find und al» solche den Glanz der Petersburger Hoffestlich- feiten bilden. In Paris steht «an dem Erscheinen der Damen mit großer Spannung entgegen. Die Organisation des Ehrendienstes, der ein absolutes Ehrenamt bildet, ist mit strengster, unverletzlicher Etikette verbunden. Die jungen, für dieses Amt gewählten Damen genießen außerordentliche Privilegien. Sie haben den Vorzug, bei allen Eeremonien zugegen zu sein. Das junge Mädchen, welches zu Beginn eine Ehrendame „mit Abzeichen" ist, trägt auf der linken Schulter das auf einem hellblauen Seidenbande mit Gold gestickte Monogramm der Kaiserin. Was das Gewand der Ehrendamen anbetrifft, so kann man sich kaum etwa- Kostbareres vorstellen. ES besteht aus einer weißen AtlaSrobe, welche vom Kopf bis zu den Füßen mit kostbaren Steinen besetzt ist. Ueber die Robe hin fällt eine große, mit Gold gestickte Tunica aus rothem Sammet mit langer Schleppe und großen Pagodena-Aermeln. Der characteriftischste Theil dieses CostümS ist der Kopfputz, eine Art von Diadem (Kakochuik), welches in seiner Form an die Kopsbedeckung der Göttinnen des AlterthumS erinnert. Dieses Kakochuik ist sammt dem Pavonik, welches noch die eleganten Ammen Petersburgs und Moskaus tragen, der einzige, den alten Loftümen Groß-RußlandS entlehnte Kopfputz. Er ist, gleich der Tunica, aus rothem Sammet und mit Edelsteinen auS- geschmückt. Ein großer, weißer Tüllschleier, welcher nach hinten in reichen Falten über die Schleppe fällt, ist daran befestigt. Diese Toilette aber ist nur auf eine gewisse Zett beschränkt. Nach 'Verlauf von wenigen Jahren nämlich geht daS „Ehrenfräuleiu mit Abzeichen" in den Rang der „Ehrendamen mit Portrait" über und vertauscht die reiche Purpur- tunica gegen eine andere, bescheidenere, auS smaragdgrünem, mit Silber gestickten Sammete Dafür aber tritt an Stelle des Monogramms der Zarin deren reich mit Diamanten besetztes Portrait. Bisweilen wird dieses auch durch den St. Katheriue-Orden ersetzt, welchen Peter der Große für hervorragende Frauen einst gestiftet hat. Was das Herkommen der jungen Damen anbetrifft, so wählt die Kaiserin diese und zwar ganz nach ihrem eigenen Geschmacke, auS den Familien der hohen Offiziere und Beamten. Aehnlich wie in Deutschland die Pagen-Jnstitute, existiren in Rußland Vorbereitungsschulen für diesen Ehrendienst. Man hat diesen Namen Pöpiniere gegeben. Die Schülerinnen werden daselbst in der strengen Hofetikette, wie diese ihr späteres Leben mit sich bringt, erzogen. DaS Costüm, über welches eine seidene Schürze getragen wird, weist die sonderbare Vorrichtung
auf, daß, wenn daS Satserpaar zu Besuch erscheint, waS des Oeftereu der Fall ist, sich dieses durch eine Kuöpfvorrichtuug sofort in ein kurzärmeliges und decollettrteS verwandelt.
• WaS Boebetjüge koste», davon kann man sich einen Begriff machen, wenn man erfährt, daß der Sonderzug, welcher jüngst die */. Jahre alte russische Prinzessin Olga nach Kiel brachte, darauf nach Görlitz fuhr, um die kaiserlich russischen Gäste nach Kiel zu führen, der deutschen Hofhattung 58,000 Mk. Kosten verursacht hat.
