Ausgabe 
21.10.1896 Erstes Blatt
 
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traten. Nach der Ankunft in Bremerhafen am 26. November werden die aus so großer Gefahr glücklich Geretteten zur Erholung einen mehrwöchigen Urlaub erhalten.

* Zur Aufklärung veröffentlichte unterm 5. September der DetailliftenVerein für den Bezirk Münster in Wests. daS Folgende:Cor einigen Tagen zeigte die Firma Gustav Steinberg u. Co. die Eröffnung eine- Ver- kaufsladenS hier am Platze an und führt gleichzeitig eine Menge Artikel mit Verkaufspreisen an, welche uns Berau- laffung geben, zur Aufklärung und zum Schutze deS Publi- kumS Folgendes zu veröffentlichen: Artikel, wie Schürzen, Hemden, Unterjacken, Cravatten, Kinderlatzchen, Kragen, Cattune u. f. w. laffen fich in Qualitäten Herstellen, die zu jedem Preise zu verkaufen sind, und muß da schließlich jeder Käufer selbst wtffen, ob er bester thut, billige und gering- werthige Sachen zu kaufen, oder gute Qualitäten zu an­gemessenen Preisen. In der Anzeige find aber eine Menge Artikel angeführt, welche in einer für Münster und Umgegend gänzlich neuen Etntheilung erscheinen und verkauft werden und deshalb leicht einen Jrrthum des Publikums herbei- führen können. So z. B. wurden Nähnadeln bislang hier ur in Briefchen von 25 Stück (mit Ausnahme der Nadeln mit federndem Oehr, welche in Briefchen von 12 Stück ge­packt find) feUgeboten. Die oben genannte Firma liefert Nähnadeln in Briefchen von 1520 Stück- in der Anzeige sagt fie: Brieschen von 25 Stück. Als Stricknadeln wurden bislang Stricknadeln von 23 Ctm. Länge und in zum Stricken verwendbaren Stärken in den Handel gebracht. Die von der Firma Steinberg u. Co. annonctrten Nadeln find 19Va Ctm. lang und 1 Millimeter stark und in der Verfassung für unsere Hausfrauen zum Stricken für gewöhnlich nicht zu ge­brauchen. Haarnadeln mit Spitzen waren in Briefchen zu 25 Stück gepackt und die Spitzen angeschliffen. Die Haar­nadeln von Steinberg und Co. sind tuPacketen" von 712 Stück gepackt und die Spitzen find nicht angeschliffen. Leinenzwirn wurde bei der kleinsten Eintheilung in Röllchen von 40 Meter, gewöhnlich aber in Röllchen von 100 Meter verkauft: Steinberg u. Co. bringenRollen" von 25 Meter. Strickwolle war nur in einer Etntheilung von 50 Bindchen zu 10 Gramm aufs Pfund und in Strängen von 100 bzw. 250 Gramm zu haben: Steinberg u. Co. haben ihre Garne in Bindchen zu 8 Gramm und in Strängen zu 83 Gramm getheilt. Zephyrwolle wurde bis vor kurzem nur in Lagen von 20 Gramm verkauft: Steinberg u. Co. verkaufen die Wolle in Lagen von etwa 15 Gramm. Daß Fingerhüte nur in ungangbaren Größen, Taillenstäbe entgegen der An­kündigung, die alle Größen für 5 Pfg. das Dutzend anpreist, nur in einer uncouranten Größe zu haben find, während für die gangbaren Größen derselben Qualität 20 Pfg. verlangt werden^ dagegen andere Artikel, die preiswerth erscheinen, wie Ttschgedecke mit sechs Seroietten & Mk. 1,45, rein wol«

