Ausgabe 
18.12.1896 Erstes Blatt
 
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SHt. 298 Erstes Blatt. Freitag dm 18. Deeember

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Deutsches Reich.

Cetliw, 16. December. Eine Gruppe für die Sieges, aller in Berlin besichtigte das Kaiserpaar in der Künstler« Werkstatt deS Dr. Böse. Die Hauptfigur ist der vierte Markgraf auS dem Hause Ballenstädt, Albrecht II. (1196 bis 1220). Er bethätigte sich als Krieger wie als Staatsmann im Kampfe gegen Wenden und Slaven. Die Gestalt, die ihm der Künstler gegeben hat, ist überaus entschloffen und fürstlich, so daß der Kaiser bemerkte:Bon dem weiß man, was er will." Nebenfiguren sind Eickels v. Repkow, der Autor des Sachsenspiegels und der Hochmeister Hermann v. Salza.

Berlin. 16. December. Tausch hat vor nicht allzu« langer Zeit den Rothen Adler-Orden vierter Klasse mit der Krone erhalten. DieBerl. N. Nachr." bemerken dazu, die Verleihung der Krone rege umsomehr zu Betrachtungen an, da der Kaiser gerade die Verleihung der Krone zum Rothen Adler Orden sich selbst Vorbehalten hat, der Antrag also »icht vom StaatSministerium auSgegangeu sein kann, sondern in der Umgebung des Monarchen seinen Ursprung haben muß. Jedenfalls sei die Verleihung zu einer Zett erfolgt, als der Zwist des Auswärtigen Amts mit der politischen Polizei schon nahe vor der Entscheidung stand- sie dürste daher auch nicht wenig zu dem Entschlüsse der obersten Reichsbehörde beigetragen haben, die Sache endgiltig und öffentlich zum AuStrag zu bringen.

Neueste

MolffS telegraphische- Lorrespoude»--Bsrs»».

Berlin, 16. December. Dem Reichstage ging ein 'Antrag Manteuffel-Bachem bezüglich der Wiedereinbringung >deS Margarinegesetzes zu. Der Antrag hält das vom BundeSrathe beanstandete Färbeverbot aufrecht und bringt idie Bestimmung der getrennten Verkaufsräume auf Ortschaften won über 5000 Einwohnern ein.

Hannover, 16. December. In dem seit mehr als fünf Jahren schwebenden DiSciplinarverfahreu des Magistrats Hannover gegen den aus dem Leuß Proceß bekannten früheren Director des Lebensmittel Untersuchungsamte-,Or. Schnutz, Ist auf Amtsentsetzung erkannt worden. Der Ver- urtheilte hat Berufung beim Oberverwaltungsgericht ein« «elegt.

Bern, 16. December. Der Nationalrath beschloß Sn Uebereinstimmung mit dem Ständerathe nach längerer Berathung die Abschaffung der Uebungen für O fiziere und Uuterosfiziere des Landsturmes und die Annahme deS Postulat- auf Erleichterung der Dienstpflicht der Landsturm- vruppen.

Madrid, 16. December. Nach einer Meldung deSQm- pareial" aus Manila haben die Aufständischen sich zahlreicher Personen bemächtigt. Ein Gutsbesitzer in Bulasan wurde entsetzlich verstümmelt und gepeinigt.

London. 16. December. Nach einer Lloydmeldung auS Cnracao ist der Hamburger DampferThuringia" bei Eafipoint festgeratheu.

Petersburg, 16. December. Der persische Conful in Odessa bestätigt auf Grund von Berichten auS Teheran, daß der Schah im nächsten Frühjahr über Rußland nach Deutsch­land und Frankreich reisen wtrd.

Konstantinopel. 16. December. Wiener Corr. Bureau. Trotzdem die für die Armenier zu erlassende Amnestie Q.lS eine allgemeine bezeichnet wird, besteht dennoch die Absicht, Ausnahmen festzusetzen und die zu mehr als dreijährigem Kerker verurtheilten Individuen, ferner die nicht verhafteten nibtr noch nicht abgeurtheilten Führer deS armenischen ComitsS, fvwie gemeine Verbrecher auSzascheiden.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 16. December. Eine zweite Ausgabe deS Reichsanzeigers", welche heute Nachmittag erschienen ist, v-eröffentlicht daS Gesetz, berr. den Erwerb deS hessischen VudwigSbahn-UuteruehmenS für den preußischen und hessischen Staat, sowie B'ldung einer Eisend ahn - Be­triebs« und Finanz-Gemeinschaft zwischen Preußen mab Hessen vom 16. December 1896.

Berlin. 16. December. Die Verleihung deS russischen Mexander-NewSky Ordens an den deutschen Botschafter in Petersburg, Fürsten Radolin, wird heute imReichs- m-eiger" veröffentlicht.

Berlin, 16. December. Im preußischen Herren- dtiuse waren gestern Abend die Fractiouen zur Besprechung bonr heute stattfindenden Präsidentenwahl zusawmengetre'en. wie e»nservative Fraktion wird den Fürsten SolmS-Ltch Vor­

schlägen, während die neue Fraction für den Herzog von Ratibor stimmen wird.

