Haltung sprechen, Majestätsbeleidigungen enthalten Die Broschüre ist in christlich-socialem Sinne geschrieben.
Manchen. 15. Januar. DaS Militärgericht ver- urtheilte heute den Lieutenant Schäffer, welcher dem Sergeanten Zech in der Neujahrsnacht die von diesem ge- torbeite Patrouille mitgab und diese mit scharfen Patronen versah, zu 30 Tagen Sruben-Arrest.
Straßburg. 15. Januar. Die amtliche „Straßburger Correspoudeuz" meldet, daß für den Beginn der Ses.on des LandeS-AuSschusseS der 30. Januar in Aussicht genommen ist.
Oedeuburg, 15. Januar. Im städtischen Versorgung-' Hause Hierselbst starb gestern Paul Deux de la Roserry, ein angeblicher Kronprätendent von Frankreich.
Paris, 15. Januar. Dem „GauloiS" zufolge beschränkt sich der angebliche Austausch von eigenhändigen Handschreiben zwischen Kaiser Wilhelm und der Königin Victoria auf vermittelnde Schritte deS Herzogs von Sachsen Toburq-Gotha, ein langes und herzliches Telegramm deS Kaisers Wilhelm an die Königin Victoria und eine von letzterer der Herzogin von Kork dictirte Antwort.
CocaUs mtfc ^provinzieller.
Gießen, 16. Januar 1896.
Au untere verehr!. Leser. Infolge Erkrankung deS Zeitungsträgers für den Bezirk SelterSberg Bahnhöfe rc. wird eine Verzögerung tu der Zustellung unseres BlatrcS unvermeidlich fein. Wir bitten, solche zu entschuldigen und unS gefl. Mittheilung zugehen zu lasten, falls der eine oder andere Leser den Anzeiger nicht erhalten sollte.
** Bon der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädtgft geruht, am 8. Januar den ordentlichen Profeffor in der juristischen Facultät der Laude-universität Dr. Paul JoerS auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. April 1896 an, aus dem Dienste zu entlasten.
• * Uebertrageu wurde am 11. Januar dem Steüen- anwärter Ludwig Schuch aus Weickartshain, im Kreise Gießen, die Stelle des BibliothekdienerS an oer Bibliothek der LandeSuniverfität.
* * Kirchliche Dienstvachrtchten. Ernannt wurden : Pfarr- vicar Kempf zu Wimpfen zum Pfarrverwalter in Steinbach, Decanat Offenbachs Pfarraffistent Reeg zu Darmstadt zum Pfarrvtcar in Wimpfen (2. Pfarrstelle), Decanat Zwingen- brg; Pfarrvtcar Schuck zu Steinbach zum Assistenten bet der Landpfarret Mainz und der Pfarrei Kastel-Kostheim, Decanat Mainz.
• • Poftpersonalnachrichten. Versetzt find: Der Post' kasfirer Mil kau von Gießen nach Magdeburg behufs Ueber» nähme einer Postinspectorstelle bei der Oberpostdtrectton Magdeburg und der OberpostdirectionSsccretär Mittel - staedt von Berlin nach Gießen behufs Uebernahme der Poftkasfirerftelle bet dem Postamte Gießen. Ernannt ist der Obertelegraphenasfistent Bormann in Neustadt (Odenwald) zum Poftoerwalter.
• ’ Reichsballk-Nebenstelle. AuS Anlaß der am nächsten SamStag den 18. Januar ftottfindenden Feierlichkeit bleibt das Bureau derselben auf höhere Verfügung von 12 Uhr ab geschlossen.
* • Die Fepfeier deS Oberhesfischen GeschtchtövereiuS zur Erinnerung au die 25jährige Wiederkehr de8 Kaisertags von Versailles fand gestern Abend im geschmückten Saale des (Safe Balzer vor zahlreicher Versammlung statt. Profeffor Buchner eröffnete die Sitzung, indem er hinwies auf die zahlreichen militärischen Feste des letzten Kolben Jahres zur Feier der Großthaten des deutschen Heeres auf den franzöfifchen Schlachtfeldern.
Wohl hatten wir Grund zu Jubel und Freude, denn Großes ist vollbracht worden in jener Zeit, große Ziele wurden erreicht, das größte aber war die Wiedererrichtung des deutschen Kaiserreichs. Nicht das Heer allem und seine einzelnen Theile feiern in jetziger Zeit diese Grotzthat im Kriege von 1870/71, eS ist das ganze deutsche Volk, das jetzt mitfeiert und mit innigem Dank gegen Gott, den König Wilhelm, seine Rathgeber und sein Heer die größte Errungenschaft aus schwerer Zett, das Wiedererstehen eines großen, starken und mächtigen Deutschen Kaiserreichs festlich begeht.
