Nr. 246
Sonntag den 18. October
Drittes Blatt.
1806
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Kenerat-Mnzeiger.
Amts» un& Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.
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Die Gießener M«»1tie«vtLller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
Hleteuer Anzeiger erscheint täglich, «tt Ausnahme deS Montags.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, fetflmbtn Lag erscheinenden Nummer bis Corrn. 10 Uhr.
Hratisöeikage: Kießener Jiamilienölätter.
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Hauptversammlung des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen.
Zur diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung beehre ich mich, die Vereinsmitglieder hierdurch auf
Montag, 26. Oktober d. I., Vormittags 10 Uhr, in das Hotel zum „Prinzen Karl" in Gießen ergebens! ein- zuladen.
Gegenstände der Verhandlungen werden sein:
1. Die Anwendung der künstlichen Düngemittel, nach dem neuesten Stand der Wissenschaft, insbesondere zur Erhöhung der Futtererträge auf Wiesen und Weiden- Referent: Herr Prof. Dr. P. Wagner-
2. Ueber die Errichtung von Herdbüchern nach den Beschlüssen des Ausschusses-
3. Ernennung von Ehrenmitgliedern.
Laubach, am 15. Oclober 1896.
Der Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen. Friedrich Graf zu SolmS-Laubach.
Gefunden: 3 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Schürze, 1 Paar Handftauchen, 1 Kinderkragen, 3 Paar Strümpfe, 1 wollenes Tuch.
Zugeflogerr: 1 junger Hahn.
Gießen, den 17. October 1896.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
Sitzuns -er Sta-tveror-neteir
am 16. October 1896.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Georgi und Wolff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren EmmeliuS, Flett, Dr. Gaffky, Dr. Gutfletsch, Habenicht, Hrubach, Heichelheim, H yltgenstaedt, Homberger, Keller, Kirch, Löber, Petri, Dr. Ploch, Schiele, Schmall, Vogt und Wallenfells.
AuS der Rechnung der Löber'schen Stiftung für 1895/96 ergibt sich u. A., daß die Gesammteinnahmen sich auf 7352 Mk. belaufen- an Zinsen gingen ein 2212 Mk., an Legaten wurden ausgegeben 2080 Mk. DaS Capital- vermögen beträgt 51817 Mk. — Für 1896/97 Ist eine Ausgleichung von Ausgaben und Einnahmen vorgesehen im Betrage von 2387 Mk.
Die Plock'sche Stiftung ergab im Jahre 1895/96 an Zinsen 5092 Mk, an Pacht 425 Mk., tnSgesammt an ordentlichen Einnahmen 5568 Mk., denen 5231 Mk. an ordentlichen Ausgaben gegenüberstehen. DaS Capitalvermögen
Feuilleton.
Wochendriefe aus der Residenz.
(Originalbericht deS „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 15. October.
Bom Hofe. — vroßherzogliche- Hoftheater. — AuS dem Kunstlerlebeu.
Ueber die Ankunft der russischen Majestäten, über Allerhöchst Ihren Empfang und die aus diesem Anlaß veranstalteten Festlichkeiten ist Ihren Lesern bereit- eingehend Bericht erstattet worden, es erübrigt iudeffen noch, einzelne kleinere Dinge nachzutragen, die noch nicht erwähnt wurden, aber doch auch wohl von Interesse sein werden. — Unter den zahlreichen, während deS Besuches des KatserpaareS hier eingetroffenen Fürstlichkeiten befindet sich auch Prinz Heinrich von Hessen, der Oheim unsere- GroßherzogS unb frühere Commandeur der hessischen Division. Der hohe Herr, der bekanntlich seit seiner Vermählung mit Frau von Dörnberg in München refidtrt, wurde allseits auf das Herzlichste begrüßt und rief in Vielen wohl, die ihn in seiner edlen Männlichkeit erblickten, das Andenken an den leider so früh verstorbenen Großherzog Ludwig IV. wach, dem er sehr gleicht. Der Prinz bewohnt hier wiederum dieselben Räume im Erdgeschoß deS Palais „Prinz Karl", die er während seines langjährigen hiesigen Aufenthaltes inne hatte.
Eine sehr sinnige Idee hat Se. König!. Hoheit der Großherzog für seine hohe Frau Schwester zur Ausführung gebracht. Auf Allerhöchsten Befehl find nämlich die Zimmer, die Ihre Maj. die Kaiserin Alexandra bewohnt, genau wiederum so hergestellt worden, wie sie vor der Vermählung der hohen Frau waren. Die Appartement- liegen
beträgt 113510 Mk. — Für 1897/86 sind vorgesehen an ordentlichen Einnahmen 4813 Mk., an Ausgaben 5844 Mk., worunter sich 5402 Mk. Pflegegelder für im Hospital untergebrachte Pfründner befinden.
