Weihnachtsstolle» mit ihrer plumpen einem liegenden Schwein ähnelnden Form find uocy Ueberreste des alten Brauches vom Juleber. WaS mau heute auf der fcandinavischen Halb« insel den Juleber nennt, ist auch nur eine Art Stollen. Er ist aus dem besten Mehl gebacken und auf ihm ein Eber oder ein Widder mit zwei Hörnern dargestellt. Deshalb heißt er auch Julbröd (Julbrot), Julbock, Julgumse, Gumsel- bröd oder Julgalt. Einst legten die Männer im germant. schen Alterthume die Hände auf den Juleber oder Sühneber und thaten Gelübde. Mit dem Julbröd, dem gebackeneo Juleber, trieb man deswegen späterhin viel Aberglauben. Man hob es hier und da bis zum Frühlinge auf und gab den ins Feld ziehenden Knechten davon, ja, selbst den Pferden, Kühen und Schweinen, in Hoffnung glücklichen Gedeihens und einer gesegneten Ernte.
An einigen Orten ist es Sitte, daß vor jedem Gaste ein Haufen Brodkuchen steht, die außer dem Juleber ver- schiedene Arten von Thieren darftellen. Auf dem WeihnachtS- tische erhebt sich auch gewöhnlich eine metergroße Pyramide, die aus mehreren, übereinandergeschichteteu dünnen Brodarten, auS einem großen Käse und ganz oben auS Aepfeln gebildet ist. Gutes Oel, d. h. Bier und Branntwein, sind zur Ge- nüge aufgetragen. Jeder in das HauS Eintretende wird mit Freuden bewirthet, Freund und Feind, Einheimischer und Fremder. Er muß durchaus wenigstens eine Kleinigkeit vom Tische effen, sonst nimmt er, nach dem Volksglauben, die Julfreude mit hinweg. Trauer herrscht in einem Hause, wenn ein Fremder doch das HauS verläßt, ohne einen Biffen genoffen zu haben, Freude aber, wenn er dem Weihnachtstische Ehre anthat.
Sobald die Festglocke erschallt, sammelt sich Alles um das lodernde Herdfeuer. Die Oelkanne geht von Hand zu Hand und man erbaut sich in Betrachtung der an den Wänden hängenden Weihnachtstapeten. Die zeigen Bilder aus der Geschichte der Geburt und des KindeSalterS Jesu: die Engel und die Hirten auf dem nächtlichen Felde bei Bethlehem, Maria mit dem Jesuskinde in der Krippe, den Besuch der Weisen auS dem Morgenlande, die Hochzeit zu Kana u. a. m. Gewöhnlich bringt man den Julabeud in dem Zimmer des Hausherrn zu. Statt der bunten Wandteppiche ist das dann auch oft nur mit sauberen weißen Decken behängt.
Die Dielen find mit langem Roggenstroh bedeckt. Das feinste Linnenzeug und die Fesikleider der ganzen Familie
find entweder in dieser oder den benachbarten Stuben zur Beschauung au der Wand schön aufgehängt. In nur einigermaßen wohlhabenden Bauernfamtlten erhält jedes Familieu- glied ein neues Kleid zum Julfeste. Fenster und Geräthe, selbst der Keffel, in dem das Fleisch oder die Weihnacht-, grütze gekocht werden, find mit Franzen verziert. Alles ist sauber und wohlgeordnet. Die Zinn-, Mesfing- und Silber- gefäße blicken tu schimmernder Reihe von den Wandbrettern hernieder in die lichtdurchfluthete Stube,' denn die Tafel ist von vtelarmtgen Leuchtern erhellt.
Darüber hängt eine aus Stroh geflochtene mit kleiorn Zierrathen versehene Krone von der Decke herab. Das Stroh ist das Symbol des Winters, der bleichen, farblosen, todt- ähnlichen Jahreszeit. Ringsum an der Stubendecke und sogar draußen an den Dachseiteu erblickt man kleine Sträußchen Roggenähren von Julstroh, die von der HauSmagd gebunden und da angebracht worden find. Ein richtiger nordischer Bauer hat auch auf eine Stange neben dem Hause eine Garbe mit vollen Aehren gesteckt, damit auch die armen Spatzen ihr Julfest feiern können.
