1896
Sonntag den 26. April
Erstes Blatt
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Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzen.
Hratisbeitage: Hießen er Aamikienötätter
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laaah mt Don Anzeigen zu der Nachmittag» für de» stl-errdm Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux de» In- und AuSlande» nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
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Die Gießener
I**icu*er6i<er web« dem Anzeiger ^ch«tlich dreimal beigelegt.
Der f kirnt A«zeiger scheint täglich, Ausnahme de» Montag».
Abg. ® amp beantragt dagegen GiUigkeit. Ihm schein«, als werde von den Parlamenten hier nicht nach sachlichen Gesichtspunkt«, andern nach Partei-Rücksichten entschied«. (Oho.)
Abg. Spahn (Clr.) weist dies zurück.
Bei der Abstimmung über dm Antrag Gamp ergibt sich Beschluß- unsähtgkett.
Nächste Sitzung Montag. Schluß 6‘/i Uhr.
«olff« telegraphische» Lorrespondmz-Bureau.
Berlin, 24. April. Der Kaiser wird auf der Rück« reise von Dresden nach der Wartburg heute Mittag von I bis 3 Uhr in Weimar zum Besuche der Großherzogin verweilen und gegen 4»/, Uhr in Eisenach wieder eintreffen. Abend» begibt er sich nach Wasungen und von dort im Laufe des morgigen Tages nach Schlitz.
Berlin, 24. April. Der „Nordd. Allgem. Ztg." wird bestätigt, daß von den Preußischen Staats bahnen mit den Bayrischen Staatsbahnen neue Verhandlungen wegen Fahrterleichterungen zu der Berliner Gewerbeausstellung angeknüpst sind. Mit den Württembergischen Bahnen bestehe ein Etnverständniß.
Bremen, 24. April. Der Norddeutsche Lloyd setzte die ZwischendeckSpreise für die Ueberfahrt nach New« York wie folgt fest: Schnelldampfer 150 Mk., Postdampser 140 Mk., Rolanddampfer 130Mk./ für die Ueberfahrt nach Baltimore: Postdampser und Rolanddampfer 130 Mk.
Dresden, 24. April. Der Kaiser ist heute Morgen 9 Uhr nach der Wartburg abgereist. Der König begleitete ihn von der Villa Strehlen bis an den Salonwagen,- hierauf verabschiedeten sie sich aufs Herzlichste.
München, 24. April. In einer gestern stattgehabteu, stark besuchten Versammlung beschlossen die Schäffler in geheimer Abstimmung mit 409 gegen 24 Stimmen den Eintritt in den Strike. Der Strike hat heute Vormittag begonnen. ES arbeitet nur ein Thetl der Schäffler weiter.
Loudon, 24. April. Prinz H einrich von-Preußen ist gestern von Southampton auf der Yacht „ESpsrance" nach Kiel abgesegelt. — Die Admiralität ordnete den Bau von 20 neuen Horpedoboot-Zerstörern an.
Athen, 24. April. Die Leichenfeier für TrtkupiS gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung. Der König, die Prinzen, das diplomatische EorpS und etwa 40,000 Per- fönen nahmen au derselben Thetl.
vierteljähriger JWo*xrn«wbpteto* 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. Durch die Post bqegai 2 Mark 60 Pf».
Rebaction, ErpeditiM und Druckerei: Kch»tstrntcAr.H« Fernsprecher 5L
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Berlin, 24.April. Die Zuckersteuer.Commission deS Reichstages hat ihre Arbeiten entgegen der be- stimmten Absicht heute noch nicht beendet. Die Paragraphen von der Contingentirung wurden im Wesentlichen nach den Beschlüssen der ersten Lesung und mit einigen Abänderung-- anträgeu Paasche und v. Staudy angenommen. Fortsetzung nächsten Dienstag.
Berlin, 24. April. In der heutigen Sitzung der ReichStagS-Commission für das Bürgerliche Gesetzbuch wurde über das 4. Buch beratheu, welches vom Familienrecht handelt. § 1280 erhielt folgende Fassung: Aus dem Berlöbniß kann nicht auf Eingehung der Ehe geklagt werden. DaS Versprechen einer Strafe für den Fall, daß die Eingehung einer Ehe unterbleibt, ist nichtig. § 1281 wurde mit einem Zusatzantrage Gröber dahin angenommen, daß ein Verlobter, der vom Verlöbniß zurücktritt, dem andern Thetle für die erfolgten Aufwendungen und Verbindlichkeiten Schadenersatz zu leisten hat und daß dieser Anspruch auch Dritten zustehen soll.
