Ausgabe 
19.8.1896 Erstes Blatt
 
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Die Gießener W«mtkiendläli«r «erden dem Anzeiger »Hchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt. Mittwoch den l9. August__

Gießener Anzeiger Kenerat-Nnzeiger.

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vierteljähriger>. AvounementspreiO 9 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pfg.

Aedaction, Expedition und Druckerei:

Kchukstraße Ar.s, Fernsprecher 51.

Amts- nnd Anzeigeblatt für -en Kreis Giefzen.

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Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Tbeil.

Bekanntmachung, betreffenb Unterhaltung der Kreisftraßen- hier den Umbau der Brücke im Straßenzug Allendorf a. Ld.Nordeck. Die Kreisstraße AllendorfNordeck wird wegen Umbaues eines Canals von

Donnerstag den 20 ds. Mts. ab, auf 3 Tage für den Fuhrwerkoerkehr gesperrt.

Gießen, den 18. August 1896.

GroßherzogltcheS Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. August. Der neuernannte KriegSminister Gei crallleutenant von csoßler ist am 29. September 1841 j>l Weißenfels geboren, ist also noch nicht ganz 55 Jahre alt. 1860 ins Grenadier-Regiment Nr. 1 eingetreten und am :23. Juli 1861 zum Secondlieutenant befördert, kam er 1864 (bis 67) zum Coburg-Golhatschen Contingent, machte als Bataillons-Adjutant den Main-Feldzug mit. 186669 auf der Kriegsakademie, feit 1867 im Infanterie-Regiment 8h. 95, ward er am 9 Januar 1868 zum Premierlieutenant besiirdert. Im Feldzug 1870/71 wurde er bei Wörth schwer imb später bet Orleans leicht verwundet. Im December 1871 wurke v. Goßler Hauptmann. Vom Juli 1871 bis 1875 Var er in verschiedenen Stellungen beim KrtegSmintsterium Ihäliig, dann gehörte er bis 1878 in der Front dem Grena­dier-Regiment Nr. 2 an, als Major kam er wieder zum -ritlgSministertum, von 1884 ab war er dort Abtheilungschef anb avancirte in dieser Stellung am 4. August 1888 zum Ob irrsten. Vom 2 2. März 1889 btS 14. Februar 1891 commandirte er das 3. Garde-Regiment zu Fuß, erhielt dann die Führung der 43. Infanterie-Brigade und als General- majsor (16. Mat 1891) deren Commando. Am 20. October 18911 wurde er Dlrector des allgemeinen Kriegsdepartements d»s KrtegSmintstertums. Als solcher war er namentlich leb­haft an den Vorarbeiten für die Militärvorlage und bei btrem Einbringung und Vertretung im Reichstage betheiligt. Am 27. Januar 1895 avancirte v. Goßler zum General- limt-enant und erhielt gleichzeitig das Commando der Großh. htsstlschen (25.) Division in Darmstadt.

Die Erhöhung der Gehälter der B eamten itfl Reiches und der Bundesstaaten erweckt natür­lich das Jntereffe aller bethetligten Kreise. Die Angelegen­heit ist oder noch nicht genügend geklärt, doch hofft die Re- jitrumg, daß die Frage noch in der nächsten ParlamentS- Mvu erledigt werden würde. Was die Bedeutung der pnz en Maßregel betrifft, so sei vor übertriebenen Hoffnungen Ittoarnt. Wahrscheinlich wird mit Rücksicht auf bie Finanz- laße und die große Zahl der in Frage kommenden Beamten iab Offiziere des Heeres und der Marine schon die Wbeamten bilden allein ein kleines Heer nur eine Er­höh umg der Gehälter um wenige Procent herauSkommen. tiabiei sollen natürlich nach Möglichkeit vorhandene Ungleich- |tli<in bei gleichwerthtgen Beamtenklaffen ausgeglichen werden, lvch kommt in Betracht, daß unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere auch deS Mehrbedarfs im Reich für taten und Offiziersbesoldungen, der von Anfang an für Iht Erhöhung der Beamtenbesoldung in Aussicht genommene Ikrirag von 20 Millionen Mark für Gehaltserhöhung nicht «vheblich überschritten werden darf.