Von dem Julstroh hegt man eine große Meinung. Legt man eS in die Hühner« und Gäusenester, so soll ihnen kein Marder und keine Behexung etwa- anhaben können. Und zur MitternachtSftunde auf den Acker gestreut oder um die Bäume gewunden, bringt eS Reichthum an Obst und Korn. Auch den Kühen gibt man es, ehe fie im Sommer auf die Weide getrieben werden. Sie sollen dann nicht von einander laufen und vor aller Krankheit gesichert sein.
Bevor man die Speisen auf dem Festtische berührt, setzt man noch hier und da Julgröt und andere Speisen in kleinen Schälchen auf die Tenne und legt ein Stückchen vom Juleber daneben für den Tomtegubbe, den Hausgeist, damit er fort- fahre, dem Hofe Glück und Gutes zu bringen. Von der Weihnachtsgrütze darf Niemand eher kosten, als bis er durch Hersagen eines Reimes sich ihrer würdig gezeigt hat. Stockfisch und Erbsen bilden neben der allgemeinen WeihnachtS- retSgrütze und dem unumgänglichen Oel und Branntwein das allgemein übliche Festgericht des Weihnachtsabends.
Beim Zutischgehen fingt man einen Choral. Das Mahl selbst wird unter allerhand fröhlichen Scherzen eingenommen. Nach seinem Ende fingt man Weihnachtslieder und liest ein Weihnachtsgebet. Dann legt man fich zum Schlafe nieder, während das Licht die ganze Nacht hindurch brennen muß.
In der heiligen Nacht schläft die ganze Familie mit Kinder« und Gestade einträchtig auf dem Julstroh in der Stube bei« sammen. Daß nennt man das Geschwtsterbett. Die Schuhe aller Schlafenden wüffen in dieser Nacht auch an einer Stelle dicht bei einander stehen. Da» soll das ganze Jahr hindurch die Eintracht erhalten. Bet den alten Germanen galt je der 24. December, der Weihnachtsabend, zugleich al» Jahres- Anfang.
Früh um 5 Uhr ist Alles schon wieder auf den Beinen und auf dem Wege zur schönen, poefievollen Chripmette. Eihellt kein Mondschein die schneebedeckten Wege, so ziehen Alle auS dem Dorfe, oft mit anderen Dorfschaften vereinet, mit lodernden Fackeln zu Schlitten, zu Pferd und zu Futz durch den dunklen WeihnachrSmorgen nach der lichtftrahlrndev Kirche. Jeder führt außerdem ein kleines Wachslicht mit fich, da» er in der Kirche vor seinem Sitz aozündet. Sm Ueberbletbsel davon bringt man gern wieder mit nach Hau'e. Man betrachtet eS als geweiht.
An die Christmette schließt fich der Vormittag»- und Hauptgottesdienst an. Sobald der zu Ende ist, eilt All s so rasch als möglich nach Hause. Wer zuerst im Dorfe an« langt, löst al» Siegeszeichen einen Schuß. Der ganze elfte WethnachtStag verfließt nun in Freude und Scherz, in 8n- dachtsübungen oder in Spielen draußen auf dem Eise d-r Seen uad Fjorde. Da ringt und tanzt man auf Schlittschuhen oder fährt im Ring, indem man einen an einem Pfahl befestigten Schlitten im Kreise umherlausen läßt.
