Ausgabe 
28.3.1896 Erstes Blatt
 
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:1r. 75 Erstes Blatt. Samstag den 28 März

1S96

vierlkliShriger

Kmerat-Mnzeiger

Amts» unb Anzeigeblutt für ben Kreis Gieren.

chratisbeitage: Gießener Aamitienölatter. |

Annahme von Anzeigen |u der Nachmittag« für de, hotgenden Lag erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr.

Alle Rnnoncen-Bureaux de« In» und Lu«lande« nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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KchnlftraßeAr.7.

Fernsprecher 61.

Die Gießener ,«rnilie«0tälter rerden dem Anzeiger oSchentlich dreimal brigelegt.

Der -ießener Anzeiger erscheint täglich, rill Ausnahme de« Montag«.

Gießener Anzeiger s

Amtlicher Tbeil.

Bekanntmachung.

Betreffend die Maul» und Klauenseuche in Röthges.

Nachdem unter den Schaf- und Rindviehbeständen der Gemeinde Röthges die Maul« und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gehöft-, Weide- und SkmarkungSsperre angeordnet ist.

Gießen, am 27. März 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, am 26. März 1896. vetr.: Die Anstellung der KreiSstraßenwarte.

Das Großherzogltche Kreisamt Gießen mit die Großh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Sie wollen, soweit au» Ihren Gemeindekassen Gehalte nv Straßenwarte bezahlt worden find, die Gemeindeetnnehmer verrnlaffen, sofort mit der Kreiskaffe abzurechnen, damit diese in den Besitz sämmtlicher Hauptquittungen gelangt.

Binnen 14 Tagen sehen wir Ihrem Bericht entgegen, daß diese Abrechnung stattgefunden hat.

v. Gagern.

Aus den Verhandlungen der Ersten Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 26. Marz 1896.

Die Erste Ständekammer trat heute Morgen um 91/2 Uhr gut Schlußsitzung zusammen. Die 31 Punkte umfassende Tagesordnung fand in rascher, meist mit den Beschlüssen der Zweiten Kammer übereinstimmender Weise ihre Erledigung. Dem Antrag de» Abg. Bähr und Genossen, um Neuord­nung der Gehalt».Verhältnisse der Gemeindeforst, starte, der aber von der Zweiten Kammer abgelehnt wurde, utib dafür auf Antrag de» Abg. Haas und Genossen eine Summe bis zu 20,000 Mk. jährlich der Regierung zur Besserung der Gehalte der Gemeinbeforstwarte und Ber- «illtgung von Ruhegehalten zur Verfügung gestellt war, trat bic Kammer nicht bei.

Bezüglich der Gesuche der Steueraufseher des SroßherzogthumS um Gehaltsaufbesserung trat die -Kammer dem Ersuchen der Zweiten Kammer an die Großh. Regierung um Gewährung von entsprechenden Vergütungen für Zehrungen u. s. w. einstimmig bei, lehnte dagegen eine Sehaltserhöhung ab, da nach den Erklärungen der Regierung Ile Ausarbeitung eines Beamtengesetzes in Vorbereitung ist.

Die von der Großh. Regierung gemachte Vorlage auf "ktwilligung von Ortszulagen für die Hochbauaufseher lat von der Zweiten Kammer gegen eine Stimme abgelehnt torden. Der berichtende Ausschuß beantragt, diesem Be- ftzluß nicht zuzustimmen, insbesondere weil derselbe nur der Ünsdruck divergtrender Ansichten bezüglich deS OrganiiationS- ach'eS zwischen Regierung und Kammer gewesen sei. Es würden hierdurch nur die betroffenen Beamten darunter zu le ben haben, die auf die, ihren Collegen budgetmäßig zn- ßchende Localzulage verzichten müßten. Die Kammer be- Itließt einstimmig, die RegierungSsorderung zu bewilligen.

