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23.8.1896 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 23. August

Pt. 198

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Meßmer Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Tyeit.

Gießen, den 14. August 1896.

Stic.: Die in den evangelischen Schulen des Landes ein­zuübenden Choralmelodieen.

Die

Swtzh Krets-Schulcommisston Gießen

au die Schulvorstände de- Kreises.

Yon nachstehender Verfügung geben wir Ihnen Kennmiß zur weiteren Veranlassung.

v. Gagern.

Darmstadt, den 3. August 1896. 8ktr.: Wie oben.

A8 Großh. Ministerium des Innern

Abthcilung für Schulangelegenheiten

em die Großherzoglicheu Directiouen der Gym­nasien, Realgymnasien, Realschule«, höheren Mädchen-Schulen, Schullehrer Seminarieu, der Vlindeuaustalt und die Großherzoglicheu Kreis schuleommissioueu.

Nachdem durch ein Uebereinkommen zwischen dem Königlich Bnußtschen KriegSmtnistertum und dem Großherzoglichen Lbercoufistortum für eine große Zahl von Choralmelodieen Vie Form festgestellt worden ist, in welcher dieselben künftig Lberellnsttmmend in den Militärgemeinden der hessischen Division wob im den Ctvilgemetnden der hessischen Landeskirche gesungen aerdem sollen, so erscheint eS als wünschenSwerth, daß auch in den Schulen des Landes diese Melodiken, soweit sie Mtrhaupt in den Schulen eingeübt werden, künftig in tut für die Gottesdienste der Civtl- und Militärgemeinden srsigestellten Form gesungen werden.

In nachstehender Tabelle sind diejenigen von den 32 ftr t»te Volksschulen vorgeschriebenen Melodteen bezeichnet, Mche: von der getroffenen Vereinbarung berührt werden - dttbei ist in den zwei ersten Spalten die Form angegeben, litt welche man sich geeinigt hat. Auf Ersuchen deS Etoßls. Oberconsistoriums empfehlen wir Ihnen demgemäß, i ev Ihnen unterstellten Lehrern von der getroffenen Veretn- iatuvZ Kenntniß zu geben und dafür Sorge zu tragen, daß ist nachstehenden Choralmelodieen in der durch die mehr- l.tnaruitc Vereinbarung feftgestcllten Form etngeübt werden.

v. Knorr.

Nr. des UoralbuchS brr klitschen iaideskirche

Nr. deS einstimmigen Melodieen- buchs für die evangelischen Schulen des Grotzherzog- thums.

Lied-Anfang

126a

16a

Freu' dich sehr, o meine Seele (: Wie nach einer Wasserquelle:).

102a

15a

Herzlich thut mich verlangen (: Befiehl du deine Wege:).

18a

52a

Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen.

61b

47b

Jesus, meine Zuversicht.

41a

14a

In allen meinen Thaten (: O Welt, ich mutz dich lasten:).

96b

42b

Nun danket alle Gott.

3a

35a

Nun laß unö Gott (: Wach auf mein Herz:).

97a

44a

O Gott, du frommer Gott.

162a

33a

Wachet auf, ruft uns die Stimme.

1194b

29b

Was Gott thut, das ist wohlgethan.

50a

54a

Wer nur den lieben Gott.

158a

40a

Wie schön leuchtet der Morgenstern.

Gesunde«: 2 Spazierstöcke, 2 Pferdedecken, 1 Stein imbi 1 Ring, 1 Kinderkragen, 1 Kinderstrumpf und 1 Seil.

Gießen, den 22. August 1896.

Großherzogltches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

SUudjte tZa^rid^tto

Wolff» telegraphisches Eorrefponderlz-Bur««,.

Berlin, 21. August. Anläßlich der 200jährigen den: der Akademie der Künste verlieh der Kaiser büi< große goldene Medaille folgenden Malern: Julius M Eie wart Paris, Evariffe Capentier-Lahulpe, G. H. Breitner- 2Nnfuibam, Pietro Fragiacomo Venedig, Otto Sinding-Lyaken, Öfafiniür PochwalSkr-Wien, G. Graf Rosen-Stockholm, A. Zorn-

Stockholm, Joaquin-Sorollabaftida, Gotthard Kuehl-DreSden, A. Echller, Karl Marr-München, OScar Frenzel-Berlin- folgenden Bildhauern: I. Lambeaux-Brüffel, OnSlow-Fort- London, Joseph MySlbeck B Prag, Augustin Aumrol-Madrid, Ludwig Manzel, Michel Lock-Berlin- folgenden Architecten: I. Ras bdorf ° Berlin. Die kleine goldene Medaille: Dem Maler Caspar Ritter und dem Kupferstecher Wilhelm Kraus- kops, beide in Karlsruhe.