• Drachensport. Die Zeit ist wieder da, von der eS heißt: „Die Knaben loffeu ihre Drachen steigen." Die Papier Ungeheuer find indeffrn chcht nur Kindersptelzeng. Allgemein weiß man, daß Franklin durch Beobachtung an einem Drachen zur Erfindung des Blitzableiters gekommen ist. Weniger bekannt schon ist eß, daß alle Flugtech niker, um das große Problem des „Fliegens der Menschen" zu lösen, den Drachen zu ihrem Studium benutzt haben und die einzigen practtschen Erfolge, die mau auf dem Gebiete dieses Problems, wenn auch bisher nur in beschränktem Maße erzielt hat, gründen sich alle auf dasselbe Gesetz des Luftdruckes auf die schiefe Ebene, der das „Steigen" des Drachens bewirkt. Aber auch die Kriegstechnik verwendet den Drachen, und zwar zu demselben Zwecke, wie den Fessel- ballon, nämlich zur Auskundschaftung der feindlichen Stellungen. Der Drache bringt einen photographischen Apparat hinauf, der durch die Schnur aus übersponnenem Kupferdraht electrisch regulirt wird. Ein Druck unten, eß öffnet fich daß Objectiv der mit dem Drachen in den Lüften schwebenden camera obscura und eine Momentaufnahme ist gemacht. Nachdem man den Drachen wieder zur Erde gezogen und die Brom silber-Gelattne-Platte „entwickelt" hat, steht man getreulich auf der Platte, waß da oben daß künstliche Auge deß Drachen- erblickt hat. Der geschwänzte Luftbummler kann also unter Umständen auch al- Vaterlaud-vertheidiger im F-stungßdienste eine Rolle spielen.
CHrrotur und Arurst.
— Die Briefe Fritz Reuter- an seine Braut, die auS dem Nachlaß der Wtttwe in den Besitz der deutschen Schillerstiftunq übergingen, treten nunmehr in der „Gartenlaube" an die Oeffentlich- feit. Schon Adolf WUbrandt hat al- Biograph de- großen plattdeutschen Humoristen den Schleier lüften dürfen, der bi- zu besten Tod die langwierigen inneren Kämpfe verhüllte, die dem später so glücklichen Ehebund Reuter- mit feinem Louisfing vorausgingen. Die jetzt veröffentlichten Briefe des Dichter-, in denen diese Kämpfe zu unmittelbarem Ausdruck gelangten, sind die Documente eines er
schütternd« Herzm-roman-, welche Niemand ohne herzlich« Lnt-41 lesen kann. Johanne- Proelß hat eß verstand«, sie für die .Gatter laube* mit einem erläuternd« Text zu umrahm«, der sie unti einander in d« lebendigsten Zusammenhang bringt und ihr« I,, halt zu einem abgerundet« Leb«-- und Zeitbild erwettert. Reutet „Slromttd", in welche seine Verlobung mit Louise Kunze siel, oct mehr «Iß die .Oll« Kamellen* ahn« last«, auch eine Sturm- urt Drangzett, in welcher sein Lrbensschin nahe daran war, zu scheitert Sie war überschattet von d« tragisch« Nachwirkung«, welche ht lange Gefängniß- und Festung-Hast, mtt der Reuter sein patriotische Schwärm« alß Burschmschafter büß« mußte, über ihn verhäo,! hatte. Untkr dem Drucke deß Mißtrau«-, mtt dem sein grämliche alter Dater ihm die Rückkehr in- Leb« erschwette, gab er h< juristische Laufbahn auf, um Landwitth zu werd«. Bmachtheiltz im Erbe, machte er den Versuch, fich al- Lehrer ein AuSkommm n sichern, biß er langsam erkannte, daß sein wahrer Beruf der M Dichter- sei. Al- er fich verlobte, war er noch fern von dieser (*© kenntniß und erst in der Umfriedung der Ehe fand er zu seioa pottisch« Talmte da- Zutrau«, um öff«tlich al- Dichter eiriu tret«. Mit welchem Erfolg weiß die Welt. Ein« wie grefca Antheil an diesem Erkenntnißproceß die Liebe für daß von ihm a korene Mädchen gehabt hat, last« sogleich seine erst« Briese a kennen Der Humorist hat auf der Höhe seiner Erfolge einmal üte sich alß Dichter geäußert, daß er eine .etwa- derbe plaltdeui'L Person" fei; hier seh« wir, wie zatt und glüh«d er in der Zer da er mtt heißer Inbrunst um Liebe warb, feine Gefühle zu äußrrr wußte. Diese Liebeßbriefe lasten unß, wie Proelß treffend sagt, a kennen, wie der urwüchsige kernhafte Poet, der in unserer ßlttereii al- der größte Humorist de-Jahrhundert- dasteht, die heilige der Liebe noch inniger emp'unden hat, al- so mancher andere Diäiv der nach Minnesängerart feine Leier zeitlebens zum Preise der l'iti- gerührt hat.
