Heims, sowie über die Art und Weise der Rückzahlung der Antheilscheine, 3. Ne. wähl und Erweiterung des VorstcmdeS. — DaS neue Gesetz über die Gehalte der VolkSschullehrer, welches am 1. April 1897 in Kraft tritt, spricht jedem Lehrer eine angemessene Wohnung oder eine entsprechende Miethentschädigung zu. Letztere ist gleich dem Betrage, welcher iu der betr. Gemeinde für eine angemessene Wohnung zu zahlen ist. Der Lehrer, der nicht im Genüsse einer Dienstwohnung ist, soll also fernerhin unter allen Umständen schadlos gehalten werden. Die Festsetzung der Entschädigung erfolgt durch die Krei-schulverwaltung- jedoch ist RecurS gegen deren Beschluss zulässig.
§ Bermuthshain, 15. September. Im Garten des Laudwirth Sebastian Escheuröder II. hier befindet fich ein Kirch bäum im vollsten reichen Früch te sch muck.
n. Staden, 17. September. Der den Gemeinden Staden, Stammheim, Ober« und Nieder «Florstadt gehörende, unfern von unserem Orte gelegene Sauerbrunnen, welcher durch ausbrechende Quellen schon seit zwei Jahren viele Kosten verursacht hat, soll nun nach dem Plan deS Herrn Geh.-RathS Prof. Dr. LepftuS aufs Neue gefasst werden. ES fand deshalb hier eine Sitzung von Vertretern der be« theiligten Gemeinden statt, der äusser dem genannten Herrn noch die Herren Geh.«Rath KreiSrath Dr. Braden uod Amtmann Tüffert, sowie ein Ingenieur beiwohnten. Herr Geh.«Rath Prof. Dr. Lepsins entwickelte seinen Plan, wonach die Quelle tiefer gefasst und nicht tu einem Schacht, sondern in einem Knpferrohr in die Höhe geführt werden soll. Die Bohrung soll bis auf die Felsspalten geschehen, aus welchen der Säuerling kommt. Die Kosten find auf etwa 3000 Mk. veranschlagt. Bei der letzten grösseren Reparatur stellte man über einen Meter starke Betonmauern her, allein die Quelle brach seitwärts aus und liess sich auch durch grosse Mengen festgestampsten weißen LetteS nicht wieder verstopfen. Bet den schlechten Trinkwasserverhältutssen in einzelnen Orten, namentlich in Staden, ist die Erhaltung des Sauerbrunnens geradezu eine Lebensfrage.
n. Aus der Wetterau, 17. September. Die Aepfel find eben ein sehr gesuchter Artikel. Für den weissen Winter« calville, der allerdings selten vorkommt, bieten die Händler über 30 Mk. fürs Malter, Kaiserretnetten gelten bis zu 20 Mk., Goldparmänen 16 bis 18 Mk., Schafnasen 11 bis 12 Mk. Natürlich gelten diese Preise nur für gebrochene und auSgelesene Aepfel. Zwetschen werden im Centner zu 6 Mk. verkauft. Der Centner Birnen, zum Latwergekochen geeignet, wird mit 2 bis 3 Mk. bezahlt.
M. Melbach, 18. September. Eine interessante Reliquie auS dem tollen Jahre 1848/49 hat sich auf dem Speicher eines Schuppens in der Nähe der Wohnung des Obersteigers gefunden. In diesem Schuppen befindet sich eine alte Feuerspritze und über dieser ist ein Raum, worin die verschiedenartigsten Dinge aufbewahrt werden. Dort steckt auch die alte deutsche Tricolore: Schwarz-roth-gold! Im schwarzen Streifen find zwei gekreuzte Hämmer (da- Bergwerksymbol) im weißen Felde. Im rothen Streifen steht: Deutsche- Parlament, im goldenen Streifen: Keine Republik! Der Fahnenschaft ist schwarz. Wenn die Fahne reden könnte, würde sie Manches zck. erzählen vermögen. Es ist schade für das alte, werthvolle Zeichen, man sollte es zu erhalten suchen.