Einem Beschluß der Zweiten Kammer, die Großh. Regie- tung zu ersuchen, eine Gesetzesvorlage zu machen, durch welche dec Art. 14 des Dammbaugesetzes vom 14. Juni 1887 ^gehoben wird, beantragt der AuS|chuß nicht betzutreten, »eil derselbe die EntschädiguugSfrage mehr oder weniger in «tiäpenso lasse. Das Entstehen und der Ausfall von Pro« gerfen in dieser Frage sei hier zu vermeiden, und die Sache Har ins Auge zu fassen. Der Ausschuß beantragt auch bcher zu beschließen: Für die durch Neubau, die Verlegung, bie gänzliche oder theilweise Abtragung eine» Hochwasser- bcmmes bewirkte Werthvermtnderung des Grundbesitzes wird Entschädigung geleistet. Die Entschädigung wird nach den tzlundsätzen der Art. 8 und 9 de« Gesetzes vom Staat und dmjenigen Gemeinden getragen, denen die Arbeiten zum Vor« ttetl gereichen. Dieser Antrag findet Annahme.

Bezüglich des Antrags deS Abg. Euler auf Er- Sattiung einer Nebenbahn von BenShetm nach Linden- ftl« und eines Gesuchs verschiedener Körperschaften um Er« iaaang einer Nebenbahn durch daS Modauthal von Linden- |t!8 nach Darmstadt, welcher von der Zweiten Kammer dahin glitgeheißen wurde, die Großh. Regierung zu ersuchen, eine 8fbinbung deS mittleren OdenwalbeS mit ben Bahnnetzen

im Ange zu behalten, und nach Klärung der Verhältnisse und eingehender Untersuchung der geeigneten Strecke Vorlage zu machen, beantragt der diesseitige Ausschuß, hier eine ab- wartende Stellung einzunehmen, und den Antrag abzulehnen. Dies um so mehr, als die bereits bewilligten Nebenbahn- Unten als die dringlichsten im Lande anerkannt und das technische Personal für andere Zwecke nicht verwendet werden sollte. Finanzmtnister Weber theilt den Stand­punkt des Ausschusses voll und ganz. Die Regierung werde auch bei ablehnendem Beschluß die fraglichen Linien im Ange behalten und Erhebungen machen lassen. Graf Laubach theilt den Standpunkt der Regierung. Mit dem Antrag des Ausschusses sei bezweckt, die wilde Jagd nach Bahn­linien von Interessentenkreisen aufzuhalten. Wenn die Re- gierung über gewisse Linien ein klare» Bild habe, bann möge dieselbe selbst dem Haus Vorlage machen. Graf zu Erbach ist der gleichen Ansicht wie der Ausschuß. Er empfiehlt aber da» Project BensheimLindenfels der Re­gierung zur wohlwollenden Erwägung. Auch gegen eine Bahn durch das Modauthal sei nichts einzuwenden. Für die beste Lösung hält er, wenn man beide Projekte vereinige. Frhr. v. Hehl weist auf die finanziellen Schwierigkeiten hin. Für Nebenbahnen seien bereit» 32 Millionen ver- willigt und immer sehe man noch kein Ende. Mehr als eine Million Zinsen sei zu zahlen, wenn die Bahnen gebaut feien; bei den Oberhesflschen Bahnen habe sich bereit» ein Deficit von l1/» Millionen herausgestellt, dazu trat noch die Heber- nähme der hessischen LudwigSbahn auf den Staat. Durch solche uferlose Pläne des anderen Hauses werde der hessische Staat in finanzielle Schwierigkeiten gebracht, der die Steuer­kraft des Landes in Mitleidenschaft ziehe. Der Antrag deö Ausschusses auf Ablehnung wird hierauf einstimmig an­genommen. Da» gleiche Schicksal erfährt der Antrag Vogt und Genossen auf Erbauung einer Nebenbahn LichGrün­berg. Graf Laub ach hält die Linie, soweit er die Ver­hältnisse kenne, für unnöthig. Er frage sich überhaupt, ob man Bahnen bauen solle, die nur Städte 2. und 3. Ranges berühren. Wenn diese Bahn eine Fortsetzung nach Grünberg erhalten solle, dann wolle er fich nicht dagegen aussprechen. Prälat Habicht tritt für die Linie LichGrünberg ein, die eine Nothw?ndigkett für die dortige Bevölkerung sei. Nur dürfe fie nicht von Privaten, sondern von der Regie­rung gebaut werten. Gegen 1 Stimme wird der Bau der Bahn abgelehnt. Auch die Erbauung einer Nebenbahn von Oppenheim nach Darmstadt bezw. Groß-Gerau findet keine Gnade vor dem hohen Hans. Excel!. Goldmann weist darauf hin, daß daS Hau» früher dem Bau dieser Bahn zugestimmt habe. ES liege kein Grund vor, diesen Beschluß aufzuheben. Ob die Bahn nach Groß-Gerau oder Darmstadt geführt werde, fei ihm einerlei. Er wünsche nur eine Verbindung nach dem Rhein zu erzielen. Der Antrag wird gegen 8 Stimmen abgelehnt. Damit ist die Tages­ordnung beendigt und vertagt fich baß Hau».

