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23/02/1896 Zweites Blatt
 
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zur Musterung nicht geladen werden dürfen, da solche nur an ihrem Aufenthaltsort ge­stellungspflichtig find.

Die Grobherzoglichen Bürgermeister ober Beigeordneten haben mit den Militärpflichtigen ihrer Gemeinde im Muste­rungstermin rechtzeitig anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Letzteren t/a ®tunbe vor der be­stimmten Zeit zur Stelle sind, nüchtern und reinlich gekleidet erscheinen und während des MusterungsgeschäfteS ein anständiges und ruhiges Verhalten beobachten.

Wenn ein Militärpflichtiger wegen Gebrechen oder Krank­heit persönlich zu erscheinen nicht im Stande ist, oder wenn er sich in gerichtlicher Haft befindet, so ist darüber ein auf persönlicher Anschauung beruhendes Zeugniß des Arztes und der Bürgermeisterei, bezw. eine Bescheinigung des Gerichts vorzulegen.

Den Großherzoglichen Bürgermeistereien liegt es ob, darauf aufmerksam zu machen, daß ein Militärpflichtiger wegen gerichtlicher Bestrafung des Militärdienstes unwürdig ist, und sind deshalb die erforderlichen Nachweise amtlich zu erwirken und vorzulegen.

Im Anschluß an das Ersatz-Geschäft findet

Samstag den 14. März in der RestaurationZum Lahn st ein" (Nordanlage) zu Gießen, Freitag den 20. März im Rathhaus zu Lich, Dienstag den 24. März im Gast hau szumRappen zu Grünberg,

die Claififieirung der Mannschaften der Reserve, der Landwehr ersten und zweiten Aufgebots und der Grsatz-Reserve rücksichtlich ihrer häuslichen und gewerblichen Verhältnisse statt.

Es haben daher diejenigen Reservisten und Landwehr­männer ersten und zweiten Aufgebots, sowie die Ersatz- Reservisten, welche im Falle einer Einberufung auf Zurück­stellung wegen häuslicher Verhältnisie einen Anspruch machen zu können glauben, an den bezeichneten Tagen, Morgens 11 Uhr, zu erscheinen und ihre Gesuche zu begründen.

Gießen, den 18. Februar 1896.

Der Civil-Vorsitzende der Ersatz-Commission des Kreises Gießen.

Dr. Melior.

§§ Vom höheren Vogelsberg, 20. Februar. Ein sehr einträgliches Amt gedenkt demnächst ein 60 Jahre alter Mann in dem Orte N. anzutreten. Der Ort, etwa 5 Mtn. von dem Nachbarorte W. entfernt bildet mit diesem einen Gemeinde Verwaltungsbezirk. Als nun unlängst der feit- herige Polizeidiener, welcher in W. wohnte, gestorben, muß-e ein neuer gewählt werden. Um nun Niemand zu bevor­zugen und das Richtige zu treffen, wurde von den Gemeinde- rathSmitgliedern beider Ort- gewählt, obwohl der Bürger- meister berechtigt ist, den Polizeideidiener zu ernennen. Die

Wahl fiel nun auf den 60 jährigen Mann in N. Derselbe war höchst erfreut ob dieser Wahl, und um dieser F ende AnSdruck zn geben, veranstaltete er einenSchmauS", wobei nicht allein die OrtS-Borftände, sondern auch noch mehrere OrtSbürger erschienen waren; letztere waren sehr erbaut darüber, daß sie nun den Polizeidiener in ihrem Orte hatten. Die in bester Stimmung eingeleitete Festlichkeit dauerte bis gegen Mitternacht. Der neue Polizeidiener soll dabei ge­äußert haben:ES macht mer nur Spaß, däß atch aaftimmig gewehlt sei wurn." Allerdings dürfte auch die Freude am Amt daS Einträglichste sein, denn das baare Gehalt beträgt gesagt und geschrieben volle zwanzig Mark jährlich!

R. Ans Rheinhessen, 19. Februar. Der 1895er ist jetzt klar und hell geworden, und man hat ihn schon fast Überall abgeftochen. Die Ansichten über seine Eigenschaften gehen etwas auseinander. Von der einen Seite wird be­hauptet, er käme dem 1893 er vollkommen gleich, von der anderen Seite wird gesagt, er reiche nicht ganz an den 1893 er heran, weil ihm gegen die Reifezeit hin Regen ge­fehlt habe, welche? die Beeren feiner und dünnhäutiger ge­macht haben würde. Darin aber sind alle Stimmen einig, daß der 1895 er Jahrgang stets ein sehr achtbarer, mit edlen Eigenschaften geschmückter bleiben würde. Der 1893er kommt jetzt immer mehr zur Geltung, besonders da er jetzt nach und nach flaschcureif wird. Auf der Flasche entwickeln sich die guten Eigenschaften eines Weines erst zur vollen Fein­heit. Die Arbeiten in den Weinbergen haben in diesem Winter, der sich bis jetzt durch mildes Wetter ausgezeichnet hat, fast nicht geruht. Man ist gegenwärtig mit Düngen und Schneiden beschäftigt. Auch Neuanlagen werden gemacht, weil man der Ansicht ist, daß nach so vielen Festjahren wieder bessere Zeiten für den Winzer erwartet werden dürfen. DaS Weingeschäft war seither sehr ruhig, erst im Frühjahre, zur Zeit deS zweiten Abstichs, kommt wieder Leben in dieses Geschäft.

