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Mrsteuhause schuldigen Achtung überschritten haben, vor Ge- richt schleppen. Man schütze das Bolk vor der niederträchtigen Wirksamkeit der Denunzianten, durch die oft der bescheedeue Wohlstand einer Familie völlig zerrüttet worden ist, ganz abgesehen von den moralischen und körperlichen Schädigungen, die ein solcher Prozeß für den Angeklagten stets im Gefolge hat. Beranlastung zu dieser berechtigten Derurtheilung einer sehr häßlichen Erscheinung gibt ein besonder« krasser Fall, der kürzlich die Strafkammer Duisburg beschäftigt hat. Ein Dienstmädchen hatte am 7. August bei der Anwesenheit der Kaiserin in Ruhrort in Gegenwart ihres damaligen Geliebten eine unehrerbietige Aeußerung über den Kaiser gethan. Als vaS Mädchen sich später mit seinem Liebhaber entzweite, zeigte dieser eS wegen MajestätSbeleidigung an. Am Donnerstag stand das Mädchen vor der Strafkammer. Sie gab die unbedachte Aeußerung zu und der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängniß. Der Gerichtshof sprach unter scharfer verurtheilung der Handlungsweise des Angebers und des immer mehr um sich greifenden DenunziantenthumS die Angeklagte frei, da in den BolkSkreisen, denen die Angeklagte angehöre, der gebrauchte Ausdruck nichts Ehrverletzendes habe.
• Görlitz, 16. September. Ein hiesiger Schulknabe Namens Stief wollte die Leiden und Freuden des Manöverlebens kennen lernen und schloß sich einem Truppentheil an. Nachdem er acht Tage lang die Schule geschwänzt hatte, erschien er wieder bei seinem Lehrer, dem er folgendes militärische Schreiben als Entschuldigung überreichte: „Reichen- dach, 13. September 1896. Führungszeugniß für K. Stief, Gefreiten ä la suite der 8. Compagnie Jnfanterie'RegimentS Graf Kirchbach Nr. 46. K. Stief hat sich während seiner lechstägigen Dienstzeit während des Kaisermanövers bei der 8. Compagnie vorzüglich geführt. Er war von Anfang bis zu Ende fleißig, gewandt, aufmerksam und immer bescheiden. Sein dienstliches Verhalten war tadellos, er verspricht ein s<hr guter Unterosfizier zu werden. K. Stief hat allen Märschen und Uebungen beigewohnt, hat mit der Compagnie btwaktrt und Leid und Freud mit ihr getheilt. Seine Aus
dauer war bewuudernSwerth. Die Compagnie entläßt den K. Stief nach Görlitz, seiner Heimathsftadt. Auslagen für Abnutzung von Fußbekleidung während seiner Dienstleistung bei der 8. Compagnie find ihm in Höhe von 12 Mk. baar auSgezahlt worden. K., Hauptmann und Compagntechef im Infanterie-Regiment Graf Kirchöach Nr. 46." Der Junge hatte sich barfuß an den Märschen betheiligr und außer der genannten Summe noch 5 Mk., die nachträglich für ihn gesammelt wurden, mit nach Hause gebracht. Ob dem jugendlichen „Gefreiten" von dem Lehrer auf Grund drs scherzhaften DieostzeugnisieS Verzeihung zu Theil geworden ist, entzieht sich der Oeffentlichkeit.
• Leipzig, 17. September. Um sich der ihm zugedachten Züchtigung zu entziehen, stürzte sich ein Ibjähriger Buchbinderlehrling aus dem Fenster der elterlichen Wohnung auf die Straße herab und blieb sofort tobt.
