Ausgabe 
19.1.1896 Zweites Blatt
 
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»a*cn dem Anzeiger »öch«tlich dreimal deigrlegt.

Zweites Blatt. Sonntag den 19. Zamar

Gießener Anzeiger

Kenerat-Itnzeiger.

1896

vierteljähriger |Wtx*e*eebrteU 2 Mark 20 Pfg. *tt Lringerloh».

Durch die Post bezog«M 2 Mark 50 Pf^

Kedaction, LxpedttioO und Druckerei:

KchalsiraheAr.^

Ferusprecher 51. /

Amts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

! Hr-ti-önt-,-:

Amtlicher Thril.

vekamttmaLuna.

betreffend die Maul- und Klauenseuche zu Ober-Besfiagen.

Nachdem tu einem Gehöfte zu Ober-Bessingen die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Keuntnttz gebracht, daß GehIftsperre augeorduet ist.

Gießen, den 17. Januar 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend die Maul- und Klauenseuche zu Bobenhauseu DL

Die Maul- und Klauenseuche zu Bobeuhausen II., kreis Schotten, und Griedel, Kreis Friedberg, ist erloschen and die Gehöftsperre aufgehoben worden.

Gießen, den 17. Januar 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Bett dem 20. October 1887 ist, um dem Vaganten- thurn nach Möglichkeit zu steuern, in hiesiger Stadt eine NatnralverpflegungSstation errichtet worden, welche sich bis jetzt bewährt hat.

In der BerpflegungSstatiou wird an die die Station in Anspruch nehmenden durchreisenden Handwerksburschen kein Almosen gegeben, sondern den Durchreisenden wird gegen von ihnen zu leistende Arbeit Nachtlager und sonstige Der- pfiegung in ausreichender Weise verwilligt. ES wird also der drückende Gedanke deS AlmosenempsangeS vollständig lerngehalten. Zugleich mit der BerpflegungSstatton ist eine ArbeitSnachweisestelle bei der unterzeichneten Behörde errichtet worden und werden die Gewerbetreibenden daher dringend gebeten, mehr wie seither tm Bedarfsfälle sich an uns zu wenden, um durch Anmeldung ihres Bedürfnisses an Arbeitskräften die so segensreiche Einrichtung auch ihrerseits zu «nterstützen.

UeberdieS können die übrigen Einwohner Gießens nicht dringend genug aufgefordert werden, das Almosengeben iu ihren Hausern gänzlich einzuftellen und die um Almosen Nachsuchenden ab- und an daS Polizeiamt zu weisen.

Gießen, den 14. Januar 1896.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. E.

v. Bechtold, Regierungs-Affeffor.

»ekimutmachmtg,

betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1896.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der int Frühjahr 1896 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschluffes von dieser Prüfung

spätestens bis zum 1. Februar 1896

bei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- otellen das Folgende bemerkt:

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfung- - Corn- Mission nur bann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthnm Hessen feinen bauernden Aufenthalts­ort hat.

2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollenbetem

17. Lebensjahr erfolgen.

3. Das Gesuch muß von bem Betteffenben selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Abreffe angegeben wird.

4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a. Geburtszeugmß;

b. Einwilligungs-Attest bes Vaters ober Bormunbes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift bes Vaters ober VormnnbeS beglaubigt fein;

c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus­zustellen ist;

d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, La­teinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prü­fung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen.

Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 Regierungs-Blatt Nr. 27 von 1894) Aufschluß.

Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des LocalS, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt eventuell weitere

Bekanntmachung; auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.

Darmstadt, den 18. December 1895.

Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende:

Buchinger, RegierungS-Rath.

Der Krieg vo« 1870[71, zeschildett durch Ausschnitte <u5 Zeitung«-Nummern jener Zett (Nachdruck verboten.)