lener Kleiderstoff ü 56 Pfg., Hemdentuche i 17 Pfg. und I verschiedene andere bei Verlangen nicht verabfolgt wurden, erwähnen wir nur nebenbei und überlasten es dem Publikum, daraus selbst seinen Schluß zu ziehen. Wir haben obige Thatsachen durch Entnahme zahlreicher Proben von der ge­nannten Firma festgestellt und halten uns verpflichtet, dieses zur Aufklärung des Publikums zu veröffentlichen." Einer Erwiderung der genannten Firma gegenüber hält der Verein die obigen Mijtheilungen in jedem einzelnen Punkte voll­ständig aufrecht, erklärt, daß er jeden Augenblick für daS, was er behauptet, den Beweis der Wahrheit zu erbringen bereit fei. Geschäfts Practiken wie die hier vom Detail- listeu-Berein für den Bezirk Münster geschilderten stehen jetzt unter der Herrschaft deS Gesetzes wider den unlautern Wettbewerb.

Bücher als Kasfeuschrank. Aus Kösen wird dem Leipziger Tageblatt" unter dem 11. October Folgendes gemeldet: In der Nachlaß-Auction des verstorbenen Ober- Lieutenants Sanger wurden heute auch verschiedene Bücher versteigert, u. A. MeyerS ConversatiouS'Lexikon. Der Ersteher destelben war nicht wenig erstaunt, beim Durchblättern deS einen Bandes zwei Stück noch in Curs stehende preußische ConsolS A 1000 Mk., freilich ohne Talons, zu finden. Ein anderer Bieter entdeckte in einem alten Schmöker ein Couvert, daS sechs nagelneue Einhundertmark-Scheine enthielt.

Auch Ballkleider haben ihre Schicksale. Wegen einer Schuld von 24 Mk. wurde dieser Tage ein spitzenbesetztes Ballkleid gepfändet, das mehrere hundert Mark ge­kostet haben soll. Bei der Versteigerung erzielte eS aber nur ein Gebot von 3 Mk., so daß noch 65 Pfg. auf den Erlös zur Deckung der Gerichtskosten daraufgelegt werden mußten. Dieser Differenz wegen wurde bann der Auftrag­geber der Pfändung verklagt und nun zur Zahlung ver­urteilt. So hat der Gläubiger von seiner spitzenbesetzten Forderung schließlich nur 4.15 Mk. Gerichtskosten.

Literatur «ud Häuft.

Neue Folge von W. Heimdnrgs Romanen nnd Novellen. Unter den Erzählerinnen, die durch inniges Gemüth und echt volksthümlichen Ton sich eine Heimathstätte in der deutschen Familie erworben haben, steht W. Heimburg in der vordersten Reihe. Ihre Romane und Novellen haben schon durch das gelesenste deutsche Volks- und Familienblatt, durch dieGartenlaube", die weiteste Verbreitung gefunden, aber so groß ist ihre Anziehungskraft, daß fie auch in Buchausgaben immerfort neue Auflagen erleben. Wieder­holt haben wir bereits auf die von der Verlagsbuchhandlung Ernst Keils Nachfolger in Leipzig veranstaltete Ausgabe von W. Heim- burgs Jllustrirten Romanen und Novellen hingewiesen. Nun ver­anstaltet die Verlagsbuchhandlung eineNeue Folge" der Werke dieser so beliebten Verfasserin, in welcher folgende Erzählungen ge­bracht werden:Mamsell Unnütz."Um fremde Schuld." Haus Beetzen."Sabinens Freier."Franziska von Schlehen." Das Raupenhäuschen."Der filberne Hirschfänger."Groß­mutters Whistkränzchen."Marianne Sieoening " Namhafte

Künstler, wie Fritz Bergen, W. Claudius, Ren« Reinicke, 6. 6. Jentzsch, P. Schnorr u. A. liefern den reichen Bilderschmuck dieser Sammelausgabe der neuesten Schöpfungen der gefeierten Erzählerin. Um es Jedermann zu ermöglichen, sich auf bequeme Weise in den Besitz dieser neuen Folge von W. Heimburgs Jllustrirten Romar und Novellen zu setzen, erscheint dieselbe vorerst in 35 Lieferungen von etwa 50 Druckseiten Umsang zum Preise von nur 40 Pfennig, welche in vierzehntägigrn Zwischenräumen ausgegeben werden. Die erste Lieferung wird durch den fpeiyrenben RomanMamsell Un­nütz" eröffnet, der von W. Claudius meisterhaft illustrirt worden ist.

