Ausgabe 
23.12.1896 Zweites Blatt
 
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Nr. 302 Zweites Blatt

Mittwoch den 23. December

1896

Gießener Anzeig er

Kenerak-Anzeiger

uitb Anzeigeblatt für bett Hrct> Giefzen

chmtrsöeikage: Hießener Aamilienbkätter.

dlhonnements - Einladung

Anrtlichev Tbeil

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i Zutritt.

v. (Sagern.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Alle Lnnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Wir beauftragen Sie nunmehr, innerhalb 3 Wochen uns zu berichten:

1. ob seither schon in Ihrer Gemeinde und in welchem Umfange, nach Zahl der Personen, Größe der Feld« fläche und Versicherungssumme, Gebrauch von dieser Collectiv-Bersicherung gemacht worden ist/

2. ob in Ihrer Gemeinde Aussicht vorhanden ist, daß eine solche Lollectiv Versicherung und in welchem Umfange, nach Zahl der Personen, Größe dersFeld- fläche und Versicherungssumme, zum Abschluß gelangen könnte.

Die Gießener Kamitienotälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

chtetzener Anzeiger erscheint täglich, Wit Ausnahme deS Montags.

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W, m Ms x er Verloosung betheilis *r mindestens 50 Pst bien. Ach diesem Teck M

betrag durch Quittung erheben lassen, salls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtend

Verlag desGießener Anzeiger"

Brühl'sche Univ.-Buch. u. Steindmckerei (Pietsch & Scheyda).

n Freunden und Gönm anzuzeigen, daß ich i«

Gießen, den 18. December 1896. Betreffend: Die Hagelversicherung.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<ra die Grohh. Bürgermeistereien des KreiseS.

Bei den auf eine möglichst große Ausbreitung der Hagelversicherungen in landwirthschaftlichen Kreisen gerichteten Bestrebungen ist stet» auch die thunlichste Förderung der Collectiv-Versicherungen empfohlen worden.

Man versteht darunter den Zusammentritt einer Anzahl von Landwirthen einer und derselben Gemeinde ober eine» Kreises zur Bildung einer gemeinsamen Versicherung, wobei die Versicherungs-Gesellschaften gestatten, daß für sämmtliche Theilhaber nur eine Police ausgefertigt wird. Jeder Theil- nehmer an einer solchen Versicherung kann bis zu einer im voraus festgesetzten Maximalsumme versichern und außer anderen Vergünstigungen wird den versicherten daS Recht der Bestellung eine» Vertrauensmannes bei Schadenaufnahme eingeräumt.

finber mit ben dazwischen liegenden Schristlectionen stimmten die Herzen freudig für das nahe Wechnachtsfest.

ü. HopfmanuSfeld. 19. December. Bei der letzten Kassenrevision be» hiesigen Gemeinderechner» hat sich ein Fehlbetrag von ca. 1500 Mk. bis 2000 Mk. ergeben. Dies ist veranlaffang, baß ber Untersuchungsrichter schon zweimal hier thätig war. Wie der Rechner angiebt, will er bestohlen worben sein und von einem Deficit nichts wifien.

1. Herbstein, 18. December. Der berüchtigte Erain- selber Handelsmann Feist Sommer I. war heute aus dem UntersuchungSgefangniß von Gießen vor das hiesige Schöffengericht gebracht worben. Er war beS Betrugs an­geklagt, mußte aber wegen mangelnben Beweises freigesprochen werben. Die Anwesenheit beS Sommer hatte eine große Anzahl Zuschauer herbeigelockt.

Friedberg, 19. December. Wie in früheren Jahren, haben bie hiesigen Colonialwaaren-Hänbler auch diesmal wieder unter sich eine Geldsammlung veranstaltet, welche als Ablösung der früher an Kunden, Dienstboten u. s. w. verabfolgten NeujahrSgeschenke, welche vielfach zu Unzuträg- lichkeiten führten, gilt. Der Ertrag der Sammlung ist zu Weihnachten für mildthätige Zwecke bestimmt, und ist den verschiedenen WohlthätigkeitS - Anstalten bereits überwiesen worden.

M. Au» Oberheffen, 20. December. Beim Gelände- Erwerb zur Nebenbahn Lauterbach-Gedern stellen die Betheiligten fo hohe Preise, daß daS Enteignungsverfahren eingeleitet werden muß und hierdurch eine erhebliche Ver­zögerung de» Bahnbaues eintritt.

pörung heraus:Du redest ,gerabe wie Ftp, und Fip ist bumm."

Beinahe hätte Tante Lini gelacht, sie war nur zu traurig, und heute, wo sie hatte fo froh fein wollen.