— »Da» «nde mit Schrecke«so ist da» vorletzte (fapit- des im Verlage von Stephan Geidel in Alt«burg S.-A. t schienen« Lieferung-werkeS: N. Steffen Sohn, Erinnerung«: eine- Pariser Nationalgardisten a. d. I. 1870 71 fiter schrieben. Grauenhafte Bilder und Scmen, der« Augenzeuge |uz Theil der junge in die Nationalgarde gesteckte Luxemburger wc werden in den beiden Schlußlieferungm (8 und 9) vor dem £dc entrollt; e- sind die Maitage de- Jahre- 1871, die letzt« Tage tc Commune, die Ermordung der Geiseln, die Nieder schießung tc Generale Lecomte und Ciöment Thomas, welche unS, the>lweise unt- Beisügung von Zeichnungen R. StarckeS nach authentisch« Do: lag«, mit großer Anschaulichkeit geschildert wttdm. Da- Buch, de« ein Plan von Pari« mit sein« Festung-werken, wie solche in bc Jahren 1870/71 bestand«, beigefügt ist, liegt nun fertig vor, ur! was bei Lieserung-werkm besonder- anzuerkennm ist, eS uw'ii: statt der in Aussicht genommenen 10 Lieferung« nur 9 und kos daher elegant broschirt nur 3 Mk. 60 Pfg., hochelegant gebimbc 4 Mk. 80 Pfg. Zu der Lieferungsausgabe hat die VerlagSbu^ Handlung auch eine hochelegante Einbanddecke zum Preise von Mt 1 Herstellen lasten. Wer sich über die Verhältnisse in Patt« zur j g der Belagerung informiren will, dem können wir kein bessere-, a.' Selbsterlebnissr gegründete- Buch empfehl«.
Alice-Fchule in Gießen.
Beginn des Winter-Semesters am 13* Oetober. Aufnahme der Schülerinnen am 12. Oetober, 10 Uhr.
Auszug sus dem Unterrichtsprogramm:
1. Klaffe: Englische und französische Converfation, Bügeln, weibliche Handarbeiten; 10 Wochen; 50 Mk.
2. Klaffe: Hand- und Maschinennähen, Sticken u. s. w., Bügeln, oder Kleidermachen und Bügeln; 10 Wochen; 20 Mk.
3. Klasse: Hand- und Maschinennähen, Flicken, Stopfen, Weißsticken, Fach- und Freihandzeichnen; 10 Wochen; 15 Mk.
Ausführliche Einzeleurse:
bmonatliche Curse für Lehrerinnen (40 Mk.), im Weißnähen oder Kleidermachen (30 Mk.), im Sticken (12 Mk.).
21/2 monatliche Curse im Bügeln oder Kunstwaschen (12 Mk.), in französischer und englischer Converfation (je 20 Ml.), Kochcursu« (50, Vormittage 36 Mk.).
Gedruckte Programme sind durch den Vorstand oder die Oberlehrerin, Fräulein Möser, erhältlich. 7893
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Reinige« beginnt wieder am 1. October.
Frau Hofmaun, vormals Witlwe Mmsim,
früher Lehrerin an der Aliceschule.
Anmeldungen werden entgegengenommen in der Wafch- und Bügel-Anstalt, Kaplansgaffe 14, 2. Stock. 7990
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Submission.
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600 „ gute Speisekartoffeln
(500 (JtT.magnum bonum, 100 Ctr. Spätrose),
20 „ Kartoffeln, sog.Mäu-chm
10 „ untererdige Kohlrabi,
2 „ obererdige „
8 „ Zwiebeln,
2 „ rothe Rüben,
2 „ Meerrettig,
10 „ gelbe Mben,
40 „ Weißkraut,
150 Stück Rothkraut,
400 „ Wirsing,
200 „ Lauch,
350 „ Sellerie.
Die Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungsbüreau der Neuen Kliniken an den Wochentagen, Nachmittags von 3—5 Uhr, eingesehen werden.
Offerten sind verschloffen, mit ent sprechender Aufschrift versehen, bis zum
Samstag, 3. Oetober 1896,
Mittags 12 Uhr, auf dem oben erwähnten Büreau einzureichen.
Zuschlag erfolgt am 10. Oetober 1896.
Gießen, den 5. September 1896. Großh. Verwaltung- • Direction der
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