WV. Bom westlichen BogelSberge, 18. September. Im zweiten Blatte der heutigen Nr. 220 des „Gießener Anz." wird aus dem Niddathale über Champignons, Stetn- und Ke ul en Pilze berichtet und zugefügt, daß Morcheln und sogar Trüffeln gefunden worden wären. Trüffeln haben wir bis jetzt noch niemals entdecken können. Kommen sie aber wirklich vor, was wir vorerst noch bezweifeln, dann würde es sich empfehlen, die Stellen zu merken und Anbau« versuche zu machen, denn die Trüffeln sind die feinsten Pilze und werden mit schwerem Gelbe bezahlt. Dem Vogelsberger könnte eine große Wohlthat mit der Trüffelzucht erwiesen werden, vorausgesetzt, daß sie möglich ist. Im Thüringer Walde finden sich die Trüffeln ziemlich häufig und werden gut bezahlt. Die feinsten Trüffel gedeihen in Frankreich bei Perigord (Truffles de Perigord). Zu der eben bezeichneten Mittheilung haben wir noch etwas hinzuzusügen; es wird in der Lorrespondenz aus dem Niddathale gesagt: es sei besser, die Schwämme abzuschnetden, als sie abzubrechen. Für den Champignon trifft dies nicht zu, er wird durch daS Abschnetden in der Nachzucht beeinträchtigt und verschwindet nach und nach, wenn er abgeschnitten wird. ES ist daher richtiger, den Strunk auSzudrehen, wodurch der Pilz und seine Brut weniger gestört werden, und die Nachzucht gedeiht bester.
Darmstadt, 18. September. Die hiesigen Stadtverordneten bewilligten gestern in nichtöffentlicher Sitzung auf Antrag des Oberbürgermeisters einstimmig einen sehr beträchtlichen Credit für die aus Anlaß der bevorstehenden Ankunft des ZarenpaareS geplanten Veranstaltungen.
A Mainz, 18. September. Zu Ehren der Anwesenheit des GroßherzogS fand heute Abend in den festlich geschmückten Räumen des RezterungSgebäudeS bet Provinzial« director Rothe Gesellschaft statt. An derselben nahm außer dem Großherzoglichen Paare nur das hier anwesende Gefolge Thetl. — Kommenden Sonntag findet Nachmittags im Groß- herzoglichen Palais große Mtlitärtafel von 58 Gedecken statt, wozu die Brigade-, Regiments- und BataillonScomman- drure der hessischen Division mit ihren Adjutanten Einladung erhalten haben.
kaaSwirthschafUtchr Winke und Rathschläge.
△ «u» 0bert»efferi, Mitte September 1896.
«oder das «wfdjirrm und di« Behandlung der Zugthtere.
Der Sommer geht ,u Ende! Er hat uns eine Witterung geliesert, an di« wir noch lange denken werden. DaS Grummet ist zum TheUe verfault, die Kartoffeln fangen an zu kränkeln, die WeSpen stechen Menschen und Thiere und die Feldwege find durch dem wochenlang anhaltenden schweren Regen in einem fürchterlichen
Zustande. Wer da beim Fuhrwerke nicht Acht gibt, nicht vorfichtig zu fahren versteht, nicht den Spruch beherzigt: der Gerechte erbarmt fich auch deS VieheS! sondern roh und unüberlegt darauf losstürmt und loShaut, der schadet sich selber am meisten und ist darum, nach einem anderen Spruche ein Erzbösewicht.
Wir wollen auS langjähriger Erfahrung Einiges über daS Fahren und Snschtrren der Zugthtere hier folgen laffen. Dazu ist es die richtige Zett, denn iw Herbste wüste« die Zugthtere da» Hürteste leiste«, auch wenn die Wege nicht so schlecht find, wie fie eS gewordm. Vorsicht und Geduld find daher bei den schlämm artigen, grundlosen Wegen doppelt nöthig, wenn man sein werlhvolleS Zugvieh nicht verderben will.
Einen großen Fehler begehen viele Bauern und auch LuxuS- pferdebefitzer dadurch, daß sie sich keine Mühe geben, die Geschirre ihrer Pferde richtig anzupassen. In gedankenloser Weise werden mitunter Geschirre bei Versteigerungen gekauft, ohne zu fragen, ob denn daS Zeug auch für die betreffenden Zugthiere geeignet ist. Die Leute freuen fich außerordentlich, wenn sie 40 oder 50 Mark sparen können. DaS Sparen ist auch eine schöne Tugend; aber am unrechten Orte geübt, ist sie die übelste Verschwendung, wie wir sogleich sehen werden.
