Prag. 23. October. Im Pilsener deutschen Stadttheater brach gestern Abend »ährend der Vorstellung Feuer aus, welches die ganze Garderobe zerstörte. Der Geistesgegenwart des Regisseur», der das Publikum aufforderte, das Theater ruhig zu verlaffen, ist eS zu danken, daß eine Panik verhütet wurde.
Berlin, 24. October. Der Colonialrath beschloß gestern, die RetchSregterung aufzuforderu, die Landeshoheit über Neu-Guinea zu übernehmen. Die vorgeschlagenen Bestimmungen des neuen Vertrages sind vorläufig vertraulich. Ein Widerspruch gegen die Darstellung der Denkschrift über die Gesellschaften in den Colonien wurde nicht erhoben und die Sitzungen geschloffen.
Berlin. 24. October. Wie verlautet, übergibt heute Dr. Kayser die Geschäfte des ColonialamtS an Freiherrn v. Richthofen.
Berlin, 24. October. Der Magistrat beschloß, die Bauplatzsteuer aufzuhebeu.
MySlowih, 24. October. Russische Grenzbeamte con- fiScirten eine Menge Gigerlstöcke, welche im Innern nihilistische Proclamatiouen enthielten.
Posen, 24. October. Dem „Dziennik PoznanSki" zufolge fordert der Oberpräfident der Provinz Posen als Aufsichtsbehörde der katholischen Krankenanstalten die Assistenzärzte auf, auS den polnischen Turnvereinen auS- zutreten, da diese staatsfeindliche Zwecke verfolgten.
Hamburg, 24. October. Das Befinden des Fürsten Bismarck ist andauernd günstig. Er unternimmt täglich Spazierfahrten.
Schwerin. 24. October. Der Kaiser ist gestern Abend gegen l/,7 Uhr zur Theilnahme an den Hochzeit-feierlich kett en hier eingetroffen. Zum Empfang am Bahnhof waren der Großherzog und die hier weilenden Herzöge von Mecklenburg erschienen. Der Kaiser, welcher Garde du Corps Uniform trug, begrüßte den Grohherzog aufs herzlichste. Nach Abfchreiten der Ehrevcompagnie fuhren die Herrschaften durch die festlich geschmückte Stadt zum Schloß. Heute Bormittag beginnen die HochzeitSfeierlichkeiten. Nach der Feier wird der Kaiser gegen 4 Uhr die Rückreise nach Berlin antreten. DaS Hochzeitsgeschenk des Kaisers besteht in einem Kronleuchter aus dec köntgl. Porzellan-Manufactur, während die Kaiserin der Braut einen weiß-seidenen Schirm mit dtomantenbesrtztem Griff zum Geschenk machte. AuS allen Theilen des Lande- gehen der scheidenden Prinzessin Gaben und AbichtedSgrüße zu. Die Neuvermählten werden sich nach dem Schloß Lensahn bet Eutin begeben.
Manvheim, 24. October. Der anhaltende Regen der letzten Tage hat die fast vollendete evangelische Kirche zu EnSheim zum Einsturz gebracht. Personen sind dabet nicht verletzt.
Graz. 24. October. Ganz Kärnten wurde durch eine neue Hochwassergefahr bedroht, da der Sirocco den Schnee de- Hochgebirge- rapid aufthaut.
CocaUs unfc Lrootinzieller.
Gießen, den 24. October.
* * Ernennungen. Seine Königs. Hoheit der Groß- h erzog haben Allerguädtgst geruht, am 21. October den Kreisarzt bet dem KreiSgesundheitSamte Büdingen, Medicinal« rath Dr. Ludwig Hauser zum Kreisärzte bei dem Kreis- gesundheitöamte Ben-Heim, den KretSasststenzarzt bet dem KreiSgesundheitSamte Mainz Dr. Wilhelm Schäffer zum Kreisärzte bet dem KretSgefundhettSamte Erbach, den Arzt am Lande-zuchthau- tu Marteufchloß und an der Zellenstrafanstalt in Butzbach Dr. Otto Wießner zum Kreisarzt bei dem KreiSgesundheitSamte Büdingen, den KreiS- asfistenzarzt bet dem KreiSgesundheitSamte Darmstadt Dr. Emil Schäffer zum KretSasststenzarzt bei dem KreiS- gesundhettsamte Mainz, den KretSasststenzarzt bei dem Krets- gesundheitSamte Schotten mit dem AmtSfltze zu Ulrichstein, Dr. Emil Nebel zum Kreißassistenzarzte bei dem KreiSgesundheitSamte Darmstadt und den practischen Arzt Dr. Otto Heinrich in Groß-Felda zum KrelSassiftcnzarzt bei dem KreiSgesundheitSamte Schotten mit dem Amtssitze zu Ulrich, stein, den KcetSasfistenzarzt bet dem KrriSgesundheitSamt Gießen Dr. Josef Wengler zum AnftaltSarzt an der Zellenstrafanstalt Butzbach, fämmtlich mit Wirkung vom 1. November l. I. an, zu ernennen.
