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27.2.1896 Erstes Blatt
 
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Gebr. AvenW

Donnerstag den 27. Februar

1896

Erstes Blatt

M. 49

BttrtrfiS^riget

Kenerat-Wnzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

] Hratisöeitage: Gießener Kamitienbtätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» felgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In» und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgeg«.

Redaction, Expedition »nd Druckerei:

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Die Gießener

Pamitt-mvrtlter Wfitx» dem Anzeiger Mmtlich dreimal beigelegt.

Der ßütener Anzeiger erscheint täglich, * Ausnahme deS MontagS.

Meßmer Anzeiger s

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

betreffend den Wasenmclsterdtenft zu Leihgestern.

Wilhelm Höfer zu Leihgestern ist zum Wasen- elfter dieser Gemeinde ernannt und tu dieser Eigenschaft s^pichtet worden.

Gießen, den 25. Februar 1896.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche.

Zu Altenstadt, Kreis Büdingen, ist die Maul- und LSlmvfeuche ausgebrochen und Orts- und Gemarkungssperre MigtPibDtt worden.

Hießen, den 25. Februar 1896.

Großherzogltches Kreisamt Gießen.

v. Gagern._____

Bekanntmachung,

bemffenb die Schwelueieuche.

Vie Schweineseuche in Unterrosphe, Kreis Mar­burg, ist erloschen. .Die angeordneten Sperrmahregelu sind . ^sgthaben.

Gießen, den 25. Februar 1896.

Großherzogltches KceiSamt Gießen.

v. Gagern.

Deutscher Reich.

Berlin, 25. Februar. Die periönlichen Beziehungen zwischen Kaiser Wilhelm und Czar Nico la uS find f, Mauernd von freundschaftlichster Art. Dies beweist u. A. c ieeut der Umstand, daß der infolge einer E nladung deS reiflichen Kaisers nach Petersburg abgereiste ehemalige d'Msche Botschafter am Czarenhofe, General v. Werder, der Kleber bringet eine« Handschreibens Kaiser Wilhelms an den VSiiser von Raßland tst. Der Czar soll übrigens den Wunsch ßziSuhert haben, den von ihm hochgeschätzten General v. Werder au dessen Geburtstag, den 27. Februar, bei sich zu sehen, aub ihm anläßlich seine« Geburtsfestes eine ganz besondere Maßzeichnung zu Theil werden zu lasten. Ob der General, l itt auch mit einer Einladung zur Therlnahme an der MoS- letatt Krönungsfeier beehrt worden ist, vorher noch einmal tui4 Deutschland zurückkehrt oder in Rußland bleibt, ist noch AStbeftimmt. Am Montag nahm der Kaiser neben einem Beiträge deS Chefs des Geheimen CivtlcabinetS Dr. v. Lu- e«MlS, auch Mariuevorträge entgegen. Vielleicht geht »an in der Annahme nicht fehl, daß bei letzteren die ge- Pfimte Verstärkung der deutschen Flotte mit berührt worden ist.

Die Wahl reform« Frage in Sachsen treibt illjito entscheidenden Stadium entgegen. Die GeietzgebungS- Äichülarion der Zweiten Kammer hat zur Stunde die Be- rtrifung der Wahlrefirm-Borlage wohl beendigt, und dürfte liitzlere jedenfalls im Laufe nächster Woche im Plenum der g'jiwberi Kammer zur Schlußberathung und Abstimmung Tiiiameu. Nach wie vor wiegt die Anschauung vor, daß hiietdci die Wahlreform Borlage, wenn auch mit einigen tl'dicn Abänderungen, mit der nöthigen Zweidrittel-Mehrheit ziplttunahme gelangen werde. Daß König Albert dem Wahl- r-ilftimgesetze die Sanclion verweigern sollte, wie dies die cm ben Monarchen aus bürgerlichen Kreisen gerichtete Peti­ta» wünscht, wird fest allseitig bezweifelt.

Neueste 2Zad?rid>iett»

Wolffs telegraphische« Lorrespondem-Burea».

Aachen, 25. Februar. Anläßlich der Herstellung der g-|i eilen Million Tonnen Thomasstahl erhöhte der Hütten- eiibiiweretnRothe Erde" den Unterstützungsfonds fijhr Beamte, Arbeiterinvaltden und deren Angehörige auf II Million Mark.

Weimar, 25. Februar. Der Landtag begann heute Byerathung des Landtagswahlgesetzes und nahm

Antrag des AuSschuffeS auf Herabsetzung des CensuS de direkten Wahlen des Grund und CapitalbefitzeS auf m Mk. an. Der socialdemokratische Antrag auf Beginn dtrir Wahlberechtigung mit dem 21. Lebensjahre wurde ab- ß'ßvstt:.

München, 25. Februar. Der Magistrat genehmigte bi*t lücttel, um die Röntgen'sche GrfindNNg in den Di»z de» Krankenhauses zu stellen.

Rom. 25 Februar. Der Papst hat heute den Card ual- Fürstb"wof Dr. Kopp empfangen.

Monaco, 25. Februar. Kaiser Franz Joseph stattete heute Nachmittag dem Fürsten von Monaco einen Besuch ab.

Monaco, 25 Februar. Der österreichische Kaiser und der Großfürst Thronfolger von Rußland statteten fich gegenseitig einen Besuch ab.

Part«, 25. Februar. Der Ministerrath stellte heute die letzten Einzelheiten bezüglich der Reise deS Präsidenten Faure nach Nizza fest. Der Präsident wird am SamStag Bo mittag in Begleitung de« Ministerpräsidenten Bourgeois und der Minister Lockroy und Mesureur von Paris abreifen.

Pari«, 25. Februar. DemF'garo" zufolge entbtdte Dr. Chamemeffe, Chef deS Instituts Pasteur, ein Heil­serum gegen daS typhöse Fieber.

Pari«, 25. Februar. DaSJournal osficiel" veröffent­licht ein Dccret, betreffend die Errichtung dreier neuer Batterien Fußarttllerie.

Pari«, 25. Februar. Der Staatssecretär der Süd­afrikanisch, n Republik, Dr. Leyds, kam gestern hier an und wncde Abends von dem Präsidenten Faure empfangen. Er wird h'ute wieder abreisen.

Pari«, 25. Februar. Gestern Abend fand ein Bankett zu Gunsten des allgemeinen Wahlrecht« statt, an welchem sich 350 Personen bethe.ligten, darunter etwa 100 Deputiere und Senatoren- vier Minister hatten sich vertreten lassm. Den Vorsitz der Bersammlung, in welcher zahlte che Redner auftraten, führte Emanuel Arago. Er tote« den Gedanken zurück, al« sollte da« Bankett eine Kundgebung gegen den Senat bedeuten, und führte aus, da« Volk fordere Versöhniickkeit, um nicht die Allen noth- toenbtge Eintracht und Hingebung an die Demokratie zu schwächen.

Pari«, 25. Februar. Nach amtlicher Bekanntmachung ist Angesichi« der in der Schweiz herrschenden Btehpest und Maul- und Klauenseuche die Einfuhr von lebenden Rindern, Ziegen, Schafen und Schweinen verboten. Aus­genommen hiervon find österreichische Hammel, welche für die Schlachthäuser in Paris bestimmt find, deren Einfuhr er­laubt bleibt.

Bordeaux, 25. Februar. Gestern wurde Dr. Fried- mann ungehffelt dem Staatsanwalts - Substituten vorge­führt, von tem er in Gegenwart mehrerer Gerichtsbeamten einem langen Verhör unterwarfen wurde. Friedmann prorestirte energisch gegen die gegen ihn erhobenen An- schaldigungen und erklärte, er werde die Erfüllung aller für seine Auslieferung erforderlichen Förmlichkeiten verlangen. Er wünschte ferner den Vorsteher der Advocatenschaft zu befragen, was ihm bewilligt wurde. Anna MertenS hat da« Hotel de France nicht verlaffen, deffen Thor seit gestern früh bewacht wird.

London, 25. Februar. DerStandard" meldet aus Coustantinopel, dort herrsche der Glaube vor, daß ein Mordanschlag Kuf den Sultan versucht werden würde am Freitag, an welchem Tage der Sultan Jtldiz Kiosk ver­laffen müßte, um der Ceremonie der Ausstellung des Mantels des Propheten beizuwobnen. ES seien außerordentliche BorfichtSmaßregelv getroffen worden.

London, 25. Februar. Chamberlain ging die Antwort KrüqerS auf oaS Beileidstelegramm der Königin anläßlich der Dynamitexolofion in Johannesburg zu. Der Präsident dankt der Königin für ihre Sympathie und erklärt, solche Worte dienten dazu, die Leiden und Sorgen zu lindern.

London, 25. Februar. Jameson nebst 15 Offi­zieren find vor dem Bowstreetgericht angeklagt, Krieg geführt zu haben gegen einen befreundeten Staat. Nach kurzem Verhör wurde die Sache auf vierzehn Tage vertagt. Alle Angeklagten find gegen Hinterlegung von je 2000 Pfund freigeloffen.

London, 25. Februar. Dr. Jameson traf heute Nach­mittag 4 Uhr 55 Mm. hier ein und erschien um 6«/2 Uhr vor dem Polizeigerichtshofe in der Bowstreet. Als er vor dem Gerichtshöfe ankam, wurde er von dem Publikum, unter dem sich mehrere Peer« und andere hervorragende Zuschauer befanden, mit lauten Beifallsrufen empfangen.

Petersburg, 25. Februar. Dem Vernehmen nach reifen der Kaiser und die Kaiserin am 19. Mat von Peters­burg zu den Krönungsf eierllchkeiten ab. Der Einzug im Kreml erfolgt am 22. Mai, die Krönung am 26. Mal. Die Festlichkeiten dauern bis zu« 8. Jnni.

Konstantinopel, 25. Februar. Ein Dorf des vilajetS Trapezunt wurde durch eine Schoeelawine zerstört. 100 Personen wurden getödtet, viele verwundet.

Newyork, 25. Februar. DaS auswärts verbreitete Gerücht, nach welchem eine Bersch wörung entdeckt fein sollte, die den Zweck hatte, das Schatzamt in die Luft zu sprengen, entbehrt jeder Begründung.

Devricke» M «ureea .Herold*.

Berlin, 25 Februar. Der Kaiser überreichte gestern nach Schluß der hundertsten Aufführung vonHansel und Gretel dem Componisteu Humperdink, bet gestern sein We»k selbst birigtrte, unter huldvollen Worten den Kronen- orben 4 K offe.

Berlin, 25. Februar. Beim Kaiserpaare sand heute anläßlich beS Geburtstages beS Königs von Württemberg eine größere F<ühbückStafel statt.

Berlin, 25. Februar. Zu bem heutigen Geburt«- tage be« Königs von Württemberg schreibt bie ,Norbb. Allg. Z'g.": Wie Württembergs Volk heute au« diesem Anlaß seinen Monarchen jubelnb beglückwünscht, so vereinen sich bie herzlichen Wünsche beS Kaiserhauses mit denen der deutschen Nation.

Berlin, 25. Februar. Der Kaiser empfing heute Bormtttag den UnterstaatSsecretär Rothe und den Director Im RrichSschatzamt deS Innern von Woedtke in Audienz, arbeitete hierauf mit bem Chef beS MtlltäicabinetS, General von Hahnke, unb nahm Mittags bie Meldung be« Prinzen Friebrich von Hohenzollern entgegen. Zar Frühstückstafel waren anläßlich beS Geburtstages bes Königs von Würt- temberg zahlreiche Einladungen ergangen, u. A. an den Reichskanzler, an den ©taatfifecretär des Auswärtigen, an den wüntembergischeu Gesandten Frhrn. v. Varndüler, den Militärbevollmächtigten Generalmajor v. Matter, den Oberst- lieutenant von Marchthaler.

Berlin, 25. Februar. Den Helte ft en der Kauf- mann schäft von Berlin ist auf daS Schreiben, mit welchem sie dem Reichskanzler den stenographischen Bericht über die Kundgebungen von den Angehörigen des Handels- standeS gegen den Entwurf eines Börsengesetzes über­sandt hatten, eine Antwort vom Reichskanzler in Vertretung deS Herrn v. Bötticher zugegangen, in welcher es nach ein­leitenden Worten des Dankes für die Uebersendung heißt: Ich kann nicht unterlaßen, den Darlegungen des Begleit­schreibens vom 14. dsS. MtS., welche dahin gehen, daß den Grundton der Gesetzesvorlage ein Mißtrauen gegen die Red­lichkeit unb Zuverlässigkeit beS brutschen HanbelsstanbeS bilde, ausdrücklich eotgegenzutreten. Der von bem Bunbesratd be- schlossene Entwurf verfolgt ben Zweck, bie burch umfassende Untersuchungen klargest'llten Mängel der Börsen Einrichtungen zu heben und bem öffentlichen Interesse, ba, wo eS burch ben toeltgrdfenben Ewfluß beS Börsenverkehr« berührt wirb, bie erforderliche Sicherung zu verschaffen. AuS diesen Be- strebungen unb au« bem zu seiner Verwirklichung bestimmten Gesetzesvorschlag würbe der KaufmannSstanb eine Verletzung seines EhrgesÜhls nicht wohl herleiten können.

Berlin, 25. Februar. Im Abgeorbnetenhause würbe heute bie Berathung beS Eisenbahn-EtatS fortgesetzt. Im Laufe ber Debatte beantragte ber Abgeorbnete Richter, baß eine Statistik über bie bienftfreien Tage ber Angrftellten bei ben preußischen Bahnen, ferner eine Ueberficht über die Arbeitszeit, sowie über bte Löhne, wie sie fich unter die Etsenbahnarbeiter vertheilen, bem Abgeorbnetenhause vor­zulegen ist. Auch der BerwaltungSberlcht sollte nach diesen Richtungen viel vollständiger sein. Da« Hans ÜberwieS diesen Antrag der Budget-Commission. Morgen Weiterberathung deS Eisenbahn-EtatS.

Berlin, 25. Februar. In der Reichstags Commission für das bürgerliche Gesetzbuch wurde heute in die Be­rathung des zweiten Buche-, welches von dem Recht der Schuldverhältntffe handelt, eingetreten. Im § 240 wurde ber Zinsfuß für eine Schuld, soweit nicht ein anderes vor­geschrieben lst, auf 4 pCi. festgesetzt. Ein von bem Abg. Gröber (Centr.) zu § 241 beantragter Zusatz, wonach die freie Vereinbarung des Zinssatzes 8 pCt. für daS Jahr nicht übersteigen darf, wurde abgelehnt.

Berlin, 25. Februar. In der heutigen Sitzung der Justizcommisfion des Reichstages wurde bie zweite Lesung bet Novelle zur Strafprozrßorbnung so tgesetzt. Ein Antrag des Abg. Schrnibt-Warburg (Centr.), fotgenbm neuen Paragraph 52 c einzufügen:Die Vernehmung eines G ist- lichen erstreckt fich nicht auf ba5, waS ihm unter ber Ver­pflichtung eines Beichtgeheimnisses anvertraut ist. DaS Ge­richt soll dem Geistlichen vor feiner Vernehmung von biefer Bestimmung Kenntniß geben", wurde abgelehnt. DaS gleiche Schicksal widerfuhr einem Antrag Frohme und Stadthagen (Soz.), die Bernebmung eines Geistlichen, BertheldigerS, Rechtsanwalts ober Arztes solle fich nicht auf baS erstrecken,