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Nr 17 Zweites Blatt. Dienstag den 21. Januar
Der #i<|entr -u,ttger erscheint täglich, mit Ausnahme drS Montag».
Die Gießmer P«mttte»Stälter werden dem Anzeiger »dchentlich dreimal beigeiegt.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
1896
vierteljähriger AöonncmtnIsprekSt 2 Mark 20 Pjg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schukstratze Kr.L, Fernsprecher 5l.
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Mtetttx.
Anrts- unb Anzeigeblertt fflr den Äveis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Hratisöeikage: Gießener Kamilienötätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Gießen, den 20. Januar 1896.
Betr.: DaS EHatzgeschäft pro 1896.
Der Civ'ilvorsitzende der Großh.
Ersatz-Commisfion Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Mit Rücksicht auf den»frühen Beginn deS diesjährigen SrfatzgeschäftcS wollen Sie alsbald mit der Aufstellung der neuen Stammrollen beginnen und solche mit denjenigen pro 1894 und 1895 nngesänmt etnsenden. Etwaige Zugänge find besonders in Vorlage zu bringen.
Dr. Melior.
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Zur Befreiung der deutschen Industrie von dem englischen Borurtheil.
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Die Gehässigkeit, mit welcher seit dem TranSvaal-Tonflict die Engländer alles Deutsche behandeln, und die Anmaßung, mit welcher die sich unübertrefflich haltenden Söhne Albions immer noch auf die Leistungen der deutschen Industrie herab blicke«, kann insofern für Deutschland sehr gute Früchte zeitigen, daß wir endlich einmal mit Entschiedenheit dazu kommen, die guten Producte der deutschen Industrie von unserem eigenen und der Ausländer „englischen Borurtheil" z« besteien. Noch tmmci thut der blinde Glaube im Handel and Wandel daS Wunder, daß in der Maschinendranche, ferner in der Weberei- und Tuchbranche Englands Fabrikate von keiner anderen Industrie erreicht würden. Dies ist indessen, was die Leistungen der deutschen Industrie anbetrifft, in sehr viele» Fällen einfach ein thörichNH Jrrthum, ein lächerlich gewordenes Borurtheil, welche^'sogar oft zu schwindelhaften Uebervortheilungeu im GeschästSleben zum Nachtheile deS deutschen Geldbeutels auSgenutzt wird. So steht bezüglich der Stahl-, Eisen- und Maschinenbranche fest, daß die ersten deutschen Fabrikanten vollständig dasselbe leisten wie die englischen. Das Gleiche gilt von der Tuch« sabrikation. Hier glaubt zumal daS Kleider consuwirende Publikum, daß die englische Waare eine stets beffere sei als die deutsche. ES ist aber den Fachmännern langst bekannt, daß die mittelgute Waare, auf deren Ankauf die meisten
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Schneider und Eonfumrnten angewiesen find, von den deutschen Fabrikanten noch bester und preiswerter geliefert wird, als von den englischen. Außerdem wird im Rheinland, der Lausitz und Reuß Tuch von so feiner Qualität hergeftellt, daß eS dem englischen feinen Tuch ganz gleich, aber natürlich viel billiger ist. Sehr großen Ruf hat ja auch immer noch daS „englische Garn"! Ein Fachmann der Garnbranche schreibt nun aber im „Leipziger Tageblatt", daß in Deutsch- land, zumal im Rheinland, deutsche Garne unter englischer Flagge gehen, indem deutsche Gespinnste in sehr großen Mengen von den dortigen Grossisten in englische umgezeichnet, so in den Handel gebracht und vom Publikum als englische Garne gekauft und gepriesen werden. Ob wegen einer solchen Manipulation dem deutschen Grossisten und vielleicht dem deutschen Spinner ein Vorwurf zu machen ist, bleibe hier ununtersucht. Beide sind ja meist von Detaillisten, d. h. vom Publikum abhängig, und wenn der Detaillift englische Waare haben will, so muß der Grossist sie ihm eben schaffen. ES muß aber auf jeden nationalgefinnten Deutschen einen beschämenden Eindruck machen und unser Ansehen bei fremden Nationen vollkommen untergraben, wenn der deutsche Fabrikant und der deutsche Händler eS nicht wagen dürfen, dem
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Deutsches Reich.