Sobald die Geschirr« angelegt werdm, sinket der Bauer, daß fie dem Körper seiner Zugthtere gar nicht entsprechen. Dorne sind fie zu lang, hinten zu kurz. Nun wird geschnallt, gedrückt, geklopft und geschoben! Aber waS nicht paßt, daS wird dadurch in dm seltensten Fällen passend gemacht. DaS Zugtbier wird an einer Stelle gedrückt, an einer anderen liegt daS Riemmzeug bohl; so muß daS fleißigste und frommste Thier jahrelang fich schindm und plagm lassm, sein Werth mindert fich viel rascher und warum? Sein Herr hat beim Ankauf eines Geschirre- 50 Mark erspart und ruinttt sich in zwei Jahren 150 Mark durch Abstrapeziren deS PserdeS, weil das Geschirr für das Thier nicht geeignet war.
Man soll den Mmschm nicht mit dem Thiere vergleichen, sagt man mit Recht, aber zuweilen schadet eS nichts, wenn man Vergleiche anstellt. Man denke fich einmal den Fall: eS sollte Jemand mähen oder hacken, er hätte aber ein Hemd an, das ihm über dm Rückm und die Brust zu enge wäre und ihn unter den Armen schnitte und preßte. Was würde der Mann thun und leisten können? Grade so geht es bei unserem fleißigstm HauSthiere, wenn eS in schlecht passendem Geschirre arbeitm soll.
Man muß darum dem Bauer, für den wir in erster Linie die Feder führen, dringend rathen: bei Anschaffung vo« Zuggeschtrr gerade so vorfichtig ««b forgfLlttg z« sei«, wie wenn er sich selbst neue Kleider anschafft. Der Bauer soll die Geschirre vom Sattler mit der größtm Sorgfalt anmeffen lassm, und wmn sie zur Ablieferung kommen, muß er jedes einzelne Stück, jede Schnalle prüfen, ob sie richtig sitzt. Seine Söhne und Knechte muß er unterrichten, wie daS Geschirr unter Umständen verstellt werden muß, denn in Wind und Wetter, bei EiS und Regen wird das Lederwerk hart, schrumpft zusammen, wird folglich kürzer und muß verstellt werden.
Das Anpassen und Anmess-n der Geschirre durch den Sattler ist eine Hauptsache, habm wir schon angedeutet. Wieviele richtige, geschickte Sattler gibt es nun für gewöhnlich? muß man fragen. Wieviele Schuhmacher gibt eS, die einen regelrecht sitzenden Schuh oder Stiefel machen können? Don beiden Arten Handwerksmeistern sind nur wmige vorhanden, die dm Anforderungen der Neuzeit entsprechen. Darum muß man doppelt vorfichtig sein.
Jeder Bauer, der nur einigermaßen mit dem Fuhrwesen vertraut ist, weiß, daß man daS Zugvieh ruhig tnS Geschirr gehm laffen muß, wenn schwere Lasten geschleppt werben sollen. Sitzt da- Geschirr schlecht, so werden die Thiere gedrückt, wund und bluten. Das verursacht brennende Schmerzen und bei diesm soll ein Pferd ruhig Vorgehen und gewaltigen Druck anwenben. Man stelle sich einmal die Qualen eines wunden ThiereS bei harter, schwerer Arbeit vor! Es wird unruhig, heftig, fährt zurück, anstatt vorzugehen und verdirbt in kurzer Zeit. Gut gesäet, ist halb geerntet! sagt ein bäuerliches Sprichwort; darnach bildet man das Wort: Gut angeschirrt ist halb gearbeitet! Und dazu daS Dritte: Wie der Mann ist, so ist auch sein Geschirr!
Seit mehr als zehn Jahren hat man Pferdeschorrer erfunden, die dm Zweck haben, daS Anziehen der Lastwagen zu erleichtern, den Druck und die Last bester zu vertheilen. Ebenso hat man «eUschetle (Crt« oder Zugscheite) hergertchtet, die Seder« besitze« und einen ähnlichen Zweck verfolgm, wie die Pferdeschoner. Die mit diesen einfachen und billigen Vorrichtungen gemachten Versuche habm bewiesen, daß sie vc-n entschiedenem Vortheile sind, weShalb st' von den practischen Landwirthen angewandt werden. Nun sehe man einmal unter unseren Bauern nach, wieviele sich mit diesen vorth ilbasten Erfindungen vertraut gemacht haben. Schreiber dieser Zeilen ist zur Wette bereit, daß unter hundert Kleinbauern kein einziger ist, der je einmal einen Pferdeschoner benutzt oder noch nicht einmal gesehen hat. Die Leute sparen alljährlich ein paar Mark, schinden urb fuchsen aber ihre treuen Zugthiere zum Erbarmen unb meinen Wunber waS sie für treffliche Pferbehalter wärm.