♦ Interessante Enthüllungen über alles das, was gegenwärtig in Großstädten leihweise zum Gebrauche entnommen wird, finden wir in einer anregend geschriebenen Abhandlung im 2. Heft des „Buch für Alle" von A. Berthold, z. B.: „Da naht ein HochzettSzug! Nicht nur die Wagen, in denen sich Braut, Bräutigam und HochzeitSgäste befinden, find ge- miethet, sondern auch daS Kleid der Braut, ihr Kranz, ihr Schleier, der Frackanzug des Bräutigams, die Anzüge der Brautführer und der Brautjungfern sind geliehen, und wie viel auS Leihgeschäften entnommene Kleider die übrigen Fest- gäfte auf ihrem Körper haben, wollen wir nicht weiter untersuchen. Geborgt sind unter Umständen sogar die Gäste selbst. Wer z. B. in Petersburg zum Mittelstand gehört und ein Festmahl gibt, muß zum mindesten einen General als Gast an seinem Tische haben, sonst ist er blamirt. Nun hat nicht jeder Mensch aus dem Mittelstand einen General, selbst nicht einen penfiouirten, in seiner Bekanntschaft, eS laufen aber in Petersburg ganze Herden von pensionirten und außer Dienst gesetzten Generalen herum. Nichts einfacher also, als mau borgt sich solch einen General, der an der Tafel in Uniform erscheint, außerordentlich gefeiert und respectvoll
behandelt wird, und doch nur ein bezahlter Miethling ist, eine Art lcbenblgtn Schaugerichts."
Gottesdienst in der Synagoge.
Dienstag den 22. und Mittwoch den 23. September. Laobbüttenfest.
1. Tag. Vorabend 6 Uhr, Morgen« 830 Uhr, Nachmittag« 4 Uhr.
2. Lag. Vorabend 7 Uhr, Morgen« 8W Uhr, Nachmittag« 4 Uhr, Abend« 7 Uhr.
GottrMkNst der israelitischen Religionsgesellschaft.
Dienstag den 22. und Mittwoch den 23. September. Süttenfest.
1. Tag. Vorabend 6» Uhr, Dienstag Vormittag 8 Uhr, Nachmittags u^rabenb 7 Mittwoch Vormittag 8 Uhr, Nachmittag 4 Uhr, FesteSausgang 7 Uhr.
Verfebr, €anb* und VoUswirlhjchaft.
•tfttlKte, 19. September. Fruchtpreise. Weizen X 14,34, Rom X 13,90, Gerste X 12,34, Haier ^0^, Erbsen ^ 00.00, Linien 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 0 00, Samen X 00,00.___________
Witterrmgsbericht vom SO. September.
Der größte Theil Europa« gehört einem ausgedehnten De- presstonSgehtetc an, das sich von einem tiefen Emtrum ^or der mttlkren noror9lf6.n KW- MdwS,IS bis mm b.r°°
erstreckt. Der hohe Druck beschränkt sich aus den Süden und Süd' osten des Erdthesis. In Nord- und Mitteldeutschland Herrallenthalben unbeständige Wsiierung. Im Süden Bayern« und ün Alpen- gebiete besteht unter Föhn-Einfluß vorerst noch heitere« und warme«
»oaavSftGttiS« »itUrtsnet
“■ Im Norden Fortdauer der trüben Witterung mit ^tweisen Niederschlägen; im Süden gleichfalls Antritt von unbeständigem Wetter._____________________________ __
„Continental Pneumatik“, bester Radreifen. 78?5
mit 19 Stimmen
Louis Emmelius, Fabrikant
b) aus der Zahl der
Arbeiter.
8382
Behörde anzubringen sind.
Gießen, den 21. September 1896.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Wolfs.
1) August Bock, Drechsler i
2) Julius Bräutigam, Borstensortirer
3) Johannes Diehl, Schneider
4) Ludwig Kreiling, Schreiner von Wieseck
5) Gustav Krüger, Eisendreher
6) Jacob Dillmann, Müller
7) Wilh. Reuschling, Cigarrenmacher von Kl. Linden
8) Karl Ockel, Fabrikarbeiter
9) Johann Schäfer, Lackirer von Steinberg
10) Hermann Strobel, Bäcker
11) Johannes Rudolph, Cigarrenmacher von Wieseck
12) Alwin Andreas, Buchdrucker
ES wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen l daß Beschwerden gegen die Rechtsgültigkeit der Wahl Reichsgesetzes vom 29. Juli 1890, die Gewerbegerichte betreffend, nur Irinnen eines Monats nach der Wahl zulässig und bei der unterzeichneten
Bekanntmachung,
die Wahl der Beisitzer für das Gewerbegericht der Stadt Gießen betreffend.