Deutsches Reich.

Berlin, 26. März. Abermals weilt Kaiser Wil­helm In Italien, begleitet von seiner erlauchten Gemahlin unb seinen ältesten Söhnen. Die hohe Politik hat mit tiefer jüngsten Jtalienfahrt be« hohen Herrn, bie ja schon längst geplant war, zunächst nichts zu thun, brnnoch weist bie ganze Reise burch bie an ihrem Ausgange erfolgenbe Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit König Humbert ihren bedeutsamen politischen Hintergrund auf. Gewiß find von der bevorstehenden Monarchenbegegnung von Venedig keine besonderen Abmachungen zu erwarten, aber sie besiegelt zum Mindesten aufS Neue nicht nur das enge persönliche Freundschaftsverhältniß zwischen den beiden Herrschern, sondern bekundet zugleich auch wiederum die Festigkeit de« Bundes ihrer Reiche unb Völker. Dle schwere Nieberlage ber italienischen Waffen bet Adua hat nicht einen Augenblick vermocht, bie innigen politischen Beziehungen Italiens zu Deutschlanb und hiermit weiter auch zu Oesterreich-Ungarn zu erschüttern oder zu trüben, im Gegentheil, gerade in diesen so ernsten Tagen für daS Apenninenkönigreich zeigte fich glänzend, wie festgefügt doch der Dreibund ist. Eben Augeficht» der abessinischen Ereigniffe gewinnt aber bie im Anschlüsse an die Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms statt- -findende Begegnung desselben mit dem italienischen Monarchen an Bedeutung, fie bringt aufS Nene die Sympathien und die Thetlnahme Deutschlands für daS verbündete Italien zum leuchtenden Ausdruck, und dies weiß die italienische Nation selbst sehr wohl, die begeisterte Aufnahme, welche dem Kaiser und der Kaiserin bei der Durchreise in Mailand, bann in Genua und nun in Neapel bereitet worden ist,

beweist zur Genüge, wie sehr man in Italien gerade ben diesmaligen Besuch deS deutschen Kaisers zu würdigen versteht.

Neueste

Wolff« telegraphisch«« Lorrcspondenz-Bureau.

Berlin, 26. März. Der BundeSrath überwies in seiner heutigen Sitzung den Beschluß deS Reichstages zu einer Petition wegen Vornahme periodischer Erhebungen über bie gesammten Arbeiterverhältnisie in den Betrieben deS Reiche» u. f. w. dem Reichskanzler. Der Vorlage vom 16. Marz betr. die Revtfion der BrennfteuervergütungSsätze wurde die Zustimmung crtheilt. Das Etatgesetz für Elsaß-Lothringen für 1896/97 wurde in der Fassung der Beschlüsse deS Lande»« auSschufleS angenommen.

Frankfurt a. M., 26. März. Die Stadtverordneten- Versammlung hat, wie verlautet, in der letzten nicht öffent­lichen Sitzung zur würdigen Gestaltung der Feier anläßlich des Besuchs Sr. Majestät des Kaisers in Frankfurt einen Credtt von 90000 Mark bewilligt.