19. Januar.

Früher hieß eS täglich:Vor Paris nicht» Nene»'. PodbielSki"; jetzt heißt e» täglich: ES wird fortgefchoffen^ ES ist nach allen Beschreibungen, al» wenn der Donner de» Himmel» den ganzen Tag und die Nacht hindurch rollte. Moltke ist jetzt mehr zu sehen al» irgend früher; denn er besichtigt täglich die Batterien und prüft die Fortschritte, welche die Beschießung macht. Die Pariser Forts erwidern da» Feuer schwächer, al» man erwartete; dagegen brennt da» Feuer der Zwietracht in der Stadt. Die tollsten Gerüchte laufen um, sie behaupten sogar, Trochu habe den Plan bei Ausfälle an die Preußen verkauft. Und dagegen muß sich Trochu öffentlich venheidigen! ES scheint Eifersucht unter den Generälen zu herrschen, und die Rothen schütten Oel in» Feuer. Von dem Pariser Brod heißt eS, e» bestehe aus 60 Proc. Rei» und Hafer.

Roupt, 19. Januar. Nord Armee vor St. Quentin in fiebenftündtgem Kampfe geschlagen. Bi» jetzt über 4000 verwundete Gefangene und 2 Geschütze. v. Göben.

20. Januar.

Aus dem Schlachtende von Mont Valerien am 19. Januar fanden die deutschen Soldaten viele gefallene Nationalgardisten mit prächtigen Panzerhemden und Panzer- beinkletdern. Die Panzer waren von Granatsplittern zer- riffen und von den Zündnadelkugeln durchbohrt. Andere Natlonalgardisten trugen auf Brust und Rucken dicke wollene Lappen, die letzten Liebes- und Angstzelchen ihrer Frauen und Kinder.

St. Quentin, 20. Januar. Erste Armee hat gestern einen glänzenden Sieg bet St. Quentin erfochten. St. Quentm Abends besetzt, nachdem der Bahnhof mit Sturm genommen. Mehrfache glückliche Cavallerie-Angrtffe, 6 Geschütze und etwa 10,000 unverwundete Gefangene genommen. Uedcrall Zeichen der größten Auflösung der feindlichen Armee. Unser Verlust noch nicht feftgestellt, der der Franzosen viel größer.

v. Sperling.

Feuilleton.

Wochendrikse ans der Residenz.

(Origtnalbericht be8Gießener Anzeiger»").

Z. Darmstadt, 17. Januar.

Die erste FaschingSthat derNarhalla". Eisfest. SchriststellerveteiN. Aus bem Kunstlebeu.

Biel, gar viel gibt eS diesmal Über die betroffene Be- cichtSwoche mitzutheilen. Da hätten wir vor Allem von der su»gezeichnet gelungenen ersten Herren- und Damenfitzung derNarhalla" zu erzählen, die am letzten Samstag Narren und holde Närrinnen zu Hunderten in den Saalbau zog, deffen Räume ein faschingsfrohes buntes Feftgewand angelegt hatten. Und dem luftigen Rahmen entsprach das Bild. Der Darmstädter Humor hatte sich diesmal nur berufene Verkündiger feiner allbezwingenden Macht auSerfehen »ab Schlag auf Schlag folgten die witzigen Vorträge, fodaß Mitternacht bald herangekommen war, wo der tanzlustige Theil der Rarrenwelt zu feinem Rechte kam. Besonder» gelungen schien die Idee, dieNarhalla" durch au» allen Hrdtheilen herbeigeeilte Deputationen zum 96er Fasching, der bekanntlich da» zehnjährige Jubiläum für die rührige Gesell­schaft bedeutet, beglückwünschen zu lassen. Nicht minder wie die Borträge gefielen die gemeinsam gesungenen Lieder, deren eint» sogar von einer holden Närrin verfaßt war. Die Vor­bereitungen zum Zug sind in vollem Gange, wie früher hat «an auch diesmal carnevalisttsche Steuerzettel zurSelbst- einschätzung versandt, von denen hoffentlich ergiebigster Gebrauch gemacht werden wird. Da alle umliegenden Städte auf Beranftaltung eines Fastnachtszuges verzichtet haben, steht ein ganz enormer Menschenandrang von außen zu ermatten. Ret Prinz Carneval ist nun auch gefunden, doch hüllt er

sich noch gehetmnißvoll in närrische Anonymität. Endlich sei noch bemerkt, daß auch da» PreiSrichtercollegium in der wichtigen Frage der Faschingsposse sein hochwohlweise» Urtheil dahin abgegeben hat, daß dem Opus deSvorläufig noch nicht genannt sein wollenden" Dichter« vonDie enge Lack- schdtwwel" oder(56 giebt noch e Kist heut" der Prei» zu- zusprechen sei. Auch die drei anderen eingereichten Lustspiele sollen recht hübsch sein. Den Namen deS glücklichenPoeta laureatus wird man nach der Aufführung seine» Werke» kennen lernen.

