WIVSrse* in eine von der bisherigen Form des BörsenhandelS ^äußerlich abweichende Gestalt stch kleidet. Entscheidend ist vielmehr der wirthschaftliche Character der stattfindenden geschäftlichen Abschlüffe unb Zusammenkünfte von Kaufleuten, insbesondere ihre Einwirkung auf die Preisgestaltung außerhalb der an den Abschlüffen unmittelbar beteiligten Kreise.
Betlin, 19. December. Wie die „Börsen-Zettuug" zu berichten weiß, ist eS in politischen Kreisen sehr aufgefallen, daß der Kaiser auf dem Diner beim Reichskanzler mit dem Fürsten von Pleß, einem der früheren Eandtdaten für den PrLfidentenstuhl im Herrenhause eine längere Unterredung gepflogen hat. Wie daß Blatt hört, hat Fürst v. Pleß fich bereit erklärt, daS Präfidium anzunehmen.
verliu, 19. December. Den „Berl. „Neuest. Nachr." zufolge hat Herr v. Levetzow im Borans die Annahme einer eventuellen Wahl -um Präsidenten des Herrenhauses abgelehnt.
Betlii, 19. December. Staatssekretär Freiherr von Marschall ist von seinem Unwohlsein wiederhergestellt MMb hat heute im Auswärtigen Amt seine AmtSgeschäfte wieder übernommen.
• Der Bürgermeister in Röthen. In Nassau war der in dem Dorfe H. angestellte Pfarrer L. in weiten Kreisen als eigenartige Persönlichkeit bekannt und wegen seines segens« reichen Wirkens allseitig beliebt. Zahlreiche Scherze werden von ihm erzählt, von denen einer hier mitgetheilt werden soll. Der Pfarrer L. bildete in seiner Gemeinde für fich allein die erste Steuer- und daher auch bet gelegentlichen Wahlen die erste Wahlklaffe allein. Bei einer solchen Wahl findet er fich auch ein und antwortet auf die Frage, wen er bestimme: „Herrn Pfarrer L. zu H.," also fich selbst. — „Nehmen Sie die Wahl an, Herr Pfarrer?" — «Nein." — Erstaunen zeigt fich auf dem wettergebräunten Geficht des Bürgermeisters, dem ein solcher Fall noch nie vorgekommen. Aufgeregt sucht er nach den gesetzlichen Bestimmungen, um zu sehen, was nun zu thun ist. „Da der Gewählte die Wahl ablehnt, schreiten wir zu einer Neuwahl. Wen wählen Sie, Herr Pfarrer?" — „Herrn Pfarrer L. zu H.," war die gleiche Antwort. — „Nehmen Sie die Wahl an?" — „Nein." — Erhöhtes Erstaunen und gelinde Verzweiflung malt fich auf der strengen Miene des Wahlvorstandes. Was nun thun? ES bleibt nichts Anderes übrig, als eine dritte Wahl anzusetzen. Beklommen fragt nun wieder der Bürgermeister : „Wen wählen Sie, Herr Pfarrer, da auch die zweite Wahl kein Ergebniß gehabt hat?" — „Herrn Pfarrer L. zu H." — „Nehmen Sie die Wahl an, Herr Pfarrer?" — „Ja, nachdem ich nun zum dritten Male durch das allseitige Vertrauen meiner Mitbürger berufen bin, kann ich nicht um*
hin, die Wahl anzunehmen." Sprach'- vnd befreite bei Bürgermeister auS der größten Verlegenheit seines Lebens.
• Sin eigenartiger Unfall ere gnete fich am Montag in Berlin. Em durchgegangenes ArbeitSgespann hat dort in der Markgrafeustraße in Berlin einen Schaden von mindestens 3000 Mark angerichtet. Nachmittags ging ein mit zwei feurigen Pferden bespannter, mit Röhren beladener Wagen in der Näbe des Schauspielhauses durch. In einem großen Bogen sauste daS Gespann in die Mark- grafenfiraße hinein. Beim Anprall an die Bordschwelle deS östlichen Bürgersteiges flog der Leuker vom Bock hinab mit dem Kopf voran in die Thürscheibe eine« Architectur-Auti- quariat« an der Ecke der Markgrafen- und Taubenstraße unb fauste noch drei Meter weit in den Laden hinein. Ein Pferd rannte in ein Schaufenster, stand zur Hälfte im Laden, warf das AuSstellungSpodium um und zerstampfte die Bücher und was sonst da war. DaS Thier hatte fich die Schlagader durchgeschnitten und mußte später vom Abdecker geholt werden- daS zweite Pferd stürzte und blieb^unverletzt.
