Ausgabe 
22.1.1896 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

W

Ihr ff Hin.

H

SS6. lb-r«u st«

710

Uhr

, 1 M., Damen« Lolonialwaaren- fet, Seltersweg, ig Heil, Linden. Mur Wahl, i der Abendkaß! riefarten 20 Psg.

K Sen­iler, Vissen?

> Uhr

*8 103.«

ASS

M 81'46

101* 101*

hfuitjttü«. 'amu.

en ergebens ein. -MC. vrbig, 1- sowie Abends s auch bei der rstiiide.

C°> 'M in der

-----TM

und

fei 108J* dlv-

10

stand.

iSäng i M M Wsteller.

Nr. 18

Drr Lietzener Anzeiger rrschrint täglich, mit Ausnahme dcS MonragS.

Die Gießener P« mtlien btälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlegt.

Mittwoch den 22. Januar

Zweites Blatt

1896

Meßmer Anzeiger

Keneral-Anzeiger.

Vierteljähriger AöonnementspreiLr 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Redaktion, Expcditio» und Druckerei:

Achulstraße Zlr.7. Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblutt füv den Ureis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für d« 8nt «nnoncen-vureaox de- In- und «u-lande- nehm«

-»kgenden Tag erscheinenden Nummer bi- «orm. 10 Uhr. ^UUlUltHVlUttVi. Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

2lmtiid?er Tbeil.

Bekanntmachung, die Nochsuchuvg der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen betreffend.

Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgen­de«, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvoll­ständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum gestellungs­pflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufent­haltsort hat.

2) Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.

Der Nachweis der Berechtigung zum ein­jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bi» zum 1. April desselben Jahre» yi erbringen (Wenn z. B. mit Rücksicht auf da» Lebens­alter die Einreichung des Gesuchs nicht weiter hinaus­geschoben, das vorschriftsmäßige Schulzeugniß aber erst am Schluffe des Schuljahres ausgestellt werden kann.) In solchen Fällen ist in dem Gesuch anzugeben, daß da» Schulzeugniß bis 1. Aprll nachfolgen werde.

3) Da» Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sei» «nd ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch ist die nähere Adresse anzugeben.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a) Geburtszeugniß;

d) Einwilligungs-Attest des Vater» oder Vormundes mit der Erklärung über Bereit­willigkeit, den FreiwMgen während einer ein­jährigen actioen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrig­keitlich zu bescheinigen;

«) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real­gymnasien, Ober-Realschulen, Progymnafien, Real­schulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und sonstigen mllitärberechtigten Anstalten) durch bat Director der Anstatt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;

d) da» Schulzeugniß.

Sodann wird noch besonder» bemerkt:

Zu p<*. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift de» Vater» oder Vormunde» beglaubigt sein muß.

L» pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlich nach Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 Reg.-Bl. Nr. 5 von 1889 -«»gestellt sein müssen.

Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der SS 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen.

Großh. Prüfung» - Commission

für Einjährig-Freiwillige zu Darmstadt.

Der Vorsitzende:

Buch inger.

Deutsches Reich.

Berit«. 18. Januar. Anläßlich der heutigen Feier zur 25jährigen Neubegrün düng de» Deutschen Reiches fand um 10 Uhr in der Schloßcapelle feierlicher Gottesdienst statt, welchem da» Kaiserpaar, die fünf ältesten Söhne des Kaisers, die Kaiserin Friedrich, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, Prinz und Prinzessin Albrecht von Preußen wud andere zahlreiche Fürstlichkeiten beiwohnten. Der Kaiser Führte die Kaiserin Friedrich, Prinz Friedrich Leopold die Kaiserin, Prinz Albrecht von Preußen die Prinzessin Friedrich Leopold. Nach dem Gottesdienst sand die eigentliche Feier Lm Weißen Saale des Königlichen SchloffeS statt. De Saal) war kostbar geschmückt. Die Statuen der Kaiser

