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29.3.1896 Erstes Blatt
 
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iflr 76 Erstes Blatt. Sonntag den 29. März

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Anrts- und Anzeigeblntt für den ICreis Gietzen

Hratisbeilage: Hießener Jamirienökätter.

»«nahm, öoe Anzeigen zu der Nachmittag« für de, felgenden Lag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.

Deutsche» Reich.

Berlin. 27. April. DaS Börsenreformgesetz stützt in der Gestalt, welche eS durch die Beschlüsse der ReichSlags- eommisston erhalten hat, auf Widerspruch bet verschiedenen I VuodeSregterungen. Speciell wird gemeldet, dah die baye« I rische Regierung ihren Bevollmächtigten zum Bundes« rothe Anweisungen zugehen lassen werde, gegen daS Börsen« I grsctz in der CommisfionSfafsung zu stimmen. Die bayerische I Regierung soll namentlich befürchten, datz mehrere der Lorn« I «isfionSbeschlüsse die Folge haben könnten, einheimisches Geld bin ausländischen Börsen und Werthen zuzudrängen. Zunächst | wird eS indessen wohl darauf ankommen, welche Stellung da« ReichStagSplenum in der zweiten Berathung des Börsen« gesetzeS zu den Belchlüffen seiner Commission einnimmt.

Dem preutzischen Abgeordnetenhause ist bet in der Thronrede angekündigte Entwurf eines Gesetzes ßber die Handelskammern jetzt zugegangen. Nach einer längeren Mtttheilung der halbamtlichenBerl. Corresp." «er die Grundzage des geplanten Gesetzes verfolgt dasselbe ben Zweck, die Handelskammern für das gesammte preutztsche Staatsgebiet obligatorisch zu machen. Der Handelsminister hat die Errichtung und BeztrkSbegrenzung der neuen Handels- | kovemern zu bestimmen. Jene bisherigen Handelskammern, | »eiche sich als leistungSunfähig erwiesen haben, bleiben be­stehen, diejenigen Kammern aber, die weder leistungsfähig flttb, noch durch Angliederung benachbarter Bezirke in ihren Leistungen gehoben werden können, hören auf, selbstständig |u sein, doch sollen ihnen gewisse Berechtigungen eingeräumt ►erben. Hinsichtlich der auf Freiwilligkeit der Mitgliedschaft beruhenden kaufmännischen Körperschaften spricht das Gesetz beten grundsätzliche Einbeziehung in die neue Handelskammer Organisation mit bestimmten Ausnahmen aus, dagegen wird das Handwerk von letzterer ausgeschlossen bleiben. DaS Wahlrecht und die BettragSpfltcht für die neuen Handels­kammern sind von der Eintragung des FtrmeninhaberS ins Handels«, bezw. Genossenschaftsregister, sowie von der Der« nlogung zur Gewerbesteuer abhängig. Die Bestimmung befl Wahlsystems überläßt daS Gesetz grundsätzlich den ein« zelnen Handelskammern, allerdings vorbehaltlich der staat« lichen Genehmigung- nur unterstützungsweise ist die Errich« httg von zwei Wahlabtheiluugen. deren jede die Hälfte der vtitglieder zu wählen hat, vorgesehen. Die Befugnisse der Handelskammern erfahren eine Erweiterung darin, daß sich bie letzteren über Maßregeln der Gesetzgebung und Verwal­tung, welche entweder allgemeine Interessen von Handel und tzewerbe ober besondere Interessen der Handel- und Ge­werbetreibenden in den betreffenden Bezirken berühren, zu Lutzern haben. Ferner sollen sie zur Begründung, Unter­haltung und Unterstützung von Anstalten und Einrichtungen, welche die Förderung von Handel und Gewerbe und die Ausbildung der darin beschäftigten Gehilfen und Lehrlinge '^zwecken, befugt sein. Auch die eigentlichen Verwaltungs­ausgaben der Handelskammern erfahren eine nicht unwesent­liche Erweiterung,- schließlich werden ihnen die Rechte einer jnristischen Pe.sönlichkeit verliehen.

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Gießen, 28. März 1896.

** Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigft geruht, am 25. März den Registrator bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Karl Beith zum GerichtSschreiber bet dem Amtsgericht Homberg mit Wirkung vom 1. April b. I. an zu ernennen.

* Ordensverleihungen. Se. Kgl. Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigft geruht, den GrrichtSmännern KaSpar Schmi dt in Lauter und Georg Schmidt II. in Harbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift Für langjährige treue Dienste", dem Bureauvorsteher Ludwig Ferber in Friedberg das Silberne Kreuz deL Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

*-' Auszeichnung. Wie dasMainzer Journ." erfährt, verlieh der Kaiser dem Provinzialdttector Geheimrath Rothe den Stern zum Kronen-Orden 2. Klasse, dem Ober­bürgermeister vr. Gaßner den Rothen Adler-Orden 3. Klaffe. Diese Auszeichnungen sind auf die letzte Anwesenheit deS Kaisers in Mainz zurückzuführen.

** Der Gesetzentwurf über das Straßevbauwefeu ist an ben hessischen Landtag gelangt. Mit dieser umfassenden Gesetzesvorlage sollen sämmtltche Staatsstraßen den Kreisen überwiesen und daS geltende Straßenbaugesetz aufgehoben werden.

** Petition an den Stadtvorstand. Nachdem die von den der hiesigen SchlachtviehverficheruugS - Gesellschaft nicht an» gehörenden Metzgern Zwecks Aufnahme als Mitglieder in die Gesellschaft geführten Unterhandlungen als gescheitert zu betrachten find, ist eine von 24 hiesigen Metzgern unter­schriebene Petition an den Stadtvorstand abgesandt worden mit der Bitte und Begründung, eS denselben zu gestatten, eine weitere SchlachtviehverficherungSkaffe zu gründen, welche denselben Beamten in Führung und Leitung unterstellt werden soll. Jeder hiesige Metzger kann die Mitgliedschaft erwerben.

* Postalische». Vom 1. April an werden die Post­schalter schon um 7 Uhr Morgens geöffnet sein.

* * Kaufmännische Fachschule. Gestern Abend von 7i/2 bis 10 Uhr fand im BereinSlocal die Prüfung der kaufmännischen Fachschule statt. ES wurde geprüft Rechnen durch die Herren Lehrer Habicht und Will, Fran­zösisch durch Herrn Lehrer Koob und Buchführung und Wechsellehre durch Herrn Lehrer Knauß. Die Antworten der Schüler, sowie die auSgelegten Arbeiten zeigten, daß dieselben gut unterrichtet und mit den Gegenständen vertraut waren. Mau gewann überhaupt die Ueberzeugung, daß die kaufmännische Fachschule Gießens auf der Höhe der Zeit steht

virrtrljLhriger XSowncmeubpreUs 2 Start 20 Psg. miß vringrrlohn. Durch bie Post bejogsr 2 Mart 50 Pf«.

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Der Hießener Anzeiger rscheint täglich, »tt Ausnahme be« Montag».

Die Gießener AamikienSrätier »erden bem Anzeiger wöchentlich breimal betfleleyt

Konstantinopel,27. März. Nachdem Fürst Ferdinand von Bulgarien gestern von der Audienz vom Sultan in daS Palais KurutscheSma zurückgekehrt war, überbrachte ihm der Sohn des Sultans, Prinz Achmed Effendi, die Insignien des Jmtiaz-OrdenS in Brillanten. Gestern Abend fand im Palais KurutscheSma ein Diner zu 24 Gedecken statt. Heute machten der Exarch und die Delegtrten des ökumenischen Patriarchats dem Fürsten ihre Aufwartung.

Dwrfch« bei »«reo .Herold*

Berlin, 27. März. DenBerliner Neuesten Nachr." zufolge beabsichtigt sich Reichskanzler Fürst Hohenlohe in diesen Tagen zu einem Landaufenthalt nach Süddeutschland zu begeben.

