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20.11.1896 Erstes Blatt
 
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Absatz der Heerordnung vorgesehen. 3. Sobald die köuigl. GeneralcommandoS bezw. obersten Waffenbehördeu die An­ordnung zur Hebung von Offizieren oder Osfizieraspiranten getroffen haben, ist diese ungesäumt an die zuständigen Be« ziltScommandos wetterzugeben, welche ihrerseits sofort die betheiligten Offiziere rc. in Kenntnitz zu setzen, d. h. nun­mehr zu beordern Haden. Zur weiteren Vereinfachung und Beschleunigung deS Geschäftsverkehrs ist künftig nach dem Grundsatz zu verfahren, daß dir Beorderung der R.serve- offiziere nicht durch Vermittelung der örtlichen G neral- Commandos, sondern unmittelbar durch die controlirenden BezirkScommandos auf Ersuchen der Truppentheile erfolgt, nachdem daS betreffende Geveralcommando bezw. die oberste Waffenbehörde die Entscheidung auf die UebungSanträge den Truppenthetlen bekannt gegeben hat. 4. Jeder in einem Beamtenverhältniß stehende Angehörige des Beurlaubten« fiandeS hat von dem Empfange eines Gestellungsbefehls den B stimmungen gemäß sogleich seiner vorgesetzten Ctvtlbehörde Meldung zu erstatten. Die Behörde ist alsdann in die Lage versetzt, nöthigenfallS eine Vertretung des Beamten zu regeln.

n Reichelsheim i. d. W., 17. November. Der Vorstand der hiesigen Molkereigenossenschast hält eben Umfrage bei den Genossen, um zu erfahren, welchen Procentsatz ihrer Magermilch sie int Fall einer Käsereieinrichtung dem U iternehmen überlaffen wollen. Die neue Einrichtung wird getroffen, sobald ein die Rentabilität versprechendes Quantum M-lch zur Verfügung steht. Viele Genoffen haben schon langst den Wunsch, ihre Magermilch in einer Käserei zu ver- werthen, weil sie der Ansicht find, daß sie hierbei größeren Nutzen hätten als bet der Verwendung in der eigenen Wirthschast. Die mit der GenoffenschaftS-Molkeret in Alienstadt verbundene Käserei soll dem Vernehmen nach aut rentiren.

+ Echzell, 18. November. Unser Krieg erverein bat kürzlich den Beschluß gefaßt, bei demjenigen Wirthe, der sein Local socialdemokrattschen Versammlungen zur Verfügung stellt, keine Zusammenkünfte oder Festlichkeiten mehr abzuhalten.

Darmstadt, 18. November. Bei ungeschwächt starkem Zudrang hielt heute Herr Privatdocent Dr. Noack seinen 5. Cyclus-Dortrag Über Grabcu lt und Grabmal bei

den Griechen. Er erörterte zunächst die Auffaffung von der Beile (Psyche) beiHomer, wo sie als das im Menschen lebende zweite Ich, sein Abbild erscheint und beim Tode als luftiges Gebilde durch den Mund entweicht eine ziemlich profane Auffaffung. Dann herrschte eine Zeit lang der Glaube, daß man sich durch Opfer au die abgeschiedene Seele vor Schaden bewahren könne, bis man zur Leichenverbren- nung allmälig kam, um der Seele den Rückweg zur Ober­welt definitiv abzuschließen. Die Gräber aus dem 9. und 8. Jahrhundert v. Ehr. am Dtphlon, dem Hauptbegräbniß- platze der Athener, zeigen unter andern, daß man den Leicheu Schmucksachen, Waffen usw. mitgab- Vasen aus jenen Zeiten, die bedeutendsten Vertreter der damaligen Kunst, die Speisen für den Todten aufzunehmen bestimmt waren, zeigen im geometrischen DecorationSstile Darstellungen des LeichenzugS, von Klageweibern, von Gethier u. dgl. m. Besonders viele Opfer wurden alljährlich am Feste Allerseelen dargebracht. Die entwickelungSreicheZeitschließt dann im4.Johrhundertv.Chr. mit Plato, der die persönliche Unsterblichkeit lehrte und glaubte. Der Redner geht nunmehr auf die künstliche Ge­staltung der Grabstälten, hauptsächlich an Hand der Funde auf dem Friedhof von Dipylon, näher ein. Anfangs hotte man eine Stelle mit flachem, oft nur in rauhen Umrtffen vorhandenen Relief, dann wurde das Relief höher auS- gearbeitet, ganze ©eenen aus dem Leben des Verstorbenen, die fast überall in den Figuren die sanfte Wehmuth des Trennungsschmerzes erkennen lasten, dargestellt, wobei das Ganze schließlich in capellenartiger Ausstattung schließt. Wunderbare, besondere Werke find uns erhalten- Anfangs des 4. Jahrhunderts v. Chr. wurde dann der Luxus auf den Grabstätten durch den damaligen Machthaber Athens ver­boten. Die Grabschrtften schildern Tage auS dem Leben des Verstorbenen, weisen auch hie und da auf ein künftiges Leben der Seele hin, wobei hie und da die Freude nach einer Wiedervereinigung im Jenseits schon im Keime unS in demChairete" entgegentrat. Der Vortrag wurde leb« haft applaudtrt.

