Ausgabe 
20.10.1896 Zweites Blatt
 
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Mr. 247 Zweites Blatt. Dienstag den 20. October

Der

Siebener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener

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«erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. *

Hratisöeikage: Hießener Jamitienökätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" -entgegen.

Amtlichem Tbeil.

Betr.: Reichstagswahl.

Bekanntmachung.

Die durch Erlöschen des Mandats des seitherigen Reichs­tagsabgeordneten Köhler erforderlich gewordene Ersatzwahl im 1. ReichStagswahlkreise deS GroßherzogthumS ist auf

Donnerstag, den 5. November 1896, festgesetzt.

Die Abstimmung wird um 10 Uhr Morgens beginnen und um 6 Uhr Abends geschloffen werden.

Dies wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht mit dem Anfügen, daß jede Bürgermeisterei des Kreises, mit Ausnahme der Stadt Gießen, einen Wahlbezirk bilder.

Die Stadt Gießen zerfällt in folgende 7 Wahlbezirke:

1 Wahlbezirk:

Asterweg, Ederstraße, Marvurgerftraße, von Ltcher- straße 23 Kaserne 2, Nordanlage, Am Rodtberg, Schtller- straße, Schottftraße, Stetnstraße, Wallthsrstraße Nr. 2377, Weserstraße und Wieseckerweg.

2. Wahlbezirk:

Dreihäusergaffe, Erlengaffe, Löw-ngaffe, Maigaffe, Neuenweg, Plockstraße, SelterSweg, Sonnenstraße, Süd­anlage, Teufelslustgärtchen, Weidengaffe, Wolkengasse, West- aalage Nr. 120.

3. Wahlbezirk:

An der Bach, Braudgasse, Brandplatz, Braugaffe, Diez« straße, Dammftraße, Hundsgaffe, Kaplaneigaffe, Kanzleiberg, Ktrchenplatz, Lindenplatz, Lindeugasie, Molrkestraße, Neuen- bäue, Ostanlage, Schloßgasse, Schulstraße, Senkenbergstraße, Waagengaffe, Wallthorstraße Nr. 122, Wiesenftraße, ZozelSgaffe.

4. Wahlbezirk:

Bahnhofstraße Nr. 150, Burggraben, Ktrchstraße, KaplanSgaffe, Kathartnengaffe, Kreuzplatz, von Licherstraße 23 Kaserne 1, Marktplatz, Marktstraße, MäuSburg, Rittergaffe, Schanzenstraße, Ttefenweg, Weltergasse, Wetzsteingaffe, Wetz- stetnstraße.

5. Wahlbezirk:

Bahnhofstraße Nr. 5193, Grabenstraße, Hammstraße, Au der Hardt, Kornblumengaffe, Krofdorferstraße, Lahn-

straße, Neustadt, Große und Kleine Mühlgaffe, Rodheimer- straße, Sandgaffe, Schützeastraße, Westanlage Nr. 2145.

6. Wahlbezirk:

Bergstraße, BtSmarckstraße, Bruchftraße, Eichgärteu, Erdkauterweg, Gartenstraße, Goethestraße, Grünbergerftraße, Heffenstraße, Landmannstraße, Licherstraße mit Ausnahme der Nr. 23, Löberstraße, Lonystraße, Ludwigstraße Nr. 146, LudwigSplatz, NahrungSberg, Schiffenbergerweg, Stephan- straße, Wolfstraße, Gemarkung Schiffenberg.

7. Wahlbezirk:

Alicestraße, An den Bahnhöfen, Bleichstraße, Ebelstraße, Frankfurterstraße, Hofmannstraße, Klinikstraße, Lethgesterner- weg, Liebigstraße, Ludwigstraße Nr. 4773, Riegelpfad, Wilhelmstraße.

Die selbstständigen Gemarkungen werden den Bürger­meistereien wie folgt zugetheilt:

Heibertshauscn zu Daubringen- Arnsburg zu Eberstadt - Schiffenberg zu Gießen (6. Wahlbezirk)- Hof Albach, Coln« Hausen und Mühlsachsen zu Lich- Hof Güll zu Muschenheim- Appenborn zu Odenhausen- RtngelShausen zu Rabertshausen- Hof-Graß zu Rodhetm- Winnerod zu BerSrod- Bollnbach, BeitSberg und Wirberg zu Saasen- Frtedelhausen zu Staufenberg.