Berlin, 21. August. Der Saaten st and in Preußen für Mitte August war: Winterweizen 2,4, Sommer­weizen 2,8, Winterspelt 2,7, Winterroggen 2,6, Sommer­roggen 3,2, Sommergerste 3,0, Hafer 3,0, Erbsen 3,3, Kar­toffel 2,8, Klee auch Luzerne 3,3, Wiesen 3,1- wobei 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel bedeutet. Hierzu wird bemerkt: Das ungünstige Wetter verschlechterte die Ernteaussichten. In Ostpreußen und Westpreußen herrschte Dürre, auch in Pommern, Posen und Schleswig-Holstein war bis Anfang August Trockenheit und Hitze, wodurch die Ernte anderer­seits beschleunigt wurde. Die übrigen Provinzen hatten meist überreiche Niederschläge, wodurch die Erntearbeiten ge­hemmt wurden.

München, 21. August. Der Prinzregent verlieh dem Kgl. preußischen General der Infanterie z. D. v. Arndt, zuletzt Gouverneur der Festung Metz, das Großkreuz des Mtlitärverdienftordens.

Straßburg (Elsaß), 21. August. DerLothringer Presse" zufolge brach unter der Metzer Garnison der Typhus aus. Acht Soldaten des Pionierbataillons Nr. 16 liegen typhuskrank im Lazareth.

Rom, 21. August. In der Provinz Massa-Carrara richtete eine Wasserhose großen Schaden an. Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgetragen und Weingärten zer­stört. Mehrere Flüsse find ausgetreten und haben Ländereien überschwemmt. Viel Vieh ist ertrunken. Menschenverluste sind nicht zu beklagen.

Madrid, 21. August. Blättermeldungen zufolge soll in Tanger eine Verschwörung entdeckt worden sein, welche die Entthronung deSSultanS bezweckte. Mehrere hohe Würdenträger am Hofe feien dadurch bloßgestellt. ES herrsche vollständige Anarchie im Lande.

Barcelona, 21. August. Der Advocat CorominaS und der Bürgermeister von Gracia sind unter dem Ver­dachte, an dem letzten anarchistischen Attentat betheiligt zu sein, verhaftet worden.

Valencia, 21. August. Ein heftiger Cylon wüthete in der Stadt und richtete großen Schaden an Häusern und in Gärten an. Mehrere Werkstätten stehen unter Waffer, zahlreiche Personen sind verletzt.

Petersburg, 21. August. DaS Finanzministerium hat verfügt, daß bis zum 31. Dece^lber 1897 alle Regterungs- anstalten und Privateisenbahnen Halbtmperiale und Imperiale, deren Prägung durch Gesetz vom 17. December 1885 be­stimmt wurde, zum gegenwärtigen Preise von 7 l/2 bezw. 15 Rubel in Zahlung zu nehmen haben. Zu dem gleichen Course hat die Reichsbank nebst ihren Abthetlungen die Stücke anzunehmen und auszugeben.

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verliu, 21. August. Der Kaiser wird morgen Vor­mittag kurz vor 12 Uhr in Berlin eintreffen und sich vom Potsdamer Bahnhofe aus nach der Kaserne deS 3. Garde- Regiments zu Fuß begeben, um der Einweihung des im Kasernenhofe den gefallenen Kameraden errichteten Denkmals beizuwohnen. Nach den bisherigen Bestimmungen wird der Kaiser nach der Einweihung das Frühstück im Kreise deS Offiziercorps im Casino deffelben einnehmen.

Berlin, 21. August. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge wird der Kriegsmtnister v. Goßler morgen vom Kaiser zur Meldung empfangen werden.

Berlin, 21. August. Wie derPoft" auS Neuenahr telegraphirt wird, ist der frühere KrtegSminister Bronsart von Schellendorff daselbst zum Kurgebrauche ein- getroffen.

Berlin, 21. August. Während der Kais er tage in Breslau werden auch anwesend sein die früheren deutschen Botschafter am rusfischen Hofe, die Generale v. Werder und v. Schweinitz.

verliu, 21. August. Der KrtegSminister v. Goßler hat die Geschäfte seines neuen Amtes übernommen. Er bringt unter heutigem Datum imArmee-Verordnungsblatt" die CabivetSordre zur Kenntniß der Armee, wonach er zum KrtegSminister ernannt ist.

Berlin, 21. August. DenBerl. Neuesten Nachrichten" wird die Meldung eine» hiesigen Blattes, wonach Fürst

Hohenlohe sich Physisch nickt mehr der gewaltigen Arbeits­last gewachsen fühle und aus diesem Grunde nach der An­wesenheit des Kaisers von Rußland seinen Abschied nehmen werde, als absolut haltlos bezeichnet. Der Reichskanzler fühle sich durchaus wohl und frisch und denke zunächst weder auS diesem, noch auS irgend einem anderen Grunde an seinen Rücktritt.«

Berlin, 21. August. Der Anarchist und ifMete Rabbiner Alexander Cohen, welcher auch zum Londoner Congreß als Delegtrter entsandt war, ist tn Antwerpen wegen MajestätSbeleidigung verhaftet worden. Cohen war in Paris bereits in contumaciam zu 15 Jahren Deportation ver- urtheilt worden. Er betrieb in den verschiedensten Ländern anarchistische Propaganda.

