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Erstes Blatt. Freitag deu 17. April
1896
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Amtliche* Theil.
Gießen, 15. April 1896.
Betr.: Die Darstellung des Zustandes der Fortbildung!- schalen im Kreise Gießen im Schuljahre 1895/96.
Die
Großh Kreis-Schulcommisfion Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Wir erinnern Sie, soweit Sie mit Ihren Berichten im ri;br. Betreff noch rückständig find, au die Erledigung derselben innerhalb drei Tagen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Infolge Verfügung Großh. MinisterinmS des Innern und der Justiz vom 10. l. MtS. ist die Abhaltung deS für dan 23. April l. Js. geplanten Biehmarktes zu Frreieufeen unter der Bedingung genehmigt, daß nur Th-kre oi 8 uuverseuchten Orten der Kreise Schotten, Gießen, Alsfeld, Lauterbach und Friedberg, Thiere von Händlern ober nur dann, wenn sie mindestens 7 Tage in uuverseuchten Outen fragl. Kreise in seuchenfreiem Zustande zugebracht holden, aufgetrieben werden dürfen.
Schotten, 11. April 1896.
GroßherzoglicheS KretSamt Schotten. Schönfeld.
Bekauntmachung.
Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat Mr Abhaltung der Biehmarkte zn Homberg am 288. l. M. und zu Ruppertenrod am 29. I. M. Hüter folgenden Bedingungen genehmigt:
Auf den Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten Orten des GroßherzogthumS Hessen, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn ste mindestens 7 Tage in »verseuchten hesfischen Orten in seuchenfreiem Zustande zu- peidracht haben, aufgetriebeu werden. Beim Auftrieb der Ltziere ist durch eine streng zu handhabende Controle der ivtreffenden Ursprungsscheine zu verhüten, daß andere Thiere ov's den Markt gebracht werden.
AlSfeld, den 13. April 1896.
Großherzogliches KreiSamt Alsfeld.
I. V.: Rach.
Neueste Nuctzeichtett.
Wolff« telegraphische- Sorr-spondenz-Buretu.
Berlin, 15. April. Das „Berl. Tgbl." bezeichnet die Fe-ituogSmeldung über ein bevorstehendes Duell zwischen lern Leremonienmeister von Kotze und dem Sohne deS verstorbenen CeremonienmeisterS von Schrader all erfunden.
Berlin, 15. April. Der „Reichsanzeiger" meldet: Zu Lnfang dieser Woche fand im ReichSverficherungSamt unter fr em Vorsitze des Präsidenten Boediker eine Conferenz statt »egen Gestaltung der Gefahrentarife der BerufS- >enossenfchaften. Ueber alle wesentlichen Punkte wurde in der Hand der Vorarbeiten deS ReichSverficherungSamteS timt Einigung erzielt - insbesondere wurde die Ansicht aus- gesprochen, eS könne die Höhe der Gefahr der einzelnen Betriebszweige unmittelbar aus der Höhe der in ihnen feit beginn der Unfallversicherung gezahlten Löhne und gezahlten Entschädigungssummen gefunden werden, ohne daß es der Errechnung des CapitalwertheS der laufenden Rente bedürfe, to-rauSgesetzt, daß es sich nicht um zu kleine Betriebszweige i»adle. Ja letzterer Hinsicht werden fünf Millionen 8Dhne als Mtnimalfatz angenommen. Hinsichtlich der S-arbeitung des Unfallmatertals wird die Verwendung der Mlkarten für jeden Unfall all die weitaus zweckmäßigste wuchtet, mit der Einrichtung, daß sie neben dem Zwecke deS SafahrentarifwesenS auch der allgemeinen Statistik der Unfall- Verhütung dient. Ein nach dem Muster der Knappschafts- SarufSgenoffenschaftS-Zählkarte entworfene! Formular wurde rimzeln durchbe.'athen.
Wien, 15. April. Heute Vormittag vollzog Cardinal Srruscha im Beisein deS deutschen Reichskanzlers die Trauung fr« Prinzessin Dorothea von Hohenlohe-SchtllingS- siUrst mit dem Reichsgrafen La mb erg.
Wien, 15. April. Da! heute erschienene Mtlitärverord- -augSblatt enthalt ein BefehlSschreiben deS Kaiser!, durch frail der deutsche Kronprinz und Prinz Eitel Fuiedrich von Preußen zn Lieutenant! ernannt wurden.
Wien, 15. April. Da! „Fremdenblatt" schreibt: „Die Ordenlaulzetchunngen, welche dem deutschen Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe und dem österreichisch-ungarischen Minister deS Auswärtigen, Grafen GoluchowSki, zu Theil geworden sind, bekunden die Anerkennung, welche die beiden Monarchen den Staatsmännern zollen, denen sie die Aufgabe Übertragen haben, die Interessen ihrer Reiche unter stetem Festhalten an dem Grundgedanken deS Dreibundes zu wahrender Grundgedanke des Dreibundes ist der Frieden. Die Waffenbrüderschaft Deutschlands und Oesterreich! vereinigt zwei Heere, deren Kräfte deu Völkern die Mächte zur ruhigen Entwicklung zu verbürgen haben."