Zu Wahlvorsteher« bezw. Stellvertretern werden ernannt: in Gießen:

für den 1. Wahlbezirk: Beigeordneter Georgi als Vorsitzender, Stadtverordneter Hom berg er als Stellvertreter - für den 2. Wahlbezirk:

Stadtverordneter Heichelheim als Vorsitzender,

Adami als Stellvertreter - für den 3. Wahlbezirk:

Stadtverordneter A. Keller als Vorsitzender,

Schwall als Stellvertreter - für den 4. Wahlbezirk:

Stadtverordneter Zug Hardt als Vorsitzender,

Hau b ach als Stellvertreter - für den 5. Wahlbezirk:

Commerzienrath W. Gail als Vorsitzender,

Kaufmann Friedrich Habenicht als Stellvertreter - für den 6. Wahlbezirk:

Oberbürgermeister Gnauth als Vorsitzender, Stadtverordneter Vogt als Stellvertreter-

für den 7. Wahlbezirk: Stadtverordneter Hehligenstädt als Vorsitzender, n Kirch als Stellvertreter.

In den übrigen Gemeinden hat der Großh. Bürger­meister als Wahlvorsteher, der Großh. Beigeordnete al- Stellvertreter zu fungtren.

Die Wahl ist in den einzrlnen Gemeinden tu dem Ge­meindehause, bezw. in deffen Ermangelung im Schulhause abzuhalten und wird durch die Großh. Bürgermeistereien dal Nähere ortsüblich bekannt gemacht werden.

Zum Wahlcommlffär, au welchen die Wahlacten etnzu« senden find, ist der Unterzeichnete ernannt.

Gießen, den 17. October 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 17. October 1896. Betreffend: Reichstagswahl.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<ro die Großh. Bürgermeistereien M Kreises.

Wir beauftragen Sie, vorstehende Bekanntmachung, welcher Sie noch die Bezeichnung des Wahlloeals zuzusetzeu haben, sofort spätestens aber am 27. October 1896 in Ihren Gemeinden, sowie in den Ihnen etwa zugetheilten besonderen Gemarkungen orts­üblich bekannt zu machen.

Ihrem Bericht über den Vollzug dieser Anordnung sehen wir unter Angabe des Tages der ortsüblich erfolgten Bekanntmachung zugleich mit der Namhaftmachung des Wahl­lokals unfehlbar bis zum 31. October entgegen.

v. Gagern.

vekauatmachung,

betreffend die Reichstagswahlen.

Nachdem der Unterzeichnete für die am 5. November d. I. stattfindende Reichstagsersatzwahl zum Wehlcommiffär des ersten Wahlkreises des GroßherzogthumS, bestehend aus:

1. Kreis Gieße«;

2. aus dem Kreise Alsfeld die Gemarkungen: 1. Atzen­hain, 2. Bernsfeld, 3. Ermenrod, 4. Flensungen, 5. Ilsdorf, 6. Kirschgarten, 7. Lehnheim, 8. Merlau,

Feuilleton.

Strich durch die Rechnung.

Don O. Sandor.

(Nachdruck verboten.)

Lehnsmann Knut Frerksen trat vor die Thüre seine- stattlichen Gehöfte-, schob die schwarzsetdene Mütze etwa- tiefer in die Stirn und blinzelte schmunzelnd und erwartungs­voll den breiten, mit Pappeln bestandenen Fahrweg hinunter.

Er erwartete seinen einzigen Sohn, der seit vier Jahren die lavdwirthschaftliche Akademie in H. besuchte und der heute heimkehrte, uw seine erworbenen theoretischen Kennt- ntffe nun in dem großen väterlichen Besitz praktisch zu Ver­wertheu und dem Vater in der Leitung seines einstigen re chen Erbe- hilfreich zur Sette zu stehen. Knut Frerkseu hatte nur zwei Kinder: seinen Sohu Hermann und seine Tochter Elise. Dabet war sein Hof der größte, seine Marsch­ländereien die schwersten, sein Vieh da- fetteste in der ganzen Umgegend, und da- wollte etwas sagen.

Im Uebrigeu war Lehn-mann Knut Frerksen nicht nur ein reicher Hofbesitzer, sondern auch ein intelligenter, wohl­wollender und bei seinen Bekannten beliebter Mensch. Seine schwache Sette, wenn man das so neunen wollte, war seine Energie, mit der er gern ein wenig renommirte.

Ich besitze eine eiserne Energie," war sein gewöhnliche- Schlagwort, wenn er etwa- erzählte, in dem die Consequenz seiner Willeu-bethätiguug eine Rolle spielte. Seine Freunde nannten ihn deßhalb auf ihrem friesischen Platt kurzweg Jsern (Eiserner) Knut".

