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Dcr chi-tzener Z«»eiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- Montags.
Die Gießener P.mtkteuvlätter werden dem Anzeiger wächmtlich dreimal deigrlrgt.
Zweites Blatt. Freitag den 24. Juli 181M»
Siebener Anzeiger
Kmerat-Mnzeiger.
vierteljähriger ASsuuemeuttpreiO i 2 Mark 20 Pfg. mU Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Redaktion, Expedition» und Druckerei:
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Amts- »ind Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.
yjagaigK I Kr°«E-g.- Si-ßE K-miki-n°c°wr.
Amtlicher Theil.
In Wetzlar ist die Maul- und Klauenseuche aus- ßebrochen.
Gießen, den 22. Juli 1896.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
vekamtdmubrma.
Wegen AuSbruchS der Maul« und Klauenseuche in der Liadt Wetzlar ist der auf den 29. Juli dsS. Js. dortselbft anstehende Viehmarkt verboten worden.
Gießen, de« 23. Juli 1896.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekauutmachung.
Die Rothlaufseuche in der Gemeinde Burgsolms, Kreis Wetzlar, ist erloschen.
Gießen, den 22. Juli 1896.
GroßherzogltckeS Kreisamt Gieße«, v. Gagern.
Gießen, den 22. Juli 1896. ßtitr.: Den Termin zur Einsendung der Gemeinderechnungen. Das Gwßhenogliche Kreisamt Gießen mi bt< Grbtzh. Bürs-r«etfte»eie« M Kreises.
Nach den Ihnen durch unser Amtsblatt Nr. 7 vom 26. April 1881 bekannt gegebenen Bestimmungen des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz ist der späteste Ktnnin zur Uebergabe der Gemeinderechnungen für das ab» gelaufene Etatsjahr seitens der Gemeinde-Einnehmer an Sie der 80. September jeden Jahres. Wir schärfen Ihnen die« wiederholt mit der ausdrücklichen Weisung ein, etwaige «och rückständige Belege aus 1895/96 sofort dem Gemeinde- Annehmer zu überweisen und diesen wegen der RechnungS- Meferung entsprechend zu bedeuten. Uns haben Sie bis j»m 1. October d. I. zu berichten, daß die Rechnung
an Sie abgegeben wurde, bezw. aus welchen Gründen dies nicht geschehen ist.
Nur in ganz besonderen Ausnahmefällen werden wir den erwähnten Termin verlängern.
Die Einsendung der Rechnungen an Großh. Ober- Rechnungskammer, Juftificatur II. Abteilung, hat im Laufe des Monats September durch Sie zu geschehen und es ist unzulässig diesen Termin namentlich deßhalb hinauszuschieben, um die Nechnungsabhörung durch den Gemeinderath zugleich mit der Berathung des Voranschlags vorzunehmen.
Sie wollen sich hiernach bemessen.
______________v. Gagern.
perarischte-
• Einem uralten, auch bet uuS eingewurzeltem Brauche, dem „Polterabend," ist jetzt in Burgstädt (Sachsen) durch folgende Bekanntmachung des Stadtraths ein Ende bereitet worden: .Es hat sich in hiesiger Stadt der Unfug bemerk- bar gemacht, daß bei Gelegenheit sogenannter Polterabende Töpfe und dergl. Geräthschafteu sowohl au HauSthüreu und Fensterläden angeworfen, als auch auf Fahrstraßen und Fußsteige aufgeworfen werden. Da ein derartiges Gebühren sich mit der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht verträgt, wird für den Stadtbezirk Burgstädt hierdurch verfügt, daß künftighin dergleichen Handlungen bei der Vermeidung einer Geldstrafe bis zu 60 Mark oder Haftstrafe bis zu 14 Tagen zu Unterlasten find." — So ändern sich die Anschauungen. Je mehr früher durch Zerwerfen von altem Geschirr vor dem Hause der Braut gepoltert wurde, desto mehr war voraussichtlich die junge Ehe vom Glück begünstigt, dean .viele Scherben viel Glück" hieß eS damals allgemein, jetzt aber heißt eS: .Je mehr Scherben, desto mehr Geld- und Haftstrafen!"
• Spekulative Annonce. „Bezugnehmend auf das Gastspiel der italienischen Sängerin Bianca Rosa, erlaube mir meine ächten italienischen Maccaroni in Erinnerung zu bringen. M e h l h über, Specereihandlung."
klmdroirthschastttlhe Winke und Kalhschläge.
A Au« Vderheste«, am Ende der ersten Julidekade 1896.
Vor 14 Tagen sprachen wir uns mit einigen Zeilen über den günstigen Eindruck au8, den das Vogelsberger Rindvieh aus der Ausstellung der „Deutschen LandwirthschaftSgesellschafl" in Stuttgart im Juni 1896 machte. Von befreundeter Seite erhalten wir soeben
ein Uriheil aus fachmännischer Feder über unsere Vogelsberger Rinder, das in der „Deutschen Landwirthschaftlichen Presse stand und gelegentlich der Ausstellung in Köln im Jahre 1895 gesällt wurde. Dieses Urthetl ist geeignet, unsere Züchter anzufeuern, wir wollen daher nicht unterlassen, eS im Auszuge, hier folgen zu lassen. ES heißt dort: ,o ,,
„Das Vogelsberger Vieh hat seine Heimath im Vogelsgebirge, dem nördlichsten Theile der Provinz Oberhessen und in dem angrenzenden Theile von Heffen-Nassau. Aach in dem Regierungsbezirke Eoblenz, in der Gegend von Sinn und Herborn, ist eS verbreitet. Es ist das alte, rothe deutsche Landvieh, das sich durch Haltung und Züchtung dem Lande angepatzt hat «nd für seine D«h*at6lie<u ««»Mtnifft aut» »«ft- ®“8n
macht durch hübschen Körperbau, runde Formen und hübschen Kops mit freundlichen Augen einen recht gute« «indrn«. Der Milchertrag beträgt im Durchschnitt 1800 Liter bei nahezu 4pEt. Fett, die OLsen find rasch und recht kräftig im Zuge und da» »itb <P aenüasam. DaS feine, weiche Haar ist von dunkelrolher bis braunrother Farbe, Nasenspiegel und Flozm.ul sind hell die sreund- lichen Augen mit großem Hellem Ringe umgeben, der Schwanz endet in einen weißen Haarbüschel, der von einem Mantel rother Haare bedeckt wird. Der kurze Kopf mit breiter Stirn ist mit aufrecht- stehenden Hörnern von weißer Farbe mit dunklen Spitzen besetzt. Die ausgewachsene Kuh wiegt 400 bis 500 Kilo, der vierjährige un- gvnästete Ochse biS 600 Kilo, das neugeborene Kalb 35 Kilo.
ES ist wünschenswerth, daß diese» Urtheil eines Fachmannes die weiteste Verbreitung findet, denn bei unserem trefflichen Vogelsberger Vieh gilt noch vielfach das Sprichwort: Der Prophet gilt nichts in feinem Vaterlande. Er fängt aber an, sich geltend zu machen und das ist hochersreulich. Vor vielen Jahren, alS Alle« im Eimmenthaler Jubel und Fahrwasser schwamm, wiesen wir immer und immer wieder darauf hin: DaS Stmmenthaler Rind wird unser Vogelsberger Kühchen im VogelSderge selbst nie und nimmer ersetzen, denn Klima, Bodenbeschaffenheit und Futterverhält- nisse eignen sich für die Vogelsberger, aber nicht für die Schweizer Raffe. Im Odenwaldc hat man genau dieselbe Entdeckung gemacht, die aber auch schon vor 25 Jahren klar und präciS ausgesprochen war, «ämlich: für dm Odenwald eignet sich die Odenwälder Raffe am bestm, weil ste ve« hetmathttche« Berhstttuiste« am beste« »«gepatzt ist. Mit großm Kosten wird die fast ganz auSgestorbene Rasse jetzt wieder belebt — und daS ist vernünftig.
Schließlich soll noch ein Versehen oder richtiger eine kleine Unterlassungssünde in unserer letzten Nachricht (Gießener Anzeiger Nr. 156, Zweites Blatt) wieder gut gemacht werden. Auf der Stuttgarter Ausstellung hat sich nämlich noch ein anderer Zweig der oberhessischen Landwirthschaft, der Ziege«,«chtverei« r« Rieder- Moo» rühmlich hervorgethan. Erst wenige Jahre find eS her, daß dieser Verein seine Thatigkeit Begonnen hat und schon zeigen fich so schöne Erfolge. Wir find überzeugt, daß in einem Jahrzehnt die Ziegenzucht im ganzen Vogelsberg« umgestaltet sein wird und daß die Kuh des Armm, die Ziege, einen viel bedeutend höheren Nutzen bringen wird, als es jetzt geschieht. Wir wünschen den Herren in Nieder. MooS den schönsten Erfolg für ihr gemeinnütziges Streben, ihre Ausdauer wird sich lohnen.
Knilleton.
Das Hexenkrautl.
Erzählung von Robert Hiller.
(3. Fortsetzung.)
Der Sef schlich fich jetzt sacht an den Tisch heran, an welchem die beiden Buben saßen, und nahm ebenfalls mit Platz.
„Was fallet Dir ein, Dich ohne a G'heiß mit daher z'fttz'n?" herrschte ihn der Franz an.
„Hat mich» Spiel mit der Ursel gar zu sehr ver- illteresstrt," entgegnete der Sef.
„GehtS Dich epper was an k" rief giftig der Tont, dem die Backe noch gewaltig brannte.
„DöS wohl ntt," meinte der Sef, „aber die Dirn iS sakrisch widerspenstig und so kommt OeS ntt ans Ziel."
„DaS wirst Du grad wiff'n," rief verächtlich der Toni.
„IS a nit mei Will, mich d'reinz'mischen, no, is ntt mei Will- aber a Mittl wüßt ich halt doch, so a wider- Ireast'ge Dirn gefüg'g z' machen- ja, döS Mittel hab ich," krümmte er gewissermaßen nur sür fich.
Die beiden Burschen hatte» daS scheinbare Selbstgespräch aber sehr wohl vernommen und wurden doch neugierig.
„WaS für a Mittel hast denn?" fragte der Franz.
„Eng (Euch) iS ja bekennt," begann der Ses, „daß ich all dö Jahr daher die Kräuter sammle, die a heilsame Wirkung haben. Wohl hab ichS ntt all kennt, aber was die alt Hirlacher Louisen war, OeS werd V a kennt hab'n, fie hat allzeit für a Hex'n gegolt'n. Dö hat mtchS g'lehrt, fcle’ß -'machen iS, wan mer dö Kräutel mischt und z' was |it gut sind. Hab ich schon manch'S Wunder verwirkt, ja, 14cm manch'S Wunder."
„Hast etwa so a Kräut'l bet Dir?" fragte schon sehr Pad tnteresfirt der Toni.
„Wohl, wohl," brummte der Sef, „'S Kräutel, waS ich |ab, macht a jed Dirn' mouStoll (mannestoll). Wau f* a
nit wollen, fie müff'n fich drein dergeb'n, so stark iS die Wirkung."
„A nit gar," rief ber Franz voller Verwunderung.
„Wollt Ihrs nit amal probir'u?" fragte der Sef.
„Probtr'n könnten merS schon," meinte der Tont.
„GtebS her," entschied der Franz.
Der Ses hotte ein kleines Dütchen mit unschuldigem Zimmet hervor, daS ihm die Ursel zu dem ihr wohlbekannten Zwecke übergeben, machte seinen Hokuspokus darüber und übergab eS dem Franz mit wichtiger Miene.
Der hielt das Dütchen sehr andächtig in der Hand und fragte: „IS nit a Gebrauchsanweisung a derzu?"
„Sell 16’6 wichtigst- wanS nit ganz otrat g'haudhabt wird, kannS a sehr leicht böse Folgen hab'n."
„Sag, wa6 thun iS," drängte der Franz.
„Ntmmst'S Dütl da zwtsch'a Daumen und 'n Mittelfinger," erklärte der Sef, „schütt'st 'S Kräutl ber Dirn ins G'fäß, wobrauS fie trink'n wirb, unb sagst 'S Sprüchl heimlich für Dich hin: „dimi — dami — domini®, hernach iS'S gerath'v, hernach totrb» ntt lang bauern unb bie Wirkung kommt."
Die beiben Burschen hatten sehr aufmerksam zugehört unb nickten jetzt mit dem Kopfe zum Zeichen, baß fie alles capirt hätten.
„dami — dimi“ versuchte ber Franz den Spruch nachzusprechen.
„No, „dimi — dami — domini,“ corrigirtc ber Ses.
„Jetzt weiß ich'»: „dimi — dami — domini, “ toieber- holte nochmals ber Franz.
„Ju, so iS'S, daß Du'S aber nit verplärrst im Ernst- falle," ermahnte der Sef.
Der Franz schrie jetzt nach dem Heger und als dieser erschien, fragte er, ob daS neue Fäffel aufgelegt sei, waS der Heger bejahte.
„Bring a Anzahl Maß daher," besah! der Franz.
Der Heger brachte zunächst ein halbes Dutzend von dem frischen Naß und der Franz machte fich sofort darüber, in einen der Maßkrüge daS Hexenkräutl zu schütten. Hiervon hielt ihn aber der Sef ab, indem er ihn des ferneren be
lehrte, daß der Zauber nur bann wirksam sei, wenn er in Gegenwart ber Dirne auSgesührt totrb.
„Wenn s' aber etwas wegkriegt?" fragte ber Franz.
„®elb6 ju zwei, werbet Ihr doch a Mtnut'n treff'u, die Dirn abzulenk'u," entgegnete der Sef.
Die Ursel erschien jetzt ebensalls wieder im Gastzimmer und setzte fich mit an den Tisch der Zecher. Den Schürzen- ztpfel hielt fie krampfhast in der Hand, um einen etwaigen Lachansall sofort hinter der Schürze verbergen zu können. Der Sef hingegen blinzelte ihr ernsthaft zu, damit gleichsam andeutend, daß die Sache durchaus nicht so spaßhaft z» nehmen fei.
Der Toni schob der Ursel ein Maß Bier hin und sagte: „Da Dirn, trinkst D' a Schluck mit?"
„WanS Eng recht ts, warum nit," entgegnete die Ursel und that einen herzhaften Zug.
Wiederum trat der Franz seinen Bruder mit dem Fuße unter dem Tische, und dieser, den Wink capirend, wandte fich an die Ursel mit den Worten: „Hast schon 'S Neuste geles'n, waS V aus München g schrieb'u?" Dabei hielt er ihr eine Zeitung dicht vor daS Geficht, ihr mit dem Finger einzelne Druckstellen andeutend.
Die Ursel hatte alle Roth, da» Lachen zu verbeißen, und entgegnete: „Ja, iS a gar merkwörd'ge Zeit, merkt mer'S doch kaum, waS als vorgeht."
Während dieser Scene hatte der Franz hastig nach dem Zimmetdütchen gegriffen, den Inhalt in daS Bierkrügel ge- schüttet unb habet vor fich hingestottert: „dimel — domel — damoli.“ Wohl war eS ihm so vorgekommen, als ob er baS Sprüche! nicht ganz correct nachgesagt, aber baran würbe es wohl allein nicht hängen, beruhigte er fich.
Die Ursel that nach geschehener Procebnr abermals einen tüchtigen Schluck unb verzog keine Mine, trotzdem das Gebräu in seiner Süßlichkeit geradezu widerlich schmeckte. Bei alledem verwandte fie auch keinen Blick von dem Sef, welcher ihr das Zeichen geben wollte, wann ber erste Krampfanfall — nach ber Berabrebnng — einzutreten habe.
(Fortsetzung folgt.)