Berlin, 16. December. DaS Herrenhaus wählte heute den Fürsten zu SolmS-Ltch an Stelle des ver­storbenen Stolberg Wernigerode zum Präsidenten.

Berlin, 16. December. Die Wahl des Fürsten zu SolmS-Lich zum Präsidenten des Herrenhauses er­folgte mit 97 Stimmen von 177. 78 fielen auf den Namen deS Herzogs von Ratibor, eine auf den Namen deS Herrn v. Levetzow und ein Zettel war unbeschrieben. Hierauf wurde der Gesetzentwurf, betreffend die hessische LudwigSbahn, genehmigt, ebenso der dazu gehörige Nachtragsetat. Weiterhin wurde die ConvertirungSvorlage unverändert angenommen. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr. Tagesordnung: Inter­pellation des Grafen Udo v. Stolberg, betreffend Trennung der Producten- und Fondsbörse, Vertrag zwischen Deutsch­land und den Niederlanden wegen Leuchtfeuerunterhaltung auf Borkum und Entwurf wegen Besteuerung des Gewerbe­betriebes im Umherziehen.

Berlin, 16. December. Ein GouveroementSbefehl ver­bietet den Unteroffizieren und Mannschaften der Berliner Garnison daS Lesen und Verbreiten der ZeitungReveille", weil das Blatt mehr und mehr socialdemokratische Tendenzen zum Ausdruck bringe.

Berlin, 16. December. Graf zu Stolberg-Wer­nigerode hat im Herrenhause folgende Interpellation ein­gebracht:Beabsichtigt die königliche StaatSregierung an den größeren Börsenplätzen eine Trennung der Produkten­börse von der Fondsbörse in der Weise herbeizuführen, daß der die Producteubörse leitende Vorstand zu gleichen Theilen aus Vertretern des Handels, der Landwirthfchaft und der Müllerei zusammengesetzt wird?"

Berlin, 16. December. An der heutigen Börse war daS Gerücht verbreitet, daß über das Vermögen einer seiner Zeit vielgenannten Getreidefirma der ConcurS eröffnet oder doch beantragt fei. Dieses Gerücht entspricht, demBerl. Börsencourier" zufolge, jedoch nicht den Thatsachen. Angeb­lich soll ein amerikanisches HauS auS Getreide Termingeschäften eine größere Forderung an die Firma haben, ivdeß wird von den Inhabern der Firma bestritten, daß diese Forderung bereits fällig sei. DerKreuzzeitung" zufolge handelt eS fich um die bekannte Firma Cohn u. Rosenberg.

Berlin, 16. December. Wie dieVoff. Ztg." meldet, soll der Fall Tausch-Lützow im Abgeordnetenhause zur Sprache gebracht werden und zwar beim Capitel Polizei­verwaltung im Etat deS Ministeriums deS Innern. Dem­selben Blatt zufolge würde Oberstlieutenant Gäde aus dem KriegSmiuisterium spätestens bei dem im März 1897 zu er­wartenden großen Avancement zum Oberst befördert werden und daS Commando eines der frei werdenden oder neu zu errichtenden Regimenter erhalten.

Köln, 16. December. DieKöln. Ztg." meldet auS Belgrad: Der Begegnung des Königs Alexander mit seinem Vater wird in Belgrad mit gewisser Be- sorgniß eotgegengesehen. Dem König sei dringend augerathen worden, dem Wunsche MilanS nachzugeben und eine eodgiltige Regelung des KönigthumS zu versuchen. Dies fei angesichts der Nothwendigkeit der Vermählung deS Königs ernstlich in Erwägung gezogen. Interessant ist, daß der König von der Begegnung oach Petersburg Mittheilung machte und von dort die Antwort erhielt, daß man sich in keiner Weise für berechtigt halte, sich in Familien-Augelegenheiten des Königs einzumischen.

Hamburg, 16. December. In der letzten Nacht über­fielen Ausständige einen Schauermann Namens Hirschfeld, der in der Nähe des Bleichengangs eine Wirthschaft besitzt, die er verwalten läßt, um Hafenarbett zu verrichten. Sämmt- liche Möbel wurden demoltrt, alle Gläser zerschlagen, die Kaffe erbrochen, die Betten zerschnitten und mit Petroleum begossen. Schließlich versuchten sie daS HauS in Brand zu stecken. Die Thäter find noch nicht ermittelt.

Budapest, 16. December. Bei der in der Redaction des Magyar OrSzag" nach den entwendeten amtlichen Docu- menten stattgefundenen Haussuchung stellte eS sich heraus, daß ein im Ackerbaumiuisterium angeftellter Diurnist die Unterschlagung begangen hat. Derselbe wurde sofort ent­lassen und eine DiSciplinar-Untersuchung gegen ihn ein­geleitet.

Triest, 16. December. Die TyphuS-Spidemie in Pola hat noch keine Abschwächung erfahren, fie nimmt viel­mehr infolge deS ungünstigen Wetters zu. In den Straßen der Stadt herrscht nicht der geringste Verkehr- Ansamm- lnngen auf den Straßen find verboten. In den Spitälern herrscht Uebersstllung- im Marinehospital find allein sieben­

hundert Kranke und nur acht Damen und sechs Wärter zu deren Bedienung.

