1806
Mittwoch ben 24. Juni
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1896.
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v. Rothenhahn vertreten.
Berlin, 23. Juni. Die Handelskammer beschloß, den Handel-Minister zu bitten, dafür einzutreten, daß den
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und gab dem Manne ein oder zwei Hiebe auf den Kopf. Bereit- verwundet, stürzte der Mann wie ein Rasender auf den Offizier und packte ihn an der Kehle. Beide kamen zu Fall. Ein vorübergehender Einjahrig-Freiwilliger riß den Mann fort. Trotzdem drang Letzterer nochmal- auf den Offizier ein und wurde nun durch diesen zu Boden geschlagen. Schutzleute brachten nun den Verwundeten in ein Kranken- hauS. Die gerichtliche Untersuchung ist eiageleitet.
Berlin, 22. Juni. Die Freie Vereinigung der Inhaber griechischer Werthpapiere hat an den StaatSsecretär de» AuSwärtigen, Frhrn. v. Marschall, eine Eingabe gerichtet, worin gebeten wird, „gegen Griechenland die lange geübte Geduld erschöpft sein zu lassen und endlich ein deutsches Machtgebot nach deutscher Art zu sprechen." ES wird darin verlangt, eine deutsche Kreuzerflotte nach dem Mittelmeer zu entsenden und die Kanonen sprechen zu lasten. Die „Dost. Ztg." glaubt nach ihrer Kenntntß der in den maßgebenden Kreisen herrschenden Anschauungen nicht, daß die Eingabe practischen Erfolg haben wird.
Prag, 22. Juni. Der Anarchist Wenzel Henys, ein intimer Freund de- flüchtigen Anarchisten Strouhal, ist wegen Verdachts deS HochverrathS verhaftet worden. In dem Hohlraume einer demselben aus dem Au-lande gesandten Büste Victor Hugos befanden sich anarchistische Schriften, welche polizeilich beschlagnahmt wurden.
Gmunden, 22. Juni. Die Befferung im Befinden de» 1 Prinzen von Cumberland macht derartige Fortschritte, | daß die vollständige Wiederherstellung de- Prinzen zweifellos ist. c ,
Rom, 22. Juni. Heute fand imVatlcan ein geheimes Con fist ort um unter Vorfitz deS Papstes statt. Darauf empfing derselbe im Thronsaal die hier anwesenden neuru Erzbischöfe und Bischöfe, an welche er eine kurze Ansprache hielt.
Rom, 22. Juni. General Bar altert tst von Maffauoh abgmeist. Eine große Anzahl von Offizieren gab ihm da» I Geleit an Bord deS Schiffe-.
Trteat, 22. Juni. Der krste internationale Antt- I Freimaurer-Con greß findet mit Genehmigung deß hiesigen Fürstbischofs im Laufe des Monats September in I Trient statt.
Pari«, 22. Juni. Bei der gestrigen Senatswahl wuroe der Collectivist Deville gegenüber den radtcalen Candidaten I gewählt.
Loudon, 22. Juni. AuS N ewy ork wird gemeldet, daß I St. LouiS von einem neuen Cyclon heimgefucht wurde. I Diele wieder aufgebaure Häuser wurden abermals etngertsten. I Biele Menschen sind verletzt.
Loudon, 22. Juni. Einem Telegramm aus Salisbury zufolge ist dort der Belagerungszustand erklärt I worden. Die Rebellen fahren fort, zu sengen und zu I plündern.
Athen, 22. Juni. Nach Meldungen auS Creta wurde In einer gestern abgehalteoen Besprechung der christlichen I Führer beschlossen, alle bisherigen Vorschläge der Pforte I abzulehnen und vollständige Autonomie der Insel I zu verlangen.
Berlin, 23. Juni. An dem gestrigen pari am en- tarischen Abend beim Reichskanzler betheiltgten sich etwa 400 Personen. Unter ihnen befanden sich Mitglieder I De« BundesrathS, Minister, Mitglieder sämmtlicher Fractionen I des Reichstage«, mit Ausnahme der Socialdemokraten, der Polizeipräsident von Berlin, Mitglieder der hohen Finauzwelt, I die Vorstände der Gewerbe-Ausstellung und Vertreter der I Preffe. Unter den Abgeordneten sah man die neugewählreu Mitglieder deS Reichstages, Freiherrn v. Gertling vom I Centrum, Lessing von den Freisinnigen und Dr. Conrad von der süddeutschen DolkSpartei. Von den Ministern waren die I meisten activeu preußischen, sowie einige inactive StaatS- mtnister erschienen. Auch der bayerische Finanzminister Freiherr I v. Riedel, welcher seit einigen Tagen in Berlin weilt, war anwesend uud unterhielt sich lange und eifrig mit dem preußr- schen Landwirthschastsminifter. Die Schriftstellerwelt war u. A. durch die Herren Sptelhagrn uud Sudermann vertreten. , Längere Zett unterhielt sich der Reichskanzler mit Oberbürger. । meister Zelle und Ftuanzmtnister Miquel.
Berlin, 23. Juni. StaatSsecretär Frhr. v. Marschall i hat seinen Sommerurlaub augetreten. Während seiner i Abwesenheit wird er vom UnterstaatSsecretär Freiherr»
Bekanntmachung,
betreffend: die Maul- und Klauenseuche.
3Dit Ö'aul» und Klauenseuche in Eckelshausen (Kreis B>eder'.chs) ist erloschen und die GehöftSfperre ausgehoben wordeiTi
esitßiin, den 22. Juni 1896.
GrogherzoglicheS KrciSamt Gießen.
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Feiest ttrotechllikel' UN 1886.
Alle Wnnoncen-Burtaur bei In- unb Auslandes nehm« Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger- entgegen.
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Neueste Nachrichten.
«olff» telegraphische» Lorrespondenz-Brrrean.
Straßburg, 22. Juni. Der auf den 5. Juli anberaumt gewesene Termin für die RetchStagsaeuwahl im Kreise I Schlettstadt tst behufs Ausstellung neuer Wählerltsten bis auf Weiteres verschoben worden.
Marktrch i. 6., 22. Juni. Der bisherige altdeutsche BerufSbürgermetster Dittmar ist wiedergewählt. Außerdem wurden drei Socialdemokraten gewählt, von denen I nunmehr fünf dem Gemeinderath angehören.
Mülhausen i. E, 22. Juni. ES waren 31 Candidaten zum Gemeinderath zu wählen, von denen auf die ver- einigten Ordnungsparteien 29 Sitze entfielen, 11 Clertcale I und 18 Liberale. Dle beiden Altdeutschen, welche auf der Liste der vereinigten Ordnungsparteien standen, unterlagen I und an ihrer Stelle wurden 2 Socialdemokraten gewählt. I
Vcpesche» «öertec .Harald'
Berlin, 22. Juni. Wie au« Kiel gemeldet wird, hat der Kaiser heute Vormittag bic Vorträge des CyefS des CiviicabinetS Dr. v. LucanuS und de» StaatSsecretärS des Innern Dr. v. Bötticher entgegengenommen. Um 11 Uhr begab fich der Kaiser auf daS dem Lord LanSdale gehörige Schiff „Eoangeline", um der Binnenregatta des kaiserlichen Aachtclud» beizuwohnen. Heute Abend 7 Uhr nimmt der | Monarch an dem gemeinschaftlichen Effen deS kaiserlichen | YachtclubS Thetl. — Nach weiteren Meldungen auS Kiel , besuchte der Vicekönig Li-Hung-Tschang heule früh den Prinzen Heinrich im Schlosse und unternahm dann eine Rund- fahrt durch den Hasen. Später besichtigte er den Panzer „Kurfürst Friedrich Wilhelm", welcher hierauf dem Vicekönig tn Gefechtsbereitschaft vorgefüyrt wurde. Die kaiserliche Werft und die Germaniawerft wurden von Li-Hung-Tschang gleichfalls einet Besichtigung unterzogen.
Berlin, 22. Juni. Der „ReichSanzetger" veröffentlicht die Verleihung des Rothen Adlerorden» erster Klaffe an den bayerischen Gesandten in Berlin, ferner den Kronen- orden erster Klaffe an den badischen Gesandten v. Jage- mann und den sächsischen stellvertretenden Bevollmächtigten zum BundeSrath v. Heerwardt.
Berlin, 22. Ium. Vicekönig Li-Hung-Tschang hat die Einladung zu einem Feste angenommen, welche» ihm die Vertreter von Handel urd Industrie Berlins in der AuS- I fttllu'g om kommenden Samstag geben werden.
Berlin, 22. Juni. Auf dem Artillerie-Schießplatze in I Jüterbog hat gestern ein Duell mit tödtlichem Ausgange stattgefunden. ES standen fich im Zweikampfe gegen- I über der Secondlieutenant Lüh ring vom Fuß Artillerie- Regiment von Dieskau (Schlesisches Nr. 6) und der Second- I Lieutenant Buch vom schleswig-holsteinischen Fuß Artillerie- I Regiment Nr. 9, beide commandirt zur Artillerie- und I Ingenieurschule in Berlin. Beim dritten Kugelwechsel erhielt I Lieutenant Lühring einen Schuß in den Unterleib. Er wurde In das Garnisonlazareth Tempelhof verbracht, wo er ver- storben ist. Grund deS Duell» war ein Wortwechsel, welcher I sich zwischen den beiden Herren am MittagStische ent»
spönnen hatte.
Berlin, 22. Juni. Wie der „Localanzetger" au» Kiel meldet, richtete der zur Zett dort weilende SlaatSminister Bötticher eine Depesche an daS Reichsamt des Innern, des Inhalt», daß das Börsen gesetz heute vom Kaiser unter- zeichnet ist und veröffentlicht werden kenn.
Berlin, 22. Juni, lieber daS am 19. d. M. Abends ftattgefundene Rencontre zwischen einem Offizier und einem Civilisten erfährt die „Nordd. Allg. Zeitung" au» zuverlässiger Quelle, daß der Offizier zu der angegebenen Zett mit seiner Schwäaerin auf dem Wittenbergplatz promenirte, alS plötzlich , — v----------r," •" ; «.r(an
Mann auf ihn zulief und mit einer langen Ruthe auf Handelskammern die Rechte einer inriftischen Person die Promenirenden einhieb. Der Offizier zog seinen Säbel I verliehen werden.
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Deutscher Reichstag.
111 Sitzung. Montag, ben 22. Juni 1896.
.-nie LundeSralhStlsche: Reichskanzler Fürst Hohenlohe, taaifefifcftlih Nteberdtng, Grhetmralh Planck. I
_■ M S-nnadmt deS Anlethegeiehes tn dritter Lcfung wird A DMibteiatbung des Büraerlichen Gesetzbuch« fortgesetzt bet I
L !lbl 5 icnstoertrag", dlssen Berathung am SamSiag ausgesetzt I
iyiqu liegt ein Antrag Auer vor aus Einschaltung einer I la igenn W von Paragraphen »um Schutze der Arbeitnehmer gegen t. uiavMöt Slusbeutung durch den Arbeitgeber. Außerdem soll die I lleberfcrSbnft ,!0ienstvertrag" durch „Arbeitsvertrag" ersetzt werden.
4 9d laeetfeUoä beschlußfähigem Hause — namentlich sind die ntrunaia ptorbneten zahlreich anwesend, begründet Abg. Stadt- I igenaiiinW diese Ueberschrifisänderung und rügt, daß für das • n ldi,! imuerrechlliche landevgefetzliche Bestimmungen weiter in an iM-n fod-.n. In Conscquenz des HauptantrageS bedürfe es I ,ch ei rfe( inbcrung oer in diesem Titel gewählten Bezeichnungen I 7, ni«!-i,ch'ig'.e und Dienstverpflichtete" in „Arbeitgeber und Arbelt- „.aeif. .kann habe man je im praclischen Leben reden gehört von
:.il, wüt.3en oder-Verpflichteten?
k- fcl. tiMlb Siruckmann: Dem socialen Zuge fei in dem I an**n'i ’titaairf schon in hohem Maße Rechnung getragen. Das I nn* «Ktai tnife lasse sich aber nicht gleichem Maße menen, I ni da.'.ik,mältnih der eigentlichen gewerblichen Arbeiter. Es sei das m iiinidgt im Interesse der Dienstboten zu wünschen. Bei der ^tellu nu leis GesiudeS in den Familien dürften diese« und die
iist-chci^st einander nicht gegenüberstehen wie der gewerbliche I rbcttiäter ;;nb Nehmer. Selbst wenn man daS Gestnderechl reichS- I , i cli ÜJ rolle, würde das besser durch ein Specialgesetz als im I hüi er diq n Gesetzbuch geschehen. Der Dienstvertrag lasse sich nicht mheitHDH regeln; müsse doch selbst die Gewerbeordnung da Unter - 'chhde: Der Ausdruck „Dienstverttag" entspreche dem bis-
^'Ki E°rÄer (6tr.): Selbst wenn vielleicht das Gestndeiecht ,.t uei-'Mantlichcn Beziehungen, Kündigungsfristen u. reichS- -ictzli D|u negeln sei, so bedürfe das doch eingehender Vorarbeiten. Die ? fönen de« Arbeit-Vertrages seien im Fluß begriffen, eine viriraa; im bürgerlichen Gesetzbuch würde die Fortschritte nur erschw^ Durch die Beschlüffe zu 809 bis 810a (Mißbrauch eine« I -ttnurr.^»Verhältnisses tc. betr.) seien die bisher erreichbaren .rmlsckM »um Schuh der Dienstverpflichteten hinreichend sest-
3k itanberung der Ueberfchrist de« Titel« wird abgelehnt.
( & Oettfud? des Abg. Bielbaden, die Beschluß,ähigkeit de« naufeirtlii ^-zweifeln und dadurch die Auszählung zu veranlassen, Ltie-teirtieiner Heiterkeit de« Hause« daran, daß er zu spät, nicht oor betmtüHmmung, sondern im Momente, al« dieselbe beginnen sollte, ijrntöt wurde
'■L; Stadthagen befürwortet dann die in dem ferneren -;ln nMaduxr geforderten Zusatzbrstimmungen bezw. Einschaltungen iL>i 5 st! unter Zurückziehung eine« Thetl« derselben. Insbesondere tritt »:Hhr für Die Ungiltigkeit von Arbeittzoertragtz-Vorschristen an di -.ui Hielte Arbeitern die Fernhaltung von bestimmten politischen z;-' einiftiriiim auferlegt wird. Ebenso dafür, daß nicht ein Ersuchen n, -ß Billi gung unter bestimmten Arbeitsbedingungen als „Er- ’ , iUiim'imgeteben werden dürfe, wie leider bisher Seiten« der Dtf-MinfflQ zum Schaben von — mit Autzstand drohmd.n — !- eitchv g-schehen sei. Um die Ueberoorlheilung von Arbeitern ru'ch nlk:ittiebung von Zwischenpersonen Seitens schwindelhafter 3n vU Jtt T zu verhüten, sei ferner die Bestimmung nothwendig, 'c sü i::7i Arbeitslohn außer dem unmittelbaren Dertragichlteßenden c * ail& niige hafte, in dessen Rutz-n die Arbeitskraft verwendet - fa ül tilcfer wußte oder wissen mußte, daß dre Arbeitsleistung von d« m 8 artragschließenden nicht bezahlt werden könne oder solle. (SnbltoMti iie der Arbeitnehmer die Sache, in welche er feine Arbeits- ttafi r *<::nbet, so lange zurückbehallen dürfen, bi« ihm der Lohn
-ßtclbaben zweifelt für die nächste Abstimmung die ReWMWctt des Hause« an, damit festgestellt werde, daß da» ^au« eip: fuhr wohl die Mstimmung über die Gewerbenovelle hätte
Buol: Da« Bureau hegt keinen Zweifel, daß
'a' R m^S.)?’ Ich constatire, daß in dem Augenblick, no H.MS'iilhaben seinen Zweifel auSspricht, nur zwei von seinen Gcfin>äir:;:!mosien im L-aale sind. (H^erkeit.)
Ä: Gröber tritt dem Anträge Auer tn dessen verschiedenen ßinjeWIkn entgegen.
B:5F.ntrag Auer wird abgelehn.. _
frS,6C9a, wonach die Dienstherrschaft erkranktes Gefrnde bi« zu >. Achen, aber nicht über die Dauer de« Dienstverhaltniffes dinauÄ-mpflegen und behandeln laffen muß, verlangt ein Antrag Kuerir Umstellung deS Gesindes unter daS KrankenverficherungS-
ftj tllefer Antrag wird vom Abp. Stadthagen ettigehmd befürmrarn,. ebenso ein Eventualantraa, den Anspruch de« Gesinde« aus IM hrlutrpflege mindestens auf 13 Wochen auszudehnen.
Lchxauptantrag Auer wird mit 189 gegen 25 Stimmen bet
4 Stimmen Enthaltungen abgelehnt. Dafür flimmen außer den Socialdemokraten die Abgeordneten Pachnicke und Rickert.
Der Eventualantrag wird gleichfalls abgelehnt, desgleichen eine weitere Reihe kleiner Anträge Auer, betr. Wohn- und Schlafräume für die Arbeiter, sowie Aufenthaltsräume für die Arbeitspausen, ferner betr. Kündigungsfristen, Gründe für vorzeitige Entlassung oder Rücktritt vom Arbeitsverhältniß u. s. w. Auch der Titel Werkvertrag wird unter Ablehnung aller Anträge Auer unverändert ^^Runmehr schlägt Abg. v. Manteuffel vor, die Gesammt- abstimmung über die Gewerbenovclle vorzunehmen.
Nach kurzer Debatte wird der Antrag v. Manteuffel mit knapper Majorität, da vom Gentrum nur ein Theil für denselben stimmt, angenommen.
Die Gewrrbenovelle wird in namentlicher Abstimmung mit 163 gegen 57 Stimmen angenommen, bet »wei Stimmenthaltungen.
Morgen 12 Uhr: Weiterberathung des Bürgerlichen Gesetzbuches. (Schluß 5 Uhr.)


