1896
Freitag deu 26. Juni
148 Zweites Blatt
gantprcdjcr 51.
Amts« unt' Anzeigeblatt sSv den K«i» Gietzen.
Hratisöeitage: Gießener Iamitienktätter.
. Juni 1896.
v. (Sagern.
HlMchgraben 14
Beweise herzlicher Theiluc ?5 lieben, unvergeßlichen h
Ullr Innoncm-Bureaur bei In« und Äullanbe« nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
di« An-. Bürgermeistereien Annerod, Großen. B«se«Ä, BLueru, Bersrod, Oppenrod, Reiskirchen,
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\ Mn ibann kann daS Baden wohl bis morgen verschoben »erdens f swagte sie hastig weiter.
„ Kj da» ist unmöglich," entgegnete er mit freundlicher Bestimmt:. „3ebe Stunde Zögerung vermehrt die Gefahr und ftBi-Nüci die ohnehin nur geringe Hoffnung auf Erfolg auf.....Wer was hast Du — waS ist Dir, Anne-Marie,
uuterbinti tir sich selbst und trat dicht an sein Weib heran, daS fickÄchstben hatte und, am ganzen Körper bebend, mit gerung-Mi-! Händen dastand. „Beruhige Dich doch! Unser herzigeMZllitge wird unS mit Gottes Hilfe erhalten bleiben.
, »rrbra , n Anzeiger dreimal
Feuilleton.
Iohannisjauber.
Noocllette von HanS Warn»w.
V chtetzen.«ii^etger erichenck > , lich, mit rnt bei üFtt-.a»-
Dtet» Irstrer W.mtlilv.akLlter
Sie schüttelte den Kopf und seufzte tief auf, so tief, daß rS fast wie ein Stöhnen klang.
„Ach, Otto," stieß fie heiser hervor, „nun werden wir doch unser Kind verlieren, denn heute ist Jo . . ." daS Wort drohte ihr in der Kehle zu ersticken — „Johannistag und wer an diesem Tage badet, muß bald sterben!"
ES war das erste Mal seit drei Jahren, daß Anna- Marie ihrem Aberglauben Worte lieh und nur die Angst der Mutter hatte ihr dieselben erpreßt.
Doctor Winter trat einen Schritt zurück, der schmerzliche Ausdruck in seinen Zügen vertieste fich noch «ehr.
„Anna«Marie," sprach er leise und vorwurfsvoll, „hängst Du noch immer diesen Wahnideen nach? Hast Du so wenig Vertrauen zu mir, ist Deine Liebe zu unserem Kinde so gering, daß Du fie dem Aberglauben opfern kannst?
Die junge Frau schwieg, aber in ihren Mienen arbeitete eS heftig. Der Vorwurf ihres Gatten hatte fie in innerster Seele getroffen und die widerstreitendsten Gefühle in ihr entfeffelt. Sie rang lange mit fich, bis fie zu einem Ent- fchluffe kam. Noch einmal suchte der Aberglaube, dessen treue Jüngerin fie seit den Tagen ihrer Kindheit gewesen, seine Herrschaft über ihr Denken und Handeln zu behaupten, aber er unterlag, daS Muttergefühl und die Liebe zu dem Gatten erwiesen fich starker und trugen den Sieg davon.
Jetzt war der Kampf entschieden. Sie richtete fich hoch auf und reichte Otto beide Hande hin.
„Hab Dank, Du Guter, Lieber, für Deine Mahnung, sprach fie in festem Tone, „Du hast mir den Schleier von der Seele genommen. Die Macht des Aberglaubens ft in mir gebrochen. Ich fühle mich frei von den Feffelu, die ich mir einst selbst geschmiedet.^
Doctor Winter zog fie sanft an fich und küßte ihre blaffe Wange. Nun lag nichts Trennendes mehr zwischen ihm und seine« Weibe, nun hatte auch eine geistige Verwandtschaft ihre Seelen fest verbunden.
Eine halbe Stunde spater war der kleine Han» gebadet.
Gießen, den 15. Juni 1896.
küksüMM. Betr.t7.ri, oben.
