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Samstag de» 22. August
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Amts- »ind Anzeigeblatt für den "Kreis Gieße«
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Die für den FuhrwerkSverkehr gesperrte Kreisstraße Mlle«dorf—Nordeck kann von Mittwoch, den 2«. d. ?Mts, ab wieder befahren werden.
Gießen, den 21. August 1896.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gag ern.
Mnohme von Anzeigen zu der Nachmittags für den groben Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.
rißt Frist von 8 Tagen.
v. Gagern.
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Gelächter ertönte auf allen Seiten, daS noch verstärkt wurde, als plötzlich SchnurpS die Zielscheibe des neuesten WttzeS wurde. Man hatte ihn plötzlich „entdeckt", d. h. daS Aussehen seiner winzigen Persönlichkeit so posfirlich gefunden, daß man auf den Gedanken kam, sich die Zeit auch mit ihm zu vertreiben.
Der billige, carrtrte Anzug, den er als letzten Ladenhüter aus längst vergangener Saison kurz vor seiner Ab« reise in der Nachbarstadt erstanden hatte, im Verein mit dem hellgelben Strohhut und der etwas schreiend-blauen Cravatte, dienten gerade nicht dazu, in ihm eine ResPectS- Person erblicken zu lasten. Hierzu kam ein vorzeitig allzu üppig gewordener Schnurrbart, den die Natur aus Versehen in ein falsches Gesicht gepflanzt hatte und der deßhalb gerade eine gegentheilige Wirkung hervorbrackte, und die Thatsache, daß Schnurps ein Piucenez trug, besten zu große Gläser seitwärts zu weit über die Augen hinauSragten.
Als die versteckte Bezeichnung „Engländer aus Perle- berg" fiel, fühlte er fich noch ein wenig gehoben, denn die Engländer zählten zu den Weltreiseuden, und in Perleberg wurde eine vorzügliche Glanzwichse hergeftellt. AlS aber der Ausdruck „gelehrter Naucke" fiel, wurde er unruhig, — ein Zustand, der fich noch steigerte, als er die Unvorsichtigkeit beging, fich allen Ernstes dagegen zu verwahren, wofür er ein allgemeines Lachen etnsteckeu mußte.
Zum Glück stand der Gaul wieder auf den Beineu. Und so konnte die Fahri weitergeheu, nachdem man Schnurps allgemein eine „Glückliche Reise" gewünscht hatte, wobei ihm ein besonders zudringlicher Mensch zurief, er möge fich nur gleich ein „Retourbillet" geben lasten. „
Erst später gab man ihm die Aufklärung, daß der Berliner VolkSwitz diesen Rath für alle Diejenigen bereit habe, die man für werth hielt, nach Dalldorf, der großen, städtischen Irrenanstalt, gebracht zu werden.
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. Die Ausführung des Gesetzes, die Entschädigung für an Milzbrand und Rauschbrand gefallene Thiere.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
w Me toeoto. tx8 Breit«.
Dfeienfaen von Ihnen, welche mit der Erledigung untaei Aufloge vom 4. August l. I. (Gießener Anzeiger Mr. 183) noch im Rückstände find, «erden hieran erinnert
^tte bringen lMgSvoll
Der Ofener Anzeiger Meint täglich, Ausnahme deS Montags.
liie Gießener ZSantttenVtälter Wtabtn dem Anzeiger NHötrntlich dreimal beigelegt.
Bekanntmachung,
betreffend: die Maul- und Klauenseuche.
Zu Friedberg und Petterweil, Kreis Friedberg, bic Maul- und Klauenseuche auSgebrochen und Gehöft- <p>me angeordnet worden.
Gießen, den 19. August 1896.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
liegen. Wenn die Frage aber nicht vernünftig und schnell gelöst werde, so könnte sie jederzeit in ein acutes Stadium treten. ,c„
Kopenhagen, 20. August. Der dänische Kreuzer „Ingolf , welcher seit zwei Jahren eine Expedition zur Erforschung der Fahrwasser bet Island unternommen hat, ist heute nach glücklicher Durchführung der Expedition hierher zurück- gekehrt. Die Leitung war dem Commandeur Wandel anvertraut. Die Expedition entdeckte im südlichen Theile der DavtS'Straße einen unterseeischen Höhenzug. Die wissenschaftlichen Resultate find, besonders was Hydrographie und Zoologie anbetrifft, ausgezeichnet. Mehrere neue Thiersormen wurden gefunden.
Christiania, 20. August. DaS Morgenblatt verüffent- licht aus Hamm er fest folgendes Telegramm des MhrerS der „Fram", Capttän Sverdrup au Nausen: „Fram wohlbehalten angekommen. Alles Wohl an Bord. Abgeht sogleich „Tromsoe", Willkommen heim. Nansen antwortete sogleich: Willkommen an Dich und Alle. Hurrah für „Fram . — Nansen reiste um 12 Uhr von hier ab, um der „Fram entaegenzufahren. , .