Berlin, 27. März. Der Hofprediger a. D. Stöcker wirb, wie die heutigen Blätter melden, auf die Angriffe des Vorsitzenden des deutsch.konservativen WahlvereinS, Oberst z. D. Krause, in der heute herauSgegebenen Broschüre am 8. April in einer christlich-socialen Versammlung in der Tonhalle antworten. Die Versammlung soll im Anschluß an den christlich-socialen Parteitag für Nord« und Ost-Deutsch­land tagen.

Berlin, 27. März. Die gestrige VorstaudSfitzung der Berliner Abtheilung der deutschen Colonial- Gesellschaft stellte fest, dah bezüglich der Angelegenheit Peters weder eine Sitzung stattgefunden hat, noch eine Resolution irgend welcher Art beschlossen worden ist. Der Vorstand erklärte dagegen, daß er nach den ihm bisher zur Kenntniß gekommenen Thatsachen und Aktenstücke die feste Ueberzeugung gewonnen hat, daß cs Dr. PeterS gelingen werde, alle gegen ihn erhobenen Anschuldigungen zu wider« legen. Der Vorstand spricht die bestimmte Erwartung auS, daß im Interesse der coloniabn Sache die ReichSregterung das gegen PeterS eingeleitete DiSciplinar-Berfahreu ohne | Zögern zu Ende führen werde.

Berlin, 27. März. Wie dieRai. Ztg." hört, hat der Schriftführer der Abtheilung Berlin der deutschen Colonial- Gesellschaft, Dr. Grosse, sein Amt niedergelegt.

Berlin, 27. März. Es wird derDeutschen Tages­zeitung" berichtet, daß nicht nur die LandwirthschaftSkammer sich mit der Frage des Verbots des Terminhandels beschäftigen werde, sondern daß auch eine Anregung an die GenossenschaftSverbände, und zwar sowohl an den Neuwieder wie an den Offenbacher ergangen sei, Stellung zu dieser I Frage zu nehmen.

Berlin, 27. März. DasVerl. Tageblatt" schreibt: I Gutem Vernehmen nach ist jetzt an die sächsische Regierung die Verständigung gelangt, daß auf Grund einer Vereinbarung I zwischen Berlin und Wien im Laufe deS Monats Mai eine Conferenz in Dresden über die geplanten Bauprojekte deS Donau-Oder« und Donau-Elbe«CanalS zusammen« treten wird. Zu der Conferenz Werden außer den staat« I lichen Delegirten und hervorragenden Wafferban-Technikern auch Autoritäten auf zollpolitischem Gebiete zugezogen werden.

Berlin, 27. März. DieVoss. Zig." meldet auS Kairo, daß die internationale Commission zur Verwaltung deS egyptischen Reserve-Fonds den beanspruchten Credit für den Zug nach Dongola mit Stimmenmehrheit de- I Willigt hat.

Berlin, 27. März. Ein Vetter der verhafteten Fritz und Hermann Friedmann, der Kaufmann Eugen Fried« mann, ist in daS UntersuchungSgesängniß Moabit eingeliefert worden. Bei ihm befinden sich die Kinder deS in Bordeaux in Hast gehaltenen Fritz Friedmann. Der Verhaftete war früher Direktor der hiesigen Jmmobilienbank und ist auf Antrag deS Nachfolgers im Direktorium wegen Unterschlagung I verhaftet worden.

Berlin, 27. März. In der Jungfernhaide hat heute Morgen ein Pistolen«Duell zwischen einem Kürassier-Offi­zier, dem Rittmeister Hühnerbein, und einem Assessor stattgefunden. Der Rittmeister erhielt einen Schuß in den linken Unterschenkel. Zwei Aerzte brachten ihn in ein Ber­liner Krankenhaus. Heber die Ursache des Duells wird in beteiligten Kreisen strengstes Stillschweigen beobachtet.

Berlin, 27. März. DieBoss. Ztg." meldet aufl Brüssel: Der belgische Gesandte in .Berlin hat dem deutschen Auswärtigen Amte mitgetheilt, daß die belgische Regierung zu Unterhandlungen bereit sei, um daS belgische Eisenbahnnetz an die deutsche Eisenbahnlinie Malmedy anzuschließen.

