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Der chte-euer Anzeiger erscheint täglich, mit Au-nahme deS Montag-. *
Die Gießener S-amItienötSUsr »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt.
Mittwoch den 23 December
1896
ießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Erstes Blatt.
Vierteljähriger ASonnemcatspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.
Hratisöeikage: Gießener Jamitienötätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Ufc
Alle «nnoncen-vureaup deS In- und Auslandes nehme« , Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Heulte Aa<Y<!i<tz«E.
UJelffl telrpriphtfchs« Korrespondenz-Bure««.
Berit», 21. December. Der „Reichsanzeiger" meldet: In der am SamStag abgehaltenen Sitzung des ArbeitS- auSschusfeS der deutschen ColontalauSst ellung von 1 8 9 6 wurde die goldene Medaille verliehen: an das Auswärtige Amt in Berlin, an den Botanischen Garten in Berlin, an die Neu-Guiaea-Compagnie in Berlin, au die Hallesche Maschinenfabrik in Halle, an Friedrich BeyerSmann tu Hageu, an Oskar Will auS Zrlla, an die Brauerei Gregory in Berlin, M. Wittmund-Dessau und Otto Bohne- Berlin- außerdem eine besondere goldene Medaille an daS ColonialhauS Antelmann Berlin für Verdienste um die Einführung der deutschen Colonial-Producte. Ferner wurde eine größere Anzahl filberner und broncener Medaillen verliehen.
Hamburg, 21. December. In der heutigen Versammlung der Strikenden, die wiederum unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ftattfand, wurde den Auweseudeu bekannt gegeben, daß die Unterstützungen morgen noch in der gleichen Weise wie früher gezahlt werden sollen. Ein Jeder habe aber mit der Möglichkeit zu rechnen, daß tu der nächsten Woche die Unterstützungen vielleicht nicht weiter gezahlt werden könnten. Als sodann noch die Führer zum festen Zusammenhalten aufforderten, wurden fie vielfach durch die Zwischenrufe unterbrochen, die unnützen Worte zu sparen. Ein Jeder wiffe, daß er festzuhalten habe.
Hamburg, 21. December. Die Polizei hat den Ausständigen daS Postenstehen im Freihafen untersagt und veranlaßt Stehenbleibende zum Wettergehen. Ein Theil der ausständigen Ewerführer hat heute früh die Arbeit wieder ausgenommen. Das Stauerbureau nimmt nur Arbeiter an, die während des StrikeS auf Schiffen gearbeitet haben. Heute dielten die Strikenden 11 Versammlungen ab, von denen Berichterstatter ferngehalten wurden. In einer Versammlung von Schauerleuten stellte der Vorfitzende Döring vor Entfernung der Berichterstatter die Frage, ob man bet dem Beschlusie vom SamStag verharren wolle, auch wenn in den nächsten Wochen kein Geld mehr zur Vertheilung gelangen sollte. Die Frage wurde mit stürmischen Zurufen bejaht. Der Vorsitzende erklärte, die Führer würden Alles aufbieten, um die erforderlichen Geldmittel zu beschaffen. Aus England sei das versprochene Geld nicht eingetroffen und man könne auf die Engländer nicht rechnen. Jeder möge überlegen, ob er bet verminderter Unterstützung auch fernerhin weiter strtken wolle.
München, 21. December. Der bayerische Ober- medictnalauSschuß hat sich u. A. auch dahin ausgesprochen, daß daS Studium der Me di ein er zehn Semester dauern und daß sich an dsS Staatsexamen ein sogenanntes practischeS Jahr anschließen soll, während dessen Ser Arzt den Titel „Hilfsarzt" führt. In dieses praktische Jahr darf die militärärztliche Dienstzeit während deS einjährig freiwilligen Jahres eingerechnet werden.