Es ist ein Kreuz und ein Elend, baß daS gute Neue einen so harten, schwerm Widerstand zu überwindm unb zu brechen hat, bi- es über Eigensinn, Halsstarrigkeit unb eingerostete Dorurtheile bm Sieg bavon trägt. In btesem Herbste wirb manche- brave, fleißige Pserb zu schänden gefahrm, baS mit Pferbeschoner unb richtigem Zuggeschirr noch etliche Jahre hätten mitgehen können.
DcrttriMptes»
• Bon der Berliner Bewerbe-AnSstellung wird erzählt, daß auch die Neger dort allerlei Einkäufe machen, um Freunde und Verwanze mit kleinen Geschenken zu erfreuen. Unsere schwarzen Landsleute haben sich hier merkwürdig schnell eingelebt und daS Erste, womit fie ihre Bildung bekundeten, war die Anschaffung von Visitkarten. Auch „drüben" gedenken sie diese Sitte einzubürgern und haben deshalb in erster Linie für alle Familteuglieder, auch für die jüngsten, Visitenkarten machen lassen, wobei sie die merkwürdigsten Titulaturen, wie „Meenherr", „Meinfreund" u. s. w. vor den Namen setzen. Ferner spielt die Photographie eine wichtige Rolle. Der Neger ist eitel und die- um so mehr, je weniger er von der Cultur beleckt ist. In allen möglichen Stellungen und Trachten haben sich die dunklen Herren und Damen aufnehmen lassen- bei btn Männern waren Militär» Helme und Mützen, bet den Frauen Fächer und Sonnenschirme am beliebtesten. Auch Frau Musica kann fich freuen- ihr wird nach der Rückkehr unserer Gäste in wahren Orgien gehuldigt werden. Die schönsten Ziehharmonika-, d. h. solche mit möglichst bunter und blinkender Ausstattung, Mundharmonikas, Blech und Holzpfetsen, Kindergeigen und andere Marterinstrumente für musikalische Ohren werden den Weg nach Afrika nehmen. Die Händler in Alt Berlin zählen ferner die Eingeborenen aus der Colonial-AuSstellung zu ihren besten Kunden, die bei ihnen Brachen, Ohrringe, Armbänder und Anderes kaufen. Die herrlichsten Brillanten-, Rubinen-, Smaragdringe zu 50Psg. bis 1 Mk. prangen an den Fingern der dunklen Söhne und Töchter des Südens. Ihren daheim gebliebenen Müttern, Schwestern und Bräuten bringen die Neger außerdem noch die schönsten bunten Cattuu-, Piquöe- und Wollkleider mit- auch Hüte, Schuhe, Schirme find in
dem Reisegepäck vertreten. Ton king-king von den Neu-Gntnea- Leuten ist der Modernste unter den Modernen- er hat sich sogar zum Ankauf eine» CorsetS für feine Frau auf- geschwungen! Spazierftöcke, Cylinderhüte, Spotthemden und Spottgürtel findet man gleichfalls unter den Einkäufen. „Bismarck" hat fich sogar, um daheim als Prinz von Geblüt würdig auftreten zu köaoeu, einen Arttlleriehelm und einen Schleppsäbel gekauft.
* Venedig hat vsr anderen Städten den vortheil, daß man daselbst wenigsten- nicht auf den Straßen von Radfahrern überfahren werden kann, wie die- bei uu- ja immer mehr einreißt. Um aber den Radfahrfport auch auf den Canälen der Lagunenstadt möglich zu machen oder wenig, sten- ein Surrogat dafür zu schaffen, hat fich jetzt daselbß eine Gesellschaft zur vermiethuug von Wasserfahrräder», ebenso zur Beschaffung von Tretmotorbooten gebildet, so baj wohl bald in den Canalstraßeu der Dogenstadt die Schelle der Wasser-Radler den Ruf der Gondolieri» verdrängen wird. (Mitgetheilt vom Internationalen Patenr - Burean Earl Fr. Reich eit, Berlin NW. 6).
• Der großartige Aufschwung der deutschen Industrie wird vom früheren französischen HaodelSmintster Jules Roche im „Figaro" besprochen. Die Eoncurrenz der deutschen Industrie habe Frankreich den Rang abgelaufen und erfülle auch England, daS allerdings noch an der Spitze bei Welthandels warfchire, wir großer Besorgniß. Deutschland, daS vor 15 Jahren in vierter Reihe stand, occupirt heute im Welthandel den zweiten Rang, während Frankreich hinter Nordamerika auf den vierten Platz verdrängt wurde. Der deutsche Handelsverkehr verdankt seinen Susschwunq dem deutschen Unternehmungsgeist und der Unterstützung Seitens deS deutschen diplomatischen und ConsularcorpS. Der fror zöfische Handel entbehre dieser Wohlthaten.
