Ausgabe 
20.2.1896 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 2V. Februar

1S96

Zweites Blatt.

Mr. 43

Amts- und Anzeigeblutt für den Aveis Gieren.

Hratisöeikage: chkeßener Aamitienötätter

Amtlicher Thell

v. Gagern.

Feuilleton.

Z6.

r

«»nahm« von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» Sonn. 10 Uhr.

Besondere Bestimmungen.

1) Zur Musterung haben sich, bei Meiduug der gef* lichen Strafen, zu stellen:

aurige Nachricht von seres lieben Sohnes,

jitldlM.

Der chieheuer Anzeiger erscheint täglich, »n Ausnahme de» Montag«.

IttbUebmeu.

ISN

21. Februar, H if)e 8, ous ßalt

ager

Alle Rnnoncen-Bureaux de- In- und Lu-lande- »ehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegn«.

viert«lstchri§«r Aöonncmentaprei»» 2 Mall 90 Psg. eM vringerlohu. Durch die Post bezog«» 2 Mark 50 Psg.

Äebtidion, Txpvditia» und Druiterei:

-chulstraheNr.?. Kernfprcchcr öl.

Dir Gießener WuMikieußkLIter wtfct» dem Anzeiger »ächattlich dreimal deigelrgt.

Dir Ddr des Hor>).

Eine FaschtngSgeschichte v«» OScnr 8i«fe.

(Schluß.)

Wie wird dieses Berlin wohl nach fünfhundert Jahren r»ssehen? dachte er; und da auch da- Denken 0an und Dr ffd)* allmählich ebenso müde macht wie Stetneklopfeu oder einige Liter echten Münchener Bieres, so schlief er ein.

Zwei sanfte Stöße der plötzliche Ruck der stehen Uribenden Rofinaute und ein ausmunterndes Schütteln der raheloS gewordenen Frau Schwägerin erweckteu den stolze« Gralsritter; er sprang aus dem Gefährte, reichte leien« Schützling den Arm und ging auf die Thüre des Hasse- zu.

Frau- suchte den HauSschlüffel in allen Taschen, selbst i* der Westentasche.vergessens" ries er au- und sah Krau Martha mit traurigem Lächeln an.

^Wächter!* scholl eS durch die Stille der Nacht. Leine ttitieort. Beide gingen au die nächste Straßenecke und nun nahte« fich die furchtbaren Linder der Nacht, die rächenden Samenibe«, freilich nicht mit furchtbar zischenden Schlangen ms dem Haupte, sondern mit einem völlig unfichtbaren Äffe«*: ein junger Kaufmann und mit ihm Arm in Arm rta Student, in etwa» faustischer Stimmung, nicht mehr im Stande, die echte Tochter der Leda von einer Talmi-Helena ,n Unterscheiden.

Hin paar anzügliche Worte, die Rempelet und die Holzerei war fertig; händeringend und schreiend stand Frau Rartha dabei; schon lag der Student strampelnd am Boden, schon wollte der jammernde Merknrjüogling seinen Jrrthnm remevoll erklären da kam endlich der Nachtwächter »nd imch gleich ei« Schutzmann. Der Anblick dieser beiden Feivde nedjte wieder den aufspringenden Studenten wüthend. Lurz, m, die ganze Angelegenheit in die gehörige Klarheit zu bringe», forderte der Nachtwächter, sowie der Schutzmann, be ide erst seit ein paar Tagen diese« Revier überwiesen, die 8-rsellschaft auf, »ach der Wache zu kommen.

Franz und Frau Martha, zu ihrer Rechten den Hüter )n Nacht, hinter thne» da» Auge de- Gesetze», recht» und Wl neben fich die beide« jungen Menschen, fortwährend ihnen Jrrthu«, ihre Unschuld auf Ehre bettzeuerud gewiß,

-ünterric

r Methode

Bekanntmachung, das Erfatzgeschäft pro 1896 betreffend. Die Musterung und Loosziehung der Militärpflichtigen des Kreises Gießen für das Jahr 1896 findet an den nach­benannten Tagen statt und zwar:

I. Zu Gießen in der Restauration Zum Lahnstein", Nordanlage. Mittwoch den 11. März, Vormittags von 8 Uhr t«: Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf an der Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alten - Buseck, Annerod, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen- Buseck, Hattenrod und Mainzlar;

Donnerstag den 12. März, Vormittag von 8 Uhr an; derjenigen der Stadt Gießen der beiden ältesten Jahrgänge (1894 und 1895) und der Gemeinde Großen-Linden;