Wolffs telegraphische- Sorrespondenr-Bnrean.

Berlin, 17. August. DieNordd. Allgem. Ztg." weist ßtn von dem Berliner Correspondeuten derMünchener !l!zsm. Ztg." gegen die Reichsregierung erhobenen Vorwurf lin Saumseligkeit in der Vertretung der In- -luessen der griechischen Gläubiger zurück. Die 'ihnahme, daß kein anderes EinwirkungSmittel zu Gebote fliabee als Vorstellungen und Proteste, sei durchaus un- jjibrffend. Der Blick auf die europäische Lage zeige, daß grildten den gegebenen Protesten und der Anwendung von WjöMlt ein sehr breiter Raum für wirksames Handeln sei. Wsdamn sei eine DiScusfion über die Grenzen der deutschen Hebungen zu Gunsten der griechischen Gläubiger gegen- miittig durchaus verfehlt. Argumente wie die des genannten @litt:(8 könnten, wenn sie ernst genommen würden, die Lchnnatische Action Deutschlands nur lähmen, den Wider­nd Griechenlands stärken und die Gläubiger noch mehr l'Oh'zen.

Fulda, 17. August. Zu der am 19. dsS. MtS., früh 9 Uhr beginnenden Bischofs-Conferenz werden morgen die Erzbischöfe von Köln und Posen-Gnesen eintreffen, ferner werden der Fürstbischof von BreSlau, der Armeebischof von Berlin und die Bischöfe von Ermland, Mainz, Trier, Münster, Paderborn, Limburg und Kulm theilnehmen. Der Erzbischof von Freiburg, sowie die Bischöfe von Osnabrück und Hildesheim werden zu der Conferenz nicht eintreffen.

Hamburg, 17. August. Die Meldung eines Berliner Blattes, nach welcher die Hamburg-Amerika-Linie und der Bremer Lloyd sich geeinigt hätten, aus Rücksicht auf ihre älteren Capiräne von der Erlaubniß keinen Gebrauch zu machen, welche den Schiffsführern, soweit sie Reserve­offiziere in der kaiserlichen Marine sind, die Führung deS Eisernen Kreuzes in der Nationalflagge gestattet, beruht auf Erfindung.

München, 17. August. Nach derAugSb. Abendztg." wurde am Samstag früh 7 Uhr in Reichenhall und be­deutend stärker in Nonn ein von Nord nach Süd gehender Erdstoß verspürt.

Leu» (Pas de Calais), 17. August. Die Arbeiter­partei hatte eine Versammlung nach Billy Montigny zusammenberufen. Aber infolge der den deutschen socta- listischen Abgeordneten in Lille bereiteten Aufnahme empfing die Bevölkerung die socialistischen Arbeiter mit den Rufen: Es lebe Frankreich! Nieder mit den Vaterlandslosen!" ES entstand eine Schlägerei, bei welcher viele schwer ver­wundet wurden. Es fanden mehrere Verhaftungen statt.

Madrid, 17. August. Die AuSloosung der für Cuba bestimmten Trupp en hat hier gestern stattgefunden. Für die Artillerie ist die Zahl der Freiwilligen so groß, daß man Leute bezeichnen mußte, welche zurückbleiben sollen. Die AuSloosung wurde in den übrigen Städten mit gleicher Be­geisterung vorgenommen.

Korfn, 17. August. Meldung derAgence HavaS". 500 Italiener, welche hier eingetroffen waren, wohnten der Abendvorstellung im Theater bei und wurden hier mit den Rufen:ES lebe Kreta! ES lebe Italia Jrredenta!" begrüßt. Der im Theater anwesende türkische Consul zog sich zurück. Ein weiterer Zwischenfall ist nicht vorgekommen.

