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28.8.1896 Zweites Blatt
 
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Mr. 202 Zweites Blatt. Frettag den 28. August

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-f- Nidda, 26. August. Gestern fanden auf den Strecken .)« Oberhessischen Bahnen JnspectiouSfahrten Seitens {.teer Commission hessischer und preußischer Beamter mittels Sprunges statt. Die letzten Erntearbeiten hierorts : mb in der näheren Umgegend find durch das fast ständige Mgev!wetter leider jäh unterbrochen worden. Nicht allein Kn Hafer, sondern theilweise auch andere Sommerfrucht !:rajeit auf dem Felde und konnte noch nicht geborgen werden ; tzik unb da ist daS Getreide bereits ausgewachsen, so daß es ^Grunde gehen muß, wenn nicht sehr bald ein WitterungS- 'WlchseL zum Besseren eintritt.

lh- Hungen, 25. August. Ein gewisser weiser Mann .« Mterthume Namens Ben Akiba soll einmal behauptet 11 oben:ES ist Alles schon einmal dagewesen." Wenn er zu ; inieree Zeit, am Ende des 19. Jahrhunderts gelebt hätte, Mrdr er sich doch manchmal eines Befieren belehren laffeu . Msski». Kam da z. B. kürzlich der Pfandmeister irgend Mvhin.. Ein Säumiger roch den Braten und machte fich auS . Uw Geisern, nachdem er vorher HauS, Stall und Scheuer ngsatltig verschlofien hatte. Der Pfandmeister kam mit i einen Begleitern, doch die Bude war zu, eS wurde ein 19d)(of]er gerufen, der sofort mit einem riesigen Bunde von '.Dietrichen und sonstigen Hakenschlüfieln erschien, doch daS i wrgeliegte Kuustschloß am Scheuerthürchen spottete jedes IWffelS. Die Scheuer saß aber voll der schönsten Früchte, -'in recht geeignet, als Pfand zu dienen, aber sie waren nicht i,, rn eichen. Da probirten nun die Herren, ob daS große i Zchmerthor nicht nachgiebiger und elastischer wäre, als daS lsmwi.ckige Kuustschloß und siehe da! es gab vach. Der tglne tzog an dem Flügel, der Andere drückte am zweiten ZUügel., sie thateu sich auf, wie der Rachen des Haifisches, i :in btm Propheten Jonas verschlang. Als die Herren glück- i br Innen waren, bepflasterten fie dem Bauer die Scheuer- t sllet, den Wagen, die Erntegabel und die Früchte so schön ! mit Pfsaudmarkeu, daß jeder Zweifel über die stattgefundeue S8B[inbung auSgeschlofien war. Wie die drei Schlauköpfe in L iL Scheuer hinein kamen, so schlüpften fie auch wieder hin- £iiil. Wie ein Schneekönig freute fich der Bauer, als er $jgjtn Abend nach Hause kam, und alle Schlöffer unversehrt Ganz zufällig ging er zuletzt auch in die wohlver- s Wssene Scheuer und fand hier die schönste Menge von HkWdmarken. Na, sagte er und riß Mund und Augen auf: SIBi foß man an keine Hexerei glauben. Nicht einmal eine Vdqk lkann in die Scheuer hinein, und nun kommen diese d öWkiusse durch die Ritzen geschlupft. So etwas ist noch nility b>agewesen, seit die Welt steht. Also hat Ben Akiba t tariert.

Feuilleton.

Aus Hunger.

Von HanL Richter.

(Nachdruck verboten.)

(Sine Minute lang war fie sprachlos, thatsächlich sprach- l .liili tmafi bei einer sehr temperamentvollen zwanzigjährigen IßteüB jedenfalls einen ganz beträchtlichen Grad von Ver- -Oifliing bedeutet. Wahrhaft zerschmetternd sprühten ihre ftlbtiw Augen auf den Sünder nieder, der die Tragweite fittfct« Verbrechens offenbar nicht ermaß, denn er schien in wWstörter Seelenruhe damit beschäftigt, kunstgerecht eine Mijurette zu drehen. Etgarretten drehen, nachdem nein, s.v »eit konnte menschliche Verworfenheit nicht gehen- fie suche fich verhört haben. So fragte fie noch einmal:Also Stilvollen nicht nach Australien zurückkehreu?"