Antwerpen, 16 December. Ein hier eingelauseneS Telegramm theilt mit, daß der DampserAdolf Deppe", der gleichnamigen Antwerpener Firma gehölig, nachdem er gescheitert, untergegangeu sei. Der Dampfer hatte eine Ladung von Eisenerz an Bord, die in Antwerpen gelöscht werden sollte. Die Mannschaft konnte gerettet werden und wurde gestern in St. Nazaire auSgeschifft.

Berlin, 17. December. Der Director deS Colonial- amtS, Freiherr von Richthofen und der Gouverneur von Ostafrika, Oberst Liebert, werden heute in Hamburg zur Besprechung mit dortigen Afrikafiimen erwartet.

Berlin, 17. December. Im ReichSamt des Innern fand demBerl. Tagebl." zu Folge gestern eine vom RetchS- Commiffar für die Pariser Welt Ausstellung etnberufene Conferenz von Sachverständigen statt, behufs Vor- berathung über die Betheiligung der mechanischen und optischen Industrie an der Ausstellung.

Hamburg, 17. December. Der Oberpräsident von Schleswig Holstein verbot die Hau Ssammlungen für die Strikenden im ganzen Verwaltungsbezirk. Die Polizei ver­bot den Strikenden, Controlfahrten im Hafen vorzunehmen. 48 Ersatzarbeiter, welche auf dem DampferLothar Bohlen" einquartirt sind, wollen wegen Freiheitsberaubung klagbar werden.

Leipzig, 17. December. Ein Motorwagen der electrifchen Straßenbahn fuhr in ein Schaufenster der Firma Wil- brandt am Markt. Drei Passanten wurden schwer ver­letzt, eine Dame getödtet.

«festes«

vietzei», den 17. December.

** Ernennung Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den in der Eigenschaft als Volks-- fchullehrer angestellten Lehrer am Schullehrerseminar in Fried­berg Friedrich Gatzert zum Lehrer an dieser Anstalt mit den Rechten eine- Civilstaat-dienerS zu ernennen.

* Auszeichnung. Seine König!. Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädigst geruht, dem Amtsgerichtsdiener Adam Mathes zu Seligenstadt das Allgemeine Ehren­zeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" und der Hebamme Johann ette Brie! zu Friedberg die Silberne Medaille des Ludewigs Ordens zu verleihen.

* AuS dem Verwaltungsdienst. Durch Entschließung Grobherzoglichen Ministeriums des Innern ist der RegierungSasseffor Graef in Alsfeld bis auf Weiteres mH Versetzung der Stelle eines KreiSarntrnannS bei Großherzogl. KreiSamt Dieburg beauftragt worden.

** DaS Weihuach sfestspielChristnacht", von HanS Herrig, welches am 20., 22. und 25. December in Mar­burg zur Aufführung gelangt, soll auch in Gieß-n und zwar am dritten Feiertag, Sonntag den 27. December, Nachmittags zur Darstellung kommen, wenn sich in den Kreisen hiesiger Einwohnerschaft eine genügende Betheiligung am Besuch dieser einmaligen Vorstellung erwarten läßt. Die in dem Festspiel mitwirkenden Kräfte, Einwohner Marburg-, welche seit Anfang dieses Monats mit regem Eifer sich der Einübung ihrer zum Theil recht schwierigen Aufgaben hin­geben, haben sich sämmtlich bereit erklärt, im hiesigen Theater­saal (Casö Leib) eine Sondervorstellung deS poetischen Werkes zu veranstalten, deren eveutl. verbleibender Reinertrag für einen wohlthättgeu Zweck bestimmt und einer hiesigen Be­hörde überwiesen werden würde. Trotz der nicht unbedeutenden Kosten für die Reise deS darstellenden Personals, eines mit­wirkenden KnabeuchorS, deS Transports und der Leihgebühr für Costüme und die nothwendige Bühneneinrichtung, werden die Eintrittspreise durchaus mäßige sein. Die Namen der dem Festspiel-AuSschuß in Marburg angehörenden hoch- angesehenen Bürger sprechen dafür, daß hier eine Veran­staltung würdigster Art vorliegt, deren Unterstützung auch a« hiesigen Orte krwartet werden darf, und besonders war« empfohlen sei. ES wird gewiß noch in vieler Erinnerung der Eindruck leben, welchen s. Z daS Herrig'sche Lutherfest­spiel hier hervorgebracht hat. Ja der Wethnachlsfesispiel- dichtungChristnacht" findet unser schönstes Fest eine wahrhaft poetische und der hohen Bedeutung seines Ursprungs ent­sprechende Verherrlichung. Die künstlerische Leitung der Auf­führungen ist einem bewährten Fachmann anvertraut. Den ge­schäftlichen Tbeil der Vorbereitung zu Übernehmen, hat sich Herr Ernst Challier hier freundlichst bereit erklärt. Bor- merkungen für Plätze zum Sperrfitz, 1. und 2. Parquet und Estrade werden in dessen Musikaltenhandlung Neuen Weg