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Erstes Blatt
Dienstag den 27 October
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Waffenbrüderschaft?
(Ein Beitrag zu den Zarenreisen.)
Die Schwäche der Franzosen in Geographie und Gerichte ist langst bekannt. Die erstere kennen sie nicht anders, die letztere wollen sie nicht anders. Unsere von Hause aus gewiß liebenswürdigen Nachbarn begnügen sich dabei auch keineswegs mit der legendenhaften Uebertreibung wirklich ruhmvoller Thaten, sie erfinden sogar Heldendinge, die niemals statt gefunden haben, wie u. A. die leider falt all« gemein geglaubte Aufopferung des Kriegsschiffes „le vengueur" das fich in einem der RevolutionSjahre durchaus selbst in die Luft gesprengt haben soll. — DaS neueste geflügelte Wort nun ist das von der traditionellen „Waffenbrüderschaft", nämlich zwischen Frankreich und Rußland. Vergebens zermartert jeder Historiker sein Gedächtniß darüber, wo und wann eigentlich bisher die Soldaten beider Völker zusammen gegangen find. Daß im siebenjährigen Kriege die Pom« padour gegen Preußen marsch'rcn ließ, weil ihr Maria Therefia mit „ma ch&re cousine* geschrieben hatte, und wiederum die Zarin von Osten her ihre Truppen gegen Friedrich den Großen sammelte, weil dieser vorzügliche Herrscher und schlechte Poet sie durch eine Anzahl Spottverse beleidigt hatte, — dies ist doch im Ernste keine Waffenbrüderschaft zu nennen. In jenem ganzen Kriege haben Franzosen und Ruffen auch nicht ein einziges mal zusammen gefochten. Vom Hubertusburger Frieden bis zur Revolution „Nichts Neues unter der Sonne".
Alsdann kam der Krieg der Ruffen gegen die junge freiheitStrunkene Republik. Oberfeldherr, auch der Oester- reicher, wurde der berühmte Suwarow, der Sieger von Warschau. Dieser zog seinen Soldaten voran mit einem Hemd über dem Pelz, sie drangen bis in die Alpenwelt und Italien hinein und der hoffnungsvolle Joubert fiel gegen ihn bei Novi. Erft Moreau gelang es, durch seinen Sieg bet Zürich über Korsakow die Ueberlcgenhcit der franzöfijchcn Waffen wiederherzustellen und eö erfolgte unter beispiellosen Schwierigkeiten Suwarows Rückzug auS der Schweiz.
Als eine Art komisches Zwischenstück wurde die dann folgende Freundschaft mit Frankreich angegeben, die mit der Ermordung des Kaisers Paul ihr rasches Ende hatte.
Vier Jahre später sihen wir Rußland wieder gegen Napoleon zu Frlde ziehen. Bet Austerlitz die Dret-Katser- schlacht wurde von den ebenso übermüthigen, ols unwissenden Ruffen verloren, und Alexander I. kehrte, ohne Frieden zu schließen, in sein Reich zurück. Schon ein Jahr darauf kam die Fortsetzung des Krieges, tu dem auch Preußen gegen den corsischen Gewaltherrn da« Schwert zog. Vorher noch war Alexander in Berlin und in der Potsdamer Garnison, ktrche an der Gruft der großen Friedrichs beschwor der junge Zar die Hohenzollern, mit ihm zusammen zu stehen, oder zu fallen in dcm heiligen Kampfe gegen den Eroberer von Westen her. Der AuSgang ist nur zu bekannt. Jena, Auerstädt, der Fall fast aller Festungen und endlich der Feldzug von 1807 in Polen. Hier erst traten die Russen hinzu, um nach der erbitterten Schlacht von Eylau zu erklären: „Das find endlich wieder d.e Soldaten des alten Fritz!" Allein Napoleons Sieg bet Friedland über die Ruffen machte allem Weiteren ein Ende und zu Tilsit wurde der Friede geschloffen.