Christiania, 26. März. Der Storthing lehnte mit 58 gegen 56 Stimmen den Antrag, die Apanagen de« König» und deS Kronprinzen auf die früheren Beträge von 326000 bezw. 80000 Kronen zu erhöhen, ab und bewilligte die jetzigen Beträge von 256000 bezw. 30000 Kronen. Die Regierung brachte heute im Storthing eine Gesetzesvorlage ein Über ben Anschluß Norwegens an bie Berner Convention, betreffend das literarische Eigenthum.

Stockholm, 26. März. Die erste Kammer bewilligte 11 780000 Kronen zur außerordentlichen Vergrößerung der Flotte; die zweite Kammer hat diese Bewilligung auf 5 000000 Kronen herabgesetzt.

Petersburg. 26. März. Der Nuntius, der den Papst bet den KrönungSfeierltchkelten vertritt, trifft am 27. Mai in Moskau ein.

Sofia, 26. März. Fürst Ferdinand hat heute früh 12 Uhr 42 Minuten seine Reife nach Konstantinopel an­getreten. In feiner Begleitung befinden fich der Minister- präfident Stoilow, der Kriegsminister Petrow sowie ber türkische Commiflar in Sofia.

Eapstadt, 26. März. Reuter. In zwei Distrtcten be» Matabelelanbe», Jnseza unb Ftlabufi, ist ein Aufstanb auSgebrochen. Eine Anzahl Weiße ist getödtet, unter ihnen ber Commiffar für bie Angelegenheiten ber Eingeborenen, Bentley. Die Weißen flüchteten fich nach Bulawayo unb Gwelo. 75 Freiwillige mit einem Maximgefchütz finb gegen bie Aufstänblschen ausgewogen.

Johannesburg, 26. März. Reuter. Hier wirb jetzt allgemein angenommen, baß Präsident Krüger England nicht besuchen wird.

Dipssche» .HeroA".

Berlin, 26. März. DaS preußische Herrenhaus trat heute in die Berathung des Etats ein, bei welcher Ge­legenheit verschiedene Mitglieder des Hauses die Lage der Landwirthschaft besprachen. Graf Mirbach führte au», von der gegenwärtigen Regierung höre man auch nur Worte, aber nichts von Thaten. Im Lande herrsche eine Stimmung, daß man sich freue über jede Existenz, die vernichtet werde. Wenn die Regierung keine klare Stellung zu ben schwebenbe« Fragen einnehwe, bann könne sie leicht bedenkliche Dinge erleben. Graf Klinckowström drückte ebenfalls feine Be­fürchtungen aus und meinte, der Ernst der Situation teert-e nicht gewürdigt. Er erörterte dann die rapide fortschreitende Verschuldung des Grundbesitzes. Ministerpräsident Fürst Hohenlohe erwiderte, er wisse nicht, worin der Mangel an Wohlwollen für die Landwirthschaft, der der Regierung hier vorgeworfen werde, bestehen solle. Die Regierung habe auf da» Verlangen der Landwirthschaft in loyaler Weise im AuS- lande wegen Verhandlungen In der Währungsfrage angefragt. Die Antwort fei aber derart gewesen, daß die Regierung weitere Schritte nicht für angezeigt hält. Die Behauptung des Grafen Mirbach, daß am Ministertifche Freude herrsche über jede vernichtete Existenz fei so ungeheuerlich, daß er nichts darauf erwidern wolle. Graf Mtrbach bemerkte dem Fürsten Hohenlohe, daß er nicht gesagt habe, man freue fick am Ministertische über jede vernichtete Existenz, sondern er habe lediglich gesagt, daß die Stimmung im Lande eine der­artige sei. Morgen Fortsetzung ber Debatte.

Berlin, 26. März. Heber die diesjährigen Kaiser- manöver macht diePost" folgende Mlttheiluugen: Die großen Manöver des 12. ArmeecorpS gegen daS 5. und 6. ArmeecorpS werden an drei Tagen in der Gegend zwischen Görlitz und Bautzen stattfinden, und zwar am 9., 10. und 11. September. Vorher werden Paraden abgehalten werden