Fast verwundert blickte er auf.

»Ich sagte eS Ihnen ja soeben, daß die dortigen Ber- hlWlffe Ihnen wahrscheinlich wenig behagen würden, und biiuld) Sie nicht nur zu hetrathen, sondern auch glücklich zu Mn wünsche, ziehe ich eS vor, im alten Baterlande unseren HMstaud zu gründen, obwohl ich Ihnen gestehen muß, daß »ifttbtii Uniform der deutschen Polizei und ihre Wißbegier gjDj vmd gar nicht gefällt. Ich hoffe, Sie werden mir daS SO:f|er meines australischen FreiheitSfiuneS mit echt weiblich schchaüthiger Dankbarkeit vergelten."

Wahrhaftig, er hatte es gewagt, feine Unverschämtheit viederholeu, fie noch zu verschärfen.

MstenS werde ich überhaupt niemals Heiratheu!" rief Hl mnüstet.Zweitens hetrathe ich nur einen Offizier, bifciitatf keinen Australier, viertens erwarte ich, daß mein MAi In ritterlicher Galanterie und Liebe um mich wirbt «niuilr nicht so einmal gelegentlich sagt:Hören Sie, ich

-ö- Wohnbach i. d. W., 25. August. Der hiesige Ge- sangverein, welcher erst seit einiger Zeit besteht, hielt am letztverfloffenen Sonntag und gestern das Fest der Ein­weihung seiner durch unsere OrtSeinwohner gestifteten Fahne ab. 19 auswärtige Vereine waren eingetroffen. Am Nachmittag des ersten, von unerwartet schönstem Wetter be­günstigten Festtages um 2 Uhr setzte sich der prächtige Fest­zug in Bewegung und nahm seinen Weg durch die Straßen unseres Ortes nach dem zwischen hier und Obbornhofen er­richteten Festplatze. Nach der Ankunft daselbst ergriff der derzeitige Dirigent des festgebenden Vereins, Herr Lehrer Reineck hier, das Wort zu einer Begrüßungsansprache, in welcher er alle herbeigeströmten Festgäste aufs herzlichste be­willkommnete. Hierauf hielt der hiesige Ortsgeistltche die Festrede. Es folgte nun die Ueberreichung der Fahne durch eine Festjungfrau und die Entgegennahme derselben mit den üblichen DankeSworten seitens deS Vereins.

n. Bo» der mittlere« Ridda, 26. August. Die Zwiebel­ernte hat hier begonnen. Die Zwiebeln find zwar nicht so dick geworden, wie sonst, da im Frühjahr der Regen fehlte, auch sind fie sehr billig, denn es werden nur 2 Mk. bis 2 Mk. 50 Pfg. für den Centner bezahlt, trotzdem ist der Ertrag hiervon höher, als von jeder anderen hier an- gebauten Culturpflanze. Ein DurchschntttSertrag von 200 Mk. vom Morgen ist nicht zu hoch gegriffen. AuS landwirth- schaftlichen Kreisen kommen Klagen über daS Faulwerden der Spätkartoffeln. Auch haben diesen die Engerlinge stellen­weise sehr geschadet.

(0 Groß Eiche», 26. August. Kaum ist die Rahm­station der Molkerei-Genoffenschaft Nteder-Ohmen, welche in dem hiesigen früheren Jughard'schen Fabrikgebäude er­richtet wurde, eröffnet worden, so ist auch schon eine zweite EutrahmungSstation in nächster Nähe unseres Ortes unter Dach und Fach gebracht. Diese zweite Station ist von dem Molkereibefitzer Herrn Zimmer aus Grünberg erbaut. Sie befindet fich an der Straße nach Ruppertenrod, da wo der von Höckersdorf kommende Bach die Straße kreuzt. Der Neu­bau ist sehr solid gebaut, im Inneren mit großen, zweckent­sprechenden Räumen auSgestattet und mit einem die Dampf­maschine aufnehmenden Nebenbau versehen. Der Betrieb der practisch angelegten Station wird demnächst erfolgen. Die Frage mag hier nicht unangebracht erscheinen, ob eS nicht lohnender für eine der beiden Rahmstattonen gewesen wäre, wenn eine von beiden, statt in einem Thale bei einem Ort, im Ohmthal errichtet worden wäre.