Giebt eö kein Eis, so belustigt man fich auf andere Weise in freier Luft, aber immer so, daß man zu recht viel Bewegung, zu tüchtigem, unermüdlichen Laufen und Springen dabei gezwungen ist. Denn wer heute recht flink ist, heißt e-, der wird es das ganze Jahr hindurch bleiben. In des Städten und auch auf vielen Dörfern beschließt man btn Tag deshalb auch mit fröhlichem Tanze. Die übrigen Tage der Julzeit begeht man möglichst festlich in ruhigem Genuß, in fröhlichem, häuslichen Beisammensein und in Ausflügen und Besuchen in entfernten Orten bei Verwandten und Bekannten, biS daS schönste Fest des JahreS, WeihnachtS- und halb und halb wie in alter Zeit RlujehrSfeft zugleich, mt all' seinen herrlichen Erinnerungen sein Ende erreicht. Do- ganze Jahr hindurch gedenkt man seiner aber in freudiger Wehmuth.
Bekanntmachung.
Am Sonntag den 20. December d. I. werden bei dem Hauptpostamte wie bei der Stadtpoststelle die Paketschalter wie an Wochentagen offen gehalten.
Gießen, den 15. December 1896.
Kaiserliches Postamt.
_________Ritsert.________
Bekanntmachung.
Die Einlagen bei unserer Kaffe werden vom 1. Januar 1897 mit 3Vi pCt. verzinst. 10994
Spar- ulld Uorschuß-Ntttiil fattar, S. ». «. s.
C. Geißler. G. Schwalm.
Christdefcheerllvg für braue, bedürftige Kinder.
Unterzeichneter hat auch in diesem Jahre wieder eine Christ- bescheerung (48.) für bedürftige Kinder veranstaltet, und mit großer Freude bekennt er hiermit öffentlich, daß es in seinem lieben Gießen noch recht viele edle Menschen giebt, die ein warmes, fühlendes Herz für die Nothleidenden im Busen tragen, die daher gerne bereit sind, ihre milde Hand aufzuthun, wenn es gilt, Dürftige zu unterstützen Die Gaben find nämlich gerade in diesem Jahre in so reichem Maße gespendet worden, daß ich in die angenehme Lage versetzt wurde, 323 Kindern eine recht schöne Weihnachtsfreude bereiten zu können und ich spreche hiermit allen edlen Geberinnen und Gebern für die überaus reichlichen Zuwendungen meinen herzlichsten Dank aus. Es wäre mir jedoch nicht möglich gewesen, eine so große Anzahl von Kindern zu bedenken, wenn ich nicht auch dabei die Zinsen aus meiner Stiftung, und aus der der verstorbenen Elisabeth Schmidt, zusammen 132 Mk. betragend, hätte verwenden können. Daher spreche ich den edlen Bürgern, die meine Stiftung bewirkt haben, und der hochverehrlichen Stadtverordneten-Versammlung, die die Güte hatte, mir die Schmidt'sche Stiftung zur Anschaffung von Schuhen zu überweisen, abermals meinen wärmsten Dank aus.
Ganz besonders danke ich Herrn Dr. Winthor in Worms, der, aus Anhänglichkeit an seine Vaterstadt Gießen, mir auch in diesem Jahre wieder 30 Mark zu meiner Bescheerung überwiesen hat.
Zur Bescheerung, mit der auch zugleich eine Christfeier verbunden ist, und die in Der Turnhalle der Stadtmädchenfchule (West- anlage) am kommenden Sonntag, den 20. December, Nachmittags präcis 4 Uhr, stattfinden wird, lade ich hiermit freundlichst ein. Die Gaben für die Kinder können jedoch schon von Vormittags 10 Uhr an in Augenschein genommen werden, und ich bin mit Vergnügen bereit, über deren Vertheilung nähere Auskunft zu geben.
Gießen, den 15. December 1896.
H. Curschmann, Lehrer i. P.
F August Mlbiuger, Gießen.
gg&f Seltersweg 19, 'WME
gk empfiehlt Schultasche«, Bücherträger und Justituts- tascheu für Mädchen in allen Preislagen.
4 rn IchuliorniSer und Schulmappen für Knaben
JBAi in bester, solider Handarbeit.
jflr | j Unzerreißbare, massive Rindleder-Tornister mit feWL yl bestem Seehunddeckel und Seitenböden, Frühstück- und Heften- ^-^-M^tasche zu Mk. 6.50 per Stück. 10192
Eier! Eier!