Petersburg, 20. August. Die nach Nord-Finland zur Beobachtung der Sonnenfinfterniß entsandte russische astronomische Expedition hat aus Tornea telegraphisch die Nachricht gesandt, daß sie bet sehr schönem Wetter mit drei verschiedenen Apparaten 10 Aufnahmen der Corona hat machen können. Die Aufnahmen sind gut gelungen. Diese Beobachtungen und Aufnahmen haben in Isa an der schwedisch- rusfiscken Grenze stattgefunden.
Athen, 20. August. Die „Asth" meldet: Sechzig Personen, meist Frauen und Kinder, wurden am 16. d. M. m Kozani von KoniarS, die von kürzlich ausgehobeneu alba- nesischen Irregulären und Baschibozuks unterstützt wurden, niedergemetzelt. Biele andere Personen wurden miß- handelt.
Koustautiuopel, 20. August. Meldung des Wiener Correspondenz-BureauS. Die Pforte hat den Botschaftern der Mächte die Mittheilung zugehen taffen, daß achtund- zwanzig grt-chilche Ossizt-re in Uniform mit drei Gebtrgsgeschützen, 2000 Chassepot-Gewehren und 700,000 Patronen auf Kreta au zwei verschiedenen Punkten der Insel gelandet feien.
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Berlin, 20. August. Der Regierungspräsident a. D. LucaS von Cranach ist gestern hier gestorben.
Berlin, 20. August. Die Angabe der „Volkszeitung", daß Rittmeister v. Stetten vom Auswärtigen Amt hierher beordert worden wäre, bestätigt fich der „Voff. Ztg." zufolge
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I Man durfte nicht behaupten, daß SchnurPS' Stimmung eine rosige war. Während er fich darüber wunderte, daß die Droschkenfahrt gar kein Ende nehmen wollte, fand er Zeit genug, sich wiederholt zu gestehen, daß Berlin ein heißes Pflaster habe, auf dem man jedenfalls tapfer die Ellenbogen gebrauchen müsse, um vorwärts zu kommen. Und er wollte seine Ellenbogen gegen den Strom stemmen, um sein Ziel zu erreichen.
„Klein, aber oho!" war ein Ausdruck, der auch ihm bereits bekannt war und ihn fürderhin stets bestärken sollte in dem Gedanken, daß auch körperlich kleine Menschen auf den Gipfel eines hohen Berges gelangen können, wenn sie die kurzen Schritte zu verdoppeln verstehen. Mancher große Kaufmann war wie er, bescheiden und dürftig, dereinst hier etugezogen und hatte seine Träume tu Erfüllung gehen seheu.^^ar wutbe w ^fort bewußt, daß er zu Hause hinter der Häringstonne nur die sogenannte „Schmierkladde" geführt hatte, zwar hätte er im Augenblick nicht behaupten können, in welchen Papieren er dereinst sein Vermögen au- legen würde, zwar war der Empfang, der ihm bis jetzt bereitet worden war, kein besonders ermunternder, aber daS durfte intelligente Geister nicht schrecken, selbst wenn sie den Namen Schnurps führten, aus bem man fich ein EigenfchaftS- wort zur Belustigung der Menge zurechtgemacht hatte.
Seine Fahrt war vergebens gewesen: Diejenige, die er suchte, war vor etwa fünf Jahren verzogen. Aber man konnte ihm sagen, wohin, und da er an der Droschkenfahrt einmal Geschmack gesunden hatte, so rief er abermals einen Kutscher an, der ihn wieder in die Gegend zurückfuhr, woher er vor einer Stunde gekommen war.
(Fortsetzung folgt.)
(Eichener Anzeiger
General-Anzeiger.
Nürnberg. 20. August. Bet der heutigen Preis- vertheilung in der Landesausstellung hielt Staats- Minister v. Feilitzsch eine Ansprache, worin er betonte, daß es ihn mit Freude erfülle, die Preisvertheilung im Auf- trage des Prinzregenten vornehmen zu können. Der Zweck der Ausstellung, einen Ueberblick über die industriellen und gewerblichen Producte des Landes und alle Hilfsmittel zu gewähren, fei erreicht, die Hoffnungen und Erwartungen feien übertroffen worden. ES feien 252 goldene, 671 filberue, 784 broncene Medaillen, sowie eine Anzahl AnerkennungS- diplome vertheilt worden. Der Minister sprach zum Schluß Allen, die an dem Unternehmen mitgewirkt haben, Dank aus und theilte dann die Auszeichnungen mit, die der Prinzregent dem Präfideuten des Preisgerichts uud den einzelnen Gruppen. Vorständen verliehen hat. Oberbürgermeister Dr. Schuh wies auf den Dank und die Gefühle der Verehrung der Versammlung für den Prinzregenten hin. Nachmittags 3 Uhr ist Festessen, Abends Gartenfest. _
Rom. 20. August. Die „Opiuione" demeuttrt nach eingezogenen Informationen die Nachricht deS neapolitanischen Blattes „Jl Pungolo", daß an verschiedenen Punkten Italiens geheime Freiwtlligen-Auwerbungeu für Kreta eröffnet würden.
