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1896
Sonntag dm 26. Jaanai
Aints- Ul'd Anzeigeblatt für- den Aveis Gieren.
rge 45.
Kaisers Geburtstag
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gleichen Abend da- große Fest I war
dem uns be. Mutter und
All» Annoncen-Bureaux de- In- und Lu-lande- nehme» Anzeigen für den „«ießener Anzeiger" entgegen
lehlen kann.
Im Saalbau fand am
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viertelföhrtger >6oÄecmt*Uytttoi 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
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Ichnkstratze Ar.7.
Kernsprccher 51.
m. 22 Zweites Blatt
Der chietzener Anzeiger erscheint täglich, aut Ausnahme de- MontagS.
Die Gießener D»«ikte«»l»tter »erde» dem Anzeiger -Wöchentlich dreimal beigelegt.
Anschauung rooHe Gott unseren Kaiser und sein Volk in Gnaden bewahren. Soweit find wir noch nicht, daß wir die Throne Deutschland- mit Bajonetten stützen müfien. Der- trauen erweckt Vertrauen, und wer fich auf die altberühmte deutsche Treue verläßt, hat e« noch nie bereut. Wir wissen heute keinen besieren Wunsch htnaufzusenden zu de- Throne- Stufen al- den, daß der Kaiser die Liebe und Treue seine- Volke- in ihrer ganzen Größe erfahre, denn sie ist noch vorhanden wie früher. Allerlei schmerzliche Erfahrungen, die unser Kaiser gerade im letzten Jahre hat machen müffen, geben doch nicht Grund genug, um an dem guten Kern unsere- Volke- in allen seinen Schichten zu verzweifeln, und ändern nicht- an der Thatsacke, daß unser Volk im Großen und Ganzen nach wie vor spricht:
„Wir aber stehn wie Mauern Um unser Kaiserhaus.
Ist Gott mit UN-, so dauern Wir manchen Sturm noch aus. Ob rings die Feinde toben, Ob Säul' um Säule fällt, Wir fürchten den dort oben, Sonst Niemand in der Welt."
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Mchener Anzeiger
Kenerat-Mzeiger.
d„ feumantta«" statt, bi- bi« »um l-tzt-u Aug-nblick- an | ihrem auten Recht, den ©aalbau am 18. Januar ju benützen, i-ftaehaitktt bat. Hier bildete ein graste«, wahlg-lung-ne» Canc-ti den ersten Theil de« Pragrarnm«, der unter Mit. Wirkung erster künstlerischer «rüste schön verlies. Daran schlost fich die Aufführung -ine- van dem B-r-in-prüfld-nten gedichteten /rneladrarnatischen Festspiele« mit lebenden Bildern. Herr Hassüng.r Max Stnry, der ,-üh-r Maler gewesen, hatte da« Arrangement der Bilder üb-rnammen und sein. Ausgabe glänzend gelöst. Ein flotter Ball schlost die schöne
Die H auptseier bildete jedoch da« graste Erinnerung«. fcft om Sonntag Abend, da, die Stadt Darmstadt ver- anstalt-te. Der Saalbausaal hatte herrlichen F-st-«schmuck erhalten und in dichte» Schaaren drängten fich die patriotisch G-stunten in die schönen Räume. Die Redner hier alle an- ^g-b-n und zu berichten, wa« fi- sprachen, würde zu wei sühren. Aber besondere Hervorhebung verdient die glanzende Festrede de« Herrn G-h-imrath Proseffor Dr. Oncken von Gi.heu, den man hier leider so selten zu hören bekommt. Er verstand -«, da« Jnt-r.ff- der vi-lhund°rt °pstgen Zu. schauerschaar in hohem Grade zu s-ffe n, man lauscht- i M»m Au-fübrunaen über die Kaiserproclamation in größter Spannung ^und zollte ihm am Schlufie seiner zündenden Rede Adelnden Beifall. Hoffentlich sehen wir Herrn Profeffor Dr. Oncken bald wieder al- Redner in Darmstadt.
