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29.1.1896 Erstes Blatt
 
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1896

Erstes Blatt.

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Vierttljährign-

Kenerak-Mnzeiger.

rlints- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

Mittwoch dm 29. Januar

Rebaction, Lxpedttio» und Druckerei:

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Die Gießener Mgmittenvcäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal btigdegL

Der Oichener Anjeiger erscheint täglich, »it Ausnahme del M-ntag».

Sießener Anzeiger s

Hratisöeitage: Hießener Aamitienölätter.

Bepefch« M Bure« .Herold'.

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29. Januar.

»nuahmr »ob Anzeigen zu der Nachmittag» für bee felgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgege».

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Sofia, 27. Januar. Zum heutigen Geburtstage des

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aus tausend Wunden blutend und zum Tode erscköpft dar­nieder und Parts, seine Hauptstadt, die stolzeste Stadt der Weit, gar capauiui. Gottlob, wir Deutschen find Sieger, aber wir überheben uns nicht, in der stolzen SiegeSsreude gedenken wir unserer theuren Tobten und der eigenen Wunden. Wenn wir unS der Capitulation freuen, dann geschieht eS nur, weil nun der Friede nahe sein muß, denn waS dem Friedensschluß nach den Schlägen von Sedan und Metz ent­gegenstand, das war der Hochmuth der französischen Nation, welche, trotzend auf die Mauern und Forts ihrer Hauptstadt, nur den Kaiser als besiegt ansah, sich selbst aber, die Nation, für unbesiegbar erklärte. Mit dem Falle von Paris ist dieser Hochmuth gebrochen- jetzt ist cs die französische Nation, welche durch die Tapferkeit unserer Heere besiegt zu Deutsch­lands Füßen liegt. So sieden wir also, Dank der Energie der obersten Kriegsleitung, Dank dem ausdauernden Helden- muthe der deutschen Armee, unmittelbar vor dem großen Ereignisse, welches Millionen Herzen seit Monaten herbei- gesehnt haben. Niemand wird die Tragweite der Capitulation von Paris unterschätzen, denn Paris, wenn es auch nicht, wie die Ueberfchätzung französischer Schriftsteller wollte, alS das Herz Europas gilt, das Herz Frankreichs ist Paris zu allen Zeiten gewesen und ist es noch heute.

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Ungarns, Italiens, Spaniens, Griechenlands und der Schweiz, sowie sämmtliche hochstehenden Persönlichkeiten der deutschen Colouie erschienen waren. Um Mitternacht versammelten sich die Festtheilnehmer im Ballfestsaal, wo Graf Münster auf das Wohl des Kaisers trank und ein dreifaches Hoch ausbrachte, in welches die Gäste begeistert einstimmten.

Petersburg, 27. Januar. Der deutsche Botschafter Fürst Rad olin und die Fürstin Radoltn sind von dem Kaiser anläßlich des Geburtstages des deutschen Kaiser» mit einer Einladung zur Frühstückstafel im Winterpalais

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a m b e 11 a arbeitet an einem Decret, das alle Fran­zosen bis zum fünfzigsten Jahre unter die Waffen ruft. Er will den Krieg auch nach dem Fall von Paris noch fortse^tlob, t6 m(t den Kriegsgreueln hoffentlich zu Ende ist. In V on tbelia rd habea die Franzosen deutsche Leichen mit abgeschnittenen Nasen und Ohren zurückgelaffen

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Deutsches Reich.

Berlin, 27. Januar. Ihre Königlichen Hoheiten der tzro ßherzog und die Großherzogin von Hessen wurden, wie dieDarmst. Ztg." meldet, bei der Ankunft gestern Abend am Bahnhof Friedrichstraße von Ihren König- Achen Hoheiten dem Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, de« Herzog und dem Erbprinzen von Sachsen Coburg und Gotha, sowie Sr. Excelleuz dem Großherzoglichen außer­ordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Dr. Neid- Hardt empfangen.

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den Dienst einzuftellen.

Budapest, 27. Januar. Die Absperrung deS Steinbrucher DiehmarkteS, welche infolge des Plötz' licken starken Auftretens der Maul und Klauenseuche ver- fügt wurde, ist seit gestern eine totale. Die Dauer der Absperrung kann vorläufig noch nicht bestimmt werden.

Agram 27. Januar. Wegen großer Börseuverluste erschoß sich heute der hiesige Bicebürgermeifter Mil<n StankowtcS, DirectionSrath mehrerer Creditinstitute. _

Mattaud 27. Januar. Italien hat, wie dieGazzetta del Popolo" meldet, in Berlin und Wien vorgeschlagen, die Verhandlungen wegen der Erneuerung des Drei- buodvertrageS bereits Ende Februar aufzunehmen. Der neue Vertrag soll bereits ein Jahr vor Ablauf deS alten

