Ausgabe 
28.6.1896 Drittes Blatt
 
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1896

Drittes Blatt

BierttHäkriger

2lnrts- und Anzeigeblatt für den Tiveis Giefzen

P chratisbeiFage: Kießener Jamilienblätter.

Ittnahm« dow Ängtigtn zu der Nachmittags für brw enden Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr,

Sonntag den 28. Juni

Die zweite Berathung des Bürgerlichen Gesetzbuch« wird beim Familtenrecht, Titel: Scheidung der Ehe, fortgesetzt.

S 1552, welcher die Scheidung wrgm unheilbaren Wahnsinn« zuläßt, ist von der Commission gestrichen worden.

Abg. Len,mann (srs Lp.) beantrag! Wiederherstellung. Wenn Jemand hoffnungslos geistiger Umnachtung verfallen sei, sei er that- füchltch so gut wie tobt. Die Getstesgemetnschast der Ehegatten fei total aufgehoben und daS rechtfertige die Scheidung. 3m Namen der Sittlichkeit, der Humanität, de« Recht« fordere ich Sie auf, unseren Antrag anzunehmen. Drängen Sie un8 nicht in eine Lage, welche uns das gerne Gesetz unannehmbar machen könnte.

Bayerischer Ministcrialrath v. Heller tritt NamenS seiner Regierung für den CommtssionSbeschluh ein.

Abg v. Buchka (cons.) erklärt NamenS der conservativen Partei, daß dieselbe den Antrag Len,mann ablehne. Zwischen krankheit und Tod sei doch noch ein großer Unterschied und der Ehe­gatte könne daher auch nicht die Consequenzen auS der Geistes­krankheit ziehen, dir er auS dem Ableben deS anderen TheilS ziehen önne'Justi,Minister Schönstedt: Namens der kreußischen.Regierung und der Mehrheit des BundesratbeS kann ich Sie nur bitten, den Antrag Len,mann anzunehmen. Schon vor dem preußischen Land­recht galt die Geisteskrankheit als Ehescheidungsgrund, ebenso im Landrecht. 1849 sprachen sich ,u Gunsten eines solchen Scheide- grundeS Männer auS wie Giaf Arnim-Boitzenburg, Dönhoff- Friedrichstein, Frankenberg-Ludwigsburg, Frhr. v. Bornberg, wenn ich nicht irre, ein streng katholischer Herr, v. Schlieben, o. Waldow und Andere. Auch in Hessen, in Sachsen hat immer diese Aus­fassung überwogen, auch bei den Confistorirn. Daß die Commission den S 1552 gestrichen hat, hat b weiten Kl eisen Anstoß erregt. Professor Zorn in Königsberg, ein hochconservatioer Herr, tritt ent­schieden für diesen Scheidungtzgrund ein. Ebendafür haben sich die elsälsischen Juristen auf dem Juristentage ausgesprochen. Sie bringen viel Unsegen in die betr. Familien, wenn Sie bei dem CommissionS- beschlusse beharren. (Bravo links.) t c m Q

Abg. Stadthagen (Soc.) bittet dringend, den Protestanten nicht altbestehendes Recht zu nehmen, denn seit 1525 sei die.Scheidung wegen Wahnsinn eines Ebegaitm constanteS protestantisches Eherecht.

Abg. Gröber (Ctr.): DaS Gentrum bat sich bet der Frage niemals auf den consessionell'n Standpunkt gestellt. Wundern müsse rs ihn aber, wenn der preußische Justizministcr behauptete, der An­trag Len,mann stehe mit kirchlichen Anschauungen und Forderungen nicht in Widerspruch DaS sei allerdings der Fall. Tie Ehe­scheidung wegen unheilbarer Geisteskrankheit trage vor Allem den Mangel der Unsicherheit in sich. Wie oft wichen nicht die Gutachten der medicinischen Sachverständigen gerade darüber außerordentlich von einander ab. Das Wesen der Ehe bedinge überdies ein Zu­sammenhalten auch in schweren Tagen (lebhafter Beifall im Centrum). Und wie könne man rechtfertigen wollen, daß der kleine Mann seine geisteskranke Frau aufs Pflaster werfe. (Widerspruch links.) Der kleine Mann könne doch nicht ,wei unterhalten, seine geschiedene geisteskranke Frau muß also der Armenpflege anheimsallen. Lasten Sie eS bei dem Beschluß der Commission. (Beifall).