* * LaudwirthfchaftlicheS. Der an Stelle von Herrn Dr. Radewald zum Generalsekretär des LandeS-AuS- schuffeS der landwirthschaftltchen Vereine des Großherzog- taumS Hrffen berufene Dr. Müller-Alzey hat feine neue Stellung mit Wirkung vom 1. October ds. Js. angetreteu.
OmutbuSverbiudung Gießeu Wiefeck. Auf unsere Notiz hin thetlt uns der Vorstand der hiesigen OmntbuSgesellschast soeben mit, daß mit dem morgigen Sonntage die Linie D von und nach Wieseck versuchsweise wieder eröffnet wird. Der Fahrpreis ist, wie früher, auf 10 Pfg. für die einfache Tour festgesetzt, Abonnement- werden außer den bereits bestehenden Abonnementskarten keine auSgegeben. Die Wagen verkehren vorläufig nach folgendem Fahrplan: ab Gießen: Morgens 7"* l«f 3M 6» 7" Abend-, ab Wteicck: Morgens 68e* 73(* pdf 415 6so 7so Abends.
t nur an Sonntagen, * nur an Wochentagen.
• • Stein» Saalbart. Morgen Sonntag Nachmittag wird unsere Regiment-musik unter persönlicher Leitung des Herrn MusikdirectorS Krautze daselbst coucertiren. Wir verweisen de- Weiteren auf das reichhaltige Programm, welches im Jnserateutheil zu finden.
• e Etadttheater. Der zweite Schlierseer-Theaterabend (Montag) bringt wieder eine Novität. „Im AuStragstüberl" heitzt das Dolksstück, welches zur Aufführung gelangt. Es stammt aus der Feder der bewährten vühnenfchriftsteller Maximilian Schmidt und HanS Neuert und behandelt die alte Sitte des in den AuStraggehenS, wie fie auf dem Lande und besonder- im sberbayertschen Gebirge üblich ist, indem der alt gewordene Bauer Haus und Hof dem Sohne übet» ■
giebt und fich von der Bewirihschaftuug des Anwesens zurückzieht. ES ist ein ländliches Familienleben, was die Berfaffer in wirksamer dramatischer Form vor Augen führen. Daß Stück hat seit Jahren den Weg über alle deutschen Bühnen gemacht und zahlreiche Aufführungen erlebt und wurde auch eine beliebte Nummer des Schlierseer Repertoires. In den Hauptrollen find die bewährten Kräfte der Truppe Lader Terofal und Therese Dirnberger beschäftigt. Ueber die Handlung in gedrängter Kürze folgendes: „Der Bauer Marti will gern reich werden und läht fich drum bethören, eine Ziegelsabrik anzufangen. Sein Pflegebruder Nazi warnt ihn davor, stachelt dadurch aber nur den jungen Bauern auf, der ihn aus dem Hause verweist. Der Bauer fällt in die Hand eines Wucherers und — der Bankrott ist unauöbleib' lich. Seine alten Eltern hat der Bauer ebenfalls vom Hofe verjagt und fo kommt der VerfteigerungSlag über den Lehm- Hof. Da geht der verlorene Sohu in seiner Verzweiflung in sich- der Alte hat noch Capitalien auf der Sparkaffe, er rettet den Sohn, indem er den Wucherer, der fich vor dem Gericht fürchten muß, abfindet und den Lehmhof seinem Sohne und dem Nazl zugleich übergiebt. Auch die erhoffte Eisenbahn wird gebaut und dadurch die Ziegelfabrik doch rentabel: so kommt nach mancher rührseligen Scene Alles zum guten Ende.
