Ausgabe 
25.3.1896 Zweites Blatt
 
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Jahresbericht

des ällgtmrintn Demus fit Armen- uni fitnukrnpflrgr in Gießen

erstattet bei der

Jahresversammlung am 17. März 1896.

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hochgeehrte Versammlung!

Wir haben im Großen und Ganzen Ursache, mit Dank und Befriedigung in das verflossene Vereinsjahr zurück zu blicken. Wenn wir es im vorigen Bericht aussprachen, daß wir, um mit einiger Zuversicht in die Zukunft zu blicken, einer Einnahme aus Mitgliederbeiträgen von mindestens 5000 jCL benötigten, so ist unsere Hoffnung, dies Ziel zu erreichen, schon im verflossenen Jahre nahezu erreicht-wordeu, indem die Mitgliederbeiträge von 4417 50 auf 4957 jM,

gestiegen sind. Auch sonst hat es uns an reichlichen größeren und kleineren Zuwendungen nicht gefehlt, so daß wir im­stande waren, den wachsenden Anforderungen unserer Vereins- anfgaben gerecht zu werden. Wir wollen hier nur einiges erwähnen. Aus einem auf Anregung der Frau Provinzial­direktor v. Gagern am 28. Februar zum Besten unserer Nähabende veranstalteten Bazar wurde unserer Kasse ein Reinertrag von 2802 95 überwiesen, aus dem danu

das von einem früheren Bazar noch vorhandene und für die Nähabende angelegte Kapital wieder auf 4000 JL er­gänzt wurde, während der Rest zur Bestreitung der laufenden Bedürfnisse der Nähabende verwendet wurde. Die hiesige Spar- und Leihkasse hat uns wiederum deu erhöhten Betrag von 1200 jfl bewilligt; das verstorbene Fräulein Elise Müller vermachte unserem Schwesternhaus ihr gesamtes Mobiliar und Weißzeug.

Die erfreulichsten Erfahrungen durften wir machen, als wir ernstlich dem Gedanken an eine Erweiterung unseres Schwesternhauses näher traten. Bei der wachsenden Zahl unserer Schwestern und der stetigen Zunahme der Kinder­zahl in unserer Krippe konnten wir uns dem nicht länger entziehen. Wie Sie sich erinnern werden, hat schon die letzte ordentliche Jahresversammlung ihre Zustimmung er­teilt, und den Vorstand ermächtigt, die nötigen einleitenden Schritte dazu zu thün, unter Umständen auch den Bauplatz zu erwerben.

Eine am 2. Dezember 1895 einberufene außerordent­liche Generalversammlung genehmigte die vorgelegten Pläne und beschloß, die zu ihrer Ausführung nötigen Mittel im Betrag von ca. 50000 JC durch Ausgabe vou Obligationen zu 3 % verzinslich aufzubringen. Sie wurde dazu bestimmt, durch die vou dem Vorstande gemachte Mitteilung, daß nach bereits gepflogenen Vorbesprechungen die Beschaffung des Geldes auf diesem Wege ohne große Schwierigkeiten zu erhoffen sei. Diese Hoffnung hat uns in der Thal nicht getäuscht. Auf eine von uns versandte Bitte erhielten wir

iuuiwv*i, 1^1«» Wiv VW iwwuigtu ctuuuui tuugpi, uuu ijl IUI !ta die Treppe hinunter und wieder auf dem Hofe. Aber mit der Bankträumerei ists vorbei, keine Ruhe hat er mehr In der kleinen, stillsonnigen Welt; * er wehrt dem nach- bringenden Nero und tritt aufathmend durchs Thor auf die Straße. Auch hier weit und breit keine Menschenseele, alles Sill und auSgestorben, alles in Elmstein. Er schreitet zum k)orf hinaus über den heißathmendeu Feldrain, wo die Grillen ibr melancholisches Lied zirpen im hohen, gelben Saatenfeld, eo die Kornblumen blühen und der Mohn und wo die Lerchen jllbilirend in den blauen Aether aufsteigen. Da, wo der Lald beginnt, hält er sinnend an. Das ist die Stelle, hier m den halb versunkenen Feldstein, wo er sich vor Jahren uch langer, weiter Wanderung müde ins GraS geworfen und to er das Martle zum ersten Male gesehen. Sie war so freundlich und so gut zu dem bestaubten, durstigen Wander- Urschen, al« eS sich schickte, daß ihr Vater, der Sonnensett« Bauet, just einen neuen Knecht einzustellen hatte, da glaubte ber Heimathlose, der eben sein vielliebeS Mütterlein begraben, brr eben die Schwester, die unselige Kindesmörderin, ver­pacht, im friedlichen Bergthal bei den derbbiederen Wald- Im ie« und bei dem sonnigen, treuherzigen Marile eine Heim- stäite für sein junges, heimgesuchte- Leben gefunden zu haben. Jahre find seitdem vergangen, aber die Heimstätte die Heimstätte hat er noch immer nicht gefunden. Und die derb- lieferen Waldbauern gebraucht und geplagt haben fie ihm nach Gutdünken, denHaunewackel" haben sie ihn, deu ^rtmathlosen Habenichts geheißen, arbeiten hat er müffen, tayauS, tageiu, vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahl. Kohl klingelten ihm die harten Batzen mittlerweile in die