Soweit vom Carneval und seinen Rittern. Ferner hätten wir de» Et»fest<» zu gedenken, das nun unseren Befürchtungen zum Trotz doch bereits am 12. Januar hat stattfinden können. Da zu den sportlichen Wettkämpfen von auswärts berühmte Läufer erschienen waren, boten die Pro­gramm-Nummern in der That außerordentlich Jntereffante». Vor Allem erschienen als Vertreter des Kunstlaufsportes ganz hervorragende Künstler auf dem Plan. Fabelhaft geradezu müffen die Leistungen des Münchener Herrn Gilbert Fuchs genannt werden, neben dem sich noch feine Sports­genoffen Ganghofer und SenSburg rühmlichst hervor- traten. Auch der Darmstädter Club dürfte mit den Leistungen seiner Mitglieder recht zufrieden sein.

Auf einen erfolgreichen und gemüthlich verlaufenen Abend kann der Darmstädter Journalisten- und Schrift- stellerverein zurückblicken, der am vergangenen Samstag seine Mitglieder versammelt hatte. Da» Programm de» Abend» bot viel Abwechslung, auch Verhandlung von actueQem Jutereffe für unsere Localpreffe, die sich über die Zurück­setzung bei den Vorverhandlungen Über die Jubelfeier des 18. Januar mit Recht beschweren zu sollen glaubte. Der junge, rasch emporgeblühte Verein veranstaltet am Montag den 20.. ein große» Concert, das jedenfalls eine piece de resiatance in der laufenden Saison werden wird,

denn e» bringt ein geradezu glänzendes Programm, auf dem nur Namen von bestem Klange verzeichnet find. Ueber den Erfolg der interessanten Veranstaltung im nächsten Briefe mehr.

Reiche Anregung und viel künstlerischen Genuß bot die vergangene Woche im Hoftheater. Da constatiren wir zunächst freudig das glänzende Gelingen des verwirklichten Planes der Volksvorftellungen. SchillersRäuber" spielten sich vor fast auSverkauftem Hause unter donnerndem Beifall de» Publikums ab. Die Preise der Plätze waren außer­ordentlich ermäßigt. Im ersten Rang kostete ein Platz 2 Mk. und auf der Galler;e gar nur 30 Pfg. Zu Lessing» Geburtstag am 22 Februar wird bereits die zweite dieser Aufführungen stattfinden, die auch von anSwänS viel besucht werden. Dann hätten wir de» vierten Hofmufikconcert» zu gedenken, daS un» die Bekanntschaft mit dem vielgerühmte« holländischen Damentrio vermittelte. Der Ruf, der den drei Künstlerinnen vorauSging, hatte wahrlich nicht zuviel gesagt; ihre Leistungen fanden enthusiastischen Beifall.

Der Dienstag brachte eine hochinteressante PremiSre, die mit großem Erfolge in Scene ging: Sudermann» neueste» SchauspielDaS Glück im Winkel".FigaroS Hochzeit" soll nun in Zukunft auch, wie am Münchener Hoftheater, tm Rococcosthl gegeben werden; über den Ausfall des für gestern angekündigten Versuche» berichten wir im folgenden Briefe.

Der 18. Januar wird nun von der Stadt definitiv erst am 19. durch eine öffentliche Feier festlich begangen werden, da dieHurnanitaS" nicht zur Aufgabe ihre» Miethsvertrag» für den Saalbau am 18. Januar zu bewegen war und, wie uns bedünkt, mit gutem Recht, denn man hätte an maß­gebender Stelle denn doch früher an die Bedeutung de» Tage» denke« sollen, al» erst kurz vor dem Feste selbst.