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Domerstag den 17. September
1S96
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Der fkjmt Anzeiger erscheint täglich, »it Lu-nahmr de- Montag».
Die Gießener
D«»tlie» S tätler »«den dem Anzeiger !->tzchn»tlich dreimal deigrleg».
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Kemrat-Mnzeiger.
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Auszug
4116 der von Großh. Oberrechnungskammer revidtrten Rechnung der Provtnztalkasse Oberheffen pro 1894/95.
Mbr. Einnahme. Betrag
Rr. JL
1. Kassevorrath auS vorhergehenden Jahren 21772.09
2. Ausstände „ „ z/ 2 586.—
3. Beiträge der Kreise 222 000.-
4. Capitalzinsen deS Provinzialvermögens 4887.03
5. Prozeßkosten 709.90
S. Beitrag auS der Staats kaffe zu Straßen- gb Neubauten 84208.—
7. Einnahme des chemischen Untersuchungsamtes 2425.74
8. Ersatzpoften 1160.27
12. Zurückempsangene Capitalien 16822.63
Summe der Einnahme 356571 66
Ausgabe.
14. Besoldungen 2 479.16
15. Diäten und Gebühren 1604.07
16. Botenlohn und BerkündigungSkosten 146.20
17. Für Bureaugegenstände und Geräthschasten 467.10
18. Unterhaltung der KretSstraßen 182580.55
19. Neubau von KretSstraßen 51898.11
20. Beiträge zu den Kosten der Natural-Ver- pflegungSstationen 5 457.84
21. Kosten des chemischen Untersuchungsamtes 2446.40
22. Uneinbringliche Posten und Nachlässe 3.—
23. AuSzuletheude Capttalien 88333.
Summe der Ausgabe 335415.43
Abschluß.
Die Gesammt-Stunahme beträgt 356 571.66
„ Ausgabe o 335415.43
verglichen bleibt Rest 21156.23
unb dieser besteht in: 1O1_AAQ z,
1. baarem Borrath 18150.03
2. liquidirten Ausständen 3006.20 „
3. Vorlagen _______
Gleiche Summe wie oben 21 156 23 JC.
Gießen, den 26. März 1896. Der Rechner der Provivztalkasse sür Oberhessen, (grz.) Grüneberg, Rendant.
Revidirt, ohne daß sich für den vorstehenden Abschluß eine Aenderung ergeben hat.
Darmstadt, den 9. September 1896.
Grobherzogliche Ober-RechnungSkammer.
(gez.) Lorbacher.
In Gemäßheit des Art. 93 bezw. 43 der Kreis- und Provinztalordnung wird der vorstehende Auszug zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, den 15. September 1896.
Der Vorsitzende des ProvinzialauSschuffeS der Provinz Oberheffen.
v. Gageru.
Gießen, den 16. September 1896.
Betr.: LandtagSwahleu.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen a« die Großh. Bürgermeistereien Albach, Alleu- dorf a. d. Lumda, Allertshausen, Beltershain, Bersrod, Beuern, Burkhardsselden, Climbach, Geilshausen, Gießen, Göbelnrod, Grüuberg, Harbach, Holzheim, Keffelbach, Lauter, Liuden- struth, Londorf, Lumda, Odeuhauseu, Queckboru, Reiuhardshain, Reiskirchen, Saasen, Stangenrod, Steinbach, Stockhausen, Treis a. d. Lumda und Weickartshain.
Wir erinnern Sie daran, daß nach unserem Ausschreiben vom 26. v. M. („Gießener Anzeiger" Nr. 203) die Listen der Urwähler und der Wählbaren nach vorausgegaugener Bekanntmachung am 21., 22. und 23. September offen zu legen find und daß wir spätestens bis 25. September Bericht darüber erwarten, daß die Offenlegung ordnungsmäßig statt- gefunden hat und ob Einwendungen vorgebracht worden sind.
v. Gageru.
rkRchekhchs«.
Wolffs telegraphisches Lorrespondenz-Bme««.
verliu, 15. September. Der Kaiser empfing heute vormittag den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe zum Vortrag im Neuen Palais.
Bersin, 15. September. Die „Nat.-Ztg." meldet: In der Wetterführung der statistischen Erhebungen auf dem Gebiete der staatlichen Arbeiter-Versicheruug ist das Reichsversicherungsamt derzeit mit der Aufnahme über die Ursachen der Invalidität beschäftigt. Die Arbeit ist dem Abschluß nahe und wird alsdann veröffentlicht.