• * Die Schlierseer haben in Stuttgart soeben eine Gastspielserie von 23 Vorstellungen beendet. Der Erfolg war so groß, wie ihn In der württembergischen Hauptstadt noch niemal- ein Ensemble erzielte. Beifallsstürme und allabendlich übervolle Häuser. Gar ost mußte an den Kaffen die Schutzmannschaft interveniren, denn der Andrang war thatsächlich wiederholt beängstigend und gefährlich.
* * Zitherverein Alpenroschen. Morgen Sonntag veranstaltet der hiesige Zitherverein „Alpenröschen" aus dem „Lenz- schen Felsenkeller" ein Zither Concert." Da uns hier in Gießen bis jetzt sehr wenig Gelegenheit geboten worden ist, in diesem Fache etwas zu hören, so machen wir unsere Leser, besonders die hiesigen Zitherspieler an dieser Stelle vorauf aufmerksam.
* • Panorama Photoplastik. DaS große Ereigniß: die Eröffnung dcS Nord-Oftsee-CanalS, wird unS von heute ab im Panorama-Photoplastik des Herrn Schmidt geboten. Was Vielen durch die hohen Kosten nicht vergönnt war zu sehen, das wird unS in naturwahren plastischen Ansichten vorgeführt. Wir nennen nur die Alftertnsel von innen und außen, den Kaiser in Hamburg, Brunsbüttel, die Durchfahrt durch den Canal, Holtenau, die internationale Flotte, daS Flottenmanöver und die Parade, das Kaiserzelt, Schlußsteinlegung durch den Kaiser, Hochbrücken und Leucht- thürme. Nach dem, waS Herr Schmidt bisher geboten, bedarf eS bei dieser Serie wohl keiner Empfehlung und wird sicher ein starker Andrang stattfinden.
• • eine gemüthliche Familienfeier war eS, die fich uu- beabfichtigt und unvorbereitet am gestrigen Tage auf der Acti en -Brauerei entwickelte. Die zufällig anwesende Mutter deS Herrn ßemme hatte ihren Geburtstag, und die zahlreichen Brauburschen und Arbeiter des Etablissements entsandten, um ihren Director zu ehren, dem Geburtstags- kinde eine Deputation, um diesem ihre Glückwünsche darzubringen, wobei prächtige Blumenspenden der Dame überreicht wurden. Nach Feierabend versammelten fich die Bureau- Beamten, die Brauburschen und die Übrigen Arbeiter zum fröhlichen Mahle. Musik und Feuerwerk traten baß Uebrige, um eine fröhliche Stimmung unter der zahlreichen und vergnügten GeburlstagSgesellfchaft hervorzurufen, die bis in die späten Nachtstunden bei einander blieb.
* * Betrug. Vor einigen Tagen miethete sich ein an geblicher Uhrmacher bei einer Familie hier ein und verschwand am andern Tage unter Mitnahme mehrerer Werth- fachen. ES gelang, denselben zu verhaften und entpuppte er sich als ein von Mainz aus verfolgter Betrüger und Dieb.
• • Diebstahl. In einem Haufe am Seltersweg wurden gestern verschiedene Kleidungsstücke gestohlen. Der Dieb wurde in der Person eines DicnstknechtS ermittelt und fanden sich die gestohlenen Gegenstände bei ihm vor.
* * Landtagswahlen. Der „Franks. Zeitung." wird auS Darmstadt geschrieben: Nach Artikel 6 deS Gesetzes vom 12. November 1872 sind bei den Wahlen der Wahl- männer und Abgeordneten zum Landtage nur hessische Staatsbürger, die das 25. Lebensjahr zurückgelegt haben, stimmberechtigt. Bei den jüngst vollzogenen LandtagSwahlen trat zu Tage, daß auch Nicht Hess en in die von den Gemeinden aufgestellten Wählerlisten aufgenommen waren. Dieser Umstand ist nicht immer auf ein verschulden der Gemeinden zurückzuführen, denn ihnen fehlen oft die Unterlagen, um beurteilen zu können, ob ein Einwohner Hesse ist ober nicht. Eine sichere Grundlage könnten in btefer Richtung allein die von den Standesämtern geführten Register abgeben, allein diese enthalten eine Beurkundung hinsichtlich der Staatsangehörigkeit gleichfalls nicht. Im Verlauf von weiteren 3 und 6 Jahren wird es für die Gemeinden noch weit schwieriger sein, die Staatsangehörigkeit im linzelnen Falle festzuftcllen. Diese Sache muß im nächsten Landtage zur Sprache gebracht werden- eß liegt nahe, gleich- ze-tig auch die Frage zu erörtern, ob man nicht die hessische Staatsangehörigkeit alß Erforderns activer und passiver Wahlfahigkeit zum Landtage überhaupt fallen lasten soll.