Berlin, 18.Januar. Anläßlich der Jubiläumsfeier 'ft die Stadt prächtig geschmückt. Fast jedes HauS ist beflaggt uvd bekränzt. Besonders großartige Decorationen find an des Geschäftshäusern angebracht. Unter den Linden und;vor dem Schlöffe wartete eine dicht gedrängte Menschenmenge mf die pomphafte Auffahrt der Fürstlichkeiten und den Aufmarsch der Truppen. Das Kaiserpaar wurde bei seinem Erscheinen jubelnd begrüßt. Die Parade nahm einen glänzenden Bmclauf. Leider beeinträchtigte Regenwetter die Feterlich- keßten. Abends findet großartige Illumination statt.
Berlin, 18. Januar. Nach Schluß der Thronrede erneuerte der Kaiser auf das zweihuudertjährige Banner dLi Gelübde, für de» Reiches Sicherheit und Ansehen
deutschen Publikum deutsche Fabrikate vorzusetzen und fich 1438» bet Ansehens englischer Garne bedienen rnüffen, um ihre Äo Production absetzen, resp. ihren Umsatz erreichen zu können. 1,1 Da darf wohl der Ruf erschallen: Deutsche Industrie und deutsche Käufer befreit euch von dem englischen Vortheil!
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nach J-uen und Außen sorgen zu wollen, sodaß immer der Grundsatz bestehen bleibe : „Ein Reich, ein Volk, ein Gott!"
Berlin, 18. Januar. Den Schwarzen Adlerorden erhielten Profeffor Camphausen, Professor Delbrück. Geadelt wurden eine Anzahl Offiziere, darunter Admiral Knorr.
Berlin, 18. Januar. Bei dem Geueral-Feldmarschall Grafen Blumenthal erschien heute Vormittag 10 Uhr im Auftrage des Kaisers der Graf Keller und überreichte dem Feldmarschall ein in einem prachtvollen Rahmen befindliches Bild: „Die Kaiser Proklamation in Versailles."
Berlin, 18. Januar. Heute Morgen begab sich in aller Stille der Kaiser nach dem Mausoleum in Charlottenburg, um an dem Sarge seines Großvaters, Kaiser Wilhrlm 1, ein Gebet zu verrichten und einen großen aus grünen und silbernen Lorbeer Blättern und gleichen Früchten gewundenen Kranz mit langer weißer Atlaöschleife, auf welcher außer dem W mit der Krone in Gold noch die Jahreszahlen 1871/96 aufgedruckt waren, am Sarge des großen Kaisers niederzulegen.'
Beilin, 18. Januar. Die Feier im Rathhause gestaltete fich äußerst prunkvoll. Oberbürgermeister Zelle hielt vor der glänzenden Versammlung eine von warmem Patriotismus beseelte Ansprache, welche in einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser auSklang. Ansprachen hielten noch Stadtverordneten-Borfteher Dr. LangerhanS und Stadtverordneter Gerstenberg. Sämmtliche Reden wurden mit großem Beifall aufgenommen.
— Um 7 Uhr Abends prangte die Reichshauptstadt bereits im Lichterschmuck. Sämmtliche öffentlichen Gebäude waren illuwinirt. In den lebhafteren Straßen war kein Hans ohne Lichterschmuck und in den Nebenstraßen hatten fich nur wenige Häuser von der Illumination ausgeschlossen. DaS elektrische Licht dominirte vorwiegend bei den Geschäftshäusern. Ganz Berlin war auf den Beinen trotz des unfreundlichen Wetters. In den Straßen war ein Vorwärts- kommeu kaum möglich.
Berlin, 18. Januar. Ueber die aus Anlaß deS heutigen Gedenktages in den deutschen Bundesstaaten erfolgten Gnadenbeweise und sonstige Kundgebungen sind Meldungen auS ollen deutschen Bundesstaaten und Freien Städten eingelaufen. Ueberall find Amnestie-Erlasse erfolgt und wurden würdige Feiern abgehalten.