Berlin, 24. April. Die Commission des Abgeordnetenhauses zur Vorbereitung des Gesetzentwurfs für die Rtcht'er- g eh älter hat heute ihre Arbeiten beendet. Der Assessoren- Paragraph (§ 8) wurde sowohl in der Fassung der Regierungsvorlage , wie auch in der von den Conservativen vorgeschlageuen Fassung abgelehnt. DaS ganze Gesetz wurde ohne diesen Paragraphen mit 11 gegen 10 Stimmen an- genommen.
Berlin, 24. April. Der „Post" zufolge ist au maßgebender Stelle davon, daß die Regierung den Gesetzentwurf über den Verkehr mit Saatgut, kün-stlichem Dünger und Kraftfuttermittel vorläufig zurückgezogen habe, nicht- bekannt. Der Entwurf liege noch den Sachverständigen und Vertrauensmännern vor. Ehe diese ihren Bericht Erstattet hätten, dürfte eine Entscheidung auch nicht zu erwarten sein.
Berlin, 24. April. Fürst Ferdinand von Bul- garten hat heute Morgen, von Petersburg kommend, auf der Reise nach Paris Berlin pasfirt.
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q Kraft:
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Bekanntmachung.
Mir bringen hiermit zur Kenntniß der Betheiligteu, daß Btr Auftrieb zu den am 28. und 29. l. MtS. dahier statt- ^ftdendeu Biehmärkten am 28. l. MtS. erst vou 6 Uhr Vormittag- und am 29. I. MtS. erst vou 7 Uhr Vormittag- a gestattet ist.
Vor dieser Zett etntreffende Thiere find tu der Nordmd Westanlage btS zu dem Eisenbahn-Durchgang, und wenn ArThiere aus der Richtung von Heuchelheim her aufgetrieben Gerden, auf der Staatsstraße Heuchelheim—Gießen vor der tzhndrücke aozuhalten.
Gießen, am 25. April 1896.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.
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te und Antrags^"- kfurt a. H
Befunden: 1 Päckchen mit 2 Stück blauem Baud, l Haar Kinder-Ohrringe, 1 alter Kinder-Regenschirm, 1 Kimoer-Tascheotuch, 1 Taschenmesser, 1 weißes Taschentuch -ift i iogebundenem Geld, 1 blaue Brille, 1 Armband, Futter- H und 1 Stück Band.
Zugelaufen: 1 gelber Mops.
Zngeflogeu: 1 Canarieuvogel.
Gießen, den 25. April 1896.
Großherzogltches Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
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Berlin, 24. April. Die Meldung über den Rücktritt des Krieg-Ministers und seine Ersetzung durch den General v. Goßler, waS mit der angeblichen Ablehnung deS Entwurfes einer neuen Milttärftrafproceßordnung durch den Kaiser in Zusammenhang gebracht wurde, entbehrt, wie dem „Berliner Tageblatt" von zuständiger Seite mitgetheilt wird, in allen ihren Theileu jeder thatsächlichen Begründung.
Berlin, 24. April. Gestern Mittag sammelten sich etwa 60 strtkende Maurer vor den Neubauten Heiligcgetst- straße 13/14 und Burgstraße 17/18, um die dort arbeitenden Gesellen von der Weiterarbeit abzuhalten. Bei der Annäherung vou Schutzleuten zogen sie sich zurück. Aus Furchr vor Gewaltthätigkeiten legten jedoch bald darauf die auf dem Bau arbeitenden Maurer die Arbeit nieder.
Berlin, 24. April. Zu dem Gerücht über eine Re- Vision des deutsch-russischen Handelsvertrages erhält die „Voss. Ztg." eine Meldung aus zuverläsfiger Petersburger Quelle, wonach es sich lediglich um die Prüfung der von russischen Exporteuren geführten Klagen, sowie um mehrfach fälschliche Auslegung einzelner Paragraphen des Vertrages seitens deutscher Einfuhrhändler handelt. Nach Prüfung der Angelegenheit würde die Auffassung der russischen Regierung der deutschen übermittelt werden, wie diese schon häufiger der russischen Regierung Klagen und Wünsche unterbreitet hat. Da in allen bisherigen Fällen die Zweifel glatt beseitigt worden seien, so dürste auch diesmal eine entgegenkommende Behandlung der russischen Wünsche feiten- Deutschland- erwartet werden.