%3e* KrttSawt Vietze»
Amtlicher Theil.
vekmmtmachmtL
den i Wkiwr-Frühzug von Grünberg nach Gießen betr.
hier abgehalten, und mit ihm die Fahnenweihe des hiesigen Turnvereins verbunden werden. Die Vorbereitungen zum | Feste find in vollem Gange und wird eS, nach den bis jetzt eingelaufenen Anmeldungen zu schließen, recht besucht werden.
-o- Blofeld. 24. Juni. Heute früh wurde ein hiesiger Bürger in seiner Wohnung erhenkt gefunden. Trübsinn, Lebensüberdruß und zerrüttete VermögenSverhaltniffe scheinen die Ursache zu der bedauerlichen Handlungsweise gewesen zu sein.
U. Ulrichstein. 24. Juni. Die Fu tt e rp r ei s e sind bei und befriedigende. Man konnte den Morgen schon zu fünf Mark steigern, daS Graö war aber auch darnach. Wie daS Geld, so die Maare- 16 bis 20 Mk. ist schon ein anstän- feiger Preis, wofür ein Ertrag von 12 bis 14 Gentner Futter angenommen werden darf. Der trockene Mai ließ Schlimmes befürchten, der Jun» hat Vieles wieder gut gemacht. Der Stand unsrer FeldsrÜchte ist gut, wir hoffen auf eine gute Ernte, wenn kein Unglück dazwischen kommt.
△ Bom »ogellberg, 24. Juni. Nach Mittheilung unserer Jäger und Jagdbesitzer zahlen die diesjährigen Au^ fichten der Feldjagd zu den besten. Auffallend zahlreich trifft man die Rebhühnerfamilien im Felde an. Sie haben eine sehr günstige Brütezeit gehabt, sowohl in Hinficht der Witterung, als auch des Schutze» der Nester. Dielsach nisten die Rebhühner in Feldwiesen, diese Nester gehen dann jedes« mal beim Mähen des Grases zur Heuernte zu Grunde. Da aber in diesem Jahre die Heuernte erst jetzt ihren Anfang genommen, so vermochten die Feldhühner noch vor deren Beginn ihre Eier auSznbrüten. Wie die Rebhühner, so ist auch der Hase öfters als sonst im Felde zu erblicken, was auf eine starke Vermehrung derer aus dem Geschlecht der Lampe schließen läßt. Sehr selten sind die Jahrgänge, in denen man den Ruf der Wachtel häufiger als gewöhnlich aus dem Getreidefeld zu hören bekomm», wie eS in diesem Sommer der Fall ist.
WaS Otto kaum noch zu hoffen gewagt, trat ein. Die Kraft des Fiebers wurde gebrochen, Doctor Winter konnte bald eine Befferung in dem Befinden des kleinen Pattenten cen- ftattren, dieselbe hielt an und am Abend war daS Kind außer @e^auf sreundlicheS Drängen ihre» Mannes hatte Anna- Marie den Platz am Bette deS jetzt ruhig schlafenden Kleinen der Diakonisfin überlagert und war mit ihm in den ©arten gegangen, um ein wenig frische Luft zu schöpfen. Arm in Arm wandelten die beiden Gatten auf und nieder. In den trüben Tagen, die hinter ihnen lagen, hatten sie erst erkannt, wie sehr fie da- Kind liebten, und nun, da e» ihnen erhalten blieb, waren ihre Herzen von seliger Freude f Die Sonne war im Untergehen, aber bevor die Tage»- königin schied, kleidete fie daS Himmelsgewölbe in eitel Purpur unb Gold. 2ge|b hatten unwillkürlich ihre Schritte
gehemmt und schauten finnend in daS strahlende Flammen- meer, in welches der Sonnenball untertauchte.
Nun war die Sonne am Horizont verschwunden, öte farbenglühenden Tinten de» Abendroth» begannen zu ver- blaffen und die Schatten der Dämmerung stiegen langsam ‘'"‘“/Der Johann,Stag ist jur Rüst- und mit
ihm ist auch mein Glaube an den JohanniSzanber versunken, flüsterte Anna Marie, sich innig an ihren Gatten schmiegend und den Kopf an seine Schulter lehnend.