Breme«, 15. September. Die Schiffsbau- und Maschinenfabrik „Bremer Vulkan" hat von Seiten der Dampf. fischerei-Gesellschast der Nordsee die Lieferung von weiteren 8 Schtffsdampfern von je 106 Fuß Länge zugeschlagen erhalten. Der Vulkan hat jetzt insgesammt 16 Dampfer für die genannte Gesellschaft in Auftrag.
Dessau, 15. September. Die 49. Hauptversammlung des Gustav Adolf-Vereins wurde heute Nach- mittag durch den Vorsitzenden des Dessauer Hauptvereins,
Confistortalrath Werner im Namen dieses Vereins, durch Präsident Walter im Auftrage der Landesregierung, durch Generalsuperintendent Teich müll er Namens des Kirchen- regimeuts und durch Oberbürgermeister Geheimrath Funk Seitens der Stadt Dessau begrüßt. Vor Beginn der Verhandlungen fanden Festgottesdienfte in der Johannis- und in der PauluSkirche statt. In der ersteren predigte Ober- confistorialrath Reichard aus Posen, in der anderen Ober- confistorialrath Hofprediger Braun aus Stuttgart.
Schaffhausen, 15. September. Die genaue Untersuchung des Rheingrundes hat ergeben, daß bei dem durch den Einsturz der Landungsbrücke beiBüsingen herbeigeführten Unfall zwei Personen ertrunken find.
Haag, 15. September. Die Königin - Regentin eröffnete heute die Generalstaaten mit einer Thronrede, in der die Lage des Landes als befriedigend bezeichnet wird. Die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten seien sehr freundschaftlich. Die Thronrede gedenkt sodann in ehrenden Worten der Thätigkeit und des Muths der Armee und Marine in Indien, welche die Führer der Aufständischen m Atchin die Macht der holländischen Waffen energisch hätten fühlen lassen. WaS die Landwirthschaft angehe, so sei deren Lage noch keine günstige- dagegen seien in den Zweigen deS Handels und der Industrie Fortschritte zu verzeichnen. Au- gekündigt wird eia Gesetz betr. die obligatorische Arbeiter- Unfallversicherung.
Athen, 15. September. In Macedonten haben neue Kämpfe stattgefunden. Die kürzlich von der See her in Macedonten eiugedrungene Bande lieferte bei Verroia den Bataillonen Ntzam Paschas ein Gefecht. Nach mehreren Stunden wichen die Türken unter Zurücklassung von zahlreichen Todten zurück. Die Aufständischen erbeuteten mehrere Martini-Gewehre.
Athen, 15. September. Einer Meldung der „Agence HavaS" zufolge sind die französischen Kriegsschiffe „Devastation" und „Amiral Courbet" in Syra angekommeu, wo sie wettere Ordre vorfanden, der zufolge sie um Mitternacht mit unbekanntem Bestimmungsorte wieder abgehen.
Berlin, 15. September. Der Kaiser arbeitete heute Vormittag längere Zeit mtt dem General - Adjutanten von Hahnke. Zur Frühstückstafel hatte der Chef des Generalstabs, Graf von Schliessen, eine Einladung erhalten.
Berlin, 15. September. Der Kaiser empfing heute Vormittag 11 Uhr den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe zum Vortrag.
Berlin, 15. September. Der Oberprasident von Schlesien, Fürst zu Hatzfeld, bringt eine Allerhöchste CabinetSordre zur allgemeinen Kenntniß, in welcher der
Die
seinem Hausbuch:
Den 9. September kamen die Franzosen wieder, ging das erste Wetter erst von neuem an. Obigen Abend kamen an 20 Mann Infanterie, verlangten unselig viel Brot, dieses mußte in Eil geliefert werden, auch etliche Karolin dabei zur Abkaufung unmöglich zu Liefernden dazu gegeben werden.
Den 10. September kamen die Schaschier (Chasseurs), verlangten Brot, Fourage und 18 Stück Hammel, welche auch in Eil geschafft werden mußten- auch 3 Karolin mußten dem Unteroffizier, um noch gnädig zu handeln, gegeben werden, sonsten sollte der Ort gleich in Brand gesteckt werden.
Den 11. September war die ganze Gegend hier mit
Zustände waren wieder eingetreten. Am deutlichsten erhellt . dies daraus, daß schon am 19. Juli 1796 dem Secretär Oßwald vom Senat der Hochschule Vollmacht ertheilt wurde, j die Universitätspapiere und übrige Sachen in Empfang zu nehmen und solche sämmtlich wieder anhero zurückzubringen.
