Ausgabe 
22.10.1896 Erstes Blatt
 
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Wt. 249 Erstes Blatt. Donnerstag den 22 October

Der Hieße«,r Anzeiger erscheint täglich, xiit Ausnahme des MontagS.

Die Gießener Aamitienöläiier werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt,

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Licrteljähriger Aöonnementspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Rcdaction, Expedition und Druckerei:

Kchukstraße Zlr.7.' Fernsprecher 51.

Anrts- und Anzeigeblntt füv den Tiveis Gieszen.

Hratisöeitage; Hießener Aamitienötätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

dAlle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehme« i Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen, i

Amtlich«* Lh«il.

Bekanntmachung,

betreffend: die Abhaltung von Viehmärkten im Kreise Gießen.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß Großh. Ministerium des Innern die Abhaltung der Viehmärkte in Allendorf a. d. Lda. am 11. November, Gießen am 17. und 18.

Grünberg am 12.

Hungen 2. und

Lang-Göns 3.

unter folgenden Bedingungen gestattet hat:

1. Für den Auf- und Abtrieb ist den Anordnungen des Kreisveterinäramts gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen.

2. Auf den Markt dürfen nur Thiers aus unverseuchten Orten des Großherzogthums Hessen, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens sieben Tage in unverseuchten hessischen Orten in seuchefreiem Zustand zugebracht haben, aufgetrieben werden.

3. Außer der Controls der Ursprungszeugnisse hat selbstverständlich auch die thierärztliche Besichtigung der Thiere vor dem Auftriebe zu erfolgen.

Gießen, den 20. October 1896.

Grobherzogliches KreiSamt Gießen.

I. B.: Dr. Meltor.

Bekanntmachung.

Unter dem Rindvieh des St. Feußner und I. Nau­mann zu Cölbe (Kreis Marburg) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Gießen, den 19. October 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

_______________I. V.: Dr. Meltor._____________

Neueste Nucheschte«»

WolffS telegraphische- Corresponberrz-Bvremr.

Berlin, 20. October. DieBerl. Corresp." schreibt: Um die Beleihung von Privatlagern der Zucker­fabriken unter steueramtlichem Mitverschluß deS lagernden Zuckers zu erleichtern, ermächtigte der Finanzmiutster die Provinzialsteuerbehörden, auch Privatbanken gegenüber die Mitwirkung von Steuerbeamten bet Uebertragung des Pfand- besitzeS in gleichem Umfange und zu den gleichen Bedingungen zu gestatten, wie solches bereits früher der Reichsbank gegen­über zugelaffen war.

Berlin, 20. October. Die Verausgabung der Ge­winne der Serien A und B der Lotterte der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 erfolgt vom 1. November ab tu Berlin, Zimmerstraße 34. Auf Wunsch und auf Kosten der Empfänger werden die Gewinne auch nach außer­halb versandt.

Wiesbaden, 20. October. Der Kaiser stattete heute Vormittag 10 Uhr der Prinzessin Louise von Preußen einen Besuch ab und fuhr daun nach Biebrich zum Besuche deS dort wohnenden Prinzen Heinrich vou Waldeck. Die Kaiserin besuchte heute Vormittag die Kaiser-Wilhelm- Mtlitärheilanstalt. Gestern Nachmittag stattete die Kaiserin auch dem katholischen St. Joseph HoSpital einen längeren Besuch ab.

Wiesbaden, 20. October. Der Kaiser von Ruß­land, Großfürst SergiuS, sowie der Großherzog von Hessen sind um 12 Uhr 40 Min. hier eiugetroffen. Kaiser Wilhem, der russische Uniform trug, empfing die Gäste am Bahnhofe. Der Kaiser von Rußland hatte die Uniform seines Preußischen Regiments angelegt. Vom Bahn­höfe bis zum Schloß bildeten Truppen Spalter. Die dicht gedrängte Volksmenge begrüßte die vorbetfahrendeu Herr­schaften mit lebhaften Hochrufen. Die Rückkehr nach Darm­stadt erfolgt um 4 Uhr Nachmittags.

Wiesbaden, 20. October. Die 25. Generalversammlung des internationalen Vereins der Gasthofbesttzer, die vom 19. bis 22. dss. MtS. hier abgehalten wird, nahm heute mit allen gegen zwei Stimmen folgende Resolution gegen das Jnnungrwesen au:Die Generalversammlung hält die Einführung von JnnungSeinrichtuugen in irgend welcher Form, freiwillig oder obligatorisch, alS für unser Gewerbe ungeeignet und für die uothwendige Entwickelung deffelben störend und beauftragt den Vorstand, dahin zu

wirken, daß deren gesetzliche Einführung in unser Gewerbe verhindert werde." Ferner beschloß die Versammlung, die Wahl deS Ortes der nächsten Generalversammlung dem Auf- fichtSrathe zu überlasten. Bezüglich der heftigen Angriffe deS Newyork Herald" wurde beschlossen, dem Auffichtsrathe den Modus der Vertheidigung zu überlassen.