Berlin, 18. Januar. Die Conservativen, die Reichs- parteiler und die Antisemiten deS Reichstages haben heute an den Fürsten Bismarck ein Telegramm gerichtet, in welchem fie dem Fürsten ihren Dank aussprechen für seine Verdienste um die Wtederaufrichtung deS Deutschen Reiches und den Wunsch beifügen, er möge seine Jahre in Gesundheit und Rüstigkeit zubringen.
Berlin, 18. Januar. Wie daS „Berl. Tagebl." hört, ist Oberbürgermeister Baumbach in Danzig an einem Leberleiden so schwer erkrankt, daß sein Zustand zu ernsten Besorgnissen Anlaß gibt.
Kiel, 18. Januar. AuS Anlaß der ReichSjuhelfe ier haben sämmtliche im Dienst befindliche Kriegsschiffe Toppflaggen gesetzt. Die Handelsschiffe, auch die ausländischen, haben über die Toppen geflaggt. Mittags 1 Uhr feuerten die Kriegsschiffe einen Salut von 21 Schuß ab.
+ Enthüllung der Kaiserbnste im Reichsgericht. Die Einheit der deutschen Rechtsprechung, wie fie in der Schöpfung des Reichsgerichts zu imposantem Ausdruck gelangt ist, war nur möglich im geeinten deutschen Kaiserreich. Es war daher ein bedeutungsvoller Gedanke, daß der Kaiser bei der am 26. October v. I. in Leipzig stattgefundenen Schlußsteinlegung im Reichsgerichtsgebäude für dieses feine Büste als Geschenk in Ausficht stellte und daß er die Aufstellung am 25 jährigen Jubeltag des Reichs ermöglichte. Die Enthüllung vollzog sich in feierlichem ActuS, an welchem außer stimmt- lichen SenatSpräfidenten die Räthe, die Mitglieder der Reichsanwaltschaft und der Rechtsanwaltschaft beim Reichsgericht theilnahmeu, unter einer Ansprache des ReichSgertchtSpräfidenten vonOehlschlägerim großen Verhandlungssaal, in welchem die Büste auf hohem Eichenholz Postament ihre dauernde Stelle gefunden hat. Anknüpfend an die kraftvoll ritterliche Gestalt deS Kaisers, seinen ernsten und doch gütigen Blick, seine entschlossenen und willensfeften Züge, welche die von Walter Schott modellirte Büste meisterhaft zum Ausdruck bringt, zeichnete von Oehlschläger in plastischen Umrissen das Charakterbild des starken Erben und Erhalters der deutschen ReichSeinheit. Die prächtige Halbfigur stellt den Monarchen in der Uniform und dem Adlerhelm der Garde du Corps, die Hand auf den Commandoftab gestützt, bar und fügt fich, in matter Bronce ausgeführt, ungemein wirkungsvoll in die Gesammtarchitectonik des großen ReichsgerichtSsaaleS ein.
Mit einem Hoch auf den Kaiser fand die patriotische Fcicr ihren Abschluß. — An dem großen FestcommerS der Studentenschaft am 18. Januar nahmen zum erstenmal wieder seit langer Zeit sämmtliche Korporationen allen Zwist vergessend, in ungetrübter Einigkeit Theil, was einen ausgezeichneten Eindruck machte.
Stuttgart, 18. Januar. Der Reichstagsabgeordnete und Präfident der württembergischen Abgeordnetenkammer Payer ist an einer Herzaffection bedenklich erkrankt.
München, 18. Januar. Anläßlich der Gedenkfeier der Neubegründung des Deutschen Reiches fand heute Morgen um 7% Uhr eine Serenade auf dem RathhauS- Balkon statt. Mittags 12 Uhr versammelten sich im großen, festlich becoiirten Saale des alten RathhauseS sämmtliche anwesenden Prinzen des königlichen Hauses, Vertreter der königlichen und städtischen Behörden, Diplomaten und zahlreiche Offiziere. Der erste Bürgermeister Borscht hielt eine von patriotischem Geiste getragene Rede, welche mit Segenswünschen für Kaiser und Reich und daS bayerische Herrscherhaus schloß. Heute Abend findet ein Fest Commers sämmt- licher CorpS-Studenten im Münchener Kindl-Keller statt.