So machte sich dann Oßwald mit dem Gärtner Sauer auf den Weg nach Hersfeld und brachte nach sechs Tagen die Kisten mit Papieren wieder nach Gießen zurück- die Franzosen aber hielten die Stadt noch bis zum 11. September besetzt. Die kaiserlichen Vorposten kamen in größeren Massen, die Franzosen verließen die Stadt, beschossen sie aber von der Pulvermühle aus. An verschiedenen Stellen brach Feuer aus — die arme Stadt war im höchsten Grade bedroht.
In Folge eines Waffenstillstandes verlief die Nacht vom 11. zum 12. September füll, aber auf dem Lande war kein Waffenstillstand. Abel von Krofdorf erzählt darüber in
Den 17. September in Stille fortgezogen, denn diese Woche war noch drückend, dann immer ging das Plündern, kein Brot war in den ersten zwei Tagen mehr da, wer eS nicht zum allerbesten versteckt hatte - es mußten gar viel Leut sich mit Gwetschen und Kartoffeln aufbringen, alle Schuh- waaren ausgezogen, keine Montur, was nicht verflickt war, war alles gestohlen. Krofdorf mußte in einem Tag 30 Stück Küh liefern, und dabei war immer noch, wenn sie wollten, das Vieh aus dem Stall genommen und geschlachtet. Den Mittwoch gab es ein Geplänkel mit den Kaiserlichen und Franzosen, weil aber die Kaiserlichen zu schwach waren, mußten sie sich wieder über die Lahn zurückziehen.
Den Freitag als den 16. September kamen die Karser- lichen abermal und wollten die Franzosen verdrängen und ging die Attack morgens um 9 Uhr an und waren bis auf den Siegköppel und überall diesseits dem Hege grab en, mußten sich aber zurückziehen durch die Krockeln und Groß en-Wald bis die Platt und Wismarer Wald und standen auf dem Homberg*) und auf dem Wetterberg mit Kanonen und Kavallerie und die Kanonade dauerte von morgens 9 Uhr bis in die späte Nacht mit Kanonen und Kleingewehrfeuer, doch sind über 20 Mann nicht geblieben. Dabei wurde noch immer geplündert und die Nacht noch, das weibliche Geschlecht mit Gewalt geschändet, überhaupt ist alles Verfahren nicht zu beschreiben, wie sich dieses Räubervolk bei seinem hiesigen 8 tägigen Aufenthalt betragen. Mein obenhin nur berechneter Schaden beläuft sich auf 856 fl. und tie ganze Schadenrechnung in beiden Gemeinden beträgt 36870 fl.
*) Alle hier namentlich aufgeführten Stellen liegen nördlich »ea Krofdorf nach dem Walde zu oder in demselben.
(Schluß folgt.)
Fettitteton.
War hundert Jahren.
Flucht des Gießener Universitäts-Archivs vor den Franzosen 1796.
Von Dr. O. Buchner.
(3. Fortsetzung.)
Immer noch war die Provinz voll Schrecken vor den Franzosen und ihrem weiteren Vorrücken. In einem Briefe Kollhards von Alsfeld vom 15. Juli 1796 hecht es darüber: .Obgleich es seit einigen Tagen dahier ziemlich ruhig, so werden wir doch noch immer durch allerlei) sich durchkreuzende Schrecken verbreitende Gerüchte geängsttget. Z. E.: Heute entstünde das Gericht, daß eine Colonne Franker- hier durch nach Fulda ziehen würde, um den Kaiserlichen den Ruckzug ins Frankenland abzuschneiden. Inwiefern etwas hieran muß Ht Zeit lehren. Der gütige Himmel verhüte dieses und schenke uns den Frieden. Ohnerachtet wir basier noch keme Franken gesehen, wie Sie, so glaube ich doch, daß der Schrecken und die Angst bei uns noch großer war, als wirklich bei Ihnen, wo solcher schnell und vorübergehend war. «ein Haus war gepfropft voll Flüchtlinge und Effecten, die cheilS blieben, theils fortreißten. Madame Weber und zwei älteste Töchter Herrn Hofrath v. Schmalkalder von Grünberg fiwd noch bet) uns. Fr. H. v. Schmalkalder nebst Ihrer frrtu Mutter sind gestern zurück nach Grünberg .
In Gießen hatten sich die Gemüther nach den ersten tagen des Schreckens durch unerhörte Erpressungen und nach ----- ~ a.«
Biun franibftfäen Hauptmacht rasch beruhigt. Schon Franzosen besetzt und ging das Plündern auf das Aller-
«17 qtaaen bte Wen roitber it)ren alten Gang, > grausamste Tag unb Nacht mit Lichter unb Fackeln, unb ” Snttesbienst würbe wieber eingesührt unb leiblich gearbnete währte ton Sonntag bis ben künftigen Sonnabenb.