Freitag den 13. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1896) der Stadt Gießen und derjenigen der Gemeinden Heuchelheim und Klein-Linden;

Samstag den 14. Marz, Bormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Lollar, Oppenrod, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Trei» a. d. Lda., Trohe und Wieseck;

Montag den 16. März, Vormittags von 8 Uhr an Loosziehuug.

so etwa» hatte denn die lebenslustige Frau Oberlehrerin «och niemals erfahren. Thränen schimmerten in ihren Äugen und sie war tm runde de» Herzen» am meisten über die Bummliflkeit ihre» Schwager» ärgerlich: wie konnte er auch den Hausschlüssel vergessen! Hätte er den zu fich gesteckt, so wäre alles friedlich verlaufen.

Bald befanden ste fich in de« unscheinbaren Raume der nächsten Polizeiwache. Hier saß ein mächtiger, ernst drein- schauender Riese, den blaue« Rock halb ausgeknöpft; gewaltige Folianten standen hinter ihm aufgestapelt. Er sah auf, er lächelte: er erkannte die junge Frau Doctor, wohnte er doch im selben Hause im dritten Stocke, wußte doch sein ältester Junge vom Ordinarius Dr. Wagner manche heitere Schnurre zu erzählen.

®'e kommen wir zu dieser Ehre, Frau Doctor?" sagte er aufstehend und fich den fürchterlich wallenden Rothbart in gutmütiger Behaglichkeit streichelnd.

Frau Martha glaubte vor Scham in die Erde finke« zu «Affen; ihr schönes Gesichtchen wurde flammend roth.

Aber da entstand ein neuer, vom Flur eindringender, ohrenbetäubender Lärm; eS war, wie der klasfische Philologe Herr Oberlehrer Dr. Wagner zu anderer Stunde gesagt hätte, al» wenn eine Schaar von Bacchanten und Mänaden in dionyfischer Festzeit durch die Gaffen Alt-Athen» lärmend dahinsiürwte. Die Thüre wurde geöffnet und ehe noch daS Gewirr von Menschen fich löste, flog ei« Filzhut über die Köpfe weg, gerade zu den Füßen Frau MarthaS nieder; und dieser Filzhut war jämmerlich zerdrückt, zerschlagen und zerknüllt und er lag zu ihren Füßen, wie um Hilfe, n« Verzeihung, um Gnade flehend.

Die erste nächtliche Ruhestvrergesellschaft trat für einige Augenblicke völlig in den Hintergrund.

Empört, Frechheit! Herr Wachtmeister, Sie kennen mich," klang da eine wohlbekannte Stimme, grollend, düster; und der Mann, auf seinen Freund weisend, rasend wie ein Ajax, fuhr fort zu reden:

Diese Dame da und diese Kerle haben un», uns, Herr Wachtmeister, friedlich hetmkehrende Bürger, schamlos insultirt. Komme« wir ruhig auS dem Pschorrbräu, haben wir heute etwa» lange gekneipt fünf Liter und jeder einen Eognac, ja, Freund Oberme er, schüttle nicht die Mähne, eS ist so der heiligen Wahrheit immer die Ehre"

Setter kam er nicht. Wie ein Gespenst au» der Nacht

Gießen, den 18. Februar 1896.

Betr.: Die Regulirnng der Gewerbesteuer.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die Grotzh. Bürgermeistereien des KreiseS.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unserer Verfügung vom 4. d. MtS. Anzeiger Nr. 32 im Rückstände find, werden hieran mit Frist von 5 Tagen erinnert.

auftauchend und vorschreitend, erschien neben ihm sein Bruder und lachte, lachte.

^Wie kommst Du denn hierher?"

,Äuf dieselbe Weise wie Du und auch etwa» anbei» alS Du. Erlaube, daß ich Dir gleichzeitig und nebenbck Deine Frau vorstelle; wir beide kommen' aus der Phil­harmonie Du hast doch hoffentlich nicht auch Deins« Hausschlüssel vergessen?"

Ein furchtbares Gelächter erhob fich, i* welches selbst die Hüter des Gesetzes mit einstimmten.

Alle wurden gnädigst entlassen; die Streitsucht hatte fich in allen Gemüthern gelegt nur Einer war ganz nnbemevlt entschwunden: der große Horazgelehrte Freund Obermeta.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche.

