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23/02/1896 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 23. Februar

Zweites Blatt.

1S^6

Nr. 46

Anrts- und Anzeigeblntt für den Ttreis Gieren.

1 Hratisbeikage: Gießener Jamitienbtätter

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Februar:

Feuilleton

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All: Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Dorm. 10 Uhr.

zelkgenheit, in der Du mich wahrscheinlich beehrst, ernst« harst aufzujaffen."

Die Gießener Jamilien V täller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigeleot.

ia

Der chirhener Anzeiger erscheint täglich, nrit Ausnahme deS Montags.

Nein, Onkel I"

öie heißt baß Mädchen?" fragte er wegwerfend.

Ein unbändiger Trotz letzte sich in mir fest.

Ich werde Dir den Namen der Dame nicht nenne», lange Du in diesem Tone von ihr sprichst."

Na," weinte er gleichwüthig,thut ja auch nichts zur

Besondere Bestimmungen.

1) Zur Musterung haben sich, bei Meldung der gesetz­lichen Strafen, zu stellen:

Diejenigen, dem Großherzogthum Hessen oder einem andern Staate des deutschen Reiches angehörigen Militär­pflichtigen, welche

a) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil ihre Heimath oder ihren ständigen Wohn­sitz haben und sich nicht in einem andern Theile des Großherzogthums Hessen oder einem andern Staate in einer der nachstehend unter b) ange­gebenen Eigenschaften aufhalten;

b) in einer Gemeinde des Kreises Gießen sich als Dienst­boten, Haus- oder WirthschaftSbeamte, Handlungs­diener und Lehrlinge, Handwerksgesellen und Lehr­burschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, oder die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstalt in einer Gemeinde des Kreises Gießen besuchen;

c) in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder während ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren sind, und weder im Großherzogthum Hessen, noch in einem andern deutschen Staate Domicil be­sitzen oder sich aufhalten;

und im Jahre 1876 geboren sind;

ferner

Sämmtliche Militär pflichtige, welche im Jahre 1894 bezw. 1895 zur ückgestellt worden, oder nach ihrer gezogenen Num-

vikrteljährigrr Aöounementsprei«» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

tttbaction, Expcditio» uud Druckerei:

Schntstraße Ar,7.

Fernsprecher 51.

Samstag den 21. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Loosziehung

III. Zu Grimberg im Gasthaus zum Rappen.

Montag den 23. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Belters­hain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Kesselbach und Lauter;

Di-nstag den 24. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lindenstruth, Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingtzhausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und WeiterS- hain.

Mittwoch den 25. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Loosziehung

mer disponibel geblieben, d. h. nicht ein­berufen worden sind.

Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder Be­rechtigung zum einjährig'freiwilligen Militärdienst ertheilt worden ist.

2) Diejenigen Militärpflichtigen, welche zum zweiten- oder drittenmale erscheinen, haben ihre Loosungsscheine mitzubringen.

3) Wenn von einem Militärpflichtigen, oder für einen solchen von seinem Vater, oder seiner Mutter Zurück« llellung in Anspruch genommen wird, so ist für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforder­lichen Nachweise und Zeugnisse vor dem zur Musterung an­beraumten Termine zu sorgen. Die Zeugnisse müssen amt­lich ausgestellt oder beglaubigt sein.

Wenn die Zurückstellung auf die Arbeitsunfähig-- feit eines Familienangehörigen gegründet wird, so hat der betreffende Familienangehörige sich selbst persönlich im Termin vor der Ersatz-Commission ein* zusinden.

Noch nicht eingereichte Zurückstellungsansprüche sind bei der Großherzoglichen Bürgermeisterei vorzubrinqen und die Verhandlungen baldigst ureter alle« Um­stünden vor Beginn deS GrsatzgeschüfteS an die Ersatz-Commission einzuscnden. Verspätete Gesuche haben keinen Anspruch auf Berücksichtigung. Frühere Recla- mationeu, welche pro 1896 erneuert werden sollen, sind mittelst Berichts einzufordern.