Mäuche», 18. Januar. Der Prinz Regent hat an den deutschen Kaiser folgendes Telegramm gerichtet: Am Vorabend des Jubelfestes des deutschen Reiches drängt eS mich, Euer kaiserlichen Majestät meinen aufrichtigsten Glückwunsch auSzusprechen. Vor 25 Jahren wurde das neue Deutsche Reich gegründet, jetzt steht eS im Innern geeinigt, fest und geachtet nach außen da, möge die Vorsehung auch fernerhin segnend darüber walten! Darauf ist folgende Antwort vom Kaiser eingelaufen: Euer königlichen Hohett danke ich von ganzem Herzen für die mir aus Anlaß deS Jubelfestes des Deutschen Reiches zum Ausdruck gebrachten treuen Glückwünsche. Das Band, welche- die deutschen Stämme und ihre Fürsten in den verflossenen 25 Jahren eng umschlungen hat, wird fich, daS vertraue ich zu Gott, auch in Zukunft als fest und unzerreißbar erweisen. Ferner hat der Prinz-Regent folgendes Telegramm an den Fürsten Bismarck abgehen lassen: Zum Jubelfest d:S Deutschen Reiches erlaube ich mir, Euer Durchlaucht meine aufrichtigften Glückwünsche zu senden. Sie können mit stolzer Genug- thuung nach Verlauf eines Viertel-Jahrhunderts auf daS Werk zurücksehen, daS unter Ihrer hervorragenden Mitwirkung geschaffen wurde.
Rom, 18. Januar. Die Blätter besprechen in überaus sympathischer Weise den Jahrestag der Neubegründung des Deutschen Reiches. — Die Feier des TageS wird von der deutschen Colonie am 25. d. M. begangen.
Paris, 18. Januar. Der frühere Ministerpräfident Floquet ist heute Mittag seinen Selben «erlegen.
Der Krieg von 1870171, geschildert durch Ausschnitte aus Zeitung»-Nummern jener Zett (Nachdruck verboten.)
21. Januar.
In Ingolstadt hat man die Frau eines Notar» in Untersuchung genommen, weil fie nahe an 300 französischen Kriegsgefangenen Mittel und Wege angegeben hat, um zu befertiren. AuS Frankreich sinb viele Dankschreiben einge- laufen, ber Gouverneur hat bie Briefe entsiegeln lassen und es hat sich babei herausgestellt, baß bie burchgegangenen Franzosen sämmtltch wieder im französischen Heere Dienste thun.
Seitdem mit dem Beginne des neuen JahreS unsere Verstärkungen auf den verschiedenen KriegStheotern größten- theils angelangt waren, hat ber Kampf einen neuen und nach menschlicher Voraussicht nunmehr entscheidenden Charakter gewonnen. Die zwei Wochen vom 6. bis 20. Januar gehören zu den ereignißvollften des ganzen Feldzuges. Seit den Schlachten vor Metz find niemals so gewaltige Schläge rasch auf einander gefolgt, niemals so erfichtlich glänzende Erfolge errungen worben. Der SiegeSzug deS Prinzen Friedrich Carl von Dendome bis Le ManS am 6. btS 12. Januar, welcher mit ber Auflösung ber Chanzy'schen Armee und dem fluchtartigen Rückzüge ihrer CorpS, theils nach Alentzon im Norden, theils nach Laval und Rennes im Westen endigte - ferner bie glänzende Vertheidigung ber Stellungen fübwestlich von Belfort burch den General von Werder am 15. bis 17. Januar, wo Bourbaki mit vierfacher Uebermacht unsere Linien vergeblich zu durchbrechen suchte und endlich in eiligem Rückzüge vor den über Gray und Dijon heranrückenden Pommern und Wrftsalen sich retten mufjte; zuletzt der schöne Sieg des General von Göben gegen die Nordarmee unter