bis jetzt von 23 Zeichnern 44400 JC Darlehen, und von weiteren 13 Geschenke im Gesamtbetrag von 2154 jfC. Für alle die erwähnten Zuwendungen, ganz besonders aber auch für diese thatkräftige Hülfe und für den uns hoch­erfreuenden Beweis des Vertrauens, der uns damit gegeben worden ist, fühlen wir uns zu lebhaftem und aufrichtigem Dank verpflichtet. Ueber die Art und Weise der Ausführung des Schwesternhausbaues sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen, da sich allerlei Schwierigkeiten ergeben haben; wir hoffen, dafür in Kürze eine befriedigende Lösung zu finden, wenn wir auch wohl darauf verzichten müssen, den Bau schon in diesem Jahre zur Vollendung zu bringen.

Im Bestände unserer arbeitenden Mitglieder sind nur zwei Veränderungen eingetreten: Aus dem Vor­stand schied aus Gesundheitsrücksicht aus Herr Rentner Aug. Heß, der dem Vorstand seit der Neuorganisation des Vereins angehörte und viele Jahre hindurch das Amt des Schriftführers verwaltet hat. Wir bedauern aufrichtig den Verlust dieses treuen Mitarbeiters und sprechen ihm die besten Wünsche zur Wiederherstellung seiner Gesundheit aus. Im III. Bezirk trat als Helferin neu ein Fräulein Johan nette Zimmermann.

Ueber unsere einzelnen Arbeitsgebiete berichten wir Folgendes:

I. Armenpflege:

Es wurden unterstützt: 184 Personen und Familien in 677 Fällen (1894: 179 Personen in 877 Fällen). Da­für wurden aufgewendet 4532 jft, 27 (gegen 4772 jft 51 in 1894).

Von diesen Unterstützungen fallen auf:

1. Baarunterstützungen (einschl.

Stiftungszinsen) . . . - Jfl 1894.50

2. Milchlieferung.......881.25

3. Brennmaterial....... 283.

4. Wein.......... 245.

5. Kostgeld an Kleinkinderschule, Knaben- und Mädchenhort . 36.60

6. Kurkosten in Bad-Nauheim:

a. für Erwachsene jfL 84.10

b. Kinder 940.50,, 1024.60

7. Darlehen........ 216.57

II. Krankenpflege:

Die Schwestern pflegten in 577 Familien mit 505 Nachtwachen, 269 Tagepflegen, 20496 Pflegebesuchen (1894:

tyuticnrraum uuu uoci uu [uiiiiciimuyiptaiytn yuroiuut schreitet seufzend der Bursche durch den gründämmernden Hochwald. Aber seltsam! Heute will ihm nicht wohl werden in diesen feierlichen und erhabenen Schattenhallen, daS Säuseln und Flüstern der Blätterkronen zittert unruhig in seiner auf­geregten Seele nach und in der unsteten Brust gährt es auf wie ein heißbrennender Durst nach Freiheit und ungemeffenen Lichtweiten. Und über die Blöcke und daS knackende Unter­holz geht eS mit mächtigen Sätzen zum Höhenkamm hinauf. Oben steht er hochathmend und im perlenden Schweiße still. Aber wie wohl thut das Lüftchen, das hier über die Lichtung geht, und wie herrlich der Blick in die ganze, weite, sonnen­trunkene Runde! Dort die schattigen Thäler und blitzenden Silberbächletn, die saftiggrünen Feld- und Wiesengelände, die schmucken, weiß-rothen Dörfchen und Städtchen, die schim- mernden Kirchthurmspitzrn, die gleißenden Seespiegel und dort ganz in der Ferne die blauen, duftigen Berge, die mir dem HtmmelSather schier zu verschmelzen scheinen. Wie schön daS alles! Und dann hier, tief unten, versteckt im Waldthal, daS Dörfchen, da der winzige Hof, da die Straße, die sich wie ein schimmerndes Leinenband durch die Baumstände zieht, da einmal nach recht-, einmal nach link-, alleweil im Zickzack gingen fie hin, der Bauer und die Bäuerin, der Bub und da- Marile, und da liegt Elmstein, und da ist die Kirmeß.