Wersen wir einen Blick zurück in den Anfang unsere- Jahrhunderts, so sehen wir nicht tn unserem engeren Vaterlande allein, sondern auch in ganz Deutschland und seinen einzelnen Theilen eine Zeit der Schmach und Unfreiheit sich mehr und mehr auSbreiten. Napoleon hatte in der Dreikaiferschlacht von Austerlitz am 2. December 1805 die verbündeten Ruffen und Oeftcrreicher vollständig geschlagen. Die Folge davon war der Friede von Preßburg (26. December 1805) und daS Bündniß von Oesterreich mit Frank- reich. Bayern und Württemberg schloffen fich an und wurden von Napoleon- Gnaden Königreiche.
Wenn so große Stücke vom alten, morsch gewordenen heiligen römischen Reiche deutscher Nation abbröckelten, was wollten da die kleinen machen? Baden folgte nach, Heffen und Naffau verhielten fich noch ablehnend. Aber wie konnten fie auf die Dauer widerstehen? Die Verhandlungen, die in Gießen begonnen hatten, wurden am 6. Januar 1806 in Darmstadt fortgesetzt und endeten mit dem Beitritt auch Hessen- zum Rheinbund. Ein Aufrücken zum souveränen Großherzogthum war die unmittelbare Folge.
Nach all diesem DoranSgegangeoen war nicht über- raschend, daß am 6. August 1806 der Kaiser Franz II. erklärte, daß er seiner Würde schuldig sei, auf eine Krone zu verzichten, welche nur so lange Werth in feinen Augen haben konnte, als er dem von Fürsten und Ständen des Deutschen Reich- ihm bezeugten Zutrauen zu entsprechen und den übernommenen Obliegenheiten Genüge zu leisten im Staude war. LS werden daher die Fürsten und alle Reichs
angehörigen von ihren Pflichten, womit sie an den Kaiser durch die Dersaffung gebunden waren, feierlich entbunden.
Da- war da- Ende deS deutschen Reichs. Wie aber war eS mit der erhofften i. neren und äußeren Ruhe, der versprochenen kostbaren Ruhe der Rheinbund-Völker bestellt? In welchrr Weife betätigte Napoleon die Uebereinstim- muug feiner Absichten mir den wahren Interessen Deutsch- landS? Er opferte die junge deutsche Generation feinen ehr» geizigen Plänen auf den Kriegsschauplätzen in Preußen, Oesterreich, Spanien und Rußland, und die älteren wurden leider vielfach durch daS gewaltige Genie derart gefesselt, daß sie ihr Deutschthum vergaßen und dem welschen Eroberer blind anhingen.
Nur wenige vaterlandSbegeifterte Männer kämpften theilS mit der Feder, theils mit dem Schwert, theilS wie Theodor Körner mit beiderlei Waffen gegen den korsischen Bedrücker Deutschlands und bereiteten so eine neue Zett vor. Zu den volkSthümlichsten Helden der Freiheitskriege gehörte unzweifelhaft Fürst Blücher, und hat diese VolkSthümlichkeit erhalten dis auf unsere Tage. Blücher war, vielleicht unbewußt, der bedeutendste Vorkämpfer für da- neue Reichder Grundstein dazu wurde in den großen Schlachten der Freiheitskriege gelegt.
Aber freilich war da-, wa- danach geschaffen wurde, ein jämmerliches, politische- Machwerk, durch welches lange Zeit alle Regungen, die der Einheit» und Freiheitsgedanke hervorief, kläglich zerdrückt und vernichtet wurden. Druck erzeugt Gegendruck. Und so war es ganz natürlich, daß zeitweise in dem nun zu Ende gehenden Jahrhundert immer wieder die Bestrebungen nach Einheit und Freiheit heroor- brachen, theilweise tn sehr extremen Formen. ES waren UebergaugSzustände, die unserem Vaterland nicht erspart bleiben konnten, die aber die großen Ereignisse von 1870 und 1871 vorbereiteten. Diese gipfelten in der Wieder- erftehung des deutschen Kaiserreichs am 18. Januar 1871. ES ist eine ganz besondere Fügung des Schicksal-, daß daS Ausrufen Wilhelm- I. zum deutschen Kaiser 'n dem Prunkpalast desjenigen französischen Königs vor sich ging, der so unsägliche- Elend über Deutschland gebracht hatte.
Wir aber gedenken mit Dank gegen Gott der tapferen deutschen Streiter auf den Schlachtfeldern Frankreichs, deS obersten Kriegsherrn, des Kaiser- und Königs Wilhelm I. und seiner vortrefflicher Rathgeber in der großen Zeit vor einem Vielteijahrhundert und geloben allezeit festzuhalten an den großen Errungenschaften, die der Krieg 1870/71 dem deutschen Volke gebracht hat.