Rotterdam, 15. April. In dem Schadenersatzprozeß de! „Nord d ent sch en Lloyd" gegen die Eigen- thümer der „C rat hie" wurden letztere heute verurtheilt, 565 500 Gulden sowie 6 pCt. Zinsen von dieser Summe seit dem 2. März 1895 an den „Norddeutschen Lloyd" zu zahlen. _____________
Dopesch« bei Bare«» „Herold*.
Berlin, 15. April. Da! Preußische Abgeord- netenhau! hat in der heutigen Sitzung die §§ 1 bi! 8 de- Lehrerbesoldungsgesetzes in zweiter Lesung angenommen. Morgen Fortsetzung.
Berlin, 15. April. Die Kaiserin ist mit den beiden ältesten Prinzen heute Mittag 12% Uhr au! Wien wieder hier eingetroffen.
Berlin, 15. April. Die Leichenfeier für den Freiherrn von Schrader hat am heutigen Vormittag in der Leichenhalle de! städtischen Friedhöfe! zu Potsdam stattgefunden. Die Theilnahme Seiten! der Hofgesellschaft war sehr groß. Unter Anderen waren der Prinz Hohenlohe, Graf und Gräfin Hohenau und Oberhofmarschall Graf Eulenburg erschienen.
Berlin, 15. April. Nach der „Voss. Ztg." wird Cere- monienmeister v. Kotze dem Kaiser ein Gesuch um endgültige Enthebung von seinem Amte bei Hofe einreichen. Frau v. Schrader gedenkt nach Wien überzusiedeln.
Berlin, 15. April. Dem Wiener Correspondenten de! „Berl. Tgbl." erklärte ein hervorragender Staatlmann, daß weder in Venedig noch in Wien formelle politische Verhandlungen über besondere Fragen stattgefunden haben oder noch bevorstehen, da für irgendwelche neue Abmachungen keine Veranlassung vorhanden sei.
Berlin, 15. April. Reichskanzler Fürst Hohenlohe wird am nächsten Sonntag in Coburg zur Vermählung de! Prinzen Hohenlohe-Langenburg mit der Prinzesfin Alexandra eintreffen.
Berlin, 15. April. In den am Dienltag begonnenen Berathungen der Commission für Arbeiterstatistik wurden die AuSkunstSpersonen der Herren Confection ver- nommen und hauptsächlich über die Errichtung von Betrieb!- Werkstätten verhandelt, wobei Seitens der anwesenden Cou- fectionäre die unerläßliche Nothwendigkeit der Hausindustrie betont wurde. Auch die Zwischenmetster sprachen sich gegen die Errichtung von Betriebswerkstätten au!, für welche nur der Arbeiterführer Timm eintrat. Darauf wurde die Frage der Unterstellung der Hau!-Jndustrie unter Gewerbe-Jn- spectionen besprochen, wobei selbst die Regierunglvertreter die Schwierigkeit der Controle zugeben mußten.
Berlin, 15. April. Die Reichltag!-Commission für da- bürgerliche Gesetzbuch nahm heute den § 823, welcher von der Haftpflicht der Beamten bei Verletzung ihrer Amtspflichten handelt, mit einigen vom Abg. Gröber (Ctr.) beantragten Abänderungen an.
Gaffel, 15. April. Gestern Nachmittag find hier tausend Maurer in den Strike eingetreten.
Wien, 15. April. Kaiser Wilhelm verlieh dem Minister des Aenßern, Grafen Golonchowlkh den schwarzen Adlerorden. Dem deutschen Reichskanzler Fürsten Hohenlohe wurde vom Kaiser Franz Joseph der Orden vom goldnen Vließ verliehen.
Wien, 15. April. Die heutige große Frühjahr!- Parade verlief programmmäßig. Kaiser Wilhelm führte dem Kaiser Franz Josef da! 7. Husaren-Regiment persönlich vor. Nach Schluß der Parade begaben sich die beiden Kaiser nach der Hofburg. Sodann fuhr der deutsche Kaiser in die Josef- städtische Reiter-Kaserne zum Frühstück und wohnte nach demselben den Exercttien de! Husaren-Regiment! bei. Al- der Wagen de! deutschen Kaiser! beim Abgeordnetenhause vorüber fuhr, wurde derselbe von einer Anzahl Abgeordneter, die sich auf dem Balkon versammelt hatten, lebhaft begrüßt.
Wien, 15. April. Die Abreise Kaiser Wilhelm! erfolgt heute Abend vom Westbahnhofe au!, die Ankunft in Karlsruhe morgen Vormittag gegen 11% Uhr.
