Dienstag den 28. April
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Erstes Blatt
1896
Gießener Anzeig er
Keneral-Mnzeiger
Amts- uni Auzeigeblatt für den Itrcts Gietzen
Hratisöeilage: Hießener Kamitienötätter
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Hierauf erklärten die
ablehnenden Standpunkt ein.
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wiirii tcic kirchliche Eheschließung und die Kirche könne nicht
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eS sei nicht wahr, daß dasselbe bet der Maffe des Volkes sich keiner Sympathie erfreue. Die conservative Partei habe seiner Zeit auf Erlaß deS CivilstandsgesetzeS gedrungen. Würde einer der gestellten Anträge im Plenum angenommen werden, so wäre damit daS Zustandekommen deS ganzen Gesetzbuches ernsthaft in Frage gestellt. Er glaube, erklären zu können, daß die verbündeten Regierungen tu dieser Auf- faffung völlig einig seien. Die verbündeten Regierungen nähmen den gestellten Anträgen gegenüber einen entschieden
Die Gießener yiiintnöfäKtt tjtrbtn dem Anzeiger dreimal bcigeltgL
i. M. Niedenan 15.
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Der n Itxtt A«»elger c scheint täglich, * Ausnahme deS Montags.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
WB. Mülhaufen i. (L, 27. April. Der Reichstags- abgeordnete Socialdemokrar B u e b wurde am SamStag Abend auf Grund deS § 131 des Strafgesetzbuches und deS Artikels 31 der ReichSverfasiung v erhaf tet, am Sonntag aber wieder freigeiaffen, nachdem der Flugschriftenballen, deren Beiseiteschaffung die Verhaftung veranlaßt, bei Parteigenoffen aus- gesunden worden.
H. Wien, 27. April. Der Kaiser empfing heute Vormittag IP/2 Uhr Lueger. ES verlautet, der Kaiser appellirte an LuegerS Patriotismus, feine geistigen Fähigkeiten anerkennend, für den Augenblick auf die Annahme der Wahl zu verzichten. Lueger sagte zu.
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Berlin. 26. April. Nach Anficht deS Vorfitzenden der ReichSlagScommisfion zur Vorberathuog des bürgerlichen Gesetzbuchs werden die Arbeiten der Commission einen beschleunigteren Gang nehmen. Er hegt die feste Hoffnung, daß die erste Lesung bis Pfingsten wird beendigt sein können.
Berlin, 26. April. Wie der „Localanzetger" meldet, fand gestern zwischen dem Hauptmann F. T. v. B. und dem Fabrikanten, Lieutenant der Reserve S. bet Groß-Lichterfelde (Süd) ein Pistol en duell statt. Nach dem ersten erfolglosen Kugelwrchsel revocirte der Fabrikant S. und die Parteien verließen auSgesöhnt den Kampfplatz. Dte Veranlaffung zu dem Duell lag in einer geringschätzenden Aeußeruug deS S. über die Familie des Gegners.
Wien, 26. April. Die Polizei verbot die von den Socialdemokraten geplante Heranziehung von Schulkindern zur Maifeier. Zuwiderhandlungen sollen streng bestraft werden.
Budapest, 26. April. Heftiger Schneefall in Nord- und Süd-Ungarn hat große Verkehrsstörungen verursacht.
Belgrad, 26. April. Die Behörde untersagte ein für heute geplantes VolkSmeettng, welches gegen die ungarische Millenium-Ausstellung demonstrtren sollte.
BundeSrathLvertreter Bayerns, Württembergs und Badens, daß ihre Regierungen am Personenstandsgesetz und am Grundsatz der obligatorischen Civilehe festhalten. — AlSdann trat in den Verhandlungen eine Pause ein.
Berlin, 25 April. Am 30. Mai findet iu der Deutschen Colonialausstellung die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Colonialgesellschaft statt.
