Ausgabe 
28.3.1896 Zweites Blatt
 
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Werdn'schen Armee zu stoßen. Unsere Haoptwaffenthat war die Einnahme von villerirxel am 9. Januar 1871; aber war bedeutet das gegen Schlachten wie Weißenburg, Wörth, Sedan und so «eiter, die Sie im 87. Regiment durchgemachr haben."

.Halt, Verehrtester! Schütten Sie dar Kind nicht mit dem Bade auS! Ich gebe ja gerne zu, daß die Namen der großen Schlachten einen stolzen Klang haben und einen hohen Beweis für die Tapferkeit und den Opfermuth der betheiligteu Truppen geben. Allein was Ihr von der Werder'schen Armee an Unerschrockenheit und zäher Aus­dauer namentlich während der heldeumüthigen Denheidigung der Linie Delle«Montbelliard «Hericourt - Lure gegen die Bourdakt'ich- Uebermacht geleistet habt, ist dem mindestens als ebenbürtig zur Seite zu stellen. Und dasselbe gilt von den aufreibenden Strapazen bet der Belagerung und Be­schießung einer Festung, wie Ihr fie vor Skraßbvrg und Belfort erlebt habt. Auch wir haben einen kleinen Geschmack davon abgekriegt und wenn schon diese kleine Episode bisher kaum eine Erwähnung gefunden hat denn fie beschränkte sich eigentlich auf die Dauer einer einzigen Nacht so rechne ich sie unS doch ebenso hoch an wie eine Schlacht. Und ich weiß bestimmt, daß jeder von unS sich viel lieber nochmals in den mörderischen Kugelregen der Schlacht von Wörth gestürzt hätte, als eine zweite derartige Nacht zu durchleben." _ ,,

Donnerwetter, von der Geschichte weiß ich jo gar nichts. Was war baß für eine Nacht? Sie sprechen doch nicht von der Belagerung von Paris?"

Nein, natürlich nicht! Die betreffende Nacht hat unS zwar keine dtrecten Verluste gebracht, dafür aber bei Bielen den Seim zu schweren Krankheiten gelegt, welche fie später wegrafften. Ich meine die Beschießung der kleinen Vogesen« festung Pfalzburg durch die Feldarrillerie deß elften Corps und der 21 Divifion in der Nacht vom 10. auf den 11. August 1870." vi

Von einer solchen Beschießung habe ich allerdings nie etwas gehört. Ich war der Ansicht, daß Pfalzburg einfach

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Das war nach diesem ersten vergeblichen versuch der Beschießung auch der Fall; doch Psalzburg hat sich not ziemlich lauge gehalten, denn capttulirte erst a» 12. December."

^Schöll! Aber jetzt, alter Freund, erzählen Sie ar-, mal etwas von der VeschießungSnacht, die sich so tief Ihre» Gedächtniß eingeprägt hat."

Ja, da muß ich ein bischen weit aukholeu. Sie 6*e wiffen, hatte unser Regiment bei Weißenburg sowohl tu bei Wörth am 4. und 6. August die stärksten Verluste i» elften CorpS erlitten und wir bedurften daher d«S gaazn» 7. August, um wieder marsch« und kampsbereit zu sei:. Mit TageSgraueu beß 8. August also ging es nach zw BiwakSnächteu auf bem lercheubesaten Schlachtfeld in El Märschen in die Bogesenpäffe hinein, hinter der geflüchtet» Armee beß Marschallß Mac Mahon her, beten erste ver« folguug bie badische, bayerische und wünkembergische Lavaüer-, übernommen hatte, vom Feind war nichts zu sehen nr wir bekamen erst jetzt einen Begriff davon, in welch. ständiger Auflösung die franzöMche Armee geflohen war, c.. wir diese von der Natur so stark befestigten Deftlöeu palsirttr ohne auf Widerstand zu stoßen, tro doch eine kleine, aber ec: schloffene Macht genügt hätte, unS große Verluste und b«. deutenden Aufenthalt zu verursachen.

Der 8. war ein Regentag, doch kamen wir spät Äbenli in enge Marschquarrtere, was unß einigermaßen über t: mangelhafte Verpflegung tröstete, konnten w,r doch zvr ersten Male seit dem 1. August tu Rülzheim in der bau rischen Pfalz bei GerwrrSheim wieder unsere Uniformen ac< ziehen und trocknen! Der 9. brachte uni bei großer Hitze einen furchtbar anstreugeudeu Marsch und spät Abends tu Biwak, allerdings ohne Regen, allein auch ohne neunert werthe Verpflegung in der sehr armen Gegend.

(Fortsetzung folgt.)

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Feuilleton.

Dir Brschirßung von Psnydurg im Jahre 1870.

Son 5tcb Mibotm)

Wiffen Sie denn auch, alter Freund, daß eS heute genau fünfundzwanzig Jahre find, daß wir auf dem Bahn­hofe zu Frankfurt am Main von einander Abschied genommen haben, um inS Feld zu ziehen? ES war am 16. Jule 1870, als das Pommersche Füsilier-Regiment Nr. 34 den Befehl bekommen, noch am selben Abend nach Rastatt abzurückeu und dort unsere Reserven zu erwarten. Gleichzeitig hatten aber auch Sie Ihre Versetzung zu einem der ueuformirten Regimenter erhalten." ,

Sie haben recht, lieber Becke-ich erinnere mich noch sehr gut, mit welchem Bedauern ich Sie damals In den Zug einsteigen sah, der Sie tu bie nächste Nähe beß Feindes bringen sollte. Nahmen wir damals doch alle an, daß schon in den nächstfolgenden Tagen ein Einfall der Franzosen in Baden erfolgen würde und daß daß Regiment sicherlich mit zu den ersten gehören müffe, die an den Feind kamen."

Becke, der vor der Mobilmachung längere Zeit al- älterer Offizier in derselben Eompagnie gestanden harte wie ich, war mir am Nachmittag zufällig begegnet, nachdem wir unß seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen und nur selten ermaß von einander gehört hatten. Nach kurzer, freudiger Begrüßung beschloffen wir, dies unerwartete Wiedersehen bei einer Flasche Wein gebührend zu feiern, und war wohl selbstverständlich, daß unsere Unterhaltung fich bald um die Ereigniffe beß Feldzugeß 1870/71 drehte.

Ja, ja," meinte Becke,aber wie ganz anbeiß ge­staltete fich schließlich bie Geschichte. Die Franzosen rückten nicht in Baden ein und wir spielten beßhalb zunächst nur Besatzung in bem kleinen Rastatt, biß bas Regiment auf Kriegsstärke gebracht war. Dann halfen wir Straßburg belagern unb alß wir bort am 28. September durch die Capitulation frei geworden waren, hetzten wir hinter den Frauctireurbanden tu den Vogesen her, um endlich zu der

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