• DaS am höchsten gelegene Mpeutwrf. In der Schweiz ist das am höchsten gelegene Dorf Inf im Thale der AVer«, 2133 Meter über dem Meeresspiegel. Auf italienischem Gebiete, südlich vom Monte Rosa, findet fich aber ein Dorf, daS noch etwa 20 Meter höher liegt und zwar ist eS Rerh, 2151 Meter über dem Meer. Die 120 Einwohner des Dorfes überwintern auch in dieser Höhe. Rery liegt in dem Betta-Forcapaffe, der von Gressouey nach AyaS führt. DaS dritthöchste Dorf T r e p a l l e im Bal Livigno, 2069 Meter über dem Meeresspiegel, gehört ebenfalls zu Italien. DaS vierthöchste und fünfthöchfte find Avsrol (2035 Meter ü. M.) und Saint-Böran (ebenfalls 2025 Meter ü. M.), beide in dem französischen Savoyen gelegen.
• In GrimSby in England waren die Fischer deS Ortes zu einem Gottesdienst versammelt. ES galt, 19 Gedenktafeln zu enthüllen. Darauf standen die Namen von 200 Fischern von GrimSby, welche in den Jahren 1894 unb 1895 ertrunken finb.
Literatur unb Kauft.
— Unter der großen Flnth litterarischer Erzeugnisse, die fich auch dieses Jahr wieder auf den WeihnachtSmarkt ergießt, ist es dankbar zu begrüßen, wenn man einem Werke begegnet. Vas fich von allen durch seinen vornehmen Inhalt auSzetchnet, „Gott mit Friedenspredigten vom Kriege 1870/71 vom evangelischen Geistlichen der Armee. Herausgegeben von Th. Hammer. Der Erlaß deS Kaisers „An mein Heer" war ergangen nnd überall rüstete man sich, die Feier der Wiederkehr der Tage von 1870 festlich zu begehen. Glühende Worte der Begeisterung waren eS, die die Feldgeistlichen, erfüllt von ihrer hohen Aufgabe an Beterane und Soldaten, richteten, gedenkend der schweren Tage edelster Pflichttreue unb deS schönen Erfolges jenes furchtbaren Ringens, des glücklich vereinten Vaterlandes. Der Grundton des ganzen Buches findet am besten Ausdruck in dem letzten Vers deS
Geibel'schen LiedeS: »Der Herr hat Großes an uns aethan". 3i buntem Wechsel ziehen die einzelnen Schlamm an dem Leser vorüber, gleichsam eine Geschichte deS Krieges in Predigten bildend. Grave« lotte, St. Privat, Beaumont, Sedan unb wie die IkuhmesüLtten heißen, finden wir verherrlicht, denen sich die KaiserproclamativN unb eine BtSmarcksrede anschließt, Richt zu guterletzl dürfte b'.c markige Ansprache des Militärobcktzssaners Bußler bei der Abfahrt der Veteranen nach den Schlachtfeldern von Mctz hervorzuheben za sein. Wir glauben mit Recht, diesem gediegenen Buche eine Stätte auf dem WeihnachtSttsche unserer lieben Veteranen wünschen z» dürfen, wird es doch keiner, der eS nach deS Tages Last zu einer Stunde der Sammlung in die Hand genommen, ohne Erbauung wieder weglegen. Preis gebunden 5 Mk., ungebunden 4 Mk. w
— Weihnächte» in bei Küche! Fast in jedem Jahr bringt die Jaeger'sche Verlags-Buchhandlung in Frankfurt a-M. einige Neuheiten für die Küchenbibliothek. Sie geht offenbar von der ebenso practischen wie richtigen Ansicht aus, daß die Bücher dorten meist häufiger und dringlicher benothigt werden, als io manches schön eingebundene Buch im Wohnzimmer, im schönen Bücherschrank. Sa erhielten wir vor Kurzem das Pröpper'sche vortreffliche Büchlein „Eigner Herd". Guter Rath für junge Hausfrauen unb solche, die eß werden wollen. Ein wirklich echtes Volksbuch, dessen Inhalt jedem Mädchen, jeder jungen Frau zugänglich gemacht werden sollta. (Preis Mk. 1.) Heute erhalten wir zwei weitere Neuheiten unb zwar erstens: „Die Reste und ihre Verwerthung" von der bekannten Frau L. v. Pröpper. Das Buch ist dadurch, daß e« in 450 