Tagtäglich besuchte sie be» Bruber» Hau», sie liebte diesen Bruder, schwärmte für die Schwägerin, nannte Hanse­mann ihren Goldjungen, daß bie Schwägerin einen Bruber hatte, ber ihrunglaublich ähnlich" war, ein junger Arzt mit merkwürbig viel Praxi»", ba» gab natürlich keine Anregung zu diesen Besuchen.

Aber Ursache ihrer Thränen war ber junge Arzt. Sie schluchzte jammervoll auf, drückte Hansemann stürmisch an» Herz und sprach in seine Locken hinein:Ich bin zu un- glücklich!"

Hansemann machte sich strampelnd Io», er war für Frei- heit und Männerwürbe/ dann aber sagte er wohlwollend: Sei nur ruhig, Tante Lini, der Weihnachtsmann wird« schon machen."

Damit lies er fort und Tante Lini setzte sich auf die oberste Treppenstufe/ so konnte sie der Schwägerin nicht unter bie Augen treten. Sollte Sie etwa sagen:Ich komme ohne Christbaum, weil Dein Bruber nicht mitgehen wollte? Nein! Eigentlich war- auch ander» gewesen. Sie hatte allein gehen wollen, da ihr aber Achim just begegnete, fiel ihr ein, wie lustig solch ein Weihnachtsbummel zu zweien sei, und sie bat.: Komm mit!"

Geht nicht, die alte Seilergustel wartet auf mich."

Darauf hatte sie gesagt:Ach, die Guftel! Wenn» sonst Niemand ist, die wartet schon."

Da war ein Gewitter loSgebrochen, schwer wie nach glnthvollen HundStagSwochen: Nur ein schlimmes Herz könne

toceks un» Provinzieller.

Aüendorf a. b. Lda., 20. December. Hier wurde heute ein sehr erhebender liturgischer Gottesdienst abgehalten, in welchem Herr Professor Köstlin von Gießen den neuerftanbenen Kirchenchor begrüßte unb mit trefflichen Worten darauf hinwieS, welch' reichen Schatz die evange­lische Kirche im geistlichen Liede besitzt. Die anschließenden Gesänge be» Kirchenchore», ber Gemeinbe unb ber Schul-

Zum Bezug desGietzener Anzeiger" für daS 1. Vierteljahr 1897 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatfachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich­ten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Laufenden. Unterstütztdurch an allenOrtender Provinz v b e rh essen ansässige Berichterstatter, ist derGießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Borgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich Kur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des An­zeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberheffen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- tverthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück­sichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge­diegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar- tckün ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Uuterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die Gießener Familienblätter", welche dem An­zeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärttge Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Januar den Anzeiger kostenfrei zu­gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postftei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements-

den an demselben Tagr, läumen desCafe W das an demselben Ügi l für unsere Mglieda 50 Psg. zu haben.

Vorstand.

vierteljähriger Abimncmentspreis r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerloha. Durch die Post bezogeir 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expeditione und Druckerei:

-chukstratzr Ar.7.

Fernsprecher 51.

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-VdS 8 Uhr;

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fo etwa» sagen, ober im besten Falle gefährliche Gebauten- lofigkeit, bie alle» Elend» Hälfte auf dem Gewissen habe- armen Leuten fei ber Arzt befonbere Sorgfalt schulbig, denn denen hülfen nicht Gelb, Pflege, gute Kost, reine Luft unb tausendfache Bequemlichkeiten zum Gesunbwerden.

Lini sah ben heiteren Schwibbschwager ganz entsetzt an machte er einen Scherz? Nein, baS war Ernst unb ba» galt ihr, ba überkam sie ber Zorn, kurz kehrte sie ihm ben Rücken unb ging bem WeihnachtSmarkle zu. Im Gehen kam bie Ueberlegung: eigentlich war'» ja häßlich gewesen, so von ber Seilergustel zu reden, unb sie meinte da» auch gar nicht/ Achim hätte wirklich wissen können, baß die» Neckerei war unb Uebermuth, au» ber luftigen Kälte heran» geboren, au» ber WeihnachtSstimwung Weihnachtsstimmung? Die gerabe hätte fo ganz anberS reben fallen! Mit dieser plötz­lichen Erkenutniß kamen die Thränen, sie kamen so hesttg, baß Lini umkehren wußte durch diesen Flor hindurch war kein Christbaummarkt zu finden unb ba saß sie nun t« tiefsten Jammer auf ber Treppe.