Manch Jntereffante- bleibt au- dem Kunstleben der abaelaufeneu Berichtswoche mitzutheilen. Da ist zunächst der Aufführung de- „Figaro" im Rococcostyle zu gedenken, die eine Art Ereigniß für da- mufikliebende Darmstadt war. Eine junge Dresdener Künstlerin, Frl. Greb, gastirte al- Gräfin Almarion auf Engagement und errang einen großen Erfolg, der ihr beim zweiten Gastspiel al- Margarethe in GounodS „Faust" nicht ganz in dem gleichen Maße beschieden
- Am Dienstag eröffnete Herr Buear vom Leipziger
.Kommen Sie endlich, lieber College?" empfing Bis- marck Jule- Favre in Versailles. „Nun, wie steht» in Paris?" — „Nicht so schlimm," sagte stockend Favre. — „AvropoS, lieber College," half Bismarck ein, „wie haben die Beefsteak- in Versailles geschmeckt? — nicht wahr, doch beffer als die in Paris?" — Favre lächelte und sagte: „Also wiffen Sie'S schon?" Er hatte näml ch vor seine« Besuche vier Beefsteaks mit Ei auf einem Sitz im Gasthofe gegessen, was für einen Diplomaten ziemlich viel Appetit verräth. Seinem militärischen Begleiter, einem alten Hau- deaen, war- noch schlimmer ergangen. Er hatte unterwegs dem lange entbehrten Cognac so tapfer zugesprochen, daß er ungeheuer bt-.ut, aber auch vollständig unzurechnungssahiq zum Verhandln war. Am Mittagötisch Bismarck- vergaß Favre zum zweiten Male, daß er betheuert hatte, mit dem Proviant in Pari- stehe eS nicht so schlimm, denn er hieb ein, al-hätte er noch nie ein Beefsteak gepeffen. D>e diplo
Stadttheater, ein Aspirant für da- zu besetzende Fach de» lvrtscheu Tenor-, ein Gastspiel mit denkbar größtem Erfolg. Der Mittwoch brachte die zweite Volk-Vorstellung, zu der LesfingS „Nathan der Weise", von jeher eine btt beftm Vorstellungen unseres Schauspiel-, auSerseheo war. Auch diesmal war das Hau- fast ausverkauft, sodaß dem neuen Unternehmen dauernder Bestand nunmehr zweifellos zuge- sprachen werden kann.
Der Mozartverein bringt nun am SamStag auch ein große» Concert, deffen Hauptanziehuug in der Mit» Wirkung des jüngst hier so enthusiastisch aufgeuommenea holländischen DamevqaartettS bestehen wird.
Endlich hätten wir noch des geradezu glänzend vn- lausenen ConcerteS zum Besten der Unterstützung-kaffe de- Journalisten- und Schriftstellert, erein» zu gedenken. Der Erfolg der Veranstaltung war in jeder Be» riehung außerordentlich, namentlich wurde Herr Kammer- sänger Gießen (Buff) au- Wiesbaden hervorragend auS- 9 8 «Am Hofe war eS au- Anlaß de^ letzten HosballeS am vergangenen Mittwoch recht lebhaft, auch in dieser Woche besuchten die Höchsten Herrschaften einige gesellige Bei gnügungen, so das Ballfeft bet Herrn Mwister Finger. Nun hat freilich der Tod des Prinzen Heinrich von Batte» berg die geplanten Hoffestltchkeiten in Frage gestellt
Schließlich fei noch erwähnt, daß man in allen Phyfi kalischen Instituten Darmstadts eifrig mit der Benutzung der neuen X-Strahlen de- Herrn Prof. Röntge» croerimentirt hat. Der Glückliche, dem der „große Wurf , d^h da- Photographiren mit den X-Strahlen bis jetzt ge- jungen. ist Herr vr. Fl och er, ein tüchtiger Physiker, der hier am Reuen Gymnasium thätig ist. ... .
Dazwischen ist auch die erste Nummer der FajchiugS- zeitung herauSgekommen und der luftige Inhalt laßt un» den künftigen Blättern neugierig entgegenharren.
Feuilleton.
Wochrndriefe aus der Residenz.
(Origtnalbericht deS „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 24. Januar.
D-r 18. 3«wt«. - «»I bem RnnfUtben. - B.m tz'!-- Berfchiedeae».