Köln, 20. October. DieKölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die Eisenbahndirecttonen Berlin, Dresden, München, Stuttgart und Karlsruhe haben sich auf den An­trag der deutschen Commission für die Brüsseler Welt­ausstellung im Jahre 1897 bereit erklärt, für die Aus­stellungsgüter Frachtvergünstigungen dahingehend zu gewähren, daß diese Güter frachtfreie Rückbeförderung er­fahren sollen. Diese Vergünstigungen beziehen sich auch auf die Strecken der Main-Neckar-Bahn und der Reichsländischen Eisenbahnen.

Elbing, 20. October. Wie dieAltpreußische Zeitung" meldet, wurde heute vor dem Schwurgerichte gegen den Fischer und Eigentümer Gottschalk, dessen Ehefrau und Sohn verhandelt. Die Angeklagten hatten in der Nacht vom 4. zum 5. August d. I. in ZrherS Vorderkampen Feuer an­gelegt, durch welches die aus sechs Personen bestehende Familie Salewskt umS Leben kam. Gottschalk wurde zu lebens­länglichem, seine Ehefrau zu sieben Jahren Zuchthaus und der 16 Jahre alte Sohn zu sieben Jahren Gefängniß ver- urtheilt.

Weimar, 20. October. Der heutigen Sitzung des deutschen Gewerbekammertages wohnten Geh. Re- gterungSrath Wilhelmi vom Reichsamt deS Innern, sowie Geh. RegterungSrath Slevogt und Oberbürgermeister Pabst, beide aus Weimar, bei. Die Versammlung erklärte sich mit den Grundpriucipien deS Entwurfs der Handwerkerorgaoi- fatton auf der Basis der ZwaugSinnung einverstanden. Da­für sprachen sich aus Bremen, Cbemnitz, Dresden, Hamburg, Leipzig, Lübeck, München, Plauen, Würzburg, Weimar und Zittau, dagegen Lndwigshafen, Nürnberg und Stuttgart.

Brüssel, 20. October. DieReforme" veröffentlicht die Gruudzüge eines Gesetzentwurfs betr. HeereS- organ isation, den der Kriegsminister der Repräsentanten­kammer bei der nächsten Tagung vorlegen wird. Danach soll der Militärdienst ein persönlicher sein, der mit gewissen Ausnahmen mit dem 20. Lebensjahre beginnt, 12 Jahre dauert, davon 8 Jahre activ, 4 Jahre in der Reserve. Die mittellosen Familien der unter der Fahne stehenden Soldaten sollen eine hohe Entschädigung erhalten. Die letzten vier der 12 Mtlizklassen sollen in der Reserve dienen, den öffentlichen Sicherheitsdienst und Festungsdienft versehen. Die Bürgergarde, ausgenommen die Spezial­corps, wird aufgehoben und es soll eine Categorie von Freiwilligen eingeführt werden, die große Vorzüge ge­nießen sollen. Das Jahrescontingent der Infanterie ist auf 21,000 festgesetzt.

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Berlin, 20. October. DerRetchSanzeiger" veröffentlicht eine Anzahl Ordensverleihungen an österreichisch- ungarische Offiziere.

Berlin, 20. October. Anläßlich deS Geburtstages der Kaiserin wird Donnerstag den 22. d. M. im Neuen Palais ein Familien-Frühftück und Abends ein großes Diner stattfinden.

Berlin, 20. October. Die Einberufung der beiden Häuser des Landtages der Monarchie erfolgt, wie die Kreuzzeituug" von unterrichteter Seite vernimmt, zum 20. November. Die amtliche Bekanntgabe dürfte morgen erfolgen.

Berlin, 20. October. Der Colonialrath berieth heute Vormittag den Gesetzentwurf, betreffend die Wehrpflicht in den Schutzgebieten und nahm die gemachten Vorschläge im Sinne des KriegSministrrs au. Sodann wurde die Frage betreffend die Erweiterung des Handels an der ostafrikanischen Küste erörtert. Die Regierung beabsichtigt zur Begünstigung des dtrecten Imports von den Colonien nach dem Mutter­lande die Zölle für direct von der Küsteustation auSgeführte Maaren zu ermäßigen.

Berlin, 20. October. Einer der Mörder des Justizrath Levy ist in der Person des 17jährigen SchlofferlehrlingS Große heute Nachmittag 3 Uhr verhaftet worden. Der Verhaftete ist geständig und bezeichnet als Anstifter den früheren bei Levy beschäftigten Schreiber Bruno Werner.