Der Waffenstillstand von Versailles liegt jetzt im Wortlaut vor. Bourbakis Heer und Belfort waren vom Waffenstillstand ausgeschlossen. In Parts dürfen zwölf- tausend Soldaten die Waffen behalten behufs deS inneren Dienstes. Alle Militärs in Parts haben sich nach Ablauf des Waffenstillstandes als Kriegsgefangene zu stellen, wenn nicht inzwischen Friede eingetreten ist. Die Offiziere be­halten ihre Waffen. Paris muß 200 Millionen 8ranc6 bor dem zwölften Tage des Waffenstillstandes zahlen. Die Aus­wechselung der Kriegsgefangenen beginnt sofort. ES war die höchste Zett, daß Parts capitultrte, denn eS wäre sonst eine furchtbare HungerSnoth auSgebrocheo. Am Tage zuvor, ehe Jules Favre nach Versailles sich begab, um mit BrS- marck zu unterhandeln, find in Paris 4000 Menschen

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Wolff« telegraphische« Lorrespondenr-Bureau.

Berliu, 27. Januar. Der Kaiser hat gestern an daS »weite Garde-Ulanen - Regiment folgendes Tele­gramm gerichtet:An das Zweite Garde-Ulanen-Regimevt. Neues Palais, 26. Januar 1896. Zu dem heutigen Tage, an welchem das Regiment die Ehre hat, im Beisein Seiner Majestät des Königs von Sachsen, seines erlauchten Chefs, des hochberühmten Heerführers und einzigen Ritters vom Drohkreuz des Eisernen Kreuzes, die 25jährige Wiederkehr LeS Gedenktags einer großen Zeit in dem 75jährigen Bestehen zu. feiern, entbiete Ich den braven 2. Garde-Ulanen und ihren alten Kameraden Meinen königl. Gruß. Gez. Wilhelm."

Berlin, 27. Januar. Anläßlich deS Geburtstages deS Kaisers sand heute früh daS übliche Wecken und Ahoralblasen statt. Nach Empfang der Glückwünsche im engsten Familienkreise fand die Gratulation deS engeren HofeS, deS Hauptquartiers und der CabtnetSchefs statt, darauf | wurde Gottesdienst in der Schloßcapelle und Gratulation« - :our im Weißen Saale abgehalten. Um 12»/, Uhr war Parole-AuSgabe im Zeughause, um l1/* Uhr Familiendtner und Marschalltafel. Anläßlich deS GeburtstagSfefteS des Kaisers wurden folgende Auszeichnungen verliehen: Das Kreuz der Comthure deS Königl. HausordenS von Hohen- rollern dem Reichskanzler, die Kette zum Rothen Adlerorden mit Eichenlaub dem Oberftkämmerer Grafen Perponcher, der Rotbe Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub dem Justtz- minister Schönstedt, der Rothe Adlerorden erster Klasse mit der Königl. Krone dem Oberstkämmerer Erbprinz zu Hohenlohe-Oehringen, der Rothe Adlerorden erster Klasse dem Minister Hammerstein, der Kronenorden erster Klasse dem Prinzen von SolmS-BraunfelS, der Kronenorden zweiter Klaffe dem Professor Behring in Marburg, dem Major Grafen Geßler auf Schoffschütz, dem Kawmerherrn Grafen zu In- und Kniephausen auf LüterSburg, daS Kreuz und der Stern der Lomthure deS HauSordenS von Hoheuzollern dem Grafen Eulenburg in Wien.

München, 27. Januar. Der Kaiser wurde zum Chef LeS 6. Bayerischen Infanterie RegimentsKaiser Wilhelm, König von Preußen", ernannt.

Nom, 27. Januar. DaS Decret, durch welches die Auslieferung Hammersteins bewilligt wird, ist unter­zeichnet. DaS Justizministerium übermittelte das Decret dem GeneralstaatSauwalt des AppelhofeS von Trant zur Vollstreckung. ,, .

Paris, 27. Januar. Auf der deutfcken Botschaft fand anläßlich deS Geburtstages des deutschen Kaisers gestern rin Empfangsabend statt, zu welchem zahlreiche Vertreter deS -iplomattfchen Corps, darunter die Vertreter Oesterreich-

Fahrpreis 10 %) ;$inemtni bWr)

in Kraft treten. DaS Blatt bezeichnet a.s Grund hierfür die gegenwärtig unaufgeklärte politische Lage in Europa.

Brussel, 27. Januar. Gestern fand hier zu Ehren der Republik Transvaal ein großes Banket statt, an dem Delegirte von 22 vlämischen Vereinen theilnahmen. Mehrere Redner drückten Kaiser Wilhelm den Dank dafür auS, daß er die Brüder der Blamen gegen die Angriffe der Freibeuter geschützt habe. ES wurde schließlich eine Resolution ange­nommen, in welcher Präsident Krüger beglückwünscht wird für die tapfere Bertheidigung der Autonomie TranSvaalS. Gleichzeitig wurde gegen die Haltung der belgischen Regie- deuNcke°n Kat^rS°haben"die Gebäude dlrliplomatischm I bttgffcken^Unterthanen englischen Sck^tz anzurufen.

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H an otaux, den Botschafierposten angeboten, welcher den­selben indeß ablehnte. Herbette wird daS Großkreuz der

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^orgeschrtebenen Degen das sonst bei der Armee eingesührte der Wetter « derTylorstoran Grude wurden 160 B g Offiziers Seitengewehr zu tragen. leute getödtet.