* Sine KatzenauSstelluug. In Paris findet in einigen Tagen eine Katzen-AuSstellung statt, die erste bieler Art in der französischen Hauptstadt. Im Jardin d’accli- matisation werden die miauenden Katzengeschlechter aller Raffen ausgestellt sein. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Nach dem Prospekte der Ausstellung und den Publicatioaen derselben wird die Ausstellung io erster Linie den Zweck haben, die Verbess-rung der Katzenrassen herbeizusühren.
* Redaktion und Kindesliebe. AuS der Redaktion eines mitteldeutschen ProvinziolblatteS wird eine reizende Geschichte mitgetheilt. Seit einiger Zeit tauchten im Feuilletootheile dieser Zeitung Nachrichten über abenteuerlich alte Leute, besonders Hundertjährige, auf. Diese Hundert- jährigen indessen mehrten sich unter dem Strich der Zeitung allmählich bi- zur Unwahrscheinlichkeit und deutlich trugen sie das Brandzeichen einer absichtlichen Entenfabrikation an der Stirn. Endlich bittet der Chef seinen Feuilletormanv zu sich in seine Stube. „Lieber Freund", fragt er, „waS machen S>e denn? Wo wollen Sie denn mit den vielen alten Leuten bin ? Was haben Ihnen bloS die Hundertjährigen gethan? Haben Sie eine fixe Idee? Dann nehmen Sie vier Wochen Urlaub und gehen Sie in eine Kaltwasserheilanstalt." Der junge Mann erröthet verlegen, b 8 er fich endlich zu einer Antwort herbeiläßt. „Ich hab' eine alte siebzigjährige Mutter zu Hause", sagt er, „sie lebt so sehr gern und mein üebfter Wunsch ist, sie soll mir noch lange erhalten bleiben. Wenn sie von den alten Leuten liest, bann freut fie fich so, ben Lesern schadet- doch auch nicht»." — Die Zeitung setzt noch heute jede Woche ein paar Hundertjährige in die Welt.
Citaratur unb Annft.
— „Bor 100 Jahre« KrtegSgeschtchte der Ktadi und Keffvng Gieße« 1 «VS * Verlag der F«bsenfelb'ch«n Uaio. Buchdanblung (Frees unb Taschv). PrctS 1 Mk. ES rruß alß verbienstvolles Unternehmen bejddirtt werben, wenn der für dr«sc Aufgabe besonders berufene 93'tfafftr auf Grund einer reichen Uever- lieferung von Urkunden und Chroniken rS unternimmt, ein« |u» sarnrnenfassende Darst llung der damaligen Zeitläufte unb b.r wichirt- vollen Gcschicke unserer ©iabt unb deren Umgebung zu i-«ber. Ta> Werk ift vor Allcrn für die weiteren Kreise unserer Eina odne-schalt bestimmt, deren Drang nach Erkern lniß einer der wichtigsten Perioden unserer städtischen Geschichte e- befriedigen soll. Daß e» dieses Z>" erreichen wird, dafür birgt die s.ffelnde Darstellung-weif«. Wir wünschen diesem Erinnerungswerk einen recht großen Leserkreis. ~
Perfekt, €aub* unb
S Geder«, 15. September. Der heutig« Diehmarkt war in Schweinen stark, in Rindvieh schwach befahren. E- waren etwa 800 Stück Schweine ausgetrieben, meisten- junge Ferkel und Früd- ling-serk«!, sogenannte Einlegeschweine. Junge Ferkel, 6 b>< 8 Wochen alt, kostet,n do- Paar 18 bi« 24 Mk., ältere, 8 bi« 12 Wochen elf, da- Paar 22 bis 30 Mk. Allgemein war der Handel in Sctwttnev gedrückt, verkauft wurde wenig. Rindvieh waren etwa by Stück aufgetticben, größtenthetlS Jungvieh. Halbjährige Jini''- kofteiw da« Stück 70 bi- 90 Mk. Heitere Rinder wurden mit 1 0 bi« 140 Mk. bezahlt. Kühe kosteten da- Stück 170 bi- 200 Mk. tri'ch- melkende Kühe 260 bi- 320 Mk. E« wurden hiervon '-emlich »«' kauft. Auch war in Rindvieh der Handel gedrückt, di« Preis« dagegen zufriedenstellend.
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Meyers Konversations - Lexikon