Wollte ich den Lesern des „Gießener Anzeiger" genau Lerikbten wie man in der Residenz den 18. Januar al- »rünbu»g«"ag be« D-utjch-» R-i»-« «MW »«•
,n (n mühte ich den ganzen Brief diesem Zwecke 'wL-n.^ E«'°.i7d°ch mit -in-rn kurzen Ueberbifik über bie *e,d,tl^S"a8«be8nb leitete eine gt-ß-Illumination bi- F-i-r ein. Di- Betheiligung an bt-f-tfi-l ung-m-in gianj-nb av«, einzelne Straßen kannten jagar einen Vergleich mit bem atofeen Jlluminatianöabsnb bei bet Bermahlung uni-re» «tahh-tzag« auSbalten. Bejvnber« reich »«lanztkn zum Tbeil bte ®taat«gebäube im Scheine van |>unbeiten van Lämpchen, namentlich da« R-ich-Pastg-bäub- » bi- allg-m-in- Ausm-rksamk-.t auf fich. 3” Orph-nm »utbt ein araß-r Stnbentencommtr« abg-halt-n, an bem fämmtlidie «arparatianen unserer Alma mater ant^eit nahmt" Der Saal hatte zweckentsprechenben paffenbin Schmuck eifialte unb mit jug-nblich-m Enthusiasmus nahmen bie Stubir-nben jede vaterlänbische Hulbigung-rebe aus. Sv verliesf bi! gan e Seiet, bei bet auch künstlerische Bartrage nicht fehlten, würbig unb im letzten Th-ile s-ucht-sröhlich. B-l Berans a ■ ungeu ber Darmstädter Stud-utenschast macht sich stet- bemerklich, bah alle (äorpotationen mit größter Einigkeit jum Gelingen be« Feste« Zusammenwirken, sabaß der Ersalg nie
Der Krieg von 1870(71, gri*Ubert bat» Mt,schnitt- tu« Zeitung»-Rumm-tn ienet Seit (Nachdruck verboten.) 2». 3«««.
talation gewartet werden, so werden sie 100,000 Pariser nicht mehr erleben, sie werden Hunger- steroen.
27. Januar.
Die Armee Bourbaki- zieht fich auf Besangon a» linken DoubS-User zurück, verfolgt von einzelnen Corp» der Südarmee. Der Verlust deS Feinde- wird auf mindesten» 10,000 Mann geschätzt. Da- Elend unter den zurück- gebliebenen franzöfischen Verwundeten und Kranken, welche ohne Hilfe und Verpflegung zurückgelaffen worden, ist überaus groß. Nachdem vor Belfort dem Feinde in den etzte» Wochen mehrere vorgeschobene Stellungen mit glückliche» Erfolge entriffen worden waren, ist am 26. Januar ein auf die Fort- Baffe- und Haute-Perche unternommener Stur» leider gänzlich mißlungen, wobei der Verlust auf unserer Seite leider ein sehr beklagen-werther war. ^u-geführt wurde der Angriff durch daS 2. Bataillon (Schneidemühl) des 3. pommerschen Landwehr. RcgimrMS Nr. 18. ßtt Feind hatte sich, seiner sonstigen Gewohvheit zuw,der, auf eine Ueberrumpelung von deutscher Seile wohl vorbereitet. Als das Bataillon gegen 9 Uhr auS dem Laufgraben herauS- kam, umarmten fich noch manche und drückten fich stumm die Hände. Dann ging jede Compagnie in der ihr bezeichneten Richtung auf die Schanze los. AlS sie fich bi- auf die Hälste ihrem Ziele genähert hatten, bekamen sie Schöffe, ließen fich dadurch aber nicht aufhalten, sondern rückten im Schnellschritt vorwärts. Aber der Feind überschüttete die tapferen Landwehrmänuer nun mit Granaten, Shrapnel». Kartätschen, Mitrailleuseo, Wallbüchse»- und Gewehrfeuer in einer Weise, die aller Beschreibung spottet. ES war nrte ein furchtbares Gewitter, das sich mit einem Hagel von Blei und Eisen entlud. An Rückkehr war nicht mehr zu denken, ebensowenig aber an DorwärtSdringen. Diele warfen fich platt auf den Schnee, jeden Augenblick den Tod oder Verwundung erwartend. Zahlreiche der Ackeren fan e» diesen Tod, andere soeben noch strotzend in männlicher Kraft, waren in wenigen Minuten hilflose Krüppel, während mancher, der nicht wehr auf Rettung hoffte uud dte Seinen bereits in Gotte- Schutz befohlen hatte, dennoch unverletzt blieb. In dieser furchtbaren Lage blieben die Mannschaften zwischen beiden Schanzen ein^ lange bange Weile, dann ließ da Feuer des Feindes nach. Wer immer konnte, kroch auf dem Bauche zurück aus dem Bereiche der fdnblWn Ge- schosse. Plötzlich brach der Feind hervor, um den Rest de» Bataillon- gefangen zu nehmen. Endlich erreichten die Mannschaften matt und abgehetzt von Strapazen und Schrecken, die Laufgräben. Der Verlust deS Bataillon»
»«nahm, von Anzeigen |U der Nachmittag» für de» yfgmben Tag erscheinenden Nummer- bi« Borm. 10 Uhr.
