit verwendet werden. WaS die Kalkdüngung betreffe, so sei Kalk nicht nur als Pflanzennährstoff, sondern auch als physikalischer Bestendthetl guten Bodens zu betrachten - kalkarmer Boden set unfruchtbar, selbst wenn er sonst noch so gut gedüngt werde, der Boden müffe mehr Kalk erhalten, als dte Pflanzen aufnehmen können. Man solle daher, bevor man an eine rationellere Düngung mit anderen Stoffen denke, den Boden auf Kalkgehalt prüfen- die Probe laste sich leicht anstellen, indem man einen Theelöffel Erde in einem Wasterglase mit ver­dünnter Salzsäure übergieße. Ist die Erde kalkhaltig, so erfolgt ein Aufbrausen der Mischung. 10 Ctr. gebrannter Kalk oder 20 Centner Kalkmergel pro Morgen werden nach einigen Jahren aufgezehrt fein, denn in 100 Ctr. Heu sei 1 Ctr. Kalk enthalten. Wenn man nun berücksichtige, daß mit 4 Ctr. Thomasmehl dem Boden 1 Ctr. Kalk zuzesührt werde, so sollte man meinen, daß ein besonderer Ersatz an Kalk nicht nöthig sei. Dies set aber irrig, denn der im Thomasmehl enthaltene Kalk verwandle sich in Kainit und werde unlöslich. Gehr arme Wiesen an Phosphorsäure, Kali und Kalk find zu düngen mit gebranntem Kalk (etwa 10 Ctr. pro Morgen), 3 bis 4 Ctr. Thomasmehl, 5 Ctr. Kalt. Dann soll auf je 100 Ltr. geerntetes Heu tm Herbst gedüngt werden mit 4 Ltr. Thomasmehl, 20 Ctr. Katntt, 4 Ctr. Kalk. Die Versuche über die Wirkung der Düngung find e nsach. Von einem in 12 Parcellen getheilten Stück Wiese dünge man 3 Parcellen gar nicht, 3 Parzellen mit Thomas­mehl (3 Ctr. auf den Morgen gerechnet) und Kainit (5 Ctr. pro Morgen), ferner 3 Parcellen nur mit Kainit und 3 Parcellen nur mit Thomasmehl. Man solle dann diese verschiedenen Düngungsversuche auf ihre Wirkung prüfen und ihm mittheilen, wonach er dann Anweisung zur Düngung geben könne. Herr Prof. Wagner behandelte schließlich noch dte Frage der Stickstoffdüngung. Das Bedürsntß der Pflanzen nach Stickstoff sei ein ziemlich große-, denn in 100 Ctr. Heu fänden sich 187 Pfund Stickstoff. In der Regel sei für dte Wiesen eine besondere Stickstoffdüngung nicht nöthig, denn die Pflanzen ziehen den Stickstoff aus der Lust, auch Zersetzungsstoffe, Abfälle usw. liefern Stickstoff. Doch gebe es auch Ausnahmen. Wenn auf Wiesen einige Jahre hintereinander die kleeartigen Gewächse kräftig ge­deihen, so werde schließlich die Wiese kleemüde, dann sei eS ein Bortheil, mit Jauche zu düngen, dadurch würden die Gräser erhalten, welche dte Kleemüdtgkeit der Wiese ver­hinderten. Redner legte am Schluffe seines Vortrag- den Anwesenden dte rationelle Düuguug der Wiesen ans Herz, dte dadurch erztelten höheren Erträge geben dem Landmanu die Mittel zur Verbesserung seines Biehstandes und damit zur Verbesserung des für den Ackerbau nöthigen Stall­düngers. In der folgenden, von Herrn Sch lenke ein­geleiteten Dt-cusfion wurden besonder- hervorgehoben die Schwierigkeiten, welche fich dem Bezug von Düngemitteln durch kleine Landwirthe entgegenstellten, eS wurde für nöthig erachtet, daß dte Gemeinden den Bezug im Großen über­nehmen und daß besonders auch auf Gemetndewiesen die an­gedeuteten Versuche auSgeführt werden möchten. Dte Ge­meinden müßten mit gutem Beispiele oerangehen, sonst bleibe Alle- beim Alten- weiter wurde aber auch darauf hin- gewtesen, daß die landwirthschaftlicheu Vereine den Bezug der Düngemittel bereit- in dte Hand genommen und daß namentlich Seiten- de- landwirthschaftlicheu Bezirk-Verein- Gießen Bestellungen auch im Kleinen besorgt würden. Auch über die bereits unternommenen Düngeversuche einzelner Landwirthe und Gemeinden wurden dte Meinungen ausgetauscht.