Berlin, 20. October. Die in einem hiesigen MontagS- blatte feiner Zeit aufgestellte Behauptung, die falsche Wiedergabe des Breslauer Zarentoastes sei durch den Oberhofmarschall Grafen Eulenburg veranlaßt

wocden, hat, wie derLoc.-Anz." meldet, zur Verhaftung zweier nach Breslau entsandten Manöver-Berichterstatter deS Freiherrn v. Lützow und des Schriftstellers Heinrich Le ckert-Larsen geführt. Die Staatsanwaltschaft des Königlichen Landgerichts I zu Berlin hat in dem betreffenden Artikel eine verleumderische Beleidigung deS Oberhofmarschalls Grafen Eulenburg gefunden. Freiherr v. Lützow ist nach mehrtägiger Untersuchung wieder entlassen worden, während der Haftbeschluß gegen Leckert-Larsen wegen Fluchtverdacht und wegen CollusionSgefahr noch aufrecht erhalten wird. In dem Ermittelungsverfahren finden seit acht Tagen Vernehm­ungen statt, um event. die Quelle, aus welcher die Nachricht herstammt, festzustellen.

Berlin, 20. October. In der deutschen Colonial­gesellschaft hielt gestern Abend der Afrikareifende Prof. Schweinfurth einen Vortrag über den Sudan. Unter der zahlreichen Zuhörerschaft befanden sich Major von Wißmann, Freiherr von Richthofen, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, sowie Vertreter sämmiltcher Reichs- ämter.

Wien, 20. October. DieNeue freie Presse" bespricht nochmals die Zusammenkunft deS deutschen und russischen Kaisers und kommt zu dem Schluß, daß man sich darüber nicht täuschen könne, daß die russische Politik entschlossen sei, das Wasser von beiden Schultern herablaufen zu lassen, d. h. daß sie weder den Franzosen zu Liebe die Vorthetle der guten Beziehungen zu Deutschland, noch den Deutschen zu Liebe die Vortheile der französischen Freund­schaft preiszugeben gedenkt. Von deutscher Seite habe man sich augenscheinlich darauf bereits eingerichtet- auf französischer Seite werde man, wenn auch mit vielem Weh, nicht umhin können, es ebenfalls zu thun.

Rom, 20. October. Heute Nacht hat ein fürchterlicher Sturm, von wolkenbruchartige m Regen be­gleitet, großen Schaden angerichtet. Die Tiber steht so hoch wie seit Jahren noch nicht. DaS Pantheon und da« Colosseum stehen 25 Ctm. unter Wasser. Die Bahnstrecke Genua-Rom ist unterbrochen, da in der Nähe von Civitavechia ein heftiger Sturm die Eisenbahnbrücke zertrümmerte. E« ist nicht ausgeschlossen, daß sich infolge des schlechten Wetter- die Ankunft des Kronprinzen mit seiner Braut, der Prinzessin Helene von Montenegro, verzögert.

Paris, 20. October. DemEclair" zufolge wird der Zar sofort nach seiner Rückkehr nach Petersburg einen Wechsel in dem Personal der Regierung vor­nehmen. Der Botschafter Baron Mohrenheim soll abberufen werden, weil er dem Zaren von der Reise nach Paris ab- gerathen habe. Gerüchtweise verlaute, Herr v. Giers sei zu seinem Nachfolger bestimmt.

London, 20 October.Morning Post" schlägt heute folgende Lösung der orientalischen Frage vor: Griechenland soll Creta und einige griechische Inseln erhalten, Deutschland einen seiner zahlreichen Fürsten zum König der .Helenen anwelden, Macedonien wird ein Fürstenthum wie Bulgarien, Constantinopel wird dem Sultan überlassen, aber die europäischen Mächte ernennen einen Fürsten, um die Stadt mit einem Theile Klein-AsienS zu verwalten, Frankreich erhält Helena und England setzt sich definitiv in Egypten fest.

London, 20. October. DieTimes" setzt ihre Angriffe gegen die deutsche Presse fort. Deutschland, so führt das Blatt au«, wollte Frankreich und England in der Er­werbung von Colonien den Rang ablaufen, hat aber seit seinen Eroberungen von 1870 seine Ungeschicklichkeit als Emporkömmling noch nicht abstreifen können.

Konstantinopel, 20. October. Nach Consularberichtea auS Kharput fanden in Eghin nach dem Eintreffen amt­licher türkischer Depeschen über geplante armenische Attentate in Konstantinopel seitens der Armenier MassacreS statt. 980 armenische Häuser wurden zerstört und geplündert, 2000 Armenier, darunter 50 Frauen und Kinder, getödtet und deren Leichen von den Soldaten in den Euphrat ge­worfen. Sodann wurden die Geistlichen von den Behörden gezwungen, eine von amtlicher türkischer Seite veröffentlichte Depesche ans Patriarchat zu richten, daß die Armenier die Massacres verschuldet hätten. In Alexaudrew verübten 700 Rekruten große Excesse und plünderten die Häuser. Ein französisches Kriegsschiff ist vou Creta zum Schutze der französischen Unterthanen nach Alexandrew abgegangen.

Berlin, 21. October. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: DaSZusammentreffen des Besuchs des Kaisers von Ruß­land in Darmstadt und des Aufenthalts des deutschen Kaisers in Wiesbaden hat naturgemäß zu einer Be­grüßung der beiden Monarchen geführt, welche frei von allem officiellen Ceremoniell lediglich den Character der Inti-