Re- cepten, der erfahrensten wie der juvaen Köchin Ralhschläge zur practischen, sparsamen und doch schmackhaften Berwerthung der übrigen Speisen gibt, ein wahrer Schatz für jede« HauSwesen unb ein Anhang zu jedem Kochbuch. Der Anschaffungspreis (Mk. 1.80) für das gefällig ausgestattete Buch ist gewiß in kürzester Zett lOOsach eingebracht. Zweiten« erhalten wir in einem eigenartigen (abwaschbaren) Einband „Das erste Kochbuch für den jungen Haushalt" von Thereie Wilhelmil. Die Verfasserin verdient sich mit dem Buche den Dank aller Männer, denn sie hat die vorzügliche, hier »um ersten Male durchgeführte Idee, daS Kochbuch so zu gestalten, daß jedes Mädchen ohne Dorkenntnisse sofort und „ohne Gefahr" gut danach kochen kann. Die Masse und Gewichte der einzelnen Zuthaten sind alle ganz genau angegeben unb „nach Gutdünken", dies gefährliche Wort, fällt ganz fort. Dabei ist die Auswahl der sämmtlich durchgeprobten Recepte eine übersichtliche, nicht verwirrende und reicht auS für das bürgerliche „Supp', GemüS' unb Fleisch", wie für Gäste unb VorrathSkammer. Für Mk. 2.40 ist die« Buch, dem außerdem noch ein vortrefflich eingethelltes „Selbstschriften- Kochbuch" zum Einträgen eigener Recepte beigegeben ist, wirklich eine vortreffliche Anschaffung für jede« Hauswesen, wie wir denn auch überzeugt sind, daß daS Buch sich rasch in dm Kreisen unserer deutschm Haussraum einbürgern wird.
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von Elten & Keussen, Fabrik und Handlung, Crefeld.
THEE-MESSMER
BERÜHMTE MISCHUNGEN K 2 BO k 0.10 PR. PFOMD. PROMPACK UTE 60 k «O PK.
Spar- und Leihkasse Gießen.
Wir bringen hierdurch zur Kenntniß der Interessenten, daß uns auch in diesem Jahre eine Summe zur Prämiirung von Dienstboten des Sparkassenbezirks zur Verfügung gestellt wurde. Prämien können von fünf zu fünf Jahren nur solche Dienstboten im engeren Sinne erhalten, welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und fich über gute Führung durch Zeugnisse ausweisen können.
Von Vollendung der fünf Jahre kann nur dann im letzten Dienstjahre abgesehen werden, wenn der Dienstaustritt durch Einberufung zum Militär, durch Auflösung des Haushaltes der Herrschaft, oder durch Gründung eines eigenen Haushalts erfolgt.
Es werden hiernach alle diejenigm Dienstboten, welche nach vorstehenden Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, aufgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines Zeugnisses der Herrschaft über gute Führung, sowie eines etwaigen Sparkassenbuchs bei unserer Kasse oder der Großh. Bürgermeisterei des Wohnorts bis zum 584. I. M. zu melden.
Gießen, am 8. December 1896.
Die Direction des Spar- und Leihkaffevereins.
I. E.: Wiener.
Spar- und Leihkasse Gietzen.
Im Monat December l. I. werden bei der unterzeichneten Kasse jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag Zahltage abgehalten. Die Einleger werden ersucht, an diesen Tagen unter Vorlage der Einlagebücher ihre Zinsen in Empfang zu nehmen oder beischreiben zu lassen. Zinsen, welche bis zum 1. Januar n. I. nicht erhoben oder beigeschrieben sind, werden in den Büchern der Kasse ohne Weiteres zugeschrieben und von diesem Tage an verzinst. Es brauchen hiernach alle diejenigen Einleger im December nicht zu erscheinen, welche nur Zinsen beischreiben lassen wollen, dies kann vielmehr ganz ge-. legentlich im Laufe des nächsten Jahres geschehen.
Gießen, den 28. November 1896.
Spar- und Leihkaffe Gietzen.
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