Zu Hainchen, Kreis Büdingen, ist die Maul- nnd ^auenseuche anSgebrochen und die Gehöstsperre angeordnet »»eben.

Gießen, den 18. Februar 1896.

GroßherzogltcheS Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

5 Statuts betr.

8' DerAorstaud.

--

lauer, S.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

J^stand.

M.

s 8 Uhr,

Um fünf Uhr Morgens fitzen Mann und Frau «ed Schwager bei einer starken Taffe Mokka um den Eßtisch vor- sammelt. Bruder Franz hält den Epilog:

Sehr einfach ist die Sache, Iteb Brüderchen, ich euch Deine Fran haben auch Horazstudleu getrieben, aber btefe iaS Praktische übersetzt alS moderne Menschen von Fleisch und Blut. Du hast die erste Hälfte übernommen, da» nee« eat bibendum und wir die zweite Hälfte: jetzt laßt uns tanzen, denn wir find frei!"

Der Schulmeister schüttelte ihm die Hand, küßte fetae Frau und sagte:

Ich habe gesündigt. Bon jetzt ab will ich, wen« ich wieder Horaz studtre, diese Untersuchungen mit «einer Fr«« gemeinsam treiben. . . Ober«eier kann ja auch theilnehnw« aber nuverbefferlich neugierig seid Ihr Frauen doch. Sprich, Martha, was haft Du denn nun für neue gehest«- nißvolle Wunder in dieser Nacht gesehen?"

»Ich?" sagte fie im alten Uebermuthe,ich sah «och vor kurzer Zeit einen alten, fahlgrauen Filzhut, al» wen« er Flügel hätte, dahingegen «ud just wie guadeflehend g* meinen Füßen niederfinken, und da sagte ich mir, d« wußte ich"

gtebcS Marthchen, auf Ehre, ich hatte nur fünf » getrunken und an einem einzigen Eognac gleichsam nur"

^Gerochen!" unterbrach fie ihn lachend.

Frau Martha behielt daS letzte Wort fie sagte nicht, daß fie gern und für immer auf den Besuch eine» Phil- harmonie-valleS seit dieser denkwürdige« Nacht verzichte« werde.

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^I_^rstavd.

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Lekanutmachung,

betreffend Maßregeln gegen die Schweineseuche.

Unter den Schweinen der Gemeinde Hermannstein, ÜretS Biedenkopf, ist die Schweineseuche ausgebrochen.

Gießen, den 18. Februar 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 18. Februar 1896. re<tr.: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ** die Grotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Da von der begutachtenden Baubehörde bei Verwendung eiserner Träger die Beibringung revifiousfähiger FestigkeitS- seuechnungen gewünscht wird, wollen Sie die Baulustigen eweilS hiernach bedeuten und darauf achten, daß solche Be- rechnnugen betreffendenfalls bei Einreichung der Bangesuche diese« beigeschlossen worden. Dieselben find tu doppelter ümsferttgung auszustellen und von dem Verfertiger unter Beifügung des Datums zu unterschreiben.

v. Gagern.

II. Zu Lich im Rathhaussaalr.

Dienstag den 17. März, Vormittags von 9 Uhr an:

Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Albach, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Ettingshausen, Garbenteich und Grüningen;

Mittwoch den 18. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Hausen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Langd, Lang-Göns und Langsdorf;

Donnerstag den 19. März, Vormittags von 9 Uhr a«: derjenigen der Gemeinden Leihgestern, Lich, Muschenhei«, Münster, Nieder-Besfingen, Nonnenroth, Obbornhofen, Oboe- Besfingen, Ober-Hörgern, Rabertshausen und Rodheim;

Freitag den 20. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Röthges, Steinbach, Steiuheta, Trais-Horloff, Utphe, Villingen und Watzenborn mit Steinberg.

Samstag den 21. März, Vormittags von 9 Uhr an: Loosziehung

in. Zu Grünberg im Gasthaus zum Rappe«.

Montag den 23. März, Vormittags von 9 Uhr an: Musterung

der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen,' Belteus- hain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Keffelbach und Lauter;

Dienstag den 24. März, Vormittags von 9 Uhr a«: derjenigen der Gemeinden Lindenstruth, Londorf, Lumd«, Odenhansen, Queckborn, Reinhardshain, Rüddingshaus«, Saasen, Stangmrod, Stockhausen, Weickartshain und Wetters- Hain.

Mittwoch den 25. März, Vormittags von 9 Uhr mu Loo-riehnug.

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