4) Wenn ein Militärpflichtiger an Gebrechen leidet, die äußerlich nicht wahrnehmbar sind, z. B. Taubheit, Hart­hörigkeit, Kurzsichtigkeit, Geistesschwäche u. s. w., so ist dies durch amtlich ausgestellte oder beglaubigte Zeugnisse des Arztes, sowie des Bürgermeisters, Geistlichen, Lehrers u. s. w. nachzuweisen. Da- Vorhandensein von Epilepfie ist durch die eidliche Erklärung von windesteus drei glaubwürdigen Zeugen zu erhärten.

5) An der Loosziehung persönlich Theil zu nehmen, steht jedem Militärpflichtigen frei; für Diejenigen, welche bei. dem Aufrufe nicht anwesend sind, zieht ein Mitglied der Er­satz-Commission das Loos.

6) Die Großherzoglichen Bürgermeisterei^» haben sämmtliche ihrer Gemeinde angehörigen oder in ihrer Gemeinde gestellungspflichtigen Militärpflichtige auf Grund der ihnen bereit- zugeganaeneu Stammrollen zu der Musterung vorzuloden. Bemerkt wird hierbei, daß Mttü tärpflichtige, welche sich au-wäri- aufhalte«.

söirte wich.

Onkel," rief ich,ich ersuche Dich ergeben ft, die

Bekanntmachung, da- Erfatzgeschäft pro 1896 betreffend. Die Musterung und Loosziehung der Militärpflichtigen

des Kreises Gießen für das Jabr 1896 findet an den nach, benannten Tagen statt und zwar :

I. Zu Gictzen in der Restauration Zum Lahnstein", Nordanlage.

Mittwoch den 11. März, Vormittags von 8 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf an der Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen- Buscck, Hattenrod und Mainzlar;

Donnerstag den 12. März, Vormittag von 8 Uhr an: derjenigen der Stadt Gießen der beiden ältesten Jahrgänge (1894 und 1895) und der Gemeinde Großen-Linden;

Freitag den 13. März, Vormittags von 8 Uhr an:

derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1896) der Stadt Gießen rnd derjenigen der Gemeinden Heuchelheim und Klein-Linden-

Samstag den 14. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lollar, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d. Lda., Trohe mb Wieseck;

Montag den 16. März, Vormittags von 8 Uhr an:

Loosziehung.

II. Zu Lich im Rathhaussaale.

Dienstag den 17. März, Vormtttags vv" 9 Uhr an:

Mrrfte-ung

ter Militärpflichtigen der Gemeinden Albach, Bellersheim, Nettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Ettingshausen, Garbenteich und Grüningen;

Mittwoch den 18. März, Vormittags von 9 Uhr an: terjenigen der Gemeinden Hausen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Langd, Lang-Göns und Langsdorf;

Donnerstag den 19. März, Vormittags von 9 Uhr an: terjenigen der Gemeinden Leihgestern, Lich, Muschenheim, Münster, Nieder-Bessingen, Ronnenroth, Obbornhofen, Ober- Bessingen, Ober-Hörgern, Rabertshausen und Rodheim;

Freitag den 20. März, Vormittags von 9 Uhr an: terjenigen der Gemeinden Röthges, Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen und Watzenborn mit Steinberg.

Der gute Dnkel.

Eine tragikomische Geschichte von Anna Behnisch.

(1. Fortsetzung.)

Acht Tage wartete ich vergeblich auf Antwort und so lange vermied ich jede- Zusammentreffen mit Margarethe, weil ich mich scheute, ihr in diesem Zustande ter Ungewiß t)8it gegenüberzutreren. Daß ich ihre Gegenliebe errungen hätte, auch ohne ihr auf der Stelle eine gesicherte Zukunft Mieten zu können, schien mir selbstverständlich, war ich doch 116 ein Herzbrecher bekannt, deff.n Augen noch keinem Mädchen ungesährltch geblieben, und fehlte es mir doch an adern anderen eher, als an dem Bewußtsein meines eigenen WertheS. Nur ihrer Mutter gegenüber war es mir pein­lich, sie um Margarethens Hand zu bitten, weil Mütter in solchen Fragen bekanntlich zuerst die practische Seite der Sache in Betracht zu ziehen geneigt sind.