Die vor drei Jahren ins Leben getretenen Curse für erziehliche Knaben-Handarbeit, die später auf einen CursuS für Papparbeiten und zwei Curse für Kerbschnittarbeiten eingerichtet wurden, wurden so stark von schulpflichtigen Knaben, besonder- aus den Volksschulen, frequentirt, daß 27 Kinder zurückgewiesen werden mußten. Es soll deshalb ein vierter Cursus und zwar für Papparbeiten, eingerichtet worden- die Versammlung beschloß Bewilligung des nach Berechnung der auS dem Cursus sich ergebenden Einnahmen an Schulgeld und Material noch nothweudigen Zuschusses im Betrage von 180 Mk.
Die Lieferung der Röhren für den Kanal in der Lindengasse, welche auf 579 Mk. veranschlagt waren, aber zu 490 Mk. angeboten wurden, soll in engerer Submission vergeben werden.
Beim Ausbau der Handwerkerschule wurde in Folge nachträglich sich ergebender nothwendtger Ausbesserungen der für die Weißbinderarbriten aufgestellte Voranschlag um 88 Mk. überschritten, welche nachträglich bewilligt wurden.
Zu Folge Gesuche- de- Vorsteher- deS Meldeamtes um Ersatz der Petroleumbeleuchtung durch Gasbeleuchtung ist von Großh. Poltzeiamt die Beleuchtung sämmtlicher Bureaus mit GaS beantragt worden. Nach Erstattung des Bericht- der Direktion des GaS- und Wasserwerke- wurde im Sinne des Antrages beschlossen und die auf 301 Mk. veranschlagten Kasten bewilligt.
Zu dem Gesuch deS Verein- „Säugerkranz" um Ueberlassung eines Saales im Gebäude der höheren Mädchenschule behufs Abhaltung von Gesangsübungen hat das Cura- torium jener Schule beantragt, dasselbe au- grundsätzlichen Erwägungen abzulehnen. Begründet wird der Antrag weiter damit, daß die bi- spät Abend- dauernden Singstunden weder eine genügende Reinigung noch Lüftung ermöglichen, um den Saal für den folgenden Morgen für die Schülerinnen wieder benutzen zu können, auch ständen der Benutzung de- Flügel-, der erst vor zwei Jahren mit einem Aufwande von 1500 Mk. angeschafft worden, Bedenken entgegen. ES habe überhaupt Bedenken, Schulhäuser oder Theile derselben für andere Zwecke herzugebeu. Wenn dem Israelitischen Gesangverein der Saal s. Z. überlaffen worden sei, so sei berücksichtigt worden, daß es sich um ein öffentliche-, Cultu-zwecken dienende- Institut handle, aus denselben Erwägungen sei auch dem Evang. Kirchengesangverein in einem anderen Schulgebäude ein Saal eingeräumt worden- übrigens werde mit Fertigstellung des i-realitischen Gemeindehauses der Saal wieder frei. Die Herren Haubach und Kirch sprachen sich für die Ueber- laffuug de- Saale- an den Sängerkraoz au-, die dagegen
vorgedrachten Bedenken als nicht ganz zutreffend bezeichnend - die Herren Emmelius und Homberger sprachen dagegen- Da- Gesuch wurde abgelehnt.
Das Gesuch des Herrn August Zöckler um Eltheil- ung der Erlaubniß zum Wirthschast-betrieb im Hause West« anlage 28 wird, trotzdem der Gesuchsteller da- Bedürfniß nach einer weiteren Wirtschaft mit dem nach Unterführung deS nach dem Güterbahnhofe herzustellenden Wege- und dem gesteigerten Verkehr in dortiger Gegend nachzuweisen sucht, nicht befürwortet, mit dem Hinweis auf eine größere Anzahl in nächster Nähe befindlicher Wirtschaften. — Dagegen wird bezüglich der ConcesfionSgesuche der Herren Hetnr. Knoch für das HauS Grünbergerftraße 32 und CaSparbauer für das HauS SelterSweg 32 die Bedürfuißfrage bejaht.
X Aus Grüuberg, 16. October, schreibt uns Herr Louis Moll: Zu meinem Leidwesen haben Sie auch von der einen, bei der Wahl für den Landtag für mich abgegebenen Stimme Notiz genommen. Sie würden mich verbinden, wenn Sie in der nächsten Ausgabe diese Notiz dahin erläutern würden, daß ich eine in letzter Stunde für mich in Scene gesetzte Agitation verbeten hatte und auch die für meine Person ihre Stimme abgeben wollenden Wahl- mäuner gebeten hatte, für einen der anderen Caudidaten einzutreten.
Grünberg, 15.October. Don Herrn Kreisrath Schönfeld ging auf telegraphische Mittheilung seiner Wahl bei Herrn Bürgermeister Zimmer per Telegramm folgender Dank ein: „Herzlichen Dank Allen, welche ein geireueS Gedächtniß und Vertrauen in so freundlicher Weise wieder bestätigt haben. Ich will versuchen, diesem Vertrauen und dem öffentlichen Wohl nach Kräften zu dienen. Allen meine besten Wünsche und ein dankbare- Hoch der Stadt und dem Wahlkreise Grüuberg. Schönfeld." — Wie der „Gründ. Anz." vernimmt, soll die Wahl angefochten werden.