Bei der am 19. d. Mts. vorgenommenen Wahl der Beisitzer für bas Gewerbegericht der Stadt Gießen sind auf die Dauer von 3 Jahren, >om 1. November 1896 ab, gewählt worden:
a) aus der Zahl der Arbeitgeber.
2) C. A. Faber, Spenglermeister
H
19
H
3) L. Heyligenstaedt, Fabrikant
ff
19
H
4) Konrad Marx, Zimmermeister
H
19
ff
5) Karl Schäfer, Schreinermeister
U
19
ft
6) Konrad Steinhäuser, Buchbindermeister
ft
19
ff
7) Karl Stohr, Schloffermeister
ft
19
II
8) Karl Berg. Schuhmachermeister
ff
18
H
9) Heinrich Leib, Schneidermeister
ft
18
II
10) Heinrich Winn, Maurermeister
II
18
ff
11) Jean Kirch, Restaurateur
n
17
ff
12) Otto Schmidt, Uhrmachermeister
u
17
ff
mit 242 ।
Stimmen
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Kenntniß
gebracht,
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BehördlicheAnzeigen
Wllin-Nkikar-Lahll ©brtljrflifdjet Giitkkllkrlikhr.
Mit sofortiger Gültigkeit ist die Tarif, station Weinheim (Hildebrands Mühlen) in den oben bezeichneten Verkehr einbe- zogen worden.
Nähere Auskunft ertheilen die Güterabfertigungen.
Gießen, den 18. September 1896.
8360 Gr. Direktion.
Versteigerungen
Mittwoch den 23. Sept. I. I., Nachmittags 2 Uhr,
werden im Bieter'schen Saale — Neu, stabt 55 — versteigert:
Sopbas, Commoden, KleidersckrZnke, Glasschränke, 1 Verticow, Tische, Stahlstiche. Oelaemälde, Oeldruck- bilder, 1 Faß Weißwein, 500 Cigarren, 2 Hobelbänke, 1 Partie Werk- Hott, GlaS- und Porzellanwaaren, 1 Regulator, 1 vollst. Bett u. a.
8361 Geißler, Gerichtsvollzieher.
Mittwoch den 23. Sept. Nachmittags 2 Uhr, im ,Adler* zu Gießen versteigere ich öffentlich gegen Baarzahlung:
1 neues Zweirad, 1 Cassaschrank,
1 Pianino, 1 Partie Glaserleisten Versteigerung vorauss bestimmt.
8362 Gugel, Gerichtsvollzieher.
Obstversteigerung.
Freitag den 25. September, Nachmittags 3 Uhr, wird in dem fiscalischen Garten zu Alten-Bufeck die diesjährige Apfel-, Birn- und Zwetschenernte meistbietend versteigert.
Gießen, den 19. Septbr. 1896. Großherzogl. Oberförsterei Gießen.
Block 8383
^mpfbhkmgeiL
G. Mikverfls filiale, 11 Kirchenplatz 11, 3872 empfiehlt
Pa. Emvikilthaltt, Pfd. 90 Pfg. (groß gelocht und vollsaftig), Pa. ZlhwkijlMse, pfd. 80 pfg. (bei 3 Pfd. ä Pfd. 78 Pfg.).
Allerfeinste
Züßrahmbiitttr, Pst. 1,15 Mk. ftinfte Zchiilttbohnk», per 2-pfd.- SSchse 38 Pfg.
Schellfische
M Unb triW »m „Beb.tock“.
Vermiethungen.
8384] Zwei Zimmer nebst Kücke an ruhige Leute (für alleinstehende Dame sehr geeignet) zu oermiethen.
________________Schtllerstraße 5.
8393] Mansardenlogi«. 3—4 Zimmer nebst allem Zubehör, bis 1. November event. früher, zu oermiethen.
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Maurermeister Pfaff, Wehsteinstr. 46.
8368] Freundliches, möblirteS Zimmer, mit separatem Eingang, zu oermiethen.
Gcke Wolf- «. Licherstratze 20.
8356] Ein möbliries Zimmer zu ver- miethen.Wolkengaffe 16, 1k
8367] Ein möblirteS Zimmer und zwei unmöblirte Mansardenzimmer zu miethen. Geltersweg 67, NebenhauS.
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