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W lein Wasch n Ausfiihktiuz
feiert morgen daS deutsche Volk. Unsere Gedanken richten fich . deßhalb dahin, wo der Kaiser, umgeben von der Liebe der Seinen, fich der Wiederkehr diese- Tage- freut und ihn feierlich begeht. Auch ein Kaiser ist und bleibt in seinem Fühlen und Empfinden ein Mensch und al- solcher jedem, I auch seinem ärmsten Unterthaneu menschlich verbunden und nahe verwandt, und so kann sich auch ein jeder von unS in I Me Gedanken und Gefühle hineinversetzen, welche da- Herz unsere- Kaiser-morgen bewegen werden. Wenn wir auf 'ein Privatleben sehen, so «üffen wir sagen: fürwahr, er ist etn glücklicher Mann. Eine hochherzige, edel Sefinute, fromme Gattin verschönt ihm den Lebensweg. „Wie die Pfeile in der Hand eine« Starken, also gerathen die iuugeu Knaben. Seine Kinder find wie dte Oelzweige um seinen Tisch her. Ja, etn glücklicher Mann, und wenn er heute an diesem oeaeu Lebensabschnitt sein Glück betrachtet und bedenkt, wem <r das alles verdankt, wenn er das letzte Lebensjahr überblickt und fich dte treue väterliche Führung seines Gottes während deffelben vergegenwärtigt, da einigt fich Herz mit den Herzen seine- Volke- zu einem Lob- und Dank- gebet gegen den Herrn :
„O, wär etn jeder Puls «in Dank Und jeder Odem ein Gesang."
Allein der Geburt-tag de- Herrscher- hat auch eine öff-ntiich- Sebtutung. Wit köttn-n -« un« mahl bmta. b«6 Mer wichtige Tag nicht vorübergeht, ohne daß unser Kaiser ia feinem ianbe«aätetlid)en H-tz-n bie ®ef<pide feine« Balke« ibetbenlt unb Betgangenheit unb Zukunft behe ben in» Ange -fQ6L Und da bietet fich seinem Blick ja leider nicht ein erfreuliche» Bild. Niemand kann dte Roth leugnen, die unser Land und Volk bedrückt, die «Ugtöse Noth, die in Unglauben, in geheimer und offenbarer Gortlofigkeit herrscht, die sittliche Noch, die sich in immer mehr um sichSteifender Zügellofigkeit äußert, die politische Noch, die alS^Parteisucht, Unzufriedenheit und Streben nach Willkürherrschaft rmftrit, die wirthschaftliche Noch, die am Erwerb deS täglichen BrodeS oerzagen läßt. In so schweren Zeiten heißt eS für Volk uud Herrscher, doppelt treu zueinander zu stehen, nur dadurch kann der Noch gewehrt, die Klage gestillt werden. E scheint, alS ob daS Vertrauen deS Kaiser- zu seiuem Volke fich mindert. Verschiedene Aeußerungen auS kaiserlichem Munde deuten darauf hin. Wenn daS^Heer e en,jtge et nofl} nte ein ocemcui "
Stütze der Monarchie wäre, wenn der Kaiserfich °^f d ^age war also ganz klar, aber BiSmarck beMete
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