+ Ridda, 16. October. In verwichener Nacht zog ein wolkenbruchartiges Regenwetter, begleitet mit Sturm und etwas Hagelschlag, über unser Thal- auch heute herrschte meist ein starker Nordwestwind.
-h- Darmstadt, 15. October. Am verflossenen SamStag, 10. October, ging der diesjährige OrgelcursuS, welcher am 21. September begonnen hatte, zu Ende. Derselbe war von 18 Lehrern deS GroßherzogthumS Hessen besucht, wovon 14 der Provinz Oberheffen angehörten.
Mainz, 16. October. Ulrich (Soc.), der für Offenbach-Stadt und Offeubach-Land gewählt ist, nimmt erstere- Mandat an. ES findet daher Nachwahl für Offenbach Land durch die in ihrer Mehrheit socialdemokratischen Wahl- männer statt.
im dritten Stock de- Palai- am Wilhelmineuplatze- neben an in den Gemächern, die der Großherzog vor seinem Regierungsantritt inne hatte, refidiren J.J. K.K. H.H. der Großfürst und die Großfürstin Sergius. Damit den Herrschaften die Mühe deS Treppensteigens erspart bleibe, ist außerdem ein Fahrstuhl angebracht worden, der den Verkehr in dem dreistöckigen Hause vermittelt.
An die Ausfahrten, die die hohen Gäste nach den verschiedenen prächtig gelegenen Schlössern in der Nähe der Residenz machten, nach BraunShardt, Kranichstein, Jugenheim rc. reihten sich wiederholt Ausgänge zu Fuß in daS Innere der Stadt, nach dem Großh. Marstall und dem PalmenhauS des HerrngartenS rc. Auch verschiedenen hiesigen Geschäften wurde die hohe Ehre deS Besuches zu Theil, so den Firmen Trier und Alter u. A., wo Allerhöchst dieselben Etnkäuse zu machen geruhten.
Auch die viel genannten DetectiveS, von denen allerhand Fabeln in auswärtigen Blättern erzählt wurden, sind dabei nicht zu vergessen. Wohl find eine Anzahl solcher Polizeipersonen mit den russischen Majestäten hier eingetroffen, allein lange nicht so viele, wie in manchen Blättern behauptet wurde. Theilweise find diese Beamten mit Fahrrädern versehen und folgen entweder dem Kaiserpaar oder fahren voraus.
Ueber die vorzüglich gelungene Fest-Vorstellung im Großherzogl. Hoftheater ist Ihnen ebenfalls schon berichtet worden. Auch seitens der Allerhöchsten Gäste fand dieselbe die wärmste Anerkennung, wie auS einem Circular hervorgeht, das unter« 12. October a. c. von der Direction genannten Institut- veröffentlicht ward- Se. Kgl. Hoheit der Großherzog drückt darin sämmtlichen Mitwirkenden die Allerhöchste Zufriedenheit und Anerkennung Ihrer Maj. de- Kaiser- und der Kaiserin von Rußland auS, für die glänzend verlaufene Festvorftellung. — Am vergangenen Dienstag er
lebte Walter Steins vieractiger Schwank „Fräulein Doctor" vor au-verkauftem Hause an derselben Stätte seine hiesige Erstaufführung. Dank der vorzüglichen Besetzung der Hauptrollen durch Herrn O ttb ert (Normann), Frl. Eichelsheim (Dittrich), Frl. Walther, Herrn Kreidemann und Frl. Denkhausen erntete das an sich nicht gerade außergewöhnlich hervorragende Stück sehr warmen Beifall. — Die Aufführungen des Lutherfestspieles von Otto Devrient hatten mit der am vergangenen Sonntag vor au-verkauftem Hause stattgehabten Volksvorstellung ihr Ende erreicht. Das Comitv kann, wenn e- zurückblickt auf fein Werk, wohl damit zufrieden fein, denn selten wohl ist ein derartige- Unternehmen glänzender au-geschlagen, als dieses, und die Lorbeeren, sonstigen Geschenke und Ehren, welche den Hauptdarstellern von allen Seiten zu Theil wurden, waren wohlverdiente.
In der Großh. Gemäldegal le rie herrscht, seitdem ein neuer Jnspector in der Person des Herrn Dr. Back an das Institut berufen wurde, rege- Leben. Eine größere Anzahl Seekatz'scher Skizzen die neu ausgestellt find, erregen lebhaftes Jntereffe. Neu erworben wurde letzthin ein Gemälde von Adolf Männchen „Abendfriede". Im Kunstverein lenken namentlich die Werke mehrerer einheimischer Künstler die Augen aller Besucher auf sich, so Phil. Otto Schäfers warm empfundene- Bild „Frühling-- accorde" und ein von Prof. A. Noack in jeder Hinsicht meisterhaft durchgesührte- Porträt. Frl. Clara Gersch, deren Werke bei einem Besuch auch von Seiten des Großh. Hofe- besonders belobt wurden, hat Mehreres ausgestellt. Um die Kaiserin Alexandra zu malen, ist Prof. Angelt hier eingetroffen, die hohe Frau gewährt dem Künstler in den Tagen mehrere Sitzungen iw Alten Palai- am Luisenplatz.