Wilhelm I. und Friedrich III. waren mit Lorbeerkränzen versehen. Tin ungemein prächtiges Bild bot sich dem Auge dar, nachdem die Aufstellung der Geladenen vollzogen war und sich der kaiserliche Zug nach dem Weißen Saale bewegte. Der Kaiser trug die Uniform des Regiments der Garde-du- Corp», dazu den fcharlachrothen Sammetmantel der Ritter des Hohen Ordens vom Schwatzen Adler. Die Kaiserin trug eine lange Sammetrobe von meergrüner Farbe, während die Kaiserin Friedrich schwarz gekleidet war. Der Kaiser, die Kaiserin und die Kaiserin Friedrich trugen die Kette deS Schwarzen Adlerordens. Im Zuge wurden auch die ReichS- infignien getragen und zwar das RetchStnsiegel vom General­adjutanten Grafen von Wedel, das entblößte Reichsschwert vom Kriegsminister Brousart von Tchelleudorf, der Reichs­apfel vom Generaladjutanten Grafen von Fehndorfs, das Scepter vom Generaladjutanten von Werder, die Krone vom Generaladjutanten Fürsten Anton Radztwill, das Reichs­panier vom Generaladjutanten Freiherrn v. Los. Unmittelbar hinter dem Reichspanier schritt der Kaiser. Nachdem die Allerhöchsten und höchsten Herrschaften ihre.Plätze eingenommen, trat lautlose Stille ein, worauf der Kaiser die Thronrede verlas. Nach Beendigung der Thronrede ergriff der Kaiser die Fahne des ersten Garderegiments zu Fuß, senkte dieselbe vor der Versammlung und sprach mit erhobener Stimme ungefähr Folgende»:Angesichts dieses ehrwürdigen Feld­zeichen», welches eine fast 200jährige ruhmbedeckte Geschichte bezeugt, erneuere ich das Gelübde: Für des Volkes und des Landes Ehre einzustehen, sowohl nach innen als nach außen. Ein Reich, Ein Volk, Ein Gott!" Diese Worte des Monarchen wurden vom lebhaftesten Beifall begleitet, des­gleichen diejenigen, den Fürsten Bismarck betreffend. Graf Lerchenfeld, der bayrische BuudeSbevollmächttgte, brachte ein Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Ver­sammlung begeistert einsttmmte. Unter den von 36 Trom­petern geblasenen Fanfaren entfernte sich der Kaiser und nach ihm verließen sämmtliche Anwesenden den Saal. Die Parade, die im Lustgarten und aus dem Opernplatz sich ab­spielte, verlief vollständig programmmäßig, litt aber unter dem leichten Sprühregen. Es fand ein einmaliger Vorbei­marsch statt, worauf die Feldzeichen wieder in daS Schloß zurückgebracht wurden.

Berlin, 19. Januar. Die Feier des Krönungs- und Ordensfestes wurde heute begangen. Zu derselben hatten sich die hier anwesenden Personen, denen der Kaiser heute Orden und Ehrenzeichen verliehen hat, im Königlichen Schlosse versammelt. Dieselben empfingen von der General- OrdenScommtsfiou die für fie bestimmten Decoratiouen, worauf die neuernaunteu Ritter und Inhaber von Orden in den Rittersaal, die Inhaber des Allgemeinen Ehrenzeichens nach der Schloßcapelle geführt wurden. Der Kaiser und die Kaiserin, sowie die Prinzen und Prinzesfinnea des Königlichen HauseS ließen sich im Rittersaal die tiet dem diesjährigen Fest ernannten Ritter rc. einzeln vorstellen. Nach der Vor­stellung wurden die neuernannten Ritter rc. nach der Schloß- capelle geleitet, wo inzwischen auch die zum Fest geladenen älteren Ritter und Inhaber von Orden und Ehrenzeichen sich versammelt hatten. Nachdem das Kaiserpaar und daS Gefolge erschienen waren, begann der Gottesdienst. Nach Beendigung desselben fand im Weißen Saale die Tafel statt, bet welcher der Kaiser den Toast auf daS Wohl der neuen Ritter auS- brachte.

Berit«, 19.Januar. Die Akademische Hochschule für dte bildenden Künste vereinigte sich gestern Abend zur Feier des ReichSjubiläumS im Saale des Archi- tectenhaufeS zu einem Festact. Neben den Akademikern waren zahlreiche frühere Schüler und andere Künstler erschienen. Der Schöpfer des KatserproclamationS-BildeS, Anton v. Werner, hielt eine fesselnde Festrede, die er mit persönlichen Erinner­ungen durchflocht. An den Kaiser wurde ein HuldtgungS- Telegramm gesandt, für daS der herzliche Dank des Kaisers eintraf. Der FestcommerS in der Philharmonie nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Auch in fämmtlichen Theatern und BergnügungS-EtabliffementS wurde der nationale Festtag durch Prologe und besondere Veranstaltungen gefeiert. Die Studentenschaft versammelte sich zur Jubiläums­feier in dem mit Bannern und Wappen festlich geschmückten Rtesensaal der Acttenbraueret Friedrichshain. Die Verbind­ungen und Vereine waren äußerst zahlreich erschienen- die CorpS fehlten. Auch die Lehrkörper der Universität, mit dem Rector Prof. Ad. Wagner an der Spitze, war stark vertreten. Dte Festrede hielt der Präsident cand. jur. Pterau von der BurschenschaftGermania".

Berlin, 19. Januar. Die Socialdemokratie scheint im Unter-Elsaß immer festeren Fuß zu fassen. Bei der am Sanntag im östlichen Canto« der Stadt Straßburg

vorgenommenen Wahl eine» Abgeordneten zum Bezirkstage des Unter-Elsaß wurde der socialistische Candidat, Bo eh le, mit 2144 Stimmen gewählt, der clericale Grgencandidat Metz erhielt 2019 Stimmen. Bon altdeutscher re chStreuer Seite scheint zu dieser Wahl überhaupt kein Candidat aus­gestellt worden zu sein, ein würdiges Seitenstück zu dem Verhalten der Altdeutschen bei den Reichstagsnachwahlen in Metz und Diedenhosen.

