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Ober-Ingelheimer Rothwf Hochheimer Weleeweif und
Moselweine.
Mr. 47
Erstes Blatt.
Dienstag den 25. Februar
1896
VlrrttljLhrigrr
Kenerat-Anzeiger.
2lmts» und Anzeigsblatt für den Kreis Gieren
Die Gießmer D«mikiellVlätter »erden dem Anzeiger «tchentkich dreimal btigtltflU
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, »nt Ausnahme drS Montag».
Bringerlohn.
Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg.
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Gießener Anzeiger **■
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Hratisöeitage: Hießener Jamilienötätter.
Alle AnnonceN'Bureaux deS In« und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegn».
Amtlichem Theil.
Nr. 4 des RetchS-GesetzblaHeS, ausgegeben den 21. d. M., enthält:
(Nr. 2290) Bekanntmachung, betreffend eine 3. AuS« gäbe der dem internationalen Uebereinkommen über den Lisenbabnfrachtverkehr beigesügten Lifte. Bom 6. Fed« ruar 1896.
Nr. 5 deS Reichs GesetzbatteS, auSgegebeu den 21. d. M., eathäll:
(Nr. 2291.) Bekanntmachung, betreffend die Ausdehnung ter Unfallo-rsicherung auf die große HertngSfischerei. Vom 6. F bruar 1896.
Gießen, den 24. Februar 1896. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung.
In Folge Verhinderung wird Herr LandwirthfchaftS- lechrer Lett Higer zu Alsfeld feinen Bortrog nicht am 1- März, sondern am 8. März 1. I. in Queckborn halten.
Die Herren Bürgermeister von Queckborn und der benachbarten Orte werden gebeten, dies zur Kenntniß der Herren Landwuthe zu bringen.
Gießen, den 24. Februar 1896.
Der Director deS landwirthschaftlichen BezlrkSvereinS. Carl Jost, RegterungSrath t. P.
Bekanntmachung.
Dienstag den 10. März d. I., Nachmittags 3 Uhr, wird auf Lony« Felsenkeller zu Gleßen eine
General Versammlung
-»es landwirthschaftl. Bezirksvereins zu Gießen adgehalten werden.
Zu dieser Versammlung werden alle Mitglieder des Herein- und der landwirthschaftlichen Localvereine, sowie alle Freunde der Landwirthschaft hierdurch freundlichst eingeladcn.
Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, ötn in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern deS Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf recht zahl reßchen Besuch der Versammlung hinzuwtrken.
Tagesordnung:
1) Die Einführung von Hecrdbüchern.
Referent: Herr Gutsbesitzer Sch lenke auf der Hardt.
Korreferent: Herr Generalsecretär Dr. Rodewald in Offenbach.
2) Die G ündung einer SchlachtviehverficheruugSgesellschaft zu Gießen.
Referent: Herr Tierarzt Liebe zu Gießen.
3) Aick.ruf von Saatfrucht und Saatkartoffeln durch Ver« mittlung deS landw. Bezirksvereins in diesem Frühjahr.
4) Mittheilung der Resultate der auf den Versuchsstationen im Jahre 1895 angebauten neuen Kartoffrlsorten.
5) Beschlußfaffung über die Stiftung von Ehrenpreisen für die GAügelausstellungen zu Mainz, Offenbach und Friedberg.
Gießen, den 10. Februar 1896.
der Director deS landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Carl Jost.
Zur Warnung vor Amerika.
Die bitteren Erfahrungen, welche in dcn letzten Jahren ta Handel Europas mit der Geschäftslage in Amerika ge- «acht worden find, haben fichcr schon vielen Geschäftsleuten und Capttaltsten zur Warnung gedient. ES muß aber leider nach weiter darauf aufmerksam gemacht werden, daß nicht lut die unheilvolle Währungspolitik und die einseitige Schutz zollpolitik die Vereinigten Staaten von Nordamerika in einer iiiicrnben wirthschaftltchen KrisiS halten, sondern daß durch Mr Art und Weise, wie in Amerika die meisten Eisenbahnen ftöout und verwaltet werden, die CrifiS noch eine wesentliche Verschärfung erhalten kann. Jeder Fabrikant und Gewerbe- treibende, jeder Kaufmann und Capitalift weiß heutzutage, solid gegründete, leistungsfähige Eisenbahnen die unbedingt »otlhwendtgen Verkehrsadern für den Handel und Verkehr M, ja sogar einen sehr wichtigen Theil des Vermögens thutr Nation auömachen. Ein La>d, welches also nicht genügende Eisenbahnen oder keine solid gegründeten und solid ftlmteten Eisenbahnen besitzt, hat daher in seinem ganzen birthschafilichen Leben ein bedenkliches Fragezeichen oder eine iro'hc Lücke, die einen furchtbaren Krach herbetsühren kann.
Diese Erfahrungen find aber in Amerika schon seit drei Jahren vorhanden, denn seit 1893 begannen in den Ver- einigten Staaten die Eisenbahnkrache, das hrlßt eine ganze Rethe von amerikanischen Eisenbahn-Gesellschaften machten bankrott, und diese Krisis ist noch lange nicht überwunden, sondern nach dem Urtheile des Flnan^politikers und Geh. RcgierungSrathS tat preußischen Ministerium der öffentlichtn Arbeiten, Alfrrd von der L>yrn, welcher in Amerika Studien gemacht hat, können sich d,e finanziellen Katastrophen im am rckani'chen Eisinbohrwes n sehr leicht wiederholen, denn die Ursachen der KufiS dauern fort. Dteselben sind erstens der mit einer bei'piellosen Selbstverblendung gepaarte Hoch- muth der AankeeS, zwettens das verkehrte manchesterliche, rein privatwlrthschaftliche System der Eisenbahnen in Amerika. Thatjächiich ist dasselbe freilich schon gefallen, weil eS eben vollständig bankerott gemacht bat; da die Ursache aber nicht eingesehen wird, und man bestrebt ist, die Katastrophe so viel als möglich zu vertuschen, so ist die Besserung einstweilen ausgejchloffen. Dazu kommen zwei dunkle Punkte, die unS erst recht stutzig machen, und unS veranlaffen sollten, dem amerikanischen Maikt in Eisenbahnwertheu entschieden den Rücken zu kehren. Zunächst hat man, um die üblichen Dividenden zablen zu können, vielfach die Capitalien an g'grisi'n. Die Summe der geleisteten Dividenden für 1893/94 beläuft sich auf 95,515,226 Dollar; dagegen hat sich daS Capttalvermögeu der Eisenbahnen um 65,485,469 Dollars vermieden! Sodann find in einem BetriebSjahr nicht weniger als 126 Bahnen in Concurs gerathen. Die Länge dieser Bahnen beträgt 40,819 etigl. Meilen mit einem Anlage- copital von 2500 Millionen Dollars, oder 10,500 Millonen Maik — eine Summe, die dem Anlagecapital sämmrlicher deutschen Eisenbahnen wenig nachsteht.
Deutscher Reichstag.
48. Plenarsitzung. SamStag, den 22. Februar 1896.
Das Haus erledigte zunächst ohne Debatte verschiedene Rech- nungsiachen und ging dann zu Wahlprüsungen über.
Die Wahl des Abg. Benoit (Cösltn 3.) beantragt die Commission für gültig zuerklären. Außerdem beantragt die Commission, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu willen, daß die Wahl- commissalten keine amtlichen Erhebungen über die politische Parteistellung der zur Wahl gest.llten und gewählten Candldatrn anttellen.
Die Anträge der Commission werden debatteloS angenommen.
Bezüglich der Wahl des Abg. Engels wird aus Antrag der Commission ein älterer Beschluß des Hauses, belr. Anstellung von E>Mittelungen, für erledigt erklärt. Dasselbe wird beschlossen bezüglich der Wahl des Abg. v. Manteuffel.
Für giltig erklärt werden die Wahlen der Abgg. Böckel, Pauli, Kleist-Retzow, Graf Carmer, Stroh, Wiesike und Hammacher.
Eine Anzahl Petitionen zur Währungsfrage beantragt die Commission, dem Re chskanzler zur Erwägung zu überweisen.
Abg. o. Karborsf (Rp.): Nach neuester Meldung hat Balfour erklärt, die englische Regierung würde sehr gern in Erwägungen über Wiederaufnahme der inbifdnn Münzprägungen ein tuten, wenn diese als ein Theil eines Valula-Regulirungs-Progrommtz gedacht feien. Das widerspricht den neulichen Erriärungen des Reick.skanzters. Ich behalte mir deshalb vor, von dem Reichskanzler die Vorlegung des Wortlauts derj nigen Anfrage zu erbitten, welche Seitens beffdben an die englische Regierung gerichtet worden ist.
Abg. Dr. Barth (frs.Vp): Nach den Angaben der englischen Zeitungen über die Balfou>'lche Erklärung kann ich zwischen dieser und der Erklärung keinen Widerspruch finden, höchstens einen ganz formal, n. Die Initiative steht jetzt bei der englischen Regierung, wenn diese jetzt Vorschläge macht, die annehmbar sind, so würde dec Herr Reichskanzler gewiß bereit sein, dtts-lben zu überlegen. (Heiterkeit.)
Abg. Gcas Mirbach (cons.): Wir wollen für jetzt auf jede Währungsdebaite verzichten, so lange bis der osficielle T.xt der Balfour'schen Erklärung oorliegt und so lange dis die Regierung sich darüber geäußert hat.
Siaatssecretär v. Marschall: Nachdem einmal die Sache hier angeregt ist und Herr v. Karborsf von einem M.ßoerständniß geredet hat, erscheint eS mir doch noihwendig, den Sachverhalt klar zu stellen. ES entspricht einem alten Brauch, einer alten diplomatischen U.bung, daß, wenn vertrauliche V-rhandlungen zwischen zwei Regierung n ftattgtfunben haben und die eine derselben beab- sich ißt, darüber osficielle Erklärungen abzugeben, daß fie dann d-r anderen Regierung von der beabsichtigten Erklärung Mutheilung macht. Demg.mäß hatte ich am 5 Februar unseren Botschafter in London beauftragt, der englischen Regierung Kenntnrß zu geben von folgenden, diesseits beabstchiigten Erklärungen: Die deutsche Regierung halte die Wiederaufnahme der indischen Münzprägungen für die nothwendige Voraussetzung einer internationalen Vereinbarung über die Wädrungsfrage, sie habe aber auf Grund der Verhandlungen mit der englischen Regierung die Überzeugung gewonnen, d«ß auf die Erfüllung bhfer Voraussetzungen nicht zu rechnen fei. Unser Botschafter Graf Hatzseldt hat uns darauf geantwortet, er habe dem Letter der engliscben Regierung von dieser Erklärung Mit- theilung gemacht und derselbe habe erklärt, — daß er mit derselben einverstanden fei. (Hört, hört! links.) Ich glaube, ich brauche Weiteres nicht hi^zuzufügen, das G sagte wird g'NÜgen, um klarzn- stellen, daß em Mrßoerständniß nicht vor liegt. (Bestell links.)
Abg. o. Karborsf: D'e von unterer Regierung an England gerichtete Anfrage steht hiernach aber jedenfalls in Grgenfrtz zu dem Beschluffe beS Reichstages.
Ahg. Barth bestreitet dstS.
Abg. G.af Mirbach: Es hat jedenfalls feinen Zweck, den Gegenstand heute werter zu Dcttolgen, denn dem Herrn StaatSsrcretSr ist j, felber der Wortlaut der im englischen Abgeordnelenhause gestellten Anfrage nicht bekannt.
Staalss.cretär v. Marschall: Ob diese Anfrage mir bekannt ist, da-auf kommt es gar nicht an. Es handelt sich hier nur darum, der Auffassung entgegenzutretrn, ob ein Mißversländniß vorliegt, wie Herr o. Kardorff behauptete.
Abg. v. Kardorft: Auf eine solche Anfrage, wie unsere Regierung sie an die englische R gierung gerichtet hat, konnte gar keine andere Antwort, als eine ablehnende, erfolgen.
Hiermit schließt die Debatte und der Antrag der Commission wird angenommen.
Ohne Debatte werden sodann dive se Petitionen, welche den Wunsch nach Erhebungen über die gesammten Arbeiterverhältnisse ausspiechen, der Rrgi-rung als Material überwiesen.
Präsident v. Buol: Die Tagesordnung >st erschöpft. Ich schlage vor, die nächste Sitzung auf Montag den 2. März, Mittags 1 Uhr anzuberaumen mit der Tagesordnung: Zuckersteuer. Das Wort zur Geschäftsordnung hat (her Präsident woll e soeben bad Wort dem Abg. Schultz-Luptz ertheilen, als dieser sich wiederum setzt und der Abg. v. Starborff zum P ästdialtifche hin abwrnkt). Das Wort wird also nicht verlangt, Wiberspruch erhebt sich nicht, bie Tagesordnung steht test.
Nunmehr entsteht schallende Heiterkeit links, welche sich noch steigert, als man wahrzunehmen glaubt, daß der Verzicht des frei; conkroatioen Abgeordneten nur infolge ein<8 Jrrihumtz des Abg. v. Kardorff über bm Tag der nächsten Sitzung erfolgt fei.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Februar. Der Kaiser besichtigte heute kurz nach 8 Uhr Morgens in W-lhklmshaven den Umbau des Panzers „Deutschland" und fuhr bann kurz nach 9 Uhr mittels Sonderzuges nach Bremen. Nach der Begrüßung dortselbst durch den Bürgermeister Dr. Pauli und des Commar.deur des 75. (Hanseatischen) Jnsanterre«Regiments begab sich der Kaiser nach dem Rathhause, um im Bacchus- saale das Frühstück einzunehmen. Um 1 Uhr 10 Minuten fuhr der Kaiser, in dessen Wagen die Bürgermeister vr. Pautt und Dr. Glöning Platz genommen hatten, nach dem Bah«. Hof, von der Bevölkerung jubelnd begrüßt, und fuhr »ach Berlin zurück.
Berlin, 22. Februar. Die socialdemokratischen Reichstagsabgeordneten haben zu dem Bericht der Wahl- prüfungS-Commtssion über die Wahl drS Abgeordneten ColbuS im 12. Wahlkreise der RetchSlande geftee* einen Antrag eiugebracht, der Reichstag wolle beschließe», die Wahl für ungültig zu erklären.
Berlin, 22. Februar. Die Börsen - Commission beS Reichstags beschloß heute mit 11 gegen 9 Stimmen, bett Termin handel in Getreide zu verbieten, mit dem Zusatz, daß es dem BundeSrath Überiaffen bleibt, den Zelts punkt deS Inkrafttretens deS Verbots zu heft mmen.
Berlin, 22. Februar. Die Margarine-Commifsio« beS Reichstags hat in ihrer heutigen Sitzung bie Bestimmung aufrecht erhalten, daß Margarine und Butter nur in getrennten Geschäftsräumen verabreicht werden dürfen, ließ dagegen die Bestimmung fallen, wonach der Speisewirth verpflichtet ist, auf der Speisekarte verständlich zu machen, daß bei der Zubereitung von Speisen Margarine verwendet worden ist.
Berlin, 22. Februar. Die Budget-Commission des Reichstags hat heute den Colonial - Etat beendet. ES wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Regierung ersucht wird, noch in dieser Session einen Gesetz - Entwurf vorzulegen, durch welchen daS Militär-Dienstverhältniß der nach den Colonien auSgewanderteu Personen geregelt wird. Die bei den MtifionSgesellschaften Angestellten sollen vom Militärdienst befreit fein.
FriebrichSruh, 22. Februar. Fürst Bismarck empfing heute Mittag eine Deputation der allgemeinen OrdnungS- Parteien deS Saalekreises, in deren Namen Geh. Oderberg, rath Arndt eine Begrüßungsansprache hielt. Der Fürst dankte herzlichst in längerer Rede, die auf die Deputatio» einen tiefen Eindruck mochte. Daun lud der Altreichskanzler die Herren zum Frülftück ein, in dessen Verlauf er Einzel- besten aus der Coi fliciszeit erzählte. Wiederholt gab der Fürst seiner Freude darüber Ausdruck, Vertreter nicht einzelner Parteien, sondern jener Elemente vor fich zu haben, die auf dem Boden deS Ausbaues und der Stärkung deS Vaterlandes stehen. Gegen 2 Uhr verließ der Fürst die Dep»° tirten mit freundlichen Worten.
Köln, 22. Februar. Die vR9tn. Ztg." meldet ans Petersburg, daß dort der General v. Werder als Gast deS Kaisers Nikolaus heute Vormittag eiugetroffen ist. Der General wohnt im Winterpalast.
München, 22. Februar. Bor de« hiesigen Militär- Bezirksgericht hatte fich heute der bekannte Sergeant Zech vom 1. Traiu-vataillon wegen HanSfriedensbruch, be-