Sttaßbnrg i. E, 21. December. Nachdem der akademische Senat der hiesigen Universität gegen den lothringischen Studirenden Franko iS wegen seines Verhaltens gegenüber dem altdeutschen Studirenden Martin die Relegation ausgesprochen hatte, überreichten drei weitere Studtrende im Namen einer Anzahl Commilitonen eine Protestadreffe an den Rector der Universität. In einer persönlichen Aussprache, welche der Rector Profeffor Dr. Lenel ihnen gewährte, versicherten dieselben indessen, daß fie die Adreffe in un- genügender Kenntniß des wirklichen Sachverhalts überreicht hätten und zogen dieselbe zurück. Darauf erneuerten zwei »eitere Studtrende den Protest durch eine zweite Adreffe, die fie im Auftrage einer größeren Gruppe dem Rector überbrachten. Der akademische Senat hat nunmehr heute auch biese beiden relegirt.
Zürich, 21. December. Der flüchtige Reichsbank-Agent H eg ele hat fich in Lichtensteig-St. Galleo, wo er seit Freitag weilt, mit Morphium vergiftet. Noch lebend wurde er ivS Krankenhaus Wattwyl verbracht.
Sofia, 21. December. Vor dem Gerichtshöfe erster Instanz begann heute die Verhandlung des früher vertagten procesfeS gegen die Mörder StambulowS. 1.30 Zeugen find vorgeladen. Ein überaus zahlreiches Publikum und zahlreiche Vertreter der Preffe find anwesend.
Depeschen deS Bureau „Herold".
verli», 21. December. Der Kaiser hörte heute vor- «mittag von 9 Uhr ab den Vortrag deS stellvertretenden Chefs das CivilcabinetS, Scheller, und daran anschließend die Bor- Mage deS Chefs deS MilitärcabinetS, deS StaatSfecretärS b«0 ReichSmarineamtS und des commandirenden Admirals.
Abends gedenkt der Kaiser im Kreise des OffiziercorpS des 2. GarderegimeutS z. F. zu speisen. — Morgen Dienstag früh werden die kaiserlichen Prinzen Plön verlaffeu, um daS WeihnachtSfeft bei ihren Eltern in Potsdam zu verleben. Am 6. Januar kehren fie wieder nach Plön zurück.
Berlin, 21. December. Reichskanzler Fürst Hohen- lohe begibt fich mit seiner Gemahlin morgen früh nach Podiebrad in Böhmen, um bet seinem ältesten Sohne die Weihnachtsfeiertage zu verleben. Bon dort kehrt das fürstliche Paar hierher zurück.
Berlin, 21. December. Der Gouverneur von Deutsch- Ostafrika, Oberst Liebe rt, verläßt heute Abend Berlin, um fich über Neapel, von wo die Abreise am 30. d. M. erfolgt, auf feinen Posten zu begeben.
BreSla», 21. December. AuS Brieg wird dem „BreSl. Gen.-Aoz." gemeldet: In der vergangenen Nacht wurde der WirthschaftSinspector Cohnstädt vom Dominium Groß-Neu- dorf in einem Graben liegend ermordet aufgefunden. Die Mörder find noch nicht entdeckt.
BreSlav, 21. December. Der „BreSl. Gen.-Anz." meldet auS PeiSkretscham (Oberschlefiev): Nach voran- gegangenen Zwistigkeiten ergriff die Frau des Arbeiters Krämer eine Schnapsflasche und schleuderte fie ihrem 16jährigen Sohne an den Kopf. Der Sohn lief blutüberströmt ins Freie, seine Mutter folgte ihm und schnitt ihm mit einem Messer die Kehle durch. Der Knabe war sofort tobt. Die Mörderin wurde verhaftet.
Frankfurt a. M., 21. December. Die „Franks. Ztg." meldet aus Karlsruhe: Die Nationalliberalen stellten im zweiten ReichStagSwahlkreise den practischenArzt Dr. Merz in Furtwangen als Candidaten auf.
Köln, 21. December. Die „Köln. Zig." schreibt: Die Ueberschwänglichkeit der französisch - russischen 8er- bindung hat fett dem Pariser Besuche deSZaren trotz aller gegentheiligen Verficherungeu einen Stoß erlitten, wozu den stärksten Anlaß die rusfischerseitS beabfichtigte WährungS- reform gegeben hat, von der Frankreich daS Zusammenschmelzen deS vom Fiuanzminister Wttte angesammelten Goldschatzes, resp. KriegSschatzeS befürchtet. Von Paris aus habe man versucht, den Zaren umzustimmen, indeffen sei den Franzosen in höflicher, aber bestimmter Form eröffnet worden, Rußland müffe jede Einmischung in seine inneren Angelegenheiten zurückweisen. Inzwischen habe fich auch ein neuer Versuch einer finanziellen sranzöfisch-rusfischen Hilfsleistung für die Türkei zerschlagen, so daß man der auf einen viel früheren Zeitpunkt, als ursprünglich festgesetzt, fallenden Rückkehr des Botschafters Grafen Montebello nach Petersburg sehr ge'pannt entgegenfieht.
Hamburg, 21. December. In zehn Versammlungen von Hafenarbeitern wurde heute beschloffen, den Strike fortzusetzen.
Wien, 21. December. Wie in hiesigen diplomatischen Kreisen auf daS Bestimmteste verfichert wird, erhielt der österreichisch - ungarische Botschafter in Konstantinopel den stricten.Auftrag, gegen jede Gewalt-Maß- regel, welche daS Ansehen deS Sultans schädige und die Integrität der Türkei in Frage stellen könnte, ein energisches Vero einzulegeo.
Temekvar, 21. December. Nach den neuesten Nachrichten find von den 114 Arbeitern, die fich in der Reschitza- grübe befanden, bisher nur 30 gerettet. 40 wurden tobt zu Tage gefördert, die übrigen gelten als verloren, da der Schacht tn Flammen steht und jedes Einfahren unmög- lich ist.
Triest, 21. December. Hier und in Villach find nach Schneefällen Nacht- heftige Gewitter niedergegangen.
Ro«, 21. December. In Ober- und Mittel Italien, namentlich in Piemont, herrschen heftige Schneestürme. Biele Ortschaften find eingeschneit. Der Verkehr ist vielfach gestört.
Pari-, 21. December. Der „Rappel" bementirt bie Nachricht, baß bie Regierung beabsichtige, eine 2*/zprvcentige Anleihe aufzunehmen, um bie Ausgaben für bie Reorganisation ber Flotte zu bestreiten.
Madrid, 21. December. Hier ist von bem Präfibenteu Clevelanb die beruhigende Versicherung eingelaufen, daß, so lange er im Amte sei, Cuba von den Bereinigten Staaten nicht anerkannt werde.
Berlin, 22. December. Gegen die verwittwete Frau Clara Nicolai ist gestern Morgen in ihrer Wohnung zuCharlotten- burg ein Raubmordversuch unternommen worden. Die etwa 60jährige Frau hat eine Anzahl Schläge mit einem Stemmeisen sowie mehrere tiefgehende Mefferftiche davon getragen. Line direkte Lebensgefahr für die Verwundete, die i« jüdischen
Krankenhause darniederltegt, ist nicht vorhanden. Der Thäter soll nach den Angaben der Frau Nicolai der 18jährige HauS- diener Oscar Göritz fein. Derselbe wurde gestern Abend verhaftet- er leugnet die That. Frau Nicolai ist Vorsteherin eines Ladengeschäft- in der Alexanderstraße.
Berlin, 22. December. DaS „Berl. Tagebl." meldet auS Wien: Ein Mann Namen- Joh. Dittrich Orb aus Westhofen (Hessen) wurde wegen eine- in Deutschland verübten Diebstahl- von 8000 Mark verhaftet. Geld und Werthpapiere int Betrage von 6200 Mark wnrben bei ihm vorgefunden.
Hamburg, 22. December. Den Elsatzarbeitern wurde vielfach angekündigt, daß baß freie Essen Wegfällen unb bie Löhne erniebrigt werben sollen. Fast Niemand hat bis jetzt die Arbeit ausgenommen. Die Lage der Arbeitgeber verschlechtert fich. ES stehen schwere Tage bevor- daß gelammte Geschäft liegt darnieder.
Hamburg, 22. December. Gestern nahmen fünf strikende Arbeiter die Arbeit wieder auf, dagegen legten 168 fremde Arbeiter die Arbeit nieder.
Rom, 22. December. Die Studenten der hiefigen Universität sandten an die Collegen nach Moskau ein Telegramm, worin sie gegen bie politischen Verfolgungen proteftiren, bie Versicherung ihrer Golibarität geben und ihre Hoffnung auf baldige Befreiung de- russischen Volke- au-drücken.
Vietze», den 22. December.
** Warnung. Wir haben bereits in einer Notiz im December v. I. vor dem GeschästSgebahren des „Bankgeschäftes M. Linden" in Rotterdam gewarnt und bemerken im Anschluß hieran, daß diese Firma identisch ist mit der „Allgemeinen Prämien» und Reutenbonk" daselbst, vor welcher bereits früher in einem Artikel des ReichsanzeigerS gewarnt wurde. Gegenwärtiger Inhaber der Bank ist der niederländische Staatsangehörige Blitz, der daß Geschäft angeblich von den früheren Inhabern Wilhelm Friedrich Simon Schuhmacher und Moritz Schindler, genannt Baruah, gekauft haben soll.
* * Erhöhung der Kalkpreise. Wie uns gemeldet wird, haben fich nahezu sämmtliche Kalkwerke des Lahnthale- dahin geeinigt, für die Folge ihren Brand nur zu einem wesentlich erhöhten Preise abzugeben.
* * ernannt wurden am 10. d. M.: der Schaffner bei den Oberhesfischen Eisenbahnen Johanne- Port zum Zugführer bei den Hessischen Staat- Eisenbahnen - der Bremser bet den Oberhesfischen Eisenbahnen Georg Schäfer zum Schaffner bei den Hessischen Staats-Eisenbahnen, — beide mit Wirkung vom 1. Januar 1897 an.
* * Mtlttarbienstuachrichteu. v. Müller, Generalmajor, beauftragt mit der Führung der Großh. Heff. (25.) Division, unter Beförderung zum Generallieutenant, zum Commandeur dieser Division ernannt, v. Wartenberg, Oberstlieutenant und etat-mäßiger Stabsoffizier de- Jnf.-RegtS. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116, al- AbtheilungSchef in da- Krieg-Ministerium, Bigge, Oberftlieutenant und Bataillon-- Commandeur vom Inf-Regt. Herzog Ferdinand von Braunschweig (8. Westfälisches) Nr. 67, al- etat-mäßiger Stabsoffizier in da- Inf. Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116, Boelk, Sec.-Lt. vom Jaf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, in da- 2. Hanseatische Jnf.°Regt. Nr. 76 — versetzt. Wolf, Unteroffizier vom Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116, zum Portepeefähnrich befördert.
** Weihuachttfestspiel. Man schreibt unS auS Marburg über das demnächst auch hier zur Ausführung kommende Herrig'sche Festspiel: Die Aufführungen de- Herrig'schen Weihuacht-FestspielS „Christnacht" haben nun ihren An- ang genommen. Die allgemeine Aufmerksamkeit ist durch vorbereitende Mittheilungeu schon seit längerer Zeit auf diese Veranstaltung hingelenkt worden, und e- erübrigt nur noch, mit kurzen Worten eine ungefähre Darstellung deS Gange- >er Handlung und die Charakteristik der auftretenden Per- onen hier folgen zu laffen. Rom hat fich den Erdkreis unterworfen, seine Machtstellung in erfolgreichen Kriegen be- estigt. AuS den Siegen der Triumvirn ist nach Pompeji- Sturz und Antonius Fall und der Niederwerfung jeden Widerstände- im Reiche der Alleinherrscher OctaviauuS Augustus zu höchstem Ansehen gelangt. Der Weltfriede wird in hochtönendem Heroldsrufe auch dem durch HerodeS, dem Sohn AutipaterS, unterjochten Judäa verkündet, und soll durch eine allgemeine Volkszählung feine allen Völkern vernehm- iche Bestätigung erfahren, Rom's Macht nach außen zu verherrlichen. In diese Epoche heidnischer Weltherrschaft find