* • Die Tiefbau - Berufflgeuossenfchaft hat Angesichts der Zunahme der Unfälle bei Ausschachtungen, CavalisationS- bauten rc. eine Commission eingesetzt, die neue Vorschläge zur Verhütung, sowie zur Verschärfung der Vorschriften bei solchen Bauten auflarbeiten soll. Auch die einschlägigen Strafbestimmungen werden in Zukunft strenger gehandhabt werden. Die meisten Unfälle werden durch unvorsichtige- Fahren der Mannschaft aus den Förderwagen und durch daß gefährliche Untergraben von Erdreich zum Zwecke der Beschleunigung der Arbeiten verursacht.
* * Ja Amerika verstorbene Hessen. Shebotzgan, Wiß.,
Frau Wtw. Charlotte Rumnetz geb. Gerlach, 80 Jahre alt, aus Rheinhessen. New ss)ork, Frau Catharina Herrmann geb. Bechtluft, 61 Jahre alt, auß Flonheim. E gin, Jü., Philipp Confl, 70 Jahre alt, auß Homberg. New- Kork, Carl Paul Tr »scher, 36 Jahre alt, auß Alßf l'. Brooklyn, N. y., John Kramer, 72 Jahre alt, auß Obersaulheim.
E. Reichelsheim i. tz W., 21. October. Die Wieder- herstellungSarbeiten in unserer Kirche find nahezu vollendet. Die Orgel mit ihren 19 Registern ist eine treff« liche Arbeit unseres oberhesfischeu LandSmanneS, Herrn Förster auß Lich. Daß Werk ist nach allen Regeln der neuen Orgelbautechnik hergestellt, besitzt Register von großer Zartheit, aber auch solche von gewaltiger Kraft, so daß der Raum fast zu klein erscheint, wenn daß volle Weik in Tätigkeit gesetzt wird. — Beim Abbruch der alten Orgel, fow e bei den Wiederherstellungsarbeiten sanden fich einige Dinge, die auch für weitere Kreise Jntereste haben. Wir bringen folgende kurze Notizen darüber. Zunächst eine sianzöfi'chc Inschrift, welche lautet: Aujoard’hui que toub entendez ma volx, n’en durcissez point vos coeurs. Die Inschrift stammt auß den 90er Jahren deß vorigen Jahrhundert-, wahrscheinlich auß 1796, denn in diesem Jahre wurde in der Wetterau bei Ober-Mörlen, Friedberg und Fauerbach scharf gekämpft (Lchberg wurde am 10. September 1796 fast ganz zerstört) und die Witterauer Dörfer: Reichelsheim, Echzell, Leidhecken, Staden, Heuchelheim und viele andere waren von den Franzosen besitzt. Von diesen iand sich ein Rapport IV™® Bataillon de l’Oiee Compagnie D. Situation de la dite Compagnie en 1793, Van 2™" de la E6publique Fran^aise. Der Rapport enthält folgende Rubriken: en conges; malades ä la chambre, ä l’hopital; en prison; detaches; de garde; reste bous les armes; nom des officiera (de Service, de police, de semaine); secrues, pertes. Bescheinigt wird der Rapport: Certifie par moi: Comman- dant de la dite compagnie. — AIS ein Kunstwerk von hohem Werthe und großer Schönheit drfindet sich in der Kirche eine große Schüssel von Messing, welche in getriebener Arbeit den Sündenfall darstellt: Adam und Eoa stehen zu beiden Seiten deß Baumes der Erkenntnlß. Eva, rechts vom Baume, hält den Apfel in der Hand- Adam steht links, um den Baum ringelt sich die Schlange. Auf dem Boden der Schüssel sind Inschriften in Majuskeln und Minuskeln, sowie allerlei Maß- und Stabwerk, alles in getriebener Arbeit, angebracht. Die kleinere Schüssel, auch in Messing, ist weniger kunstvoll gehalten, aber immerhin schön und interessant.