Mir Vorliebe und einem gewiffeu Triumph sprach er davon, wie schwer es ihm in seinen eigenen vier Pfählen geworden sei, seinen Willen durchzusetzen, wie er aber doch mit seiner eisernen Energie gesiegt habe, so daß keiner mehr wage, sich zu mucken. Sein Sohu Hermann sollte natürlich später den Hof übernehmen und wußte Landwirth werde», da- stand so fest wie Amen in der Bibel. Da- Eli-cheu dagegen, da- so zart und pimpelig wie eine Prinzessin war, war entschieden al- Bauerfrau zu schade. Die mußte einen

gelehrten Stadtherrn, einen Doctor oder Profeffor oder doch so ein große- städtisches Thier heirathen, da- stand ebenso bombenfest bet ihm. Ihre Mitgift konnte sich ja sehen lassen, eS würde ihr in der Stadt nichts abgehen. Jsern Knut setzte diesen Nachsatz in Gedanken immer gleichsam zu seiner Beruhigung hinzu, denn thatsächlich verband er die Vor­stellung von Gelehrten und Stadtmeoscheu im Allgemeinen immer mit Elend und Huvgerpfoten. Aber Eli-chen mit ihren achtzigtauseud Mark Mitgist konnte sich den LuxuS solcher Armen-Schlucker-Heirath schon erlauben. ES war doch auch immerhin etwa- Schönes um den Titel. So hatte fich Knut Frerksen die Zukunft seiner Kinder bereit- zurecht­gelegt, al- sie kaum den Windelhöschen entwachsen waren, und so lauge diese noch nicht selbstständig denken und Pläne machen konnten, störte ihn Niemand beim Bauen seiner an­genehmen Luftschlöffer.

Al- die beiden Geschwister aber herangewachsen waren, zeigte e- fich, daß fie auch Meinungen hatten, die unerhörter Weise denen deS eisernen Vater- ganz entgegengesetzte Wege gingen. Hermann, der in der nächsten Stadt daS Ghmnafium besuchte und dort mit sechzehn Jahren seinen Abiturienten machte, erklätte peremtorisch, er wolle Mediciu studireu, er habe einfach keine Luft zur Landwirthschaft.

Kaut Frerksen war sprachlos über die Dreistigkeit solcher Einrede tu seine Bestimmungen einfach sprachlos. Und was das Großartigste an der Geschichte: Seine eigene Frau, seine vernünftige Rieke, hielt mit dem Jungen und machte fich zu seinem Anwalt!

Na, er hatte denn auch beiden die Wahrheit gezeigt. Ordentlich aufgespielt hatte er beiden und da waren fie dann zu Loch gekrochen und hatten Pique betgegebeu.

Ja, ja, den Weibern und den Jungens gegenüber muß man eine eiserne Energie an den Tag legen.

Wenn der Junge denn durchaus noch nicht au» den Büchern wollte, so mochte er auf der landwirthschaftlichen Hochschule den DüngungSwerth des PhoSphatmehleS und ThomaSschlackS studtren. Knut war Fortschritt-manu und hatte al- solcher gegen die Wissenschaft und die theoretische Ergänzung der Praxi- nichts einzuwendeu.

ES setzte freilich noch einen harten Kampf ab, der Junge hatte einen verdammten Dickkopf und bei den Weibern gab eS Heulen und Zahneklappern, aber schließlich, wie gesagt, triumphtrte Knut, die andere Partei capttulirte und alle- war in schönster Ordnung.

Eigentlich hatte Hermann nur zwei Jahre auf der land- wirthschaftlichen Schule bleiben sollen, aber der Junge bat so sehr, ihn doch noch ein Paar Semester dort zu lassen, b>- Knut schmunzelnd einwilligte. Das landwtrthschaftliche Studium schien ihn uun doch zu iuteresfiren und schließlich dachte der Alte amüfirt fich der Bengel tu der Großstadt. . . . Na, laß iho- kann noch lange genug auf der Scholle fitzen.

Ein paarmal kam Hermann in den Ferien nach Hause. Der Alte examtvirte ihn dann wohl mal über die Nationalität der englischen Viehzucht, über künstliche Dungstoffe und andere Sachen, aber die Antworten, die er erhielt, waren ebenso confuS al- laugathmig und so untermischt mit lateinischen Bezeichnungen, daß Knut, um nicht vor dem Jungen begriffS« stutzig zu scheinen, lieber daS Fragen eiustellte.

Während Hermann- Studienzeit vertrat Knut- Neffe, ein Brudersohu seiner Frau, Hau- Schwerdtfeger, der fich auf dem Hofe des Onkel- etwa- in der Landwirthschaft ver­vollkommnen wollte, deffen Stelle. Han- war ein tüchtiger Bauer und Knut- rechte Hand. Jferu Knut seufzte oft ein bt-chen, wenn er die beiden jungen Leute im Stillen mit­einander verglich.

Inzwischen ging im Hause auch nicht alle- nach seinem Kopfe. Die paffende Partie für Elise hatte er bereit- in ' einem jungen Gymuafiallehrer der nahen Stadt gefunden, Dr. Ernst Weiler, der nach der Berficheruug seine- Freunde-, Bankier Schmidt, ficher noch mal Uuiverfität-profeffor werden würde. Der junge Mann hatte fich auf Bällen und bet sonstigen Gelegenheiten oft an Eli-cheu herangemacht, aber seltsamer Weise wollte fie nicht recht auf seine Cour- machereien höreu.

(Schluß folgt.)