Vermischtes»

* Berlin, 20. Februar. Gestern Nachmittag tödtete ein 19jähriger Metalldreher feine 17jährige Geliebte in der Wohnung der Eltern deS Mädchens durch einen Reoolverschuß und erschoß sich dann selbst.

Scholz der Sechzigste ist vom 1. April d. I. im Berliner Gemeindeschuleienst ang stellt. Unter seinen Collegen haben es dieSchmidt" jetzt auf 34, dieNeumann" auf 16 gebracht.

* Eia komischer Vorfall ist im Gerichtssaal zu Stral­sund vorgekommen. Em Knecht aus Splietsdorf bei Grimmen war am Freitag als Zeuge vor die Strafkammer geladen. Vor dem Richtertische steht in den Sitzungssaale ein kleiner Tisch, aus welchen etwaige Beweisstücke gelegt werden und vor welchen auch die Zeugen bet ihrer Vernehmung treten. Als unserJohann" nun vom Präsidenten oufgeforbert wurde, muß er das wohl mißverstanden und gedacht haben, er solle

von oben herab einen feierlichen Eid leisten, denn er fpraa mit einem Satze auf den Tisch und blieb, durch das schallende, laute Gelächter ganz coosternirt, auf demselben s lange stehen, bis der Präsident ihn hinabsteigen hieß. De Anblick war überwältigen' komisch; selbst Richter unb Staate anwalt konnten sich ber Heiterkeit nicht erwehren.

* Gedichte nach Gewicht. Zehn Zentner Gedichte gingen in Winbsorcastle anläßlich deS Todes beS P-inze» v>, Battenberg ein. 747 Gebichte lagen in Prachteuveloppr Noch weit mehr Gedichte und zwar die unglaubliche Mengt von 47 Centnern, gingen bei der Geburt des letzten UreuMi der Königin, dcS kleinen Prinzen von Uork, ein! Gelesen wird natürlich keines.

Citeratur und Knnft

Don der Volksausgabe von Biedermanns »Dretßtz Jahre deutscher Geschichte^ (Breslau, Schlesische Buchdrucker« Kunst- und Verlage-Änstall von S Schotllaender) find soebu Lieferung 7 bis 12 erschienen. Diese neue nun complet DorliegtnU Ausgabe des vortrefflichen, von den Blättern der vnfchiedenfla Parteien mit gröiter Aneikcnnung begrüßten Werkes macht dirsn nicht nur für Gelehrte und Hochgebildete, sondern für weitere Krell, bestimmte Buch auch äußerlich durch den bedeutend ermäßigten Preß (6 Mark statt 10 Mark) zu einem Volksbuch. D«S Weik, ^welche in feinem Hauptlheile die Zeit von 1840 bis 1870 behandelt, ob« durch einen Rückblick auf die Zeit von 1815 bis 1840 und durch h der neuen Ausgabe beigefügte Ü bersicht der 25 Jahre deS neuer Deutschen Reiches die deutsche Geschichte von 1815 biS zur Gege» wart bietet, ist würdig, in jedem deutschen Hause eine Heimstätte n finden.

In wenigen Tagen erscheinen im Lerlage der Renger'i-u Buchhandlung, G bhardt & W'lisch in Leipzig, solgende hoch interessanten, mit Professor RSntgevS Strahle« aufgenommrm und in Lichtdruck oufgesuhrten Abbildungen: 1. Hand mit Hav^ ge enk und beiden Röhren. 2. P ittelarmgelenk. 3. Hand mit ge brcch-nem und wieder geheiltem Finger. 4. Theil einer Hand wi: Doppelbruch. 5. Fuß. 6. Ein Stück Fleisch von 8 Eentimeter mit einer eingeschobenen Kugel. 7. Fi ch (Flunder) 8 Frosch, Mar; 9. Reißzeug. 10. Reißzeug und Schnupftabaksdose aus Hartgumm mit Geldstücken und Feder. Format 28 bis 19 Eentimeter. Prest pro Blatt 60 Pf. Preis von Blatt 1 bis 10 in Umschlag 5 Mk Weitere Aufnahmen sind in Vorbereitung Die Bilder übertreffe, an Schärfe und Plastik alle bis j tzt hergestelllen Photographin ebenso sind die Gelenke in einer bis jetzt noch nicht erreichten An und Weise detatlltrt. Die Platten sind ohne jede Retouche über, tragen und sämmtlich im Laboratorium des Herrn Max Kohl, PrLcrstonsmechantker in Chemnitz, mit tinem Jnductorium Itira Fabrik von 330 Millimeter Funkenlänge und einer überklebt« Röntgen'schen Röhre hergefiellt. Die Aufnahmen I/IV sind a lebenden Personen vorgencmmen. Die Expofittorszetten sind eir den einzelnen blättern angegeben, ebenso der Röhrenabstand. Dm Versuchen wohnten die Herren Dr. Dr. med. Stoffel, Praeger, Meyer und Zichau bei, unter Mitwirkung deö Herrn Phoiograpd Rud. Pause tn Chemmh.