Am neunten Tage, als ich bei meiner Morgencigarre saß und wiederum in fieberhafter Spannung auf den Schritt bcB Briefträgers auf der Treppe lauschte, fuhr ich über cim stürmisches Klingeln zusammen. Ich stürzte an die Thür, eine teuflische Freude beschlich mich.Du wirft zu einem Schwerkranken gerufen" durchblitzte eS mich wie tim Gefühl des Triumphes da stand Onkel Fritz vor mir.

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Halt' ich die weite Reise gemacht, wennS mir nicht bitterer Ernst wäre?" entgegnete er.

Also." sagte ich im GrabeSrone,Du hast die Wahl getroffen?"

Mein lieber Bruno," sprach er,zum Wählen hatte ich noch keine Ruhe, weil mich die Befürchtungen wegen Deiner ZarechnungSfähigkett, welche mich heute zu Dir sühren, um daS Gletchgewicht meiner Seele gebracht hatten. Doch wollt ich erst acht Tage vergehen lassen, bevor ich Dich aussuche, weil ich hoffie, Du könntest in der Zett von selbst wieder zur Besinnung kommen."

Ich kochte vor Wuth.

yOi fei," versetzte ich bebend,ich bat Dich schon ein­mal um die nölhige Achtung vor einer Sache, die mir heilig ist."

Gern," erwiderte er gemüthlich.Du willst also hei- ratheu, Bruno?"

E-n heroischer Muth durchschauerte mich.

Und hast keinen blanken Heller?"

Ich zuckte die Achseln.

Wie groß ist Deine Praxis?"

Ich fuhr von meinem Stuhl empor.

Onkel, was soll das Verhör? Du kennst meine Verhältnisse."

Gut so kläre mich über die ihrigen auf. Sie hat natürlich Geld?"

Ich suchte dieser Absicht eine angenehmer klingende Form zu geben, der Onkel aber unterbrach mich:Weiß daS Mädcheü von diesem Plan?"

Wie sollte sie? Se weiß noch gar nichts."

Ihr seid also noch nicht einig?"

Der Onkel war sehr erstaunt. Das benutzte ich und warf mich in die Brust.

Ich würde es geradezu für unrhreuhast halten, ei« Mädchen um sein Jawort zu bitten, bevor ich ihm ein aus­kömmliches Leben zu schaffen im Stande bin."

Der Onkel lächelte.

Doch Deinem Ehrgefühl widerstrebt eS nicht, daS er­wähnte auskömmliche Leben aus fremdem Beutel zu bezahlen? Nach meiner Meinung muß ein ganzer Mann zeitlebens a«f eigenen Füßen stehen, und weil ich Dich zu einem ganze« Manne machen will, schlreße ich meine Tasche für Dich zu. Daß Ihr noch nicht versprochen seid, erleichtert die Geschichte übrigens wesentlich. Du haft nun wenigstens nicht nöthig, daS Verhältniß zu lösen."

Die Kaltblütigkeit, mit der Onkel Fritz den Fall ab- that, brachte mich zum Rasen. Mit übermenschlicher An- strengung zwang ich mich zu äußerlicher Ruhe, als ich ent­gegnete:Ich erlaubte mir bereits, Dich schriftlich darauf ausmerksam zu machen, daß ich ohne die Dame, die ich über alles liebe, nicht leben kann."

Schnickschnack!" Onkel Fritz erhob sich.Rede, Du Windbeutel, mir von ewiger Treue. Wer schon einem halbe« Dutzend hübscher Mädchen den Kopf verdreht hat, hält auch an der siebenten nicht fest. Hör mir überhaupt von Liebe auf! Wenn Du mir sagtest, daß Du eine Frau suchst, weil Dir das WirthShauSessen nicht mehr schmeckt oder weil Deine Oberhemden schlecht geplättet sind, würde ich wenigstens Mitleid mit Dir haben. Aber Liebe nein, mein Jange, so waS gibtS für mich nicht!"

(Fortsetzung folgt.)

Gießener Anzeig er

Kemrat-Anzeiger.

starrte ihn wie versteinert an.

Mein Junge," sagte er ruhig,ich komme, um PulS zu fühlen."

Die Ueberlegenheit, mit der er mich behandelte,

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Sache. Das Factum, daß sie kein Geld hat, genügt schon. I. Du willst also mit Deiner Frau von meinen Zinse« leben?"

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Der Vorstand.

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