Frankfurt a. M., 24. April. Die hiesige Polizeibehörde hat, wie unS mitgetheilt wird, da- für das VolkStheater geschriebene vieractige Schauspiel „Maria und Martha" vou Leon Salttz verboten. Da- Stück behandelt die biblische Episode der beiden Schwestern auf das moderne sociale Leben übertragen. Die Idee an sich, sowie die Ausarbeitung der Charactere (ein moderner Christus und ein Pharisäer, der eine ganze Clique reprasentirt, stehen sich gegenüber) haben daS Verbot nach sich gezogen.
Köln, 24. April. Der „Köln. Ztg." zufolge sind die Vorarbeiten wegen Vervollständigung der vierten Bataillone imKriegsmintstertum soweit gediehen, daß der Gesetzentwurf schon in Kürze, voraussichtlich noch vor Pfingsten, dem Reichstage zugeht. Die Mehrkosten sollen keinen nennen-- werthen Umfang aunehmen, so daß auf eine glatte Erledigung der Vorlage gerechnet werden dürfte. — Die „Köln. Ztg." hofft, daß eS dem Kriegsminister nun auch gelingen werde, baldigst den Entwurf einer Militärstrafprozeßordnung zur Vorlage zu bringen.
Ofieuburg, 24. April. Der frühere Sparkaffenrechner Franz Baur wurde vom hiesigen Schwurgericht wegen Unterschlagung von 539,484 Mk., sowie wegen Urkundenfälschung zu acht Jahren Zuchthaus verurthetlt.
Paris, 24. April. Die Lage de- Präsidenten der Republik wegen der geringen Zahl von Stimmen, welche die Tagesordnung Ricard erhalten, ist sehr schwierig, weil der Präsident tu dieser Abstimmung keine genügende Andeutung für die Personen des neuen Ministeriums findet. Libre Parole erklärt, undenkbar ist eß, wie eine solche revolutionäre Bewegung für die Vertheidigung der Rechte einer Kammer, die Jedermann verachtet und wegen der Ueber- griffe des Senats, die überall Ekel Hervorrufen, entstehen kann. Wenn der Präsident der Republik, der von allen Seiten bedroht ist, wirklich aufrtchttg patriotisch gesinnt ist, so muß er den beiden Kammern eine Botschaft zusenden, worin er offen und klar sich über die wirkliche Lage ausspricht. ES wird die Zusammenberufung eine- CongreffeS vorgeschlageo, um die zusammenbrechende Regierungsmaschiue wieder in Ordnung zu bringen. Der Artikel schließt mit der Bemerkung, daß der gegenwärtige parlamentarische Rummel eher ein Ende bekommen dürfte, als man daran denke.
Paris, 24. April. Zu der Demission deS Cab inet» Bourgeois bemerkt Henri Rochefort im „Jntransigeant", eS bleibe Bourgeois, nachdem er die Waffen des allgemeinen Stimmrechts zu Füßen des Senat- niedergelegt habe, nicht- andereS übrig, als auch feine Demission als Abgeordneter zu geben. — Der Abg. JaureS erklärt in der „Pötite R4- publique": DaS Ministerium habe sich im vollen Kampf als feige erwiesen. Alle Cabinete, welche dem allgemeine« Stimmrecht Revanche gegen den Senat, verweigern, würden sofort weggefegt werden.
Paris, 24. April. Präsident Faure empfing heute Peytral, welcher erklärte, die einzige Möglichkeit sei ein Cabinet mit vorwiegend radicalem Element unter Ausschluß der Socialtsten und der Ralliirten. Briffou sei die geeignetste Persönlichkeit zur Uebernahme des neuen Ministerium-. Da dieser aber als Kammerpräsident schwer z«
Meßmer Anzeiger
Kenerat-Unzeiger.
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Deutscher Reichstag.
76. Sitzung. Freitag, den 24. April 1896.
Auf der Tagesordnung stehen Wahlprüfunaen.
vaS Mandat des Abg. v. Gälisch (R.) wird debatteloS für llltlg erklärt und beschlossen, den Reichskanzler zu ersuchen, gewisse Meftellte Wahlungehörigketten der preußsichen Regierung mitzuthetl«.