Ueber die Errichtung von Herdbüchern nach den Beschlüffen des AuSschuffeS referirte Herr LandwirthschastS- lrhrer Leithiger von Alsfeld. Don deu Beschlüffen, welche

bereits die letzte Generalversammlung der drei landwirth- schaftlichen Provtnzialveretne in Sachen der Hebung und Förderung der Viehzucht nach rationellen Zuchtmethoden, ferner der landwirthschaftliche Bezirksverein Gießen gefaßt, find nach den Darlegungen des Herrn Leithiger diejenigen zunächst ausführbar, welche geringe Mittel beanspruchen, da über größere Mittel, besonders staatliche Zuwendungen, noch nicht verfügt werden kann. Als Grundlage, auf welcher die Entwickelung der Zuchtfrage weiter behandelt werden soll, hat der Provinzialverein die Aufstellung von Herdbüchern bezeichnet und hat danach der Ausschuß Vorlage über die bezüglichen Bestimmungen und dte Eiurtchtung solcher Herdbücher gemacht. Herr Leithiger gab Kenntniß von diesen Bestimmungen. Danach find für jede der in Oberhessen in Betracht kommenden Vieh- raffen, daS Vogelsberger und das Simmenthaler Rind, Herd­bücher einzurichten. Der Zweck, die Viehzucht zu verbessern, soll erreicht werden durch Körung geeigneter Zuchtthiere, Führung von Herdbüchern, Veröffentlichung der Herdbücher, Heranziehung der Zuchtvereine zu den Arbeiten und Zielen, welche die Herdbücher erstreben. DaS Ziel der Viehzucht ist Dollblutzucht beider Raffen. Dte Führung der Herdbücher besorgt der Vorstand deS ProvtnzialvereinS, dte Körung erfolgt durch KreiScommtsfionen. ES folgen Bestimmungen über Ein­tragungen und Kennzeichen der Thiere, sowie die Controle. Dte Herdbücher werden veröffentlicht, sobald 200 Thiere einer Raffe eingetragen find. Eine Discuffion über diese Bestimmungen fand der vorgerückten Zeit w-gcn nicht statt. Vor Schluß der Versammlung theilte Herr Sch lenke mit, daß der Ausschuß schon früher beschloffen, den Herrn Kammerrath Weber in Laubach, welcher von 1862 bis 1895, also über 30 Jahre, die Geschäfte beß ProvtnzialvereinS als Secretär geführt, in Anbetracht seiner Verdienste, zum Ehren- mitgliede deS Oberhessischen landwirthschaftlicheu Provinzial­vereins zu ernennen. Die Versammlung schloß fich einstimmig dem Beschluß deS AuSschuffeS an.

Verlegung deS BiehmarkleS. Folgende, von 332 Vieh­händlern aus 68 Orten unterzeichnete Petition ist heute an die Stadtverordneten-Versammlnng eingereicht worden:

Nachdem in den Kreisen der unterzeichneten Händler daß Project der Verlegung des MarkieS hinter die Bahn­höfe in feinen Einzelheiten bekannt geworden ist, haben wir die Ueberzeugung gewonnen, daß dte geplante Ver­legung weder zu unserem Vortheil, noch zur Frequenz des Marktes selbst beitragen kann.

Wenn eS auch im Jntereffe der raschen Abwickelung der Geschäfte nur von Vorttzeil sein kann, wenn der Marktplatz mit einem Bahnanschlußgeleise versehen ist, so ist die- doch kein unabweisbares Bedürfniß und wird nach unserer Anficht bei deffen Nichtvorhandeusein der Markt mit nicht weniger Vieh befahren werden.

Dagegen müffen wir entschieden Front gegen die beab- fichtigte Errichtung eine- BirhhofS machen, da abgesehen davon, daß ein solcher bei einem Zuchtviehmarkt, wie der hiefige, nicht nöthig ist, würde, wenn in einer Stallung desselben nur ein Stück Vieh für seuchenverdächttg ge­halten würde, sofort der ganze Stall gesperrt werden und der hiervon betroffene Händler müßte unberechen­baren Schaden erleiden, so daß hierdurch unter Umständen die ganze Existenz beß Marktes in Frage tarne, denn welcher Händler wird rtsktren wollen, daß ihm fein Bteh unter Umständen wochenlang gesperrt wird, er wird alsdann sicher den hiesigen Markt zu vermeiden suchen und auf nichthessischen Concurrenzmärkten, wo die sani­tären Vorschriften weniger rigoros find, seine Geschäfte abschließen.

Hierzu kommt noch, daß die Kosten für unS wesentlich höhere würden, da doch die Zinsen und Amortisation deS bedeutenden AnlagecapitalS, sowie die hohen Verwaltung-- kosten aus den Stall- und Futtergeldern gedeckt werden müßten, während wir jetzt an Niemanden gebunden find. Glauben wir von unserem Stallwirth übervortheilt zu werden, so können wir jederzeit andere Unterkunft bekommen.