Berlin, 27. Januar. Durch Kaiserliche CabiuetSordre

vom heutigen Tage ist Prinz Heinrich von Preußen Krieg V0N

zum Chef deS Brandenburgischen Füfilter-RegimentS Nr. 35 ,^d«rt durch Ausschnitte aus Leitung«-Nummern itna Zeit ernannt worden. I eo Nachdruck «erboten.)

Berlin, 27. Januar. Aus zahlreichen Städten deS 28. jonuer.

Reiches find Meldungen eingelaufen, denen zufolge überall ist von dem Reichskanzler Grafen BtSmarck

der Geburtstag deS Kaisers in der üblichen Weise unb F^le S Favre die Capitulation aller Pariser begangen worden ist. , FortS und ein dreiwöchentlicher Waffenstillstand

Berlin, 27. Januar. Während der heute im weißen $anb unb zu Wasser unterzeichnet worden. Die Saale deS Berliner Schlosses abgehalteuenDefiltt-Cur donnerten P^iser Armee bleibt in der Stadt kriegsgesangen. Part­im Lustgarten 101 Kanonenschüsse. Der Reichskanzler er- m atf0 unser!

öffnete die Cur. Nach der Verbeugung reichte ihm der Kaiser ^as ist das Ende des welthistorischen Kampfes, den die Hand. Bet der Parole-AuSgabe im Lichthofe des Zeug- b-e Franzosen mit ihrem frivolen Geschrei:Rache für

Hauses erschien der Kaiser im grauen Paletot mit Pelzkragen. Sadowa!"Aus nach Berlin V* zwischen zwei großen Er wurde mit dem Präsentir-Marsch und von dem zahlreichen Nationen heraufbeschworen haben. Frankreich selbst liegt Publikum mit anhaltenden Hochrufen empfangen. Die Parole , lautete:Es lebe Seine Majestät der Kaiser Unutl UHU , undKöuig ". die von sämmtlichen Offizieren mit militärischem | aßclt/ bQt capitulirt. Salut entgegengenommen wurde.

Berlin, -7. Januar. Der Kaiser gewährte bei der heutigen GrumlationScour dem Präsidium deS Retchs- i tage« einen besonderen Empfang.

Berlin,27. Januar. Die Illumination der Stadt Berlin anläßlich drs Kaisers Geburtstages war keine io allgemeine als sonst. DaS RathhauS und die städtischen Gebäude lagen ganz im Dunkel. Dagegen hatten die großen GeschäitShäuser wie früher glänzend illuminirt. Auch zahl­reiche Privatgebäude prangten im Lichterschmuck. Eine unendlich große Menschenmenge wogte durch die Straßen, die Be- leucktung der Stadt zu besichtigen.

Berlin, 27. Januar. Der Botschafter der Ber- eingten Staaten von Amerika am hiesigen Hofe, General Runyon, ist heute Nacht um 1 Uhr am Herz­schlag plötzlich gestorben. Der Botschafter stand im 75. Lebensjahre. Der erste Botschaftsrath, Jackson, führt vorerst die Geschäfte der Gesandtschaft.

Berlin 27. Januar. Die Nachricht, daß sich demnächst zwei deutsche Kriegsschiffe zur Beitre.ibung der Bezah- lung der deutschen Eisenbahn-Forderungen nach Puerto Ca­bello begeben würden und daß dort evtl. Marine-Soldaten gelandet werden sollen, ist der Nordd. Allg.-Ztg. zufolge falsch. Richtig sei nur, daß die deutsche Regierung durch eine Note bei der venezuelanischen Regierung auf die Zahlung der fälligen Garantiesumme zurückgekommeu ist.

vubLpest 27.Januar. Die Postbeamten in Budapest verlangen B-lb-sierung ihrer Lage unb drohen für den Fall der Ntchtbewtlllgung ihrer Forderungen und ,-ll« fi- nicht mit den Wiener Beamten gl-,ch,rft-lll «erden, am 1. Mai

Amtlicher Theil.

Gießen, den 25. Januar 1896.

8etr.: Unfallversicherung- hier Ernennung von Vertrauens­männern.

Daß Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

an Grohh. Polizeiamt Gießen

4t*b Vie Grohh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Der Vorstand der Tabaksberufsgenossenschaft hat den Herrn Louis EmmeliuS, in Firma Karl GmmeliuS in Gießen, zum Vertrauensmann für die Provinz Oberhessen und den Herrn LouiSWallenfelS,in Firma Fr. Bender & Cie., zu dessen Stellvertreter ernannt. Wir weisen Sie hierdurch an, die Benachrichtigung über die Einleitung einer Unter­suchung über die bei Mitgliedern der genannten Berufs- Genossenschaft eingetreteuen Unfälle an den Vertrauensmann bezw. dessen Stellvertreter in Gemäßheit des § 54 des LnfallverficherungSgesetzeS vom 6. Juli 1884 zu richten.

v. Gageru.