Graz. 15. April. In Rudolfswerth und Umgegend versetzte gestern ein heftiges Erdbeben die Bewohner in großen Schrecken.
Rom, 15. April. Der Papst hielt gestern vor Pilgern aus allen Ländern eine Rede in französischer Sprache. Sein Gesundheitszustand soll ein sehr guter sein.
Dover, 15. April. Gestern Nacht scheiterte beim Einlaufen in deu Hafen eine au! Calais kommende Fischerbark, deren Besatzung von sechs Mann in deu Wellen umkam.
CoceUs rrnd provinzielle-,
Gießen, 16. April 1896.
*• Aus dem Staatsdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, den Geheimen StaatSrath in dem Ministerium deS Innern und der Justiz Ludwig Hallwachs auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und vorzüglichen Dienste in den Ruhestand zu versetzen.
*• Ans dem GerichtSdlenst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, den Land- gerichtSrath beim Landgericht der Provinz Rheinheffen Carl Th al er zum LandgerichtSdirector, den Rechtsanwalt Dr. Philipp Hangen in Mainz zum LandgerichtSrath und den Amtsrichter beim Amtsgericht Wöllstein Dr. Franz Vogel zum Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen, den GertchtSaffeffor Martin Hessel au! Mainz zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Wöllstein, den Ge- richtsaffeffor Or. Wilhelm Gläßing aus Gießen zum Amtsrichter bet dem Amtsgericht Offenbach, den GertchtSaffeffor Ludwig August Breidenbach au! Darmstadt zum Amtsrichter bet dem Amtsgericht Reinheim und den Gericht!» affeffor Eugen Gerl ach aus Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ulrichstein zu ernennen.
** Parlamentarisches. Vom Abg. Köhler wird laut der „Franks. Ztg." in der zweiten Kammer die Beseitigung der Wasserpest in der Horloff und ihren Nebenflllffen beantragt.
** Alice-Echnle. Am Anfang deS neuen Schuljahres treten manche Erziehungsfragen, entscheidend sür daS ganze Leben, wieder in den Vordergrund, und nicht nur der Jüngling, sondern auch die jungen Mädchen sollten sich in irgend einem Fache so ausbilden, daß, wenn die Nothwendigkeit es erfordert, sie ihren Lebensunterhalt selbst er- werben können. Die Gesundheitsfrage verbietet aber gar oft den Aufenthalt in engen Stuben und mangelhaft gelüfteten Räumen, e! sollen daher Eltern und Vormünder auf die Alice-Schule aufmerksam gemacht werden, die zur Zeit in wundervollen, luftigen Sälen alle Curse wieder aufnimmt, die zur Fortbildung weiblicher Jugend gehören, als da sind: LehrerinnencurS, Weißzeugnähen, Sticken, Kleidermachen, Kochen, Bügeln, Kunstwaschen und Buchführung.
♦♦H. Neues Theater. Wir wollen nicht verfehlen, auf die morgen stattfindende Aufführung von Sullivans Operette: „Der Mikado", aufmerksam zu machen. Die „Speyerer Zeitung" schreibt über die dort ebenfalls gewesene Darstellung Folgende!: Zum „Mikado" waren gestern Abend die Speyerer in großer Zahl und mit großen Hoffnungen in! Stadttheater geeilt. Und Niemand sah fich wohl in diesen Erwartungen getäuscht. Da! Ensemble hat da! günstige Unheil, daS nach den drei ersten Vorstellungen ihm gezollt wurde, glänzend al! vollberechtigt auch gestern erwiesen. Die ganze Vorstellung war wie ein Guß, und wir müssen bedauern, nicht auf alle Einzelheiten und Personen, wie da! interessante Fächerspiel rc., eingehen zu können. Einen ganz hervorragenden Antheil an dem prächtigen Gelingen der Vorstellung hatte Herr Director Bömly al- Scharfrichter. Diese komische Figur kann wohl kaum besser characterifirt werden. Er entfaltete einen solchen Humor und Witz, daß stürmische Lachsalven und lebhafter Applaus oft minutenlang anhielten. Alle Anerkennung dieser Mnfterleistung! Nach ihm gebührt sanglich und schauspielerisch lobende Hervorhebung Herrn Siebert und den Fräulein Heßberger, Horwitz, Durand und Ströhl. Auch der elffache Beamte war recht gut gegeben. Großen Beifall erntete auch der Mikado de! Herrn Horwitz.
** Am 15. April feierte Herr Carl Heil, Dienstmann Nr. 6 dahier, sein 30jährige! Dtenstjubiläum. Möge der hier ob seiner Pflichterfüllung und biederen Character! geachtete Mann noch lange Zeit seinem Berufe vorstehen können.
*♦ vieberthalbahn. Die preußische Eisenbahnbehörde hat den Anschluß der projectirteu DieberthalbAhn an die
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