Larissa, 17. August. Dreißig Mann, die im Begriff waren, in Makedonien einzudringen, wurden von den Behörden von Kazzaklar festgenommen. Die Türken be­festigten eiligst die Grenze.

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Berlin, 17. August. Wie aus WilhelmShöhe gemeldet wird, ist das Kaiserpaar mit den jüngsten kaiserlichen Kindern heute Vormittag 113/< Uhr daselbst abgereist. Die Ankunft im neuen Palais bei Potsdam erfolgte gegen 5 Uhr.

Berlin, 17. August. DerNordd. Allgem. Ztg." zufolge ist die Meldung, daß infolge der Fahrt der Uebung sflotte durch den Kaiser-Wilhelm-Canal große Rutschungen an den Canalufern vorgekommen seien, vollständig unbegründet. Die Ufer seien überall völlig intact geblieben.

Berlin, 17. August. Wie daSSeil. Tagebl." hört, dürfte noch im Lach5 dieser Woche der Kriegsminister v. Goßler hier eintreffen, um die Vorstellung der Offiziere und Beamten des Kriegsministeriums entgegenzunehmen. Ebenso wird voraussichtlich noch in dieser Woche Herr v. Bronsart sich im Kriegsminifterium verabschieden. Die officiellen Anzeigen hierüber sind im Kriegsministerium bereits eingelaufen. Ueber die Stellung des neuen Kriegsministers zur Reform der Militär-Strasproceß Ordnung verlautet, daß derselbe in Uebereinstimmung mit dem Reichskanzler sich befindet.

Berlin, 17. August. Die Ungültigkeit der Ziehung der Ausstellungslotterie ist heute Vormittag durch die Lotterie-Commission, wie zu erwarten war, ausgesprochen worden. Die neue Ziehung wird voraussichtlich am Donnerstag und Freitag laufender Woche stattfinden.

Berlin, 17. August. DieNordd. Allgem. Zig." con- ftatirt, daß die Behauptung, der Commandeur des Kanonen­bootes Iltis habe im Moment der Katastrophe die Mann­schaft zur Abfingung patriotischer Lieder angehalten, den Thatsachen widerspreche. Im Moment der Katastrophe hätte von Abfingung von Liedern nicht die Rede sein können. Bei dieser Gelegenheit weist dieNordd. Allg. Ztg." die von der deutschen ReichSzeitung an diese Falschmeldung geknüpften Angriffe gegen den verstorbenen Capitän Braun zurück, dem das genannte Blatt Verletzung der religiösen Pflichten vor­geworfen hatte.

Lretta», 17. August. Der 11. ordentlich e Der- bandStag deS Central-VerbandeS der deutschen Bäcker-InnungGermania^ begann heute Vormittag

9 Uhr seine Beratungen. Mehr als 600 Theilnehmer waren anwesend. Fast sämmtliche Bäcker-Innungen Deutschland- Hatten Vertreter entsandt. Den Verhandlungen wobnten im Auftrage deS preußischen Handelsministers die Geheimen Ober RegierungSräthe Dr. Wilhelm! und Dr. Sieffert bei. Nach der Begrüßung wurde sofort zu dem wichtigsten Punkt der Tagesordnung, nämlich dem Maxlrnal-ArbeitStag über­gegangen. Der Bäckerobermeister Vernarb-Berlin begründete eingehend die Schäden des Maximal Arbeitstages für das Bäckergewerbe, worauf eine kurze Debatte folgte, an deren Schluß einstimmig eine Resolution angenommen wurde, dahin­gehend, daß der geschäftsführende Vorstand deS Central­verbandes die Vorstände der Sonderverbände und der Innungen auffordern soll, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, daß die Verordnung deS Bundesraths vom 4. März d. I., betreffend den Maximal-ArbettStag, wieder aufgehoben werde.