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Domanial-Jagd Verpachtung.

Montag, den 2. März l. A. Vormittag- lOVz U&t, sollen im M-otel zum eiern* in Nidoa nachstehende leihfällig gewordenen Domanial- jagdbezirke auf weit re 12 Zahre verpachtet werden:

1. Oberförsterei Eich.ltdorfr Nr. 1 (in Gemarkung Eichelsdorf und Ober- Schmitten) ca. 3b3 ha Wald und 21 ha Feldgrundstücke sowie Jagd­bezirk Nr. V (in Gemarkung Langd und Ulfa) = ca. 508 ha Wald und 44 ha Feldgrundstücke umfassend.

2. Oberförsters «revenhatnr Jagdbezirk Nr. II (in Gemarkung Breunges, Hain, Sichenhausen und Kaulstos) ca. 85 ha Wald u 5 pa Feldgrundstücke umfassend

3. Obcrsörsterei Nidda r Jagdbezirk Nr. II (in Gemarkung Wallernbausen) 85 ha Wald Jagdbezirk Nr. V (in Gemarkung EtchelSdorf, Fauerbach, Michelnau und Unter-Schmitten) ca 628 ha Wald und 31 ha Feldgrund­stücke, Jagdbezirk Nr. VI (in Gemarkung Fauerbach und Glashütten) ca. 475 ha Wald und 50 ha Feldgrundstücke umfassend

4. Oberförsterei Schotten: Jagdbezirk Nr. I (tn Gemarkung Burkhards, Bufenborn, E'chels chsen, Eichenrod, Glashütten und KaulstoS) ca. 808 ha Wald und 69 ha Feldgrundstücke umfassend,

Bewerber, deren Qualifikation zur Jagdpachtung nicht notorisch vorliegt, wollen sich innerhalb 14 Tagen bei der unterfertigten Stelle hierüber genügend auflroetfen.

Nidda, den 12. Februar 1896.

I A>: Großherzogliche Oberförsterei Nidda- ___________________________Hallwach 6. 1169

Holzversteigerung.

Mittwoch den 26. Februar, Vormittags 10 Uhr beginnend, sollen nachstehende Holzsortimente in hiesigem Mark- und Gemeindewald versteigert werden, als:

3 StämmrEichen-Schnittholz, 6fm haltend,

5 Stämme Eichen - Schwellenholz, 1,80 fm haltend,

8 Stämme Eichen-Bauholz, 2 fm haltend,

8 Stämme Nadelholz, 4 fm haltend, 54 rm Kiefern-Nutzknüppel, 3 und

6 m lang,

46 rm Kiesern-Knüppel,

108 Eichen- und Nadel-Reisig,

28 ,, Stöcke,

40 ,, Fichten Bohnenstangen,

Der Anfang ist im Hinterwald, nächst dem Markweg, bei dem Eichen- Schwellen- und Schnittholz.

Muscheoheim, 17. Februar 1896. Großh. Bürgermeisterei Muschenheim. 1644___Roth

835) Rähunierricht im Damen rieidermachen und LvetßnLden wird aründl. enhttlt, sow auch Ueuanfer igung best. ausges. Frantsurterstr. VS, 1.1.

Slkllnhlih-Dkrstelgkrllug.

BbcrsörsterriBrsndoberndorf.

Mittwoch den 26. Februar 1896, Vormittags 10 Uhr, in der Hof mann'scheu Wirthschaft zu Cleeberg aus:

Distr. 9 Einhäuserfeld. Eichen: 35 rm Scheit und Knüppel, 9,75 Hdt. Wellen.

Distr. 12b, 13b u. 13c Streitwald und Königshofen. Eichen: 88 rm Scheit und Knüppel, 28,20 Hdt. Wellen; Buchen: 59 rm Scheit und Knüppel, 6,00 Hdt. Wellen.

Distr. 20 Westerburgerheck. Anderes Laubholz: 896 rm Reiser 4. Kl.

Distr. 27b Kleebaum. Eichen: 2 rm Scheit und Knüppel, 0,25 Hdt. Wellen; Buchen: 57 rm Scheit und Knüppel, 8,75 Hdt. Wellen.

Vrandobervdorf, den 17. Febr. 1896.

Der Oberförster:

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