Trägt der Wind den Schall herauf? Dem Hannewackel ist-, als höre er den summenden, schwirrenden Trubel der Menschlein, die er da unten wie schwarze Käferchen um bunte Fleckchen wimmeln fieht, ihm ist-, al» höre er daS Lachen und Lärmen der Kinder, die Marktschreier, gar die Tanz- mufik- und alles, was Augen, Ohren und ein Paar frisch-

1894

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(Elr.) begrüßt letztere Vorlage als einen Schritt, vachsen der Reichsschulden zu verhindern.

denttlgungs-Vorlage wird hieraus in zuniter Lesung

tte steht zunächst der Marine-Etat.

ger (Soc.) bemängelt die schlechten Wasserverhält- ctft In Wilhelmshaven und rügt die Entlassung von aus dem Grunde, weil sie socialdemokrattsche Ge- zt hätten. In Wilhelmshaven würden auch die eschäften boycotttrt, wenn sie im Verdacht soctal- öesinnung seien.

etär Holl mann: Das Reich hat bereits große n müssen, um gute« Wasser nach Wilhelmshaven zu ichsten Jahre wird bereits eine zweite Rohrleitung gt werden. Was die Arbettcrentlassung anlangt, so ic Fall mir nicht bekannt, ich bin aber überzeugt, daß lirector denselben nach bestem Wissen und Gewissen ird. Im Allgemeinen kann ich nu^ sagen, wenn so itlasiungen stattaefunden hätten, wie Herr Metzger t ich davon wissen. Ich kann mir auch nicht denken, e auS solchen Gründen, - wie Vorredner sie anführte, ;ren. Wenn sie nicht in W. selbst, sondern von en beziehen, so kann ich ihnen darüber keine Vor-

'itel Instandhaltung der Flotte und Werft-

ert (frf. Vg.), daß bisher noch immer nicht eine r Werslverwaltungssecretäre mit den Jntendantur- lir.-Rath Plath erwidert, man könne nicht eine nklasse herausgreisen.

: der Justizverwaltung erklärt

,mann (frs.Vp ), er habe sich neulich bei Erwähnung eintze in ber Person d-s Vorsitzenden geirrt. Nicht ndern Rieck habe den Vorsitz geführt.

Etat der Postverwaltung liegt ein Antrag vor, wonach die Postschalterdienftstunden an Sonn- uf die Zeit von 7 resp. 8 bi« 9 Uhr Vormittags und 'achmiUog« feftge'etzt werden tollen.

rdeu (christl.-ioc.): Den Behauptungen der Post- Zezug auf die Sonntagsruhe der Unterbeamten wtder- i Briefträger in Eassel Sonntags viel öfter und fügt werde.

ifecretär Fischer: Wir haben nichts zu verdunkeln, igen gehen dahin, daß von drei Sonntagcn mindestens zwei halbe dienstfrei sind. Ueber den Easseler Fall )ann antworten können, wenn mir der Vorredner iittheilung gemacht hätte.

mermann (Anr.) befürwortet seine Resolution im Halter- und Unterbeamten.

fritzsch wiederholt die bereits früher vom Staals- han abgegebene Erklärung, daß eine über diese Frage ette es doch als zweckmäßig ergeben habe, es bei Zustande zu belassen.

iders (Ctr.) bemängelt die Höhe der Gebühren im r mit Vororten.

hat, freut sich und juchheit. Und da ist auch id da der Franz, und sie umschlingen sich beide i Augen und tanzen und lachen und jubeln, n irrt nur er hier einsam und freudlos in der enden Waldwelt umher, warum nicht eilt er id trinkt, tanzt und jubelt mit? Warum nicht larile um die schlanken Hüften? Warum nicht bwehrenden Franz und reißt ihn weg von ihr, Wcu wey i Ja, warum nicht gibt er ihm eins auf den kecken, schmucken Schädel, daß er kein Marile mehr bethört, daß er still ist, ganz still und für alle Zeiten?

Ja, er will ihm eins anthun, so arm muß er werden, so bettelarm, tote er selber. Auch er soll da« Marile nicht haben, wie er selber eS hat nimmer erlangen können. Ja, er soll eS erfahren, wie eS thut, fo arm fein, so ausgeschlossen und so elend mit einer unendlichen Liebe im Herzen. Und der jetzt an ihrer Seite in allen Himmeln schwelgt, fühlen muß erS, fühlen mit aller Pein und aller HoffnungSlofigkeit.

Flammend rollte der Sonnenball und langsam über die fernen Blauberge hinab. Vielleicht war es fein blutrother Strahl, der in der aufgewühlten Seele des Burschen da« verwandte Element weckte, den alten, unheimlichen Feuer­dämon, der im Funken erwacht, zur lodernden Flamme schwillt und der alles fortreißt mit verzehrender Gluth.

Durch die tiefer und tiefer dämmernden Waldgründe eilt er keuchend hinab - ob ihm auch die Hefte den Hut ent- führten, die Haare zausten und die Backen schlugen wie mit tausend strafenden Ruthenstreichen: er achtetS nicht, tiefer und tiefer hetzt er, in feinen Augen glüht, in allen Nerven reißt und zuckt der Feuerdämon.

Noch ist eS still unten im Dorf. Ein altefi Mütterchen nur schlürft über die Straße zum Brunnen, schöpft den Eimer voll und tritt wieder in die Hofthüre. Hier und da kläfft ein Hund, eine Kuh brüllt dumpf auf im Stalle, aber von den Dörflern ist nicht- zu hören und zu sehen.

(Schluß folgt.)