hessischer Künstler, zu denen sich auch namhafte auS anderen Ländern gesellen sollen. Ein vorbereitender Artikel über die bildende Kunst in Heffen Darmstadt, der vor ein paar Tagen in der hiesigen Preffe erschien, macht bereits auf daS in« terestante Unternehmen aufmerksam. Wir wollen auf die vielen bitteren Bemerkungen, die sich darin über die Jntereste- lofigkeit deS Darmstädter Publikums gerade künstlerischen Leistungen gegenüber bezogen, nicht näher etugeheo und eine Prüfung der gebrandmarkteu Zustände nicht vornehmen, jeden« falls ist manches Wahre in dem kleinen Aufsatz gesagt und wir schließen uns der darin ausgesprochenen Hoffnung an, daß die erste Darmstädter Kunstausstellung eine erfreuliche Wandlung auf diesem Gebiete veraulaffen oder doch wentgstenS vorbrreiten möge.

An BerguügungS. Veranstaltungen war die Sommerszeit bis jetzt nicht arm. Leider machte sich jedoch keine besondere Antheilnahme deS Publikums bemerkbar. Bedauerlich ist namentlich der andauernd geringe Besuch deS Sommertheaters, daS gerade diesmal über ein vor« treffliches Personal verfügt und wirklich Gutes leistet. Nur der unverwüstlicheObersteiger" und daneben Strauß' reizende OperetteDer lustige Krieg" übten größere Anziehungskraft aus. Im Orpheum siudet nun am 1. Juli auch Saifon- schluß statt. DaS Etabliffement soll im Innern gänzlich um­gebaut werden, man will eS wohl für seinen jetzigen Zweck paffender gestalten. Am 1. September öffnet die Bariötvbühne ihre Pforten von Neuem.

Ein alter Wunsch unserer Studentenschaft soll nun auch bald in Erfüllung gehen: Endlich soll Darmstadt ein großes elegantes Wiener Cafs erhalten, daS tn der Rheinftraße errichtet werden soll. Auch spricht man von einer neu zu eröffnenden feinen Restauration, deren Mangel eben- falls schon lange schmerzlich empfunden wird. In der Grafen­straße wird zur Zeit zudem ein großes Local für Eoncert- Veranstaltungen u. s. w. erbaut, deffen Hauptsaal an Größe angeblich den Saalbausaal übertreffen soll. Mau sieht, au neuen Unternehmungen ist kein Mangel, hoffentlich bleibt auch der Erfolg nicht auS.

Sportfeste werden zur Zeit überhaupt in großer | Zahl in Darmstadt gefeiert. Schon meldet sich für die ersten Tage des Juli der mittelrheinische Fechtclub, der fein 17. Gauverbandsfest in Darmstadt feiern will. Die Anmeldungen auS den umliegenden Städten laufen zahlreich ein und stellen lebhafte Betheiligung in Aussicht. Desgleichen veranstaltet unser Odenwaldclub bereits am nächsten Sonntag ein internes DereinSfest, indem er einen großen FamtlienauSflug nach Neckargemünd unternimmt.

Eine intereffante Versammlung, die auch für weitere Kreise manches Intereffante brachte, tagte zu Beginn der abgelaufenen Woche in unserer Stadt: der Unterverband Mitteldeutschland deS Verbände« deutscher Bäcker- InnungenGermania". Herr Köbrich auS Mainz führte den Vorsitz und eröffnete die Versammlung, die Namens der Stadt durch Herrn Beigeordneten Köhler begrüßt wurde. Die eigentlichen Verhandlungen drehten sich in erster Linie um den jüngsten BvndeSrathtbefchluß, den Maximal- arbeitStag betreffend. Fast sämmtliche Meister sprachen sich gegen den Beschluß auS und versuchten deffen Schädlichkeit für daS Handwerk nachzuweisen. Noch Schluß der ein­gehenden, oft sehr lebhaften Debatte sand eine Resolution einstimmig Annahme, die sich gegen den Mox malarbeitStag aussprach und betonte, daß die Gründe für dieses Verhalten schon hinlänglich bekannt und erörtert seien. ©inen leb­haften, animirten verlauf nahm dann die am nächsten Tage folgende zweite Verhandlung, zu deren Strapazen man sich erst durch einen fröhlichen Frühschoppen imSchützenhof" gesiarkt hatte. Für Ihre Leser wird die Mittheilung tn- tereffant sein, daß beschloffen wurde, die nächste Versammlung deS Unterverbandes in der Musenstadt Gießen abzuhalten, waS allseitiger lebhafter Zustimmung begegnete. Mit dem Üblichen Dank an den Vorsitzenden und einem Hoch auf den Gesammtverband wurde die Versammlung geschloffen, an die sich dann noch ein lustiger AuSflug mit Musik auf die Lud­wigshöhe anschloß. ,

Eine bemerkenSwerthe Veranstaltung, wie sie Darmstadt noch nie In seinen Mauern beherbergt hat, plant ein kleiner, aber rühriger Verein für den kommenden Herbst, nämlich I eine große Ausstellung von Oelgemälden, namentlich

Bringcrlobn.

Durch die Post bezöge: 2 Mark 50 Psg.

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend: Maul- und Klauenseuche.

Die Maul- und Klauenseuche ist zu Büdesheim, Rrei» Friedberg, ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet uotloen.

Gießen, den 26. Juni 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Alle Annoncm-Lureaux des In» und Auslandes nehme» Anzeigen für denVießener Anzeiger" entgegen.

Deutscher Aeichstag.

115. Sitzung. Freitag, den 26. Juni 1896

Am Bundesrathstische: StaatSsccretär v. Nieberdtng und Mlilistcr Schönstedt.

M. 150

Gefunden. Geld, 1 Taschenmesser, 1 Regenschirm, 1 Mldbeutel, 1 schwarze Schürze und 1 Waage.

Huaefloaen: l Canarienvogel.

Gießen, am 27. Juni 1896.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. 23.: Roth.

vekamümachung,

betreffend: die Rothlaufseuche zu Wetzlar.

Zu Wetzlar ist die Rothlaufseuche amtlich festgestellt »owen.

Gießen, den 25. Juni 1896.

GrohherzoglicheS KretSamt Gießen.

o. Gagern.

Gießener Anzeiger=

Kenerat-Htnzeiger.

Der Steuer Auzetger rfldjeint täglich, i1 Ausnahme des MontagS.

Die Gießener )««tklen0 tätter en dem Anzeiger ikhmtlid) dreimal d rigelegt.

Bekanntmachlma.

Die Maul- und Klauenseuche zu RiedeA-Wöllstadt unb Rodheim, Kreis Friedberg, und zu Klein-Alten- jälten, Kreis Wetzlar, und die Rothlaufseuche auf dem iuue Altenberg und zu Oberbiel, Kreis Wetzlar, ist Mchen; die Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.

Gießen, den 25. Juni 1896.

Großherzogliche» Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Minister Schönstedt: Der Vorredner wars mir Unkenntniß de» canonlfchrn Recht» vor, wovon ich jedoch gar nicht gelprochen, sondern lediglich von protestantischem Kirchenrecht, da« allein die Grundlage unseres EbrschetdungSrechteS bildet. Ich soll ferner nicht confervativ gesprochen haben. Man hört doch aber nicht auf, konservativ zu sein, wenn man für den Fortbestand eines Rechte« spricht, das lange bestanden hat und unter dem sich die Bevölkerung wohl befunden hat. ES ist anerkannt, daß ärztliche Irrungen vor- kommen, jedoch nur in äußerst seltenen Fällen! Und diese können doch nicht bestimmend Mn sür daS, was die Gesetzgebung alS Regel hinstellt. Die Irrungen kommen auch vielmehr in gewissen Grenz­gebieten vor, wo es zweifelhaft ist, ob nur eine nervöfe Ueberretjung Dorltcgt ober wirkliche Geisteskrankheit. Und daS kommt doch hier ganz außer Betracht, denn der Entwurf läßt die Scheidung nur zu bei dreijähricer Dauer der Geisteskrankheit ohne Unter brechung, unb wenn da« ärztliche Gutach en besagt, daß Heilung gänzlich auSgeschloffen.

Abg. Osann erklärt, die Nationalliberalen würden mit wenigen Ausnahmen für den Antrag Lenzmann stimmen. (Beifall link«). Ver­werfe man den Antrag Lenzmann, so zwinge man den anderen Ehe­gatten, fein ganze« Leben lang mit seinen Kindern verwaist dazu- stehen. (Sehr richtig!) Der Ehemann sei doch in der schlimmsten Lage, wenn ihm bei Erziehung seiner unerwachsenen Kinder Niemand zur Seite stehe. Dabei stehe e« fest, daß die Fälle von Geistes- krankbetten leider zunehmen, es handle sich hier also mehr noch um eine Sorge für die Zukunft, als für die Gegenwart. (Beiiall).

Abg. Gam p (Np.) legt dagegen Verwahrung ein, wie Gröber den Befürwortern de« Antrages Lenzmann die conservative Gesinnung ab­zusprechen und ein Eintreten für eine brutale Gesetzgebung nach- gefagt habe. Bei Ablehnung de« Anträge« Lenzmann würden viel mehr Personenaufs Pflaster geworfen werden," denn dadurch würden ja auch Frauen mit geisteskranken Männern gehindert werden, zu einer neuen Ehe zu schreiten und so für ihre Kinder zu forgen. In Preußen sei eS noch niemals vorgekommen, daß sich bet einer wegen Geisteskrankheit geschiedenen Ehe nachträglich daS ärztliche Gutachten als irrig herauSgestellt habe.

Abg. Schroeder (frs. 93g.) spricht gleichfalls für den Antrag Lenzmann, ebenso

Abg. Munkel (srs. Vp.), welcher es geradezu al« Gebot der Sittlichkeit bezeichnet, die Ehescheidung zuzulassen, wenndie Geiste«- krankbeit drei Jahre gedauert, jede eheliche und seelische Gemeinschaft aufgehört hat und jede Aussicht auf Wiederherstellung auSgeschloffen ist," Wer da sage, wenn Gott den unheilbaren Wahnsinn schicke, so müsse der Andere das tragen, ohne zu einer neuen Ehe schreiten ju dürfen, der müsse die neue Ebe ebenso gut verbieten, wenn Gott statt des geistigen lobe« den leiblichen Tod schicke. Auch da« müsse danngetragen" werden, wofern man sich überhaupt auf diesen Standpunkt einer zu tragenden Schickung stelle. Wenn der Antrag jetzt abgelehnt werde, bann werde derselbe zur dritten Lesung wieder eingebracht werden.

Abg. Pauli (Rp) erklärt, ein Theil seiner Freunde lehne den Antrag Lenzmann ab. Es müsse jeder nach seinem Gewiffm

Feuilleton.

Wochenbrikse ans der Residenz. (Originalbertcht desGießener An^tgerS").

Z. Darmstadt, 26. Juni.

Hiläat-ttwert. - Sportfest. - -

Allerlei. Neue Locale.

Noch auS der Podgeti Wache find wir uu,-r,u Leiern a Bericht über ein Caneert schuldig, d-S, ero6«n Nie lameankündtgungen in Scene gesetzt, unter coloffaler> Be ibei tgung des Publikums verlief, aber einen sehr getheilten ruck bei den Erschienenen hinterließ. Der bekannte kttner Componist Koschat erschien mit einer Sänger- Selellschaft, die freilich nur aus einer gar kleinen 8njab Snb Schon das mochte zahlreiche Zuhörer entlaubt htien, noch mehr verstimmend wirkte jedoch der Umstand, daß statt des großen Saale» den Garten des Saalbaues Vortragsart auSerfehen hatte, in dem nur ein kleiner ömchtheil des Publikums die Liedervorträge verstehen konnte, inner daß da» Programm nicht abwechslungsreich gestaltet "dcn datz mau .. ich»,blich «« nicht st«°g- ck>>

Mit. Die recht guten Leistungen der Gesellschaft vermochten 1t. diese M ßzriffe nicht zu entschädigen, und so bereitete uch die Kritik dem Concerte nur eine getheilte Ausnahme.

volles Gelingen krönte dagegen da» vom Darm «Sidter Bichcleclub am Sonntag veranstaltete Wetr Snen bae, die sportlustigen Darmstädter wiederum intereffante Kämpfe auf dem Stahlroß brachte. Wir haben litt jüngst über eine gleiche Veranstaltung deS Radfahrer- 'meins berichten können und dürfen daher diesmal von einer -Ehrlichen Schilderung absehen. Unter den einzelnen Sannen nahm da» um die Meisterschaft von Heffen daS größte treffe in Anspruch- e« mußte dann - S «cke v°° 5DKOO Meter gefahren werden, die der glückliche Siege, z. Blankenborn von WormS, in 8 Minuten 39 See. Ml Erster durchlief. Nachdem alle sieben Rennen erledigt unten, fanb in derStadt Pfungstadt noch ein Eoncert riti: Ball statt, dem die Vertheilung der werthvollen Preise isr'iangegaugen war.