Hamburg, 18. Januar. DerHamburgische Corre- spoodent" meldet aus FriedrichSruh: Von 10 bis 12 Uhr concertirte heute die Mufikcapelle des lauenburgischen Jäger Bataillons Nr. 9 (Ratzeburg) im Park des Fürsten Bismarck. Der Fürst brachte seine Freude über die Vor­träge in einer Ansprache zum Ausdruck. Die Mufiker wurden mit Speise und Trank bewirthet und erhielten schließlich jeder ein Geschenk.

Würzburg, 18. Januar. Professor Röntgen hat in einer Unterredung mit einem Vertreter desWürzburger General-Anzeigers" die Leutseligkeit und Liebenswürdigkeit des Kaisers, dem er über seine Entdeckung Vortrag ge­halten , und überhaupt die Herzlichkeit der Allerhöchsten Herrschaften nicht genug rühmen können. Auf eine Frage deS Berichterstatters, wie er sich zu der Anschuldigung des Plagiats stelle, dte der ungarische Physiker Lenard gegen ihn erhoben, erklärte Professor Röntgen, daß ihm diese Anschul­digung vollständig neu sei und daß er natürlich einen der­artigen Vorwurf nachdrücklich zurückweisen müsse. Die Ent­deckung der neuen Strahlen sei und bleibe sein Eigenthum. Ferner erwähnte der Gelehrte, daß ihm aus allen Erdtheilen Briefe und Anerbietungen zugegangen seien, die nur zu lesen ihm die Zeit fehle. Weiterhin sei noch bemerkt, daß außer dem soeben von der Stahel'schen Buchhandlung herauS- gegebenen Sitzungsbericht der Würzburger Phyfikalisch-Medt- cinischen Gesellschaft in nächster Zeit eine ausführliche Ver­öffentlichung über die Entdeckung von Professor Röntgen in demselben Verlage erscheinen wird, die nicht nur in der Gelehrtenwelt, sondern auch von dem Laien, vom Volke mit Spannung erwartet werden wird. In der bayerischen Presse findet die Einladung Röntgens durch den Kaiser eine sehr beifällige Beurtheilung. DerWürzburger General- Anzeiger" schreibt: Kaiser Wilhelm II. hat seinem edlen Bestreben, allem, was unser Jahrhundert in seinem ge­waltigen Wirken und Streben zu Tage sördert, ein treuer Pathe zu fein, auch diesmal wieder Ausdruck gegeben, indem er kaum wenige Tage nach der Publikation der Entdeckung deren Vater zu sich deschteden hat. Und wenn der deutsche Kaiser mit solch leuchtendem Beispiel voranschreitet, dann darf Bayern, in deffen Gebiet der Entdecker als Professor wirkt, nicht zurückstehen, sondern muß ihm bereitwillig und schnell die Mittel zur Verfügung stellen, um die Erfindung zinsbriugend für die Wissenschaft, für die Menschheit zu gestalten.

Der Krieg von 1870f71,

geschildert durch Ausschnitte tu» Zeitung»-Nummern jener Zeit (Nachdruck verboten.)

22. Januar.

Richten wir unser Augenmerk auf daS französische Festungs­fünfeck Cambrat, BalencienneS, ArraS, Douai und Lille. In dieses geht der Rückzug von Faid herb es Nordarmee, der größten französischen Feldarmee und recht eigentlich zum Entsatz von Paris bestimmt. Wenn eS Faidherbe gelingen sollte, seine flüchtige Armee in hiesen starken Stellungen zu sammeln und ausruhen zu lassen, bann könnte fie nach einiger Zett noch einmal zu Angriffen hervorbrechen. ES ist aber wenig Aussicht dazu; denn der Rückzug ist mehr eine Flucht und mehrere CorpS find in voller Auflösung. Der Schrecken in den Städten, durch die fie zogen, war groß, es schien eine Armee in Lumpen. Und Göben läßt die Feinde nicht zum Sammeln und Setzen kommen, er sucht fie von den Festungen abzudrängen, bei Cambrai hörte man schon den Geschützdonner der Verfolger. Faidherbe soll in Douai sein. Die Verfolger werden noch harte und blutige Arbeit haben, aber entscheidende.

mb* >

Wieseck, 19. Januar. Die Feier der 25. Wieder- kehr des Jahrestages der Kaiserproclamatton in Ber- sailleS und der Wiederauftichtung deS deutschen Reiches wurde auch bet uns von Seiten des Turnvereins in patriotischer Weise begangen. In den Localitäten deS Herrn Carl Dorfeld hatte sich eine stattliche Zahl der Jünger JahnS eingefunden. Die GesangSriegc ließ ihre schönen Weisen erklingen und