DaS, was dem hiesigen Markt fehlt und um was wir ergebenst bitten, ist:

Die Beschaffung eineß geräumigen Platze- zur Abhaltung de-Markte-, mit genügendem Raum zum Zu- und Abtrieb, einem Musterplatz, der von allen Theilen leicht zu erreichen ist, Hallen zum Schutze der Menschen und Thiere bei ungünstigem Wetter und anständige Behandlung Seiten- de- AusfichtS- und Beamtenpersonals.

Indem wir bemerken, daß heute nur ein ver­schwindend kleiner Theil der 53 Petenten, welche zur Zeit für die Verlegung beß Markte- eintraten, den gleichen Standpunkt wie damals einnimmr, um so mehr, da der nun vorgesehene Platz kaum näher an dem eigentlichen Bahnhof fich befindet, wie der seitherige Marktplatz, so hoffen wir, daß verehr- ltcher Stadlvorstand die geplante Verlegung hinter die Bahnhöfe, sowie die Errichtung, bezw. Erbauung von Viehhöfen, als den Handel und Verkehr schä­digend unterlaffen möge."

* * Die Veranstaltungen derWanderer", Gießener Rad- fahrergefellschaft, am letzten Sonntag, den 25. MtS., ver­liefen in der schönsten und zufr edenstellendsten Weise. An den Rennen am Vormittag auf der Landstraße nach Lollar beteiligten fich zehn Fahrer und e» errangen die auS- gesetzten Preise: a. beim Erstfahren über 5000 Meter: l.PH.RicolauS in 14i/, Min., 2.W.Bergin 14»/. M>n., 3. A. Schwab in 15*/, Min., b. beim Hauptfahren über 5000 Meter: 1. Carl Duill in 10 Min. 42 ©ec., 2. Wilh. Hamel in 10 Min. 50 ©ec., 3. PH. Nicolaus in 11 Min. 14 See. Hierbei entspann fich ein sehr intet» effanter und spannender Endkampf zwischen dem dritten und dem folgenden Fahrer, Ad. Noll, welcher kurz vor dem

Band überspurtet wurde. An der am Nachmittag stat^» gehabten Schnitzeljagd waren etwa 35 Mitglieder beteiligt,, welchen diese in Gießener Radfadrerkreisen bisher noch nicht bekannte Veranstaltung besondere- Vergnügen gewahrte. Die als Füchse mit zwei Stunden Vorsprung fungirenden Fahrer hatten ihre Aufgabe, die Jäger irrezuführen, so gut gelöst, daß ein großer Theil derselben erst nach mehrstündigen Irr­fahrten den Endpunkt erreichte. Die ausgesetzten Preise wurden in folgender Reihenfolge gewonnen: 1. Wilh. Hamel, 2. PH. Nicolaus, 3 Aug. Schwab, 4. I. Wirth- mann. Abends fand ein sehr gut besuchter Commerß auf TextorS Terrasse statt. Nach den Begrüßung-worten beß ersten Vorsitzenben, Herrn Wilh. Hornberger, folgten in angenehmer Abwechselung gemeinschaftliche Gesänge, komische Vorträge, Mufikpiecen unb eine große Reihe von Toasten. Bei der PreiSoertheilung, welche der erste Vorfitzenbe mit entsprechenben Worten einleitete, konnte er die erfreuliche Mittheilung machen, daß der 1. Preis bei der Schnitzeljagb, ein prachtvoller Regulator, von dem Gewinner, Herrn Wilh. Hamel, denWanderern" für das Vereinszimmer bedicirt worben ist. Ein kräftigesAll Heil" war bie Antwort. Allen Anwesenben, insbesondere auch den Damen unb den als Gästen zahlreich erschienenen Freunden derWanderer" wird diese Veranstaltung noch lange in angenehmer Er­innerung bleiben.

Spiritistische Soiree. DaS Künstlerpaar Flh unb ©labe, Spiritisten unb Gedankenleser, daS zuletzt in Berlin in Krolls Theater sowie vor kurzer Zeit auch in Hannover im Tivoli Concertsaale mit außerordentlichem Erfolge auf» trat, beabsichtigt am Sonntag, den 1. November in Stein- Saalbau eine Vorstellung zu geben, worauf wir schon heute Hinweisen wollen. Wie Kaffeler Zeitungen bereit- an­zeigen, treten die Künstler am 28. d. MtS. im Hanusch- Saale auf.