H- Romrod, 26. August. Das seit mehr denn zwei Wochen anhaltende Reg en wett er hat die Ernt earb eit en gänzlich unterbrochen, die Regenstürme der beiden letzten Tage haben Hochwaffer gebracht. DaS Korn ist unter Dach,

will Sie hetrathen", viertens wird nicht er mich, sondern ich werde ihn hetrathen"

Bitte, daS ist bereits Punkt fünf," fiel er mit einem sehr wohlwollenden Lächeln ein.Habe ich Ihnen noch nicht gesagt, daß ich Eapttän im Melbourner freiwilligen Rlfle-Regtment bin? Ich glaube nicht, daß Die je schon eine so prachtvolle Bärenmütze gesehen haben. Auch kann ich mich ja wieder in Deutschland naturalifiren lassen, wie­wohl ich bezweifle, daß mich der preußische KriegSmtnifter als Hauptmann, wenn auch nur der Landwehr, in seine Armee übernehmen wird. Aber Ihrer Liebe wird es jeden­falls nicht schwer werden, auf eine dieser beiden Bedingungen zu verzichten."

Zitternd vor Empörung sprang fie auf.

Mein Herr, ich liebe Sie nicht und werde Die nie lieben und noch weniger hetrathen"

Aber liebe Gerda"

Sie stampfte mit dem Fuß auf die Erde, so daß er, der lang auSgestreckt im Moose lag, gegen ihren Willen die beste Gelegenheit erhielt, da- durchbrochene Gewebe ihres seidenen Strumpfes zu bewundern.

Ich heiße nicht Gerda, sondern Fräulein von HauS- dorf, und übrigens kenne ich Sie gar nicht mehr, Mr. Ecke- brecht, wonach Die fich hoffentlich zu richten wiffen."

Gelaffeu hatte auch Eckebrecht fich erhoben. Sein tief gebräuntes und schon von feinen Runzeln durchzogenes Ge­sicht wurde jetzt ernster, während er erwiderte:Liebe Gerda, wahrhaftig, in meinem Herzen werden Sie nie einen anderen Namen haben zehn Jahre habe ich in der ödesten Wtlduiß Gold gegraben und Ackerbau getrieben, Schafszucht vielmehr, nachdem im alten Vaterlande ein harter Schlag die Existenz des zwanzigjährigen Jünglings vernichtet hatte. Zehn Jahre bedenken Sie einmal zehn Jahre fern von aller Eultur, von gebildeten Menschen, von Frauen

Weizen dagegen weniger- Gerste und Hafer sind geschnitten und befinden fich noch sammt und sonders auf dem Felde. Schlimmer Weise macht sich in Folge der vielen Nieder­schläge bereits ein Wachsen der noch nicht eingebrachten Frucht bemerkbar. Der Stand der Halmfrüchte hat nicht befriedigt. Vor zwei Jahren war die Witterung ebenso ungünstig und konnte damals nur das Korn gut eingefahren werden, während die übrigen Körnerfrüchte durch Verwachsen und Vermodern viel an Werth verloren. Der Stand der Grummetwtesen läßt viel zu wünschen übrig, auch die zweite Schur Klee ist schlecht. Die Kartoffeln versprechen einen reichen Ertrag, jedoch zeigt sich schon bedenkliche Fäulniß derselben. Die übrigen Hackfrüchte und die Gemüsepflanzen stehen gut. Recht empfindlich macht fich seit etlichen Jahren der Mangel an Stroh fühlbar- obgleich viel Laubstreu von der Forstbehörde abgegeben wird, fehlt immer noch viel Dung. Man sucht fich möglichst durch Düngen mit Kalk und durch AuSstellen von Senf zur Gründüngung zu helfen. Die Obsternte ist mittelmäßig, nur die Beerensträucher, sowie Kirschen- und Pflaumenbäume lieferten hübsche Er­träge. Birnen und Aepfel gibt eS in geringerer Menge­der überreiche Behang der Zwetschenbäume ist, weil von Jnsecteu angestochen, bereits zu etwa drei Viertel abgefallen. Alles in Allem gerechnet, bringt unS das Jahr 1896 noch keine Zweidrittel Ernte, die Stimmung ist denn auch begreif­licher Welfe bei unseren Landwirthen eine sehr gedrückte.