Mit dem heutigen Tage notire ich meiue Preise für Eier wie folgt:
100 StiA griffe prima frische Ger MK. 5,80 (25 Stück MK. 1.50), wo 3li* mittrleriit ,ri-° frische «in Mt. 5,20 (26 Stück MK. 1.35), 100 StiüK -raffe -Scheier Mk. 5,20 (25 Stück Mk. 1.35), Knickeier, per Stück 4 Pfg.
»ei Abnahme von Kiste« billiger.
io6u Eberh. Metzger,
Telephon 65. Neustadt 8.
Großes Lager in
Pelzwaaren
zu sehr billigen Preisen. 10960
J. Kaan Jr., Kreuz 10.
werden schnell und elegant angefertigt in der
K Brühl sehen Univ.-Druckcrci.^
Schulstrasse 7.
-
Versteigerungen.«
Pappelstammholz- Versteigerung.
Dienstag den 22. Deebr, Vormittags 11 Uhr, versteigert bit Gemeinde Nieder-Gemünden:
133 Stück Pappelstämme, zusammen 90 Festmeter haltend.
Zusammenkunft bei Nr. 1 an der Straße nach Homberg.
Nieder Gemünden, 15. Dec. 1896. Gr. Bürgermeisterei Nieder-Gemünden.
Berg. 11005
Gemüse. Obst.
Erbsen Auana», Aprikosen Erbsen mit Sarotten Kirnen, Erdbeeren Stangen-Spargel Kirschen, Mel^ngr Krech-Spargel. Mirabelen, Mi|t
Schnitt-, Machos Hmn, |ir|*e
Perl-, -rinieß-, Jhiietlartei
Krech-. Kern- nn) Etacheldeeren
vicke Köhnen int,2u.4Pf -Dosen
Teltower Käbchen ferner a. auSgew»^ Gemischte Gemüse. Preiselbeeren.
Carette», Steinpihe,! Perlzwiebel
Morcheln, Tomaten Mixed Pickle» «hamptgnons Pfeffer., Senf-, Mfio in */„ 1, 2, 8 und and Sih-Gnrben
4 Pfd.-Dosen Kotherüben ». s w
empfiehlt 1099? in den bekannt dosten OnalULtem zu billigen Pr.tsen
Emil Orbig,
Bahnhofstraße 80.
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Auf Weihnachten empfiehlt
Anis,
Buttergebackenes, Pfeffernüsse, u-» Honigkuchen, sowie Kuchen aller AN ♦ Fritz Schreiner, ♦ 4. Lindenplatz 4.
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦
Redacttou: 8L Echeyda. — Druck unb Verlag der Vrühl'schev Universität--Buch- und Steutbruder« -Pietsch & Ccheyda) in Gießen.
Der
aitHearr
ßuinahlnc jKcnta^-
Die M""
n^ilich dr" belegt.
,.,oh»tv°r
Bttlli. H aller in Werkstatt de» Markgraf au» 1220). Er bi im Kampfe fli thnr der W fürstlich, so da wo» er »IV Autor M v. Salza.
Betta, 1* langer Zeit dt Krone erhalten dir Verleihung an, da der Ri Rothen Adler also nicht vor sondern in bei haben mutz, erfolgt, al» politischen Po sie dürfte dah obersten Reichs und öffentlich
«ot
BttUi, U Antrag Maatr bei Margar Bandeirathe die Bestimmun von über 600
Hannover fahren schwe Hannover gegi Director des S ist auf Amts urtheilte hat gelegt.
Bett, 16 in Ukbereinsti Berathung die Uoteroffizirre Postulat» auf rrvppev.
Babtib, pareial" eu6 i°hlreicher $ei
London, 1 ttwacao ist b ’Mtyoint fest, letetlbut, beftütit
■»»» unb 8ta, ^roWem ble i
1" M il« ’ *,c gemeine
w Nii, i ÄK SS? Ä
5 ^nber,^..
Um*** i
••Metbath