Weißenfels, 27. März. Heber der Roßbacher Höhe ist gestern Nachmittag ein schwerer Wolkenbruch nieder« gegangen. DaS Wasser ergoß sich auf das Dorf ReichartS« werben und überschwemmte die Straßen. Der angerichtete * Schaden ist sehr groß.

Neueste

Wolff» telegraphische! Loncspondenz-Burrru.

München, 27. März. Die wissenschaftliche Beilage der LAllgemeinen Zeitung" meldet: DaS Kuratorium der Liebig- Mftang an der bayerischen Akademie der Wissenschaften j»t dem Professor der Agricultnrchemie an der Hniverfität Leipzig, Dr. Fr. Stohmanu, die goldene Liebigmedaille, lern Professor der Agricultnrchemie an der Hniverfität Göttingen Dr. B. Tollens ein Ehrengeschenk von 1000 Mk. mb die silberne Liebigmedaille, dem Professor Dr. So rauer In Berlin die silberne Liebigmedaille verliehen.

Basel, 27. März. Die Detailverhandlungen zwischen rer Direktion der Schweizer Centralbahn und dem lomitö der Angestellten wurden heute beendet. ES »urbc vereinbart, daß Beamte mit mehr als 20 Dienstjahreu 00 in 1. Januar 1897 an eine Gehaltserhöhung von N/r Lohn­ten, Beamte mit mehr als 30 Dieustjahren eine solche 10 n zwei Stufen erhalten. An der Classification deS Personals »trb im Uebrigeu nichts geändert. Die Lohnverhältniffe Halben, wie fie im GehaltSschema festgestellt find. DaS tzaotocoll wird heute abgeschlossen werden.

Neapel, 27. März. DaS deutsche Kaiserpaar mit iem Prinzen, sowie Prinz unb Prinzessin Heinrich haben heute ft Sh lOVa Uhr an Bord derHohenzollern" einen Ausflug burd) den Golf von Neapel angetreten, bei dem Pozzuoli, Sajä sowie bie Inseln Ischia und Procida berührt werden. Die Rückkehr erfolgt heute Abend.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Wien, 27.März. Die Bürgermeisterwahlen finde« voraussichtlich am 8. April statt.

Baben (bei Wien), 27. März. Der fett der Nacht wüthende Orkan hat hier unb in ber Umgebung große Ver­wüstungen angerichtet.

Laibach, 27. März. Vorgestern finb hier wteber Erd­stöße verspürt worben, welche große Beunruhigung her- vorriefeu. . . .

Ro«, 27. März. Zu bem gestern Abenb dreulirenben Gerücht, daß eine Schlacht bei Kassala stattgefunben habe, erklärt die Regierung, fie habe bisher (ekie Nachricht erhalten, da der optische Telegraph zwischen Kassala und Keren wegen deS herrschenden Nebels nicht functionire.

Neapel, 27. März. Gestern find drei Bataillone nach Sicilien abgegangen unb zwar mit Rücksicht auf die Anwesenheit ber deutschen Kaiserfamilie daselbst, um event. socialistischen Kundgebungen vorzubeugen.

Brüssel, 27. März. Der bekannte Luftschiffer Caparza, welcher hier sensationelle Versuche mit seinem LuflsLirm» ge- macht hat, wird demnächst nach Moskau abreifen, wo er während der Krönungsfeierlichkeiten feine Experimente er­neuern wird.

Belfort, 27. März. Der Gemeiuderath hat einstimmig beschlossen, die Gedenktage der Belag erung der Festung feierlich zu begehen. Er hat zu diesem Zwecke einen Credit von 20,000 FrcS. bewilligt.

London, 27. März. Die Stellungnahme Frankreich! zu der egyptischen Frage veranlaßt denStandard" zu der Bemerkung, daß bie fortgesetzte feindselige Haltung Frank­reichs gegenüber England letzteres dem Dreibunde in die Arme treibe. Dazu bedürfe es nicht einmal eine» förmlichen Vertrages, denn die Interessengemeinschaft zwischen England unb dem Dreibunoe sei ebenso wirksam.

Konstantinopel, 27. März. Depeschen au6 Kairo melbea, daß Osman Digma mit 5000 Reitern Kassala verlassen hat und nach Dongola geeilt ist.