Mainz, 26. August. Bei einzelnen Gruppen ter hiesigen Holzarbeiter haben sich in der letzten Zeit anar­chistische Elemente bemerkbar gemacht. Dieselben find in der letzten Sitzung des Gewerkschastscartells offen mit ihren Tendenzen hervorgetreten, was deren Ausschluß aus dem Eartell zur Folge hatte. Man wollte nicht dulden, daß die anarchistischen Elemente das zerstören, waS man in langen Jahren mühsam aufgebaut. Kommenden Montag findet in derStadthalle" hier eine socialdemokratische Wählerversammlung statt, in welcher mehrere socia- liftische Abgeordnete als Redner auftreten werden. Im Jahre 1897 sollte hier bekanntlich eine internationale Wein- und Weinbauausstellung stattfinden. Da sich aber der ganze deutsche Weinhandel in seiner Mehrheit gegen das Unternehmen ausgesprochen, so hat daS fich bereits gebildete AuSstellungs Comits endgültig beschlossen, von der Abhaltung der Ausstellung Umgang zu nehmen. In hiesiger Gegend ctrculirt wieder maffenhaft falsches Geld. In dem nahen Kastel wurde gestern ein Fremder angehalten und fest­genommen, bei dem man 9 falsche Zweimarkstücke fand. Der­selbe wollte die Falfificate in Wiesbaden vereinnahmt haben.

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besonders, da geht manch Stückchen Schliff verloren. Un­verbraucht und nnverzettelt aber bleibt die heiße Gefühls- kraft des Herzens. Das ist weich und unberührt geblieben, wie rauh auch meine Außenseite geworden sein mag. Und da Sie so gütig gegen mich weltfremden Gesellen waren, da ich glaubte, Sie verständen mich, so ach, ich habe solch einen Hunger nach Glück und Liebe, ich habe auch nicht mehr viel Zett zu verlieren"

So eilen Sie, an eine andere Thür zu klopfen," sagte Gerda von HauSdors, als er zum zweiten Male stockte, mit einem unbeschreiblich hochmüthigen und zierlichen Rümpfen der kleinen Nase.Ich bin durchaus nicht hungrig auf (Sie und habe noch sehr viel Zett."

Sie raffte mit der Rechten ihr Kleid auf und schritt leichtfüßig davon.

Eckebrecht hatte die Cigarrette längst fallen laffeu. Jetzt klopfte er fich mit dem Zeigefinger gegen die Stirn und brummte einige Worte in den Bart, welche noch kein Mensch in irgend einem Lexicon des feinen Tones ge­funden hat.

Vor einem Jahre war er nach Deutschland zurück- gekehrt, um in Behaglichkeit die Früchte seiner müheseligen Arbeit zu genießen. In dem kleinen Gebirgsdorfe, das er auf einer Fußwanderung berührte, feffelte den Unstäteu plötz­lich der Blick zweier blauen Mädchenaugeu.

Dem Zuge der Zeit folgend, hatte ein fpeculativer Gastwirth das unbekannte Nest zu einem Luftkurort avanciren laffeu und wirklich hatte ein Dutzend mehr mit Kindern als mit Gold gesegneter Familienväter auf den Köder der ver­lockenden Annonce angebiffen. Uebrigeus war eS in Buchen- grün nicht schlechter, langweiliger und theurer als in tausend anderen Sommerfrischen, wie der peufiouirte Major v. HauS- dorf dem Australier verficherte.

(Fortsetzung folgt.)