Lsichlm ta «rttaiitra Jmtyuta Sttittl) tatet.

Opernhaus.

Mittwoch dm 21. October: Trompeter von Säkkingeu. Donnerstag den 22. October: Eoangelimann. Freitag dm 23. October: Zigeunerbaron. Samstag dm 24. October: Heimchen am Herd. Sonntag dm 25. October, Nachmittags 37a Uhr: Der arme Jonathan. Abends 7 Ubr: Die Huge­notten. Montag den 26 October: Hänsel und Gretel. Hierauf: Coppelia.

Schanspielhans.

Mittwoch dm 21. October: Die Ahnfrau. Donnerstag den 22. October: Die officielle Frau. Freitag dm 23. October: Bürgerlich und romantisch. Frankfurt in Feindesland. SamStag den 24. October: Morituri. 1. Teja. 2. Fritzchen. 3. DaS ewig Männliche. Sonntag dm 25. October, Nachmittags 3'/, Uhr: Minna von Barnhelm. Abends 7 Uhr: Morituri. 1. Teja. 2. Fritzchen. 3. Das ewig Männliche. Montag den 26. October: Die Höllenbrücke. Ein delicater Auftrag.

Witterrrugsbericht vom 19« Oktober.

Dm Südostm und Osten Europas bedeckt noch hoher Druck und dringt von dort ein keilförmiges Gebiet relativ hohen Baro­meterstandes den Südfuß der Alpen entlang über die Po-Ebene vor. Ganz West- und Central-Europa dagegen gehören einem ausgedehnten Depressionsgebiete an, dessen Centrum heute über der irischen See lag. In Süddeutschland haben sich die Witterungsverhältnisse wenig verändert. Im Gebirge und an deffen nördlichem Fuße besteht unter Föhneinfluß vorerst noch heitere Witterung, während im Nordm vielfach trübes, regnerisches Wetter herrscht.

voransstchtliche emunm»t

Im Norden trüb und regnerisch, im Süden gleichfalls Zu­nahme der Bewölkung und später Niederschläge.

Verkehr, £anfe u«ö Velerrvirthschaft.

Gisßm, 20. October. Marktbericht. Auf dem heutigm Wochmmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,00-1,05, Hühnern^ pr. St. 0§, 2 St. 13-15 Enteneier 0 H, 2 St. i.0 Gänse» eier pr. St. 00-00 H, Käse pr.St.5-7H, Käsematte pr. St. 3 4. Erbsen pr. Liter 16 H, Linsen pr. Liter 28 4, Tauben pr. Pa« X 0,50 bis 0,60, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,00, Hahnm pr. Stück X 0,50-0,80, Enten pr. Stück X 1,60-1,70, Gänse pr. Pfund X 0,42-0,48, Ochsenfleisch pr. Pfd. 70-74 H, Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 6468 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 56 bis 66 H, Schweine­fleisch, gesalzm, pr. Pfd. 70 A, Kalbfleisch pr. «^ 50-54 JL Hammelfleisch pr. Pfd. 6070 Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,00 biß 6,00 X, Weißkraut pr. Stück 0- 00 H, Zwiebeln pr. Centn« X 4,005,00, Milch pr. Liter 16 H, Zwetschm pr. Centner X 810.

Bekaimtmachrmg.

Die auf Herbst 1896 leihfällig werdenden Triebviertel sollen Freitag btn 23. Moder 1896, von Nachmittags 2 Uhr an anderweit verpachtet werden. Zusammenkunft amNassauer Hof".

Gießen, den 19. October 1896.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen

Gnauth. 9323

Erweiterte Handwerkerschute ui Gießen.

Das Winter-Semester der Abtheiluugeu für Bau-Hand­werker, sowie der Abtheiluug für Maler, Schlosser, Schreiner, Mechaniker re. beginnt am

26. Moder d. I-, Vormittags 8 Uhr

und schließt Ende März k. I. 9322

Nähere Auskunft über den Lehrplan durch die Schulleitung.