Berlin, 21. August. Hosprediger a. D. Stöcker äußert sich in derDeutschen Evangel. Kirchenztg." zu dem christ­lich-socialen Aufruf, daß durch diese Kundgebung eine Grundlage für eine neue politische Parteistellung nicht ge­schaffen, oder eine Anwerbung neuer Kräfte für die christlich­sociale Partei nicht bewirkt werden. Die Kundgebung sei rein kirchlicher Natur. In die Socialpolitik soll auch nicht Dogmatik eingesührt, noch soll der theologische Gegensatz an und für sich als ausschlaggebend betont werden. Gegenüber Profeffor Adolf Wagner, der mit Anderen ausdrücklich be­hauptet hatte, daß bei der Action gegen Stöcker die Gegen­sätze deralten" und dermodernen" TH^H^ie nicht mtt- spielen, betont Stöcker, daß diese BehtMPtung neu, und Wagners Arglosigkeit in ktrchenpolitischen ustd theologischen Angelegenheiten zuzuschreiben sei. Des Weiteren setzt fich Stöcker mit Professor Wagner darüber auseinander, Letzterer es zwar nicht gebilligt, aber begriffen habe, daß Stöckers Verhalten in der Angelegenheit des bekannten Briefes an Frhrn. v. Hammerstein und weitere, .damit in Verbindung stehende Dinge einigen Männern den Anstoß ge­geben haben, das Verlangen des Ausscheidens aus dem Präsidium an Stöcker zu stellen. Der Anstifter der daran geknüpften Action soll D. Harnack sein. Zum Schluß schreibt Stöcker:Nichts kann falscher sein, als die Meinung, die älteren Christlich-Socialen wollten wieder in die conservative Partei zurück. Kein Gedanke ist in dieser Richtung gehegt, kein Wort dafür ausgesprochen. Aber wir müffen den uner­meßlichen Schaden, den dieJungen" der besonnenen christ. lichen Socialreform angethan haben, offen aussprechen, um unsere Freunde vor falschen Ideen zu behüten."

BreSlau, 21. August. Der Kaufmann Theodor Schlosserek pries s. Zt. imBreSl. Gen.-Anz." in einer Annonce EucalyptuS-BonbonS an. Er wurde des­halb unter Anklage gestellt, da er fick dadurch der lieber» tretung der Polizei-Verordnung vom 30. Juli 1890 schuldig gemacht haben soll. Das Schöffengericht verurtheilte den Kaufmann auf Grund eines Gutachtens deS Prof. Jacoby, der auSsührte, daß die Eucalyptus-Bonbons unter den Be­griffPastillen" fielen. Pastillen dürften aber laut Kaiser- licher Verordnung vom 20. Januar 1890 nur in Apotheken verkauft werden. Der Angeklagte legte mit Erfolg gegen dieses Erkenntniß Berufung ein. Sein Vertheidiger, Rechts­anwalt Dr. Schreiber, machte nun heute vor der Straf­kammer geltend, daß der für Annoncen imBreSl. Gen.- Anz." verantwortlich zeichnende Redacteur wegen dieser Sache unter Anklage gestanden habe, aber freigesprochen wurde. Der vom Vertheidiger als Sachverständiger geladene Director Dr. Fischer war entgegengesetzter Ansicht, als Profeffor Jacoby. In der betr. Kaiserlichen Verordnung heiße eS wohl, daß ihr Pastillen unterliegen, nicht aber Bonbons. Diese seien keineswegs identisch mit Pastillen. Auf Grund dieses Gutachtens wurde dann der Angeklagte in der Be­rufungsinstanz freigesprochen.

Wien, 21. August. Wie dieNeue Freie Presse" meldet, findet zwischen dem hiesigen und dem Petersburger Auswärtigen Amte ein äußerst lebhafter Gedanken­austausch in Sachen Kretas statt. Der Verkehr zwischen dem Minister GoluchowSkh und dem Fürsten Lobanow bewegt fich, wie daffelbe Blatt erfährt, tn der Richtung einer Einflußnahme von ganz Europa auf die Türkei, daß diese fich entschließe, die wichtigsten Forderungen der Krrtenser zu erfüllen. Die Großmächte, und zwar alle ohne Ausnahme, machen in Konstantinopel Vorstellungen, den Kretensern weit­gehende Autonomie etnzuräumen. Es soll nicht nur der christliche Statthalter unter Garantie der Großmächte für fünf Jahre ernannt werden, sondern der Türket wird auch noch uahegelegt, daß fie fich in die auf eine autonome Finanzverwaltung der Insel bezüglichen Ansprüche der Kretenser füge.

Mohärs, 21. August. Die Ströme wachsen jetzt in gefährlicher Weise an. Auf der Margaretheninsel stehen seit