Rom, 20. August. Gegenüber den heute verbreiteten ungünstig lautenden Gerüchten ist feftzustellen, daß daS Befinden des Papstes andauernd ein sehr gutes ist.
Madrid. 20. August. Während der Manöver der Artillerie in Carabanchel in der Nähe von Madrid stürzte eine Brücke ein. Eine Kanone fiel in die Tiefe, ein Soldat wurde getödtet, vier andere verwundet.
London. 20. August. Die „Times" bemerkt in einem Artikel über Creta, die österreichischen Staatsmänner seien der Anficht, der Weltfrieden hänge von der A u f r e ch t er h a ltun g des status quo ab, während England, welches sonst mit Oesterreich überetnsttmme, glaube, die Wohlfahrt der Türkei und der Weltfrieden hänge von der Einführung einer guten Regierung für die Unterthanen des Sultans ab. England habe auf Reformen in Armenien bestanden, um die Macht der Türket zu stärken, die englische Regierung könne aber nicht damit einverstanden fein, durch Theilnahme an der Blockade Cretas den Policeman für die Türket zu spielen. — Die Vorwürfe der russischen Presse besprechend, bemerkt dann die „Times", die Politik Frankreichs sei kaum so schwankend, daß eß durch Creta von Egypten abgeleukt würde. Der Ton der deutschen Presse habe sich in befriedigender Weise geändert. Wenn die Mächte sich dahin einigen würden, die kretische Frage in der von der „Kölnischen Zeitung" vor- geschlagenen Richtung zu lösen, so würden keine unüberwindlichen Schwierigkeiten zur Annahme dieser Richtung vor-
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Wolff® telegraphisches Sorrespondem-Bltraa«.
Kulda. 20. August. Heute Abend halb 7 Uhr wurde iliit Atschofs-Conferenz mit einem Gottesdienste ge- lichlol s e n.
Bremen, 20. August. Der Lloyd setzte die Zwischen. - ls rtp-r ei s e von Newyork nach Baltimore auf 134 und 105 Mk. fest und ermäßigte sie für die Schnelldampfer nach 'fUtivyork auf 150 Mk.
Dresden, 20. August. Amtlich wird mitgetherlt, daß fich rim König noch einige Schonung auferlegeu müsse. Infolge Uchu wird sich der Monarch nicht nach Görlitz begeben, son- Uarn während der Kaisermanöver vom 10. bis 12. Sep- i leibe* in Bautzen Wohnung nehmen. Die Parade bei .Main wird der König am 3. September abhalten.
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Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm« i Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" tnlgege*.
Amtlicher Theil.
Gießen, den 19. August 1896.
Ferrilletoir.
Debüt in der Weltstadt.
Berliner Skizze von Max Kretzer.
(3. Fortsetzung.)
Als die Droschke in eine aSphaltirte Straße eingebogen glitt der Gaul plötzlich aus uud stürzte zu Boden, lau» «inen großen Auflauf verursachte. Währeuddefseu kam . MnurpS zu der Ueberzeugung, daß es in Berlin eine vin ge Menschen geben müsse, die lediglich weiter nicht® zu Ga haben, als über die traurigsten Dinge ihre Glossen zu «ihen und billige Rathschläge zu ertheileu, ohne den kleinen Singer zu rühren.
Während der Kutscher und ein herbeigeeilter College tefitlben schweißtriefend fich bemühten, die klapperige Rofi- deren Rippen man zählen konnte, auf die steifen Beine . |ui bringen, flogen die Bemerkungen deS VorstadtpublikumS eit sprühende Knallerbsen umher.
Man möge den „Distanz-Läufer" nur gleich in sein Vlbbegräbniß tragen, meinte ein profesfioueller Parade- Bmmler, der sein Verständniß für Pferde von der Be- fiwpturrg herzuletten pflegte, er habe „bet der Cavallerte" gkkandeu, womit er ohne Zweifel anbeuten wollte, baß er ms den Exercirplätzen fich stets in unmittelbarer Nähe dieser Duppe aufhalte.
Ein zweiter machte den Vorschlag, dem Thiere Hafer ms die Nase zu streuen, während ein halbwüchsiger Bursche ■b krähender Stimme rief, daß man bet gewissen Würsten hi fliegenden Händler demnächst die Droschkennummer ttturSfchmecken werde. Dadurch ermuntert, hielt eS ein Unter für daS Beste, sofort eine Sammlung für ein „Be- j giLbrüß erster Güte" zu veranstalten, wozu er als erster mit ikr« alten Hosenknopf den Anfang machen wollte. '