Auch in den nun folgenden Jahren, wo Zar und F an- zo enkatser Freundschaft und Zusammenkünfte mit einander hielten, kann von „Waffenbrüderschaft" keine Rede sein. Denn gelegentlich des Feldzuges 1809 gegen Oesterreich leistete Alexander seinem gewaltigen Freunde wenig Hülse. Schon 1811 war das Einvernehmen überhaupt zu Ende und im nächsten Jahre wälzten sich die Heersäulen NupolecnS über die Weichsel. Selten hat das Zarenreich eine schrecklichere Bedrohung erlebt und nie ist eine solche, wie bekannt, jäher in fich zusammen gesunken. Die Preußen mußten zwar mit Napoleon warschiren, aber zahllose Offiziere nahmen lieber ihren Abschied, als gegen Rußland zu kämpfen, wo Stein und andere Patrioten ihre Zuflucht gefunden hatten, und von wo der Kampf gegen dir französische Zwingherrschaft mit allen Mitteln betrieben wurde. Ais nach dem Brande von Moskau die grande armee auf dcm Rückzüge war, schloß sogar Uork, wosür er militärisch keine Begründung hatte, die historisch gewordene Convention'mit Diebitsch und Wittgenstein ab. Es ist dabei ungemein characreristisch, wie die Soldaten beider Trupventheile selbst sich sofort als Freunde fanden. Die Kosacken hingen fich förmlich an die Pferde der Preußen und buhlten um die voraussichtlich neuen Gefährten nicht weniger aufdringlich, als etwa in den gegenwärtigen Tagen die Franzosen um die Ruffen.
Abermals war es der Zar persönlich, der an seinen
Grenzen keinegSwegS still stand und die bereits gewonnene eigene Sache nicht eher als entschieden ansehen wollte, bis auch unser Vaterland von dem französischen Joche befreit sei. Am 27. Februar 1813 wurde zu Kalisch zwischen Preußen und Rußland ein förmliches Bündniß geschlossen und noch nicht drei Wochen später konnte fich schon ein russisches Freischärlercorps bis Hamburg vorwagen. Die erste Schlacht bei Groß-Görschen wäre wohl nach dem gemachten Plane Scharnhorsts gewonnen worden, hätte nicht der unselige W ttgenstein den Oberbefehl geführt. Dies, trotzdem seine Ruffen im Verhältniß zu den Preußen die Minderzahl hatten. Die noch größere Niederlage bei Dresden hatte derselbe W ttgenstein mit den preußischen Garden und den Oesterreichern zu theilen. Dagegen hatten die Russen unter Blücher an dem Siege an der Katzbach Theil und im Verein mit Kleist an dem allerdings ganz unerwarteten Erfolge über Vandamme bei Kulm. Rusfische Corps waren auch die ersten, welche im Rücken der französischen Heere streiften, wie u. A. Tschernitschrff, welcher zu Beginn des October das Königreich Westphalen gleichsam fortblies.
Im October, also demselben Monat, wo jetzt von der russischfranzösischen Waffenbrüderschaft so viel Rühmens ge- macht wurde, heben fich die strahlendsten Verdienste Rußlands um die Befreiung Deutschlands ab. Ruhig kann man von den 20000 Russen sagen, welche allein bet Leipzig ge- fallen sind, daß sie für uns gestorben find. Denn schwerlich wäre ohne ihre beispiellose Widerstandskraft Napoleons fürchterlicher Angriff bei Warschau schließlich zerschellt. Auch in dem Feldzüge in Frankreich selbst halfen unsere Freunde auS dem Osten nach Klüften, ja rusfische Truppen hatten sogar bis Lyon zur Vereinigung mit Wellington zu warschiren. Indessen war dies nicht so leicht, indem die Ruffen noch bet Chawpanbert, Monlmtratl, Chateau Thierry, NanziS und Rheims geschlagen wurden. Andererseits waren es auch Russen, welche mit den Preußen zusammen das wichtige Soissons wegnahmen- eine so wichtige Festung, daß der russische General Sacken dem abziehenden Feinde auch eventuell noch die Kanonen mitgegeben hätte. Als es dann Napoleon über den Zug der Alliirten auf Paris zu täuschen galt, war cs wiederum rusfische Cavallerie, der dieser Auftrag zufiel. In Paris selbst zog dann der Zar als einer der glänzendsten Sieger ein und die Franzosen haben damals ihrem hartnäckigen Feinde viele Complimeute gemacht. Ge- wtß hat fich auch dort Alexander I. so wohl gefüllt, wie jetzt der Jubel umbrauste Nikolaus, der der grande nation noch nicht das mindeste Böse gethan hat.