Literatur uttfc Kunft

.«..Die letzte« «chüffe im deutsch« frauzöstfcheu Kriege lo70/71 wurden au8 deutschen Gewehren abgegeben und trafen das Herz zweier unglücklicher Franzosen, die in irregeleitetem Patriotis­mus einen deutschen Posten meuchlings niedergestochen hatten. Die

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überaus interessante, von General v. Z. herrührende Schilderung Meier wahren Begebenheit findet sich in dem soeben erschienene» 17- Jahrgang vonKöhlers Deutschem Kaiser Kalender für daS Jahr 1897-, Preis 60 Psg., Verlag von Wilhelm Köhler, Minden i. W., der, wie ein Blick in den Kalender darthut, sich würdig en seine Vorgänger enretht und zu den ersten beutld^n Kalendern gerechnet werden muß. WaS dem Köhler'>chen Kaiser-Kalender einen beson- beren Sorjug verleiht, ist die Pflege national pe'riotischen G ifte» und Lebens, die er fich zur Aufgabe gemach' und die ihm die Gunst aller Patrioten rasch erworben hat. Der Kalender ist sow hl text- lich alS illustrativ musterhaft ausgeflaltd. Wir beschränken unS darauf, zu betonen, daß Köhlers Deutscher Kaiser-Kalender zu den vornehmsten deutschen Kalendern gehört, daß er musterhaft redigirt und ausgestattet ist und daß er durch die Fülle lewes Inhalts nach der Wahrheit deS Goelhe'schen Wortes:Wer Vieles bringt, wird Manchem etwas bringen" Jedermann etwas bieten wird. Köhlers Deutlcher Kaiserkalender für 1897 ist zum Preise von 50 Pfg. durch jede Buchhandlung und von der Verlagshandlung Wilh. Köhler in Minden i. W. zu beziehen.

LotteSdienS in der Synagoge.

SamStag den 21. November.

Vorabend 4 Uhr, Morgens 9 Uhr, Nachmittags 3 Uhr, SabbathauSgang 6*o Uhr.

GottesdieuA der israelitischen NeligionSqesellschaft-

Freitag Abend 418 Uhr, SamStag Vormittag 830 Uhr, ®e* brrrtStagfeier Abrer Kgl. Hohheiten de- Grotzherzog- und der Großherzogin. Nachmittag 3 Uhr, SabbathauSgang 519 Uhr-

Nachmittag 2« Uhr Schrifterklärurrg. Wetzsteingaffe 8.

Wochengottesdienst Morgens 7 Uhr, Abends 48 Uhr.

Verkehr, £awfc* rrnd VoU-wirthjchafi.

r Gießen. 19. November. Der gestrige Ochs en markt war mit 8 Sluck Vieh befahren, so daß sich ein Handel nicht entwickeln konnte. Auf dem Schweinemarkt belief fich der Auftrieb auf etwa 300 bis 400 Stück, meistens Läufer und Einleger, auch einige Stück Fettvteh waren am Markt. Der Markt setzte zu An­fang flau ein, doch hob sich gegen Mitte die Kauflust trotz der von den Händlern geforderten hohen Preise. E« wurden gehandelt 8 bis 10 Wochen alte Ferkel mit 24 bis 30 Mk., Läuser mit 40 bis 50 Mk., Einlegschweine mit 70 bis 90 Mk. pro Paar. Fettvteh wurde verkauft mit 48 bis 52 Mk. pro 100 Psd. Schlachtgewicht.

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Mittwoch den 9. December l. I., Nachmittags 3 Uhr,

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Gießen, den 16. November 1896.

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