Bezüglich der Wahl p. Kardorff (Rp.), der sein Mandat Mx gelegt ha« und inzwischen wiedergewählt ist, wird ein älterer 'SiMuß für erledigt erklärt.
Die Wahl v. Retbnttz (frs. Vp.) und Hüpeden (chr.-soc.)
Bez"üglich ^er^bereits früher für giltig erklärt« Wahl des IttfKR Ltmburg-Stirum (cons.) wird ein gleiches Ersuch«, ,i« b>ei der v. Saltsch, an den Reichskanzler gerichtet.
Die Wahl des Abg. Meyer-Halle (srs. Vp.) beantragt die '(maniffton für ungültig zu erklär«, weg« starker landräthltcher !«chlbeetnflussungen bet der H-uptwahl . , .
Abg Barth (frs. Vg.) bekämpft diesen Anttag und verlangt, H Eiche solle mindestens nochmals zur Prüfung an die Commission sarüdfoexroiefen werden. D«n gleich bei der Hauptwahl wäre der mialldemokrattsche Candidat doch keinesfalls gewählt worden. Und Kem die Wablbeeinflussungen deS Landraths nicht stattgesunden, 1 wäre doch Meyer erst recht in die Stichwahl gekommen und Wht der conservative Candidat. o . . _
Abg. v. Hol euffer (cons.). Man sieht hieraus wieder einmal, 0 uch jene Partei« w«n es sich um einen ihrer eigen« Candidat« tnbel* sofort auf den Bod« unserer Anschauung treten, daß nicht amtlichen Wahlbeeinflussungen an sich eine Wahl ungiltig mach«, ftndmn daß man sich fragen muß, welche Wilkmrg hatte die Be- rofiafsung auf das Wahlergebnih. Der betr. Landrath sei bei der UEiaL übrigen« nicht amtlich, sondern nur als Privatperson hervor- Melen. Wolle man daS etwa all« Beamten verwehr«? Seine Krtel sei für GUtigkeit der Wahl, accepltre aber zunächst auch die gblkverweisung.
Abg. Auer (soc.): Seine Partei sei die letzte dazu, den Be- mien ibr persönliches Wahlrecht zu nehm«. Aber es liege hier Wchlich amtliche Beeinflussung vor. Der schriftliche Bericht «tatire ausdrücklich, daß der Landralh von Werder sich bei seiner »Hatton sogar der Gendarmen bedient habe. Zu wessen Gunst« H amtliche Beeinflussung erfolgte, sei gleichgtltig.
Abg. Gamp (Rp.) erblickt eine thatfächliche Verkürzung der Milchen Rechte der Beamt« in der absolut« Zurückhaltung, »Ihr sich dieselben nach der Auffassung AuerS auferleg« soll«. Sntt plflibkt für Rückverweisung.
Abgg. Friedberg (nall.) und Gamp (frs. Vg.) sprechen gegm tzei Antrag der Commission. . o__.. ..
Abg. Spahn (Str.) behauptet, daß es sich hier um ganz exorbi- tfae Wahlbeeinflussungen deS Landraths handle. .
Abg v. Marquardsen (natl.) stellt in Abrede, da« die Wahl- «i<ui.6<commHfton ttüb-r «uf d«m ®<mbipuiitie S-st-md-n W fc- amtliche Wahlbeeinfluffung, ohne Rücksicht auf das Maß ihrer Mkung, erfordere die Cassirung einer Wahl.
Der Antrag auf Rückverweisung an die Commission wird mit Hb gegen 97 Stimmen abgelehnt und die Wahl Meyers für ungiltig ‘tia$)le Wahlen Rother (cons.) und Reichmuth (Rp.) werden Ikcifftanbet, die deS Graf« Dönfhoff (b. k. F.) für glltig erklätt.
Es folgt die Wahl Krupp. Die Commission beanttagt •lillkfett.
Abg. ßütgenau (Soc.) beantragt Beanstandung und Anstellung allerlei Erhebung«. „ .... ... .
Die Wahl wird nach längerer Debatte für glltig erklärt.
Die Wahl des Abg. Holtz (Rp.) beantragt die Commiffion zu ^Abg^Legielski (Pole) beantragt «nglltigkeit (im Hinblick au K^afch vorgekommme amtliche Wahlbeeinfluffung« und andere Selbe.
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esellschaft.
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