Von einer Waffenbrüderschaft mit Rußland kann also wohl Deutschland reden und zwar von einer solchen in Noth und Tod, durch Sturz und Sieg, aber nimmermehr Frankreich. Als Frankreich dann die Bourbonen verjagte, wurde Louis Philipp in Petersburg zunächst ganz ignorirt, ebenso wie der Zar mit der Anerkennung Napoleons III. lange gezaudert hat. In der Folge zeigte der Krimkrieg wiederum Frankreich und Rußland im blutigsten Ringen und auch während des letzten polnischen Aufstandes widerhallte es im französischen Volke von Verwünschungen gegen Rußland. Demnach besteht die bisherige Waffenbrüderschaft beider Völker aus einer ungeheuren Schädelpyramide, mcht mit- einander. sondern ak'aeneinander aufaebäast.
Deutsche» Reich.
Darmstadt, 24. October. Kaiserin Alexandra empfing heut- Vormittag die Obersthofmeisterin Fürstin Galytzin, welche ab,eist. DaS russische Kaiserpaar und die übrigen Fürstlichkeiten fuhren heute abermals zu den AuS- grabungen am K^obe,städter ForsthauS.
Berlin, 24. October. Heute Nachmittag fand eine Sitzung des StaatSmtnisteriumS unter dem Vorfitz seines Bicepräsidentev, des StaatSfecretärS v. Bötticher statt.
Berlin, 24. October. Der Minister der geistlichen Angelegenheiten hat die Königliche Regierung zu Magdeburg beauftragt, ihre Verfügung vom 2. September d. I., betr. die dreijährigen Sch ulverwaltungsberichte, insoweit aufzuheben, als darin 1. die Schulaufsichtsbeamten 8UT Erstattung allgemeiner Berichte über das amtliche und außeramtliche Verhalten, insbesondere über die fiitliche Haltung der Lehrer, 2. die Landräthe zur Aeußerung über die politische Haltung der Lehrer veranlaßt werden.
Berlin, 24. October. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Das Gerüchr von der bevorstehenden Versetzung des Polizei- rräfidenten in Frankfurt a. M., Freiherrn v. Müffliug, das in der „Franks. Ztg." mitgetheilt war, entbehrt ebenso, wie die damit in Zusammenhang gebrachte Combination nach den von uns eingezogenen Erkundigungen jeglicher Begründung.
Berlin, 24. October. Der bisherige Colonial-Director Dr. Kayser hat heute seine AmtSgeschäfte an seinen Nachfolger, Freiherrn v. R i ch t h o f e n übergeben. Die Ernennung Dr. Kaysers zum Senatkpräfidenten am Reichsgericht ist bereits officiell vollzogen.
Berlin, 24. October. Im Retchsamt des Innern findet Ende nächster Woche eine Conferenz von Vertretern der be- theiligten ReichSressortS und der preußischen Regierung statt, um über die retchSgesetzliche Regelung des Leichenschau- wesenS zu berathen.
Frankfurt a. M., 24. October. Der „Frankf. Ztg." wird aus Konstantinopel gemeldet: Von Seiten des deutschen Botschafters, Freiherrn v. Saurma-Jelisch, wird die Meldung eines Blattes, als ob er seinen Einfluß zur Beseitigung Jzzet-Brys au« der Nähe des Sultans geltend gemacht habe, als erfunden bezeichnet.