Karlsruhe, 25. April. Bei der heute in Dur lach ftattgehabten ErtunerungSfeier des badischen Train-Bat aillonS Nr. 14 richtete der Großherzog eine Ansprache an dte Veteranen. Er hob in derselben besonders die hervorragende Thätigkett de» Train im Feldzuge hervor und ermahnte ferner dte Veteranen, alle ihre Kräfte einzusetzen, damit dte Gesinnungen, die sie bekundet und von denen sie beseelt seien, auf dte Jugend und die kommenden Generationen übertragen werden, denn nur dann könne daS Geschaffene auch erhalten werden. Am Schluß seiner Rede forderte der Großherzog dir Anwesenden auf, dahin zu streben, daß dem Kaiser die Regierung leicht gemacht werde, damit dieser dte Pflichten, die er zu erfüllen habe, mit Hilfe deS Volkes alle erfüllen kl >ne und brachte sodann ein dreifaches Hurrah auf den Kaiser auS.
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Bekanntmachung, betreffend: Maul- und Klauenseuche. Iu Altenstadt ist dteMaul-und Klauenseuche erloschen find dte Sperrmaßregeln aufgehoben worden.
Gießen, den 24. April 1896.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Militärschüler von St. Cyre, dem auch Präsident Faure beiwohnte.
Paris, 26. April. Das Ministerium Sarrten erscheint nahezu fertig. Doumer bleibt aber nicht als Finauz- minister. DrSjardinS Beaumetz übernimmt den Unterricht, Cambon, der Gouverneur von Algier, daS Ministerium des Aeußern.
London, 25. April. „Daily News" melden aus Berlin, daß im Falle eines ernsthaften Krieges zwischen England und Transvaal Deutschland die Republik Transvaal auf diplomatischem Wege unterstützen werde. Außerdem werde Deutschland überall aus die englische Politik einwtrkev, namentlich in Egypten, im äußersten Osten und auf der Balkan-Halbinsel.
London, 25. April. Die Königin stiftete einen neuen Orden, genannt „R 0yal-Vict orta-Orden".
Belgrad, 25. April. Wie bestimmt verlautet, verfügte der König die Einführung deS Zweikammersystems. Es soll ein gewählter Senat wie iu Rumänien eingeführt werden.
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>cdeo, hewbchjtn erklären und daß hierauf dieser die Ehe für ge-
MIHtn erklärt. Hierzu liegen die bekannten Anträge der
^Formationen ist diese Meldung nicht zutreffend. Der Ab- ßipirinsle Bebel ist allerdings vernommen worden, hat aber, bWem Vernehmen nach, diese Erklärung absolut nicht ab- g Mb-N. UebrigenS wird dte ganze Untersuchung geheim geführt
— Dte Meldung englischer Blätter, der Militär- 9. VMt* bet der deutschen Botschaft in Rom, Major v. Jacobi, b.sh loer in Limtng bei Nizza weilenden Königin von äiiiglnnb ein Handschreiben deS Kaisers Wilhelm KSme^cht, soll sich bestätigen. Wetter heißt eS, in Londoner g «iwttrrrichteten Kreisen gelte eS als feststehende Thatsache, d «j bcr Kaiser Franz Joseph der Königin Victoria Der» s;rntvn habe, die deutsch-englische Verstimmung heben zu
Londoner Blätter wissen denn auch schon zu Der» siHm, daß der deutsche Kaiser auch in diesem Jahre in öte» erscheinen werde- es scheint sich aber hierbei zunächst wich nmr um einen Fühler von englischer Sette zu handeln.
Berlin,25. April. DieDorlagewegender4.Bataillone diWc der „Nat.-Ztg." zufolge dem Reichstage in 14 Tagen iWtem. Sie wird eine größere Rate von für die Kaserntrung e'widerlichen Geldmitteln verlangen. Die Umwandlung der 4 !..Lri:Lillone selbst wird erst nach dem 1. April nächsten J sickeS erfolgen. Die laufenden Ausgaben hierfür, die unter ttdmMillion Mark bleiben, werden erst im Etat für 1897/1898 b«Mlr«gt werden.