München, 17. August. Der Fehlbetrag bei der Aktiengesellschaft für Lederfabrikatton München-Giesing bewegt sich nach den neuesten Feststellungen fast in der Höhe deS 1714285 Mk. betragenden Aktienkapitals.

Augsburg, 17. August. Der hiesige praktische Arzt Dr. Bisdrof stürzte gestern Nachmittag von dem in den Allgäuer Alpen gelegenen Hochvogel mit einer Schneelawine in die Oftenach ab und wurde von dem hochgehenden Flusse 500 Meter fortgeriffen. Der Verunglückte wurde tobt ari­dem Wasser gezogen.

Pest, 17. August. Die Blätter erblicken darin, daß der Zar dem ungarischen Nationalmuseum den zur Zeit in der MillenniumS AuSstellung befindlichen Säbel des Fürsten Georg Rakoczh aus dem russischen Hofmuseum schenkte, ein Zeichen der Friedensliebe und ein hocherfreuliches Präludium für den bevorstehenden Zarenbesuch.

Rom, 17. August. Der Papst hat gestern in der Privat-Bibliothek des Vatikans Cercle abgehalten. Elf Cardinäle sowie Vertreter des römischen Adels und katholischer Vereine nahmen an der Versammlung Theil.

Rom, 17. August. Der Papst unterhielt sich während deS gestrigen Cercles auch mit dem Vorsteher der katholischen Mission in Kamerun und nannte eS löblich und höchst erfreulich, daß die deutsche Regierung der Mission daselbst vollste Freiheit lasse.

Rom, 17. August. Der italienische Kronprinz wird fünf Tage in Cettinje verweilen. Ihm zu Ehren find zwei Festtafeln, eine Truppenparade und eine Festvorstellung im neuen Theater in Aussicht genommen. Der russische Specialgesandte Oberst RadowSki Übergab dem Kronprinzen ein Handschreiben deS Zaren. Anfang nächsten Monats wird Erbprinz Danilo von Montenegro nach dem italienische» Hoflager reifen, wo die Modalitäten für die Hochzeit fest­gesetzt werden.

Antwerpen, 17. August. In den nächsten Tagen werden sich hier zwei weitere Mitglieder der englischen Trades- Union einfinden, um die socialistische Propaganda unter den Hafenarbeitern fortzusetzen.

Pari», 17. August. Im September werden vom Mi- nifterrath 200000 FrcS. für den feierlichen Empfang des Zaren bewilligt werden.

Paris, 17. August. Die revolutionären Mit­glieder deS Gemeind eraths haben beschlossen, sich einer Kundgebung gegen den Zaren zu enthalten, da die Pariser Wähler dieselbe nicht billigen würden. Andererseits würde der Seiue-Präfect den Zaren im Stadthause empfangen, falls dies von Seiten des Gemeinderaths nicht geschehen würde.

Pari», 17. August. Nach einer Meldung desNew York- Herald" aus ,©an Francisko soll ein Cowp lot gegen Lihung-Tschang entdeckt worden sein. Lthung-Tschang sollte beim Besuch San FranciSkoS ermordet werden.

Paris, 17. August. Die französische Regierung sandte wegen der in Siam ausgebrochenen Unruhen zwei Kriegs­schiffe nach Bangkok.

Loudon, 17. August. DerWeekly Sun" meldet, Präsident Krüger habe, entgegen dem Artikel 4 der Con­vention von 1884, mit einer europäischen Macht einen Vertrag abgeschloffen und England habe bereits vom Präsidenten Krüger eine diesbezügliche Aufklärung gefordert. Von Paris aus wird diese Nachricht zwar bementirt, doch ist man darüber noch nicht im Klaren, ob nicht doch die Meldung einen that- sächlichen Hintergrund habe.

Stockholm, 17. August. Die Regierung erhielt vorn schwedischen Consul in Victoria die Nachricht, der erwähnte Ballon sei von Indianern bei Winnipeg am 3. Juli gesehen worden. ES kann also gar nicht von AudräeS Ballon die Rede sein.