Frankfurt a. M., 24. October. Der „Frankf. Ztg." meldet man aus Heidelberg: Zum 350jährigen Jubiläum des Gymnasiums sind gestern und heute Hunderte von alten Schülern der Anstalt hier eingetroffen. Den Mittelpunkt der Feierlichkeiten bildete der Festact in der UniverfitätSaula, der heute um 10 Uhr begann und um 1 Uhr beendet war. In origineller Weise wurde die wechselvolle Geschichte der Anstalt durch Schülerdeclamarioneu sowie auch durch Momentbilder beleuchtet. Die musterhafte Festrede des Herrn Director Uhlig bildete den verbindenden Text dazu.
Fleukburg, 24. October. Der seit dem 22. Juli auf der hiesigen Schiffwerft andauernde Strtke wurde heute durch ein Abkommen zwischen der Schiffsbaugesellschaft und den Ausständigen beigelegt. Die Arbeit wird nächste Woche in vollem Umfange ausgenommen.
Schwerin, 24. October. Der Kaiser besuchte gestern Nachmittag die Großherzogin-Witrwe und nahm daselbst das Diner ein. Am Abend fand im Schloßhofe Concert statt, welchem der Kaiser und sämmtliche Gäste beiwohnten. An das Concert schloß sich ein Souper an.
Schwerin, 24. October. Der Kaiser wurde vom Groß- Herzog in einem Hofgalawagen durch die dichtbelebten Straßen, in denen auch heute wieder die Truppen und Kriegervereine Spalier gebildet hatten, zum Bahnhof geleitet, wo er sich verabschiedete. Als der Zug um 3 Uhr 25 Min. aus dem Bahnhof fuhr, grüßte der Kaiser wiederholt das zahlreiche Publikum. DaS neuverwählte Erbgrohherzogliche Paar war schon vorher nach Schloß Lensa bei Eutin abgereift.
Ludwigshafen, 24. October. Auf dem Wege nach Mannheim verlor heute Vormittag ein junger Mann des Bankgeschäfts Wein u. Benjamin in Mannheim ein Packet mit 3 6 700 Mk. in Hundertmarkscheinen der Frankfurter Bank. Der junge Mann hatte das Packet, das er bet der Pfälzischen Bank in Empfang nahm, an sein Fahrrad geschnallt. Erst in Mannheim entdeckte er den Verlust. Das Packet wurde bald von einem Ludwigshafener Herrn gefunden und dem Eigenthümer zugestellt._____________________________
Ausland.
Wien, 24. October. Die „Polit. Correfp." meldet aus Konstantinopel, eS verlaute dort, das Projekt, durch Kopfabgaben ohne Glaubensunterschied von 5 bis 250 Piastern etwa 2J/2 Millionen türkische Pfund aufzubringen, dürfte sich verwirklichen. Die Summe ist bestimmt zur Bildung eines KriegSschatzeS sowie eine- Fonds zur Sicherung der zuletzt etwas unregelmäßigen Truppenverpflegung und zum Aakauf von Waffen für die gesammte muhamedanische Bevölkerung zur Bildung einer Art von VolkSwehr Im höchsten Nothfalle. Letzterer erregt die Aufmerksamkeit der Diplomatie, jedoch wird angenommen, der Zweck der Abgabe sei Geldbeschaffung, um der herrschenden Geldnoth abzuhelfen und daS Bestreben, durch die Möglichkeit eines allgemeinen Aufgebotes der Muhamedaner bet eventueller innerer und äußerer Verwickelung auf die Europäer Eindruck zu machen.
— Zur Aufrechthaltung der Ordnung bet den Wahlen in Ungarn hat fich vor. hier ein Dragoner-Regiment nach Budapest begeben.
Rom, 24. October. König Humbert stiftete für die Armen Roms 100000 Lire.
Rom, 24. October. Der Vermah lung des Prinzen von Neapel mit der Prinzessin Helene von Montenegro, welche heute Vormittag 10 Uhr im Quirtnal ftattfand, wohnten nur wenige Personen bei. Die Erremonie in der Maria Angelt.Kirche war äußerst feierlich. Nach derselben besuchte das Neuvermählte Paar daS Pantheon, wo es am Grabe Victor Emanuels einige Zett in stiller Betrachtung verweilte. Die Vorbereitungen zu der heute Abend stattfindenden Illumination find beendet.