Der Aufsichtsrath: Die Schulleitung:

<L. Keykigerrstädt, Vorsitzender. L. Graber, Großh. Hauptlehrer.

Sonntagsverein für Mädchen.

Die Vereinigung der Mädchen am Sonntag soll für das Winter- Halbjahr am nächsten Sonntag, den 25. October, wieder ihren Anfang nehmen.

Die Vereinigung findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr Nachmittags im Saale der Kleinkiuderschule; die Mädchen können nach Belieben zu jeder Zeit kommen und gehen; von 9/<4 Uhr bis 9/45 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gesang, Ansprache, Vorträgen.

Gute unterhaltende Bücher und Spiele sind in großer Zahl vorhanden.

Eröffnungsfeier am Sonntag, den 25. Oktober, Nach­mittags 4 Uhr.

Wir laden die Mädchen zu zahlreicher Betheiligung ein, und bitten Eltern, Herrschaften und Geschäftsinhaber, ihre Mädchen auf den Sonntags­verein Hinweisen und denselben die Theilnahme gestatten zu wollen.

Gießen, den 20. October 1896.

Für den Vorstand: 9319 Dr. Naumann, Pfarrer.

Jahresfest

des Oberhessischen Vereins für innere Mission.

Dienstag, den 27. Oktober, Abends 6*/4 Uhr: Festgottes­dienst in der Johanueskirche. Pastor O. Palmer aus Hamburg. Abends 8i/4 Uhr: Freie Versammlung in Steins Garten unter Mitwirkung des Kirchengesangvereins Ansprachen von Pfarrer Wenck aus Darmstadt und Stadtpsarrer Dr. Wurster aus Heilbronn.

Mittwoch, den 28. Oktober, Vormittags 10 Uhr: Jahres­versammlung im Confirmandensaal der Johanneskirche.Die innere Mission und die Frauen". Referat von Stadtpfarrer Dr. Wurster au» Heilbronn. 9326

Bekanntmachung.

Das vierte Ziel Gemeindesteuer pro 1896/97, sowie die fälligen Holzgelder sind innerhalb acht Tagen bei Meidung des Bei- treibungsverfahrens zur hiesigen Stadtkasse zu bezahlen. Bei dieser Ge­legenheit können die in Folge von Reclamationen erlaffenen Gemeinde­steuern gegen Quittung in Empfang genommen bezw. aufgerechnet werden.

Zahltage: Dienstag,'Donnerstag und Samstag.

Gießen, den 20. October 1896.

Der Stadtrechner:

9321 Doepfer.

Stadt. Schlachthaus.

Freibank. 9316

Henle und morgen: ßchwemeffeisch (frisch)'tz nicht ladenrein, per Pfd. 48 Pfg.

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Die Entscheidungen des Neichsoberhaudelsgerichts und des

Reichsgerichts

von Otto Fuchsberger,

König!- bayr. Ob-rlandeögerichtsrath.

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Enthält die Entscheidungen v. 11:801895.

30 Bogen. Preis broch X 7.50; geb. in Orig -Halbtzbd. X 9..

Das ausgezeichnete Werk, das von Fach­männern und praktischen Juristen längst lebhaft erwartet wurde, enthält in aus­führlicher, klarer Darstellung, geordnet nach dem System der ConcurSordnung, sämmtliche aus den Jahren 18801895 ergangenen Entscheidungen deS Reichs­gerichts, deS obersten bayerischen Land­gerichts und sämmtlicher deutscher Ober­landesgerichte auf dem Gebiete der ConcurSordnung. Juristen, Richter« in Handelssache«, «anstenten und Gewerdtreibenden aller Branchen ist die Fuchs der ger'sche Arbeit aus­drücklich zu empfehlen- Außer dem voll­ständigen Text der ConcurSordnung ent­hält daS Werk auch noch ein ausführliches Sachregister, das seine praktische Brauch­barkeit wesentlich erhöht-

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