M.W. «ns bet mittlere# öettera«, 23. October. Dir Handel mit fetten Gänsen nach Frankfurt ist seit einiger Zeit sehr lebhaft geworden. Die Martinsvögel zeigen wieder Neigung zum Krankwerden. Man erkennt dies daran, daß fich die erkrankten Thiere absondern und den Schnabel aufsperren, als litten sie an Athemnoth. Eintm Züchter gingen im Laufe dieser Woche 24 Stück zu Grunde. W'.r rathen: Diejenigen Stücke, die Krankheitszeichen er- kennen lassen, von den Gesunden zu trennen, denn die Krai k- heit ist ansteckend. Als Futter verabreiche man Hafer, der sehr kräftigt, etwas Grünzeug und öfter» frische-, reine» Wasser.
V. Ans dem Sogeiflberge, 23 October. Ungefähr 25 Gemeinden, die im oberen Bogelflberge liegen, haben von der Regierung Zuschüsse erhalten, um Waldculturen vornehmen zu können. Da man mit Verbesserung dtr Hut- weiden vorangeht, auch eine weitere Bahn durch den Vogels- berg genehmigt und vermessen ist, wird bald neuiß Ltben in diesem Gebirge erwachen.
X Darmstadt, 23. October. In der permanenten Huß' ftellung des Kunftve r ein- thut fich gegenwärtig eine einheimische Künstlerin, Frl. Clara Grosch, die nach und nach ganz in» Porträtfach überzugehen scheint, mit einer Reihe sehr schöner Bildnisse, darunter ein solche- der Kinder des Gräfl. Erbach-Schönberg'schen PaareS hervor. Einige treffende Copieen nach alten Meistern sind un» von der Künstlerin noch in bester Erinnerung. — N. Sichel (Berlin), hat zwei seiner stilvollen orientalischen Frauengestalten, tn wunderbar gelungener Zeichnung und mit virtuosem Color t auSgeführt, zur Ausstellung gebracht. —Von August Noack (Darmstadt) ist ein durch große Portättreue fich auSzeich- nende» Bild des Rabiners Dr. Marx, von Bertha Troriep (Weimar), ein solches von Otto Devrient in characteristischer Ausführung zu scheu. — Bernhard Scholz'» (Dresden), „Genoveva" ist von ergreifender und erhebender Wirkung. — Otto Fritz'S (Gießen), „Schlafende mit offenen Augen" zeigt sehr hübsches Können und Fortschreiten deS jungen Künstlers. — Drei Landschaft- Aquarelle von Jacob Hoffmann (Frankfurt a. M), find von bewvndernSwerther Naturwahrheit und feiner Stimmung. Bon auserlesenem Geschmack deS betr. Künstlers zeigt daS nette Bildchen, betitelt: „Sein Bild" von Fritz Martin (München).
A Mainz, 23. October. In einer heute Mittag stattgehabten Vertrauensmännerversammlung der na« tionalliberalen Partei wurde Geh. Oberschul ath Soldan tn Darmstadt zur bevorstehenden Ergänzungswahl deß Rc chß- tageS al» Candidat für den Wahlkreis .Mainz Oppenheim ausgestellt. Herr Soldan, der vor mehreren Jahren Dinctor der hiefigen Realschule war, hat die Caudidatur, wie wir vernehmen, angenommen. Erst war von der nationalliberale» Partei Finanzrath Braun tn Darmstadt in Aussicht genommen, doch hat derselbe entschieden abgelehnt, für bett Reichstag zu canbtbiren. Bier Candidaten find jetzt bereit- vorhanden und zwar von der CeutrumSpartei Rechtsanwalt Dr. Freuay, von den Socialdemokraten Redactenr Dr. David, von den RationalliberalenOberschulrath Soldan neb vou den Antisemiten Geometer Wolf tn Wörrstadt. Die Demokraten und die Deutsch-fretfinnigeu haben noch keine Candidaten benannt. Bei der letzten ReichßtagSwahl im Jahre 1893 kam der natianalltberale Candidat, damaliger Amt-