Darauf nahm Herr Alfred Bock zu feinem angefün- digten Vortrag, „Blücher tn Gießen, ein Stimmungsbild au- den Freiheitskriegen", das Wort. Der Redner führte ungefähr folgende- auS: Es war an einem der ersten Novembertage deS Jahre- 1813. Eine dichtgedrängte Menge füllte die Aula der Universität: Profefforen, Studenten, Bürger der Stadt, Soldaten und allerlei Landvolk in buntem Durcheinander. Da- Katheder bestieg ein Offizier der preußischen Gardejäger und hielt eine begeisterte Ansprache an die Versammlung. Der Erbfeind ist aufs Haupt geschlagen, rief er, die verhaßten Ketten sind gesprengt, das deutsche Volk ist frei. Die Väter werden ihre Söhne in den heiligen Kampf schicken, die Mütter werden ihnen die Waffen in die Hand drücken, kein Opfer wird verschmäht werden, die akademische Jugend wird die Hörsäle verlassen, um siegreich und neugestärkt zu ihren Studlen zurückzukehren. Obwohl der Redner bafl Gefühl hatte, daß seine Worte Eindruck machten, war er sich doch bewußt, daß auch zahlreiche Franzosenfreunde unter die Versammlung fich gemischt hatten. An diese wandte er sich mit erhobener Stimme: „Und wenn die Einrichtungen, welche die Franzosen trafen, noch so klug, wenn die Mißbräuche, die fie adschafften, noch so drückend waren, fo solltet ihr zum Danke fie dennoch auf Leben und Tod bekämpfen und au- dem Lande jagen, denn für ein Volk giebt eS kein größere- Elend, kein zerstörendereS Unglück, al- sich von Fremden beglücken zu lassen." Die Haltung des preußischen Offizier-, feine ganze Erscheinung deuteten darauf hin, daß er nicht in deS Königs Rock hineingewachsen war, daß vielmehr außerordentliche Umstände ihn mit diesem Ehrenkleid geschmückt halten. In der That war der Redner niemand anders als der berühmte Schellingianer Profeffor Henrik Steffen-, ein geborener Norweger, der den Lehrstuhl in Breslau im Stiche gelaffen und in flammender Begeisterung für die deutsche Sache, zum Degen gegriffen hatte. Im Gefolge Blüchers, dessen Stab er zugetheilt war, hatte er zugleich mit dem Feldmarfchall am 3. November das Weichbild der Stadt Gießen betreten. Die Kriegslage stellt fich, mit kurzen Strichen gezeichnet, folgendermaßen dar: Auf der Heerstraße, welche die Handels-Emporien Leipzig und Frankfurt mitein- ander verbindet, suchte Napoleon nach der Schlacht bei Leipzig mit den Trümmern seine- Heeres da- Rheinufer zu gewinnen. Seine Macht war immerhin noch so groß, daß er die Heermasse de- General- Wrede bei Hanau am 30. und 31. October durchbrechen und 2. November mit 60 000 Mann, die ihm von 300 000 verblieben waren, bei Mainz den Rhein überschreiten konnte. Den Alliirten war die Aufgabe zuge- fallen, den Feind zu verfolgen. Schwarzenberg betrieb die Verfolgung fo lässig, daß er erst in 14 Tagen mit dem böhmischen Heere da- Rheinufer erreichte. Ander- Blücher, der fich hart an die Franzosen herandrängte, und zweifellos einen entscheidenden Schlag geführt haben würde, wenn ihn nicht in Fulda der unfinnige Befehl de- Generalissimus getroffen hätte, durch den Vogelsberg nach Gießev und Wetzlar zu matschieren. Wenige Tage vor der Ankunft Blücher- in Gießen brachte das officielle Organ der hessischen Regierung die erste Notiz über die Völkerschlacht bei Leipzig. Am 6. November veröffentlichte da- Staat-Ministerium einen Erlaß, wonach sich Heffen vom Rheinbund lo-sagte und zu den Alliirten überging, lieber die Stimmung, die zur Zeit der nationalen Erhebung die leitenden Kreise der Stadt Gießen beherrschte, liegt zunächst der Bericht de- Feldgeistlichen Dr. Rhesa vor, der besagt, daß in Gießen Lauigkeit und
Kalt, bemerkbar machte, wie denn überhaupt Hessen- Darmstadt dirch Anhänglichkett an die Franzosen fich ausgezeichnet yabe. Rhesa reproducirt in seinem Tagebuch die Rede etnes hessischen Geistlichen, die deu Paffu- enthält: „Da- UngläcT unserer Feinde, der Preußen, ist unser Glück geworden." Der Cameralist und Nationolöconom an der hessischen Landes« Universität, Professor Crome, hatte eine Schrift veröffentlicht: „Deutschlands Krise Und Errettung im