Otto strich ihr liebkosend über da» blonde Haar.
Und doch." sprach er tief bewegt, „gibt e® einen JohanniSzanber, aber er wurzelt nicht im Aberglauben, fon- dern in der Liebe, und daher sei der Tag gesegnet, an welche« er seine Macht an Dir offenbarte."
PermWtf.
• «Atomattsche Sparkassen ist die neueste ingeniöse Erfindung der Italiener. Sie werden an vielen Straßen- ecken der Großstädte aufgestellt. Wirft man ein Zehn- centirnes'Stück in den Spalt, so kommt unten die Empfangs- bescheinigung her^u». Je fünf solcher Bescheinigungen können in den öffentlichen Sparkaffen gegen ein Einlagebuch eingetauscht werden, wodurch der Besitzer in den Genuß der I vorgeschriebenen vierprocentigen Verzinsung tritt, und auch I an den sonstigen Vergünstigungen theilnimmt. Diese Auto
maten haben den vortheil, daß der Einlegende an keine Zeit gebunden ist und seine Einlage ohne Formalität und Umständlichkeit erledigen kann, was für die arbeitenden Klaffen ehr ins Gewicht fällt. Für die Richtigkeit dieser Voraussetzung zeugt das Ergebniß. Trotz der ungünstigen wirth- schastlicheu Verhältniffe wurden 1895 in Padua 12,000 Frc». in drei solchen Automaten gesammelt. Mailand und andere Städte Norditaliens find denn auch dem Beispiel Padua» gefolgt. England ergreift die Initiative, an den Landstraßen öffentliche automatische Sammelkasten aufzustellen und so die Arbeiter durch die bequeme Gelegenheit zum Sparen anzueifern.
♦ Wa8 man einer Prinzessin zur Hochzeit schenken kann, «u Ehren der jüngsten Tochter des Prinzen von Mole«, der Prinzessin Maud, die sich demnächst mit dem Prinzen Karl von Dänemark verheirathen wird, bringen die Städte und Stände ihre Huldigungen bar, nachbem bie Eltern ber Braut mit ben Beschenkungen den Ansang gemacht haben. E» folgte die Aristokratie mit ihren Ehrengaben, dann kamen die Städte und Grafschaften an die Reihe. Unter den bereits eingegangenen Geschenken befinden fich allein,58 »Wie», welche — da die Prinzessin passionirte Radfahrerin ist — in ben verschtebensten Constructionen unb Ausführungen mit mancherlei Gravirungen unb Inschriften für da» passendste Hochzeitsgeschenk gehalten würben. Der Prinzessin würben auch etliche Dutzend Motorwagen gespendet, die mit Dampf, Petroleum, comprimirter Luft oder Electrizitat Setrieben werden. Wenn die Ausstellung der Hochzeitsgeschenke in England noch Mode ist, wird diese Ausstellung ledenfall» eine der mannigfaltigsten sein.
• Gefährliche» Handgepäck. Im Schnellzug Cassel-Eise. nach-Erfurt hatte vor einigen Tagen ein Geschäftsreisender einen schweren, großen Koffer in da» Fangnetz über den Waggonsitzen hineingepreßt — soweit dies eben möglich war. Beim Abfahren deS Zuges auf der Statton Fröh- stabt fiel nun ber Koffer einem Passagier so unglücklich auf den Kopf, daß der Mann schwere Verletzungen erlitt. E» blieb nichts anderes übrig, al» die Nothleine zu ziehen und den blutüberströmten Paffagier auf dem Bahnhof zur ärzt- lichen Behandlung zurückznlaffen.