* * Ueber bie Leipziger Sanger, welche Freitag unb Sam-tag in Steins Saalbau wiederum auftreten,, schreibt dieGvtt. Ztg.":Wer die gegenwärtig hier int Colosseum auftretendenLeipziger Sänger" gesehen hat, wird gern zugeben, daß fie ihrem Domicil, den Ciystallpalast in Leipzig, alle Ehre machen. Was auf den Zuschauer einen besonder- anheimelnden Eindruck macht, ist neben der äußeren Eleganz die gediegene und gut vollendete Vortrags­weise. Auch bas Programm be- gestrigen Abend- war sehr abwechslungsreich unb becent gehalten. Reichen Beifall ernteten bie Einzelvorträge wie auch bie Quartettvorträge, in welchen neben Präcifität ein prachtvolle- Stimmmaterial unb große Innigkeit Au-bruck fanden, wahrend der aus den übrigen Nummern hervorsprudelnde ungezwungene Humor in seiner Originalität nicht- zu wünschen übrig ließ unb oft nicht enben wollenden Jubel hervorrief. Al- einzig in ihrer Art dürften da die Herren Belzer al-tanzender Zwergs Rafaeli alsDamenimitator" und Hanke alsEin Er­leuchteter" zu nennen fein. Die wiederholten Beifalls- dezeugungen nöthigten die Vortragenden zu stets neuen Ein­lagen. Man darf wohl sagen, daß der den Leipzigern biß jetzt zu Theil gewordene gute Besuch wohlverdient ist unb daß auch die noch stattfindenden zwei letzten Vorstellungen fich eineß solchen erfreuen werden."

* *H. Stadttheater. Auch die gestrige Vorstellung des Schliersce'r Bauern-EnsemblesDte Z'wtderwurzen" war wiederum von schönstem Erfolg für die Gäste begleitet Da- Stück selbst hätte jedoch entschieden Schiffbruch gelitten durch daß Schleppende der Handlung, welche der Verfasser nach seinem gleichnamigen Roman breit in 5 Acten aufgebaut hat. Nur bie Kunst bet Darsteller vermochte über bie Klippe ber Langweile im brüten unb vierten Acte hinwegzuhelfen. Die heutige Schlußvorftellung ber Schlierfee'r bringt baß ewig zugkräftige StückDer Herrgottfchnitzer von Ammergau", mit welchem fich bie BauernkÜnstler von unß verabschieden.

* * Stadltheater. Die längst in Vorbereitung befindliche Schwank-NovitätDie Dragoner" geht am nächsten Freitag in Scene, worauf wir schon heute aufmerksam machen wollen. Mit dieser Aufführung beginnen wieder btt Abonnements- Vorstellungen ber hiesigen Bühne.

Befitzwechsel. Die Katz en stet n'sche Besitzung am alten Riegelpsab ging für den Preis von 57,500 Mk. in den Besitz ber Stadt über; hiermit wäre baß letzte Hinder­niß zur Eröffnung der Liebigstraße biß zur Frankfurterstraßt gefallen.

Für treue Arbeit. Aus hiesigem Rretßamte wurde gestern Nachmittag durch Herrn Regierungßrath Mellor dem Küfer Heinrich Robenhausen II. auß Wieseck, welcher seit 45 Jahren ununterbrochen bei ber Firma 9g. Heinrich Schirmer hier beschäftigt ist, baß von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog gestiftete allgemeine EhrenzeichenFür treue Arbeit" am Banbe zu tragen überreicht. Bom der­zeitigen Inhaber der Firma Herrn Heinrich Schirmer wurde- derselbe für seine langjährige treue Arbeit mit einem an­sehnlichen Geldgeschenk bedacht. Vorstehendes ist gewiß ein Beweis von den guten Beziehungen, welche zwischen Arbeit­geber und Arbeitern der Firma Gg. Heinr. Schirmer bestehen-

* Fahrpreisermäßigung auf Eisenbahnen. Vom erstem November ab tritt, wie bieOffenb. Ztg." meldet, in Bezug auf die Fahrpreisermäßigungen für Gefell- fchaftsfahrten eine Aenderung beß bisherigen Verfahren» in ber Weise ein, baß bieieiben nicht mehr ausschließlich von den königlichen Eisenbahnbirectionen, sondern In den meisten Fällen von den Vorständen der Reiseantrittsstationen bewilligt werden. Letztere find zuständig, wenn eS sich nm die Be­nutzung von Personen- unb gemischten Zügen unb um Reisen nach Stationen deS eigenen DireciionSbezirkS handelt und die Gesellschaft nicht über 100 Personen zählt. In allen anderen Fällen erfolgt die Entscheidung durch bie königliche Eisenbahndirection. Auch bie Fahrpreisermäßigungen für lanbwirthschaftliche Arbeiter zur Benutzung ber vierten Wagenk affe werben nach wie vor nur von den königlichen Sisenbahndtreetionen bewilligt.