Berlin, 25. April. In der ReichStagScommission für divtSiitrgerliche Gesetzbuch wurde heute dte Berathung bitti«rtcn Abschnitte» im vierten Buch, der von der Ehe HMmdilt , fortgesetzt. Die §§ 1289 bis 1299, welche die EitMdrrniffe bet der Ehe bestimmen, bleiben unverändert. § I BOO bestimmt, daß dte Ehe dadurch geschloffen wird, daß di t!'verlobten vor einem Standesbeamten ihre Absicht zu
Hierzu bemerkt „W. T. B.": Nach unseren
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Gießen, 27. April 1896.
** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Mittwoch den 29. April 1896, Nachmittags 31/2 Uhr: 1. Gesuch des Lehrers H. Pfaff um Erlaubutß zur Errichtung eines Gartenhäuschens von Brettern iu der Schwarzlach. 2. DeSgl. deS R. Meuser wegen Aufstellung eines BretterhäuSchenS. 3. Gesuch des L. Orth wegen Anbringung von Schaukästen. 4. Gesuch deS R. Prö- schold um Erlaubniß zur Aobrivgung erneS HofthoreS bei seiner Hofratthe Dammstraße. 5. Baugesuch des Carl Bieler für den Neuenweg. 6. Desgleichen des Carl Plank III. für dte Rodhohl. 7. Degl. deS Andreas Euler für dte Dammstraße. 8. Ein weiteres Baugesuch deffelben für die Dammstraße. 9. Unterhaltung der Straßen- hier Anschaffung eines Fahrrades für den Straßenmeister. 10. Gesuch des Apothekers Dr. Julius Cäsar um Ueberlaffung eines Raumes im alten Schloßgebaude zum Trocknen von Arzneikräuteru. 11. Errichtung einer DeStnfectionsanstalt- hier: Ermäßigung der Gebührensätze. 12. Abhaltung eines Friedens-, bezw. Jugendfestes. 13. Gesuch deS Carl Kratzenberger um Er- laubniß zum WirthschaftSbetrieb im Hause Steinstraße 74.
MUitärdievstnschrichten. Frhr. v. Autenried, Premierlieutenant vom Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh.
Deutscher Reich.
Berlin, 25. April. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Wie ) nttartt, hat sich dte Aushändigung der auf der Chicagoer : Sc!liauSstellung verliehenen Medaillen und D'plome r mtz wiederholten Anregung von deutscher Seite bisher nicht irndfcn lassen. Eine neuerdings erhobene Vorstellung in iSMbbgton scheint einen befferen Erfolg gehabt zu haben, )l am darauf ist dem kaiserlichen Botschafter in Washington tfftaatliche Mittheilung zugegangen, daß der mit der Ver- tfljiiluttö der Diplome und Medaillen beauftragte Chef deS 1 toreain of Engraving and Printing in der Lage sei, am -TA. di er 25. April die Diplome und Medaillen der Botschaft • eübnrmltteln.
1 erlitt, 25. April. Die „Rheinisch Westfälische Zeitung" 3Ü||rn a. d. R. meldet: Der Abgeordnete Bebel wurde . 1129.. April in der UntersuchungSsacbe gegen Dr. PeterS i »SaSwärtigen Amt verhört und mußte zugeben, daß die frieütn von PeterS an den Bischof Tucker geschriebenen Briefe pft;t rmrhanden feien und daß er in der Sache irregesührt
Ausland.
Wiev, 25. April. Heute dürfte der Act, durch welchen dem Gemeinderath dte Nichtbestätigung LuegerS als Bürgermeister von Wien nottficirt wird, ins Rathhaus gelangen. Der antisemitische Bürgerclub hielt deshalb gestern Abend eine neuerliche vertrauliche Sitzung ab, deffen Beschlüffe jedoch geheim gehalten werden.
Wien, 25. April. Die Meldung deS „Standard", Fürst Ferdinand habe auf eine Anfrage, ob sein event. Besuch in Wien genehm sei, eine abschlägige Antwort erhalten, wird in informtrten Kreisen für vollständig unbegründet erklärt. Dec Besuch deS Fürsten am österreichischen Hofe sei auf der diesmaligen Reise nicht in Aussicht genommen. Der Besuch werde vielmehr im Laufe des Sommers stattfinden.
Wien, 25. April. In ganz NiederOesterreich, Steiermark und dem Salzkammergut herrscht seit gestern wieder h eftiger Schneefall.
Prag, 25. April. Die Arbeiter sämmtlicher städtischer Gasanstalten stellten an den Gemeinderath die Forderung um Lohnerhöhung und Reduction der Arbeitszeit.
Prag, 25. April. Die Forderungen sämmtlicher Schuh- machergehtlfen wurden abgeschlagen, weshalb der Strike proclamirt wurde.
Budapest, 25. April. DaS MagnatenhauS nahm unter begeisterten Eljenrufen daS Gesetz betreffend die Verewigung des tausendjährigen Andenkens der Gründung deS ungarischen Staates an. Der Ministerpräsident Baron Banffy betonte in kurzer Erklärung unter brausenden Hochrufen, daß der König mit der Nation fühle und feiere. DaS HauS war dicht besetzt.
Budapest, 25. April. Heute Vormittag fand ein Duell d-S Honvedministers Baron Fejervary mit dem Abgeordneten Bernat statt. Nach einem einmaligen erfolglosen Kugelwechsel folgte ein Säbelduell bis zur Kampfunfähigkeit. Bernat erhielt einen Säbelhieb an der rechtrn Schläfe und stürzte schwer- verwundet zusammen.
Paris, 25. April. Fürst Ferdinand von Bulgarien traf heute früh um 8 Uhr 22 Min. auf dem Nordbahnhose hier ein. Der Bahnhof war mit französischen und bulgarischen Fahnen geschmückt. Auf dem Bahnsteige war eine Ehren-Compagnie der republikanischen Garde tu großer Uniform aufgestellt. Der Chef des Militär-Staates des Präsidenten, General Tournier, begrüßte den Fürsten im Namen des Präsidenten. Fürst Ferdinand schritt die Front der Ehren-Compagnie ab. Sodann wurden ihm der türkische Botschafter und das Personal der türkischen Botschaft vorgestellt.
Paris, 26. April. Fürst Ferdinand von Bulgarien machte gestern Abend dem Kammerpräsidenten Briffon einen officiellen Besuch und erschien später auf dem Ball der
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aiüöj>. Bachem (Sentr.) und Himburg (cons.) vor. Abg. Bachem * betratet feinen Antrag in längeren Ausführungen. In fordert er die Anerkennung des Dogmas der i, kaiWschen Kirche, daß die Ehe ein Sacrament, und daß ., deatk-itiche demnach auch über die Formen der Eheschließung r ® Ö<|1 di luiirrscheidung zukomme. Der größte Thcil des Volkes
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Iivahmr von Anzeigen zu der Nachmittag» für bat hhmden Dag erscheinenden Nummer bi» vorn?. 10 Uhr.
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st. iL-n geltend zu machen. Auch die Ehegerichtk barkeit müsse der StüHtii zurückgegeben werden. — Abg. Himburg begründet feM!° »Antrag, deffen Forderungen dem religiösen Sinn und öeua Wünschen der Mehrheit deS Volkes entsprechen. — 6WMf|ecret8r Nieberding erklärt sodann, die verbündeten tv»" rück Rüchiiimngen standen auf dem Standpunkt, daß daS Ehe- chos slMjllmgSrecht, wie eS 1875 reichsgesetzlich geregelt worden,
unß 2 dM Srizebniß langer politischer und religiöser Kämpfe sei
utib y umttlG eS unter allen Umständen aufrecht erbalten werden
DaS Civilehkgesetz habe sich durchaus bewährt, und
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