Böser Achim," bachte sie,böse Lini," antwortete ein Echo im Grunbe ihres Herzen», aber so leise, baß man e» leicht überhören konnte. Da»böser Achim" behielt bie Oberhanb; sie trocknete plötzlich bie Thränen, rückte ihr Pelz- barett zurecht unb ging wieder hinab.Wenn ich ihm nur beweisen könnte, baß ich gar nicht so bin, er müßte sich schämen," sagte sie ganz beutlich, gerade al» sie bie letzten Stufen ber Treppe hinabschritt.

Wie bist Du benn nicht?" fragte ein Sümmchen au» dem Flurwinkel heran»/ ba kauerte Hansemann neben einem verwahrlosten Jungen zerlumpte Kleiber, zerrissene Filz­schuhe, ungepflegtes Hacr, Linis erste Empfindung war,

> Feuilleton.

Hsnsemsnns Weisheit.

Ein Weihnachtsgeschtchtchen von Luise Glaß.

(Nachdruck verboten.)

Nicht wahr, Mama, Weihnachten finb alle Menschen glücklich?" fragt Hansemann, unb bie Mutter, bie eben Groß­mama» Müffchen abkettelt, antwortet, nicht ganz bei ber Sache:Ja, mein HerzenSkinb."

Hausemann patscht mit ben runden Händchen gegen ba» Kenster, vor bem bie Flocken wirbeln.Der bumme Fip will » nicht glauben." Mama hört nur halb, sie überlegte gerabe, wie viel Karpfen fie für ihre Weihnachtsgäste brauche, für Großpapa, Großmama, Schwägerin unb Bruder/ unge­hindert konnte Han» vom Stuhl rutschen unb hinau»laufen. aber er kam nicht gleich zu Fip, mit dem er intim be­freundet war, seit heute Morgen bie überquellenbe Weih­nachtswonne feine Schüchternheit vor bem rnerkwürbigen Zungen besiegt hatte. Hausemanu traf zunächst Tante Lini, wnib Tante Lini weinte.

Erstaunt blieb er ob biefe» noch nie Dagewesenen stehen. Tante Lini lachte stets, soweit seine Erinnerung zurückging/ Tante Lini war die fidelste, niedlichste, übermüthigste Tante, dle^fich ein fünfjähriger Hansemann wünschen konnte.Tante fcui," rief er empört,Weihnachten find alle Menschen glück- li.ch, Mama hat eS auch gesagt."

Aber jetzt schluchzte Lini gar.Deine Mama hat ben bersten Mann von ber Welt, Deine Mama hat gut reden." Da» klang ja, als solle MamaS Weisheit angezweifelt »erben? Hansemann sprach aus einer etwas dunklen Em-

Citeratur mm» Kauft

Weihnachten, daS Fest der Feste, ist in Sicht. Pünktlich wie in früheren Jahren stellt sich auch in prächtigem, farbenreichem Gewände das Weihnachtsheft derModernen Knnft" (Verlag von Rich. Bong, Letpzig-Berlin-Wien) ein. So reich an aus- gezeichncten künstlerischen Gaben ist daS Heft, so echt weihnachtlich die Stimmung, welche seine Bllder, Aussätze, Novellen, Dichtungen und musikalischen Spenden durchzieht, so vornehm und gediegen die ganze Ausstattung, daß ihm ein Ehrenplatz unter dem Ehristbaum bei allen fein- und kunstsinnigen Leuten unbedingt gesichert ist. Zur Genüge läßt das Prachthest erkennen, daß ein Weltblatt wie die Moderne Kunst" auf ber höchsten Höhe der Journaltechnik steht und unübertroffen bleibt. Es gereichen solche wundervollen Leist­ungen bem gelammten deutschen Journalwesen zum Ruhm. Dir Fülle deS Schönen unb Originellen, bem auch ber sonnige Humor nicht fehlt, wird von einem Deckel umschlossen, ber gerabezu ver­lockende Reize ausübt. Eine Malerei Fritz Gehrkes liegt der meister­lichen Leistung zu Grunbe. Man sieht aus bem reichen, hier wegen Raummangel nicht anführbaren Inhalt, baß unsere besten Künstler und Schriftsteller mitgewtikt haben, um bas Weihnachtshest ber Mobernen Kunst" so prächtig, schön unb lobentzwertb wie möglich auSzustatten. Möge Niemand versäumen, sich dieses Prachthest der Modernen Kunst" anzuschaffen. Der Preis beträgt für Abonnenten und für Jeden, der jetzt noch in daS Abonnement auf dieModerne Kunst" ctatritt, nur 1 Mark, für Nichtabonnentrn 3 Mark.

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