♦ Badereise und Nachkur. Der Drechslergehilse Becker hatte nach Verbüßung einer Gesängnißstrase von drei Monaten tm „GeringSwalber Wochenblatt" (Sachsen) ein Inserat erlaffen, in welchem er sämmtlichen Eollegen und Freunden bekannt gab, daß er wieder zurückgekehrt sei von seiner „Badereise". Wegen dieses Inserats wurde er vom Schöffen-
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
zsaac
HlMchgraben 14. n,t z^.Aarben, 24. Juni. Da» dritte BundeSsest de» ffll: Jfftrtttt to Miitt' t-iia er Turnerbnodes wird am 28. und 29. Juni
in Xtiht unb iir r>Mt Pnssattten geläutet.
\ «iflk Diejenigen, welche in den genannten Morgenstunden
ouchacker und Fra« bev«°m ber Bahn Überschrittenen Straßen und Wegen ia jsnhr. Fußqzckt zu Wagen verkehren, werden daher auf gefordert,
ans daiMUuie-Signal zu achten und die Bahn nicht zu Über- i ’tc rti. foüange dasselbe ertönt.
Gli-ithi n, den 15. Juni 1896.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. G a g e r n.
taffen.
Upp,Franks
niet IV. * 7 Rill '*• Nm.
Buchenden fr i
Robert Rodewald llil
»den Umfanges (Schluß.)
i Aafstellung von s irn ©tubirjimmer ihre» Manne», wohin der
pnchtungskörper. fct'jiieieib geführt, brach Anna Marie in krampfhafte»
hnbphe Bedarfsarh^ Wcineao mfl. Die bi» zur Unerträglichen gesteigerte hnisChe D 3panniR ker »erben forderte endlich ihr Recht. Schluchzend
osten-Anschlagt F R i(|nt y0l(c Otto». Nach einer Weile fragte fie, Herz- . bereit uni« .reißrMa Jammer in der Stimme: „Muß unser Liebling
® etwa?Hohe», Heiliges um den Schmerz einer
M,eÄklnÄSaaSSe n- , Ctl„cer starke Mann war tief erschüttert. Sanft I, ,,n.anaflir fich ihren Armen und führte fie zu etnem
^llksllgMn
.. 9 81601 Montag den 29. Juni an wird der bisher nur
7föhfo, zwnchenv, tzrcßen-Bufeck und Gießen verkehrende Arbeiter- dem ^infieiben hzu« »0» Grünberg aus um 4 Uhr 45 Min. Borm.
Lohnes, Bruders M mb in Saasen, Reiskirchen, Großen-Buseck und
_ ^Rödge«.°tMen. k t e
111*1 VnL DNSrha-Strecke Grünberg-Gießen wird während dieses
>erMi nur an den unmittelbar bei den genannten f . 2-i itiotua gelegenen Straßen Uebergängen bewacht werden,
ENsMen unb allen1» Uebrm|ta aber nach Maßg-be der Bahnordnung für deutsche kmtt gaben, besonbns -5 nnrri intr.rgeorbneier Bedeutung betrieben, also ohne
lewe trostreichen B.uimtchnM der Bahn und ohne Schließen der enen, sagen wir aus bieitn^ Echramke» au deu souftigeu Bahn-Uebergäogeu. u Mizc^en wird bei Annäherung des Zuges
. an i titzm unbewachten Wegübergang unt der auf
» iraneraben ^intefc t>£, tz-wo-votive befindlichen Glocke zur Warnung
*^*^*^^^ 6 nicht, Geliebte," bat er, „unser HanS ist krank,
Bl aewiß Urant und — solch ein leise flackerndes Lebens- ttchtleiwin oft bald verlöscht. Aber noch", er holte tief XvllD * «?hem,n, ,;th ich die Hoffnung nicht °»f. vielleicht gelingt 7/ (I . ä uaS^ii«: Körpertemperatur herabzudrücken und dann ist XI bdltfr tJ#n 5«wonnen, — wir müffen da» Kind baden."
u°d wiederholte fie und ridjtete ihre noch mit
TtzräniMieMten Augen in jähem Erschrecken auf Otto. Gibt eilMm andere« Mittel?"
’’ den 27 ,
"•»< SJ,
Ötcuer^(er jillb (i Wnnanln von Anzeigen zu her NochmiNagl für de, »ff ‘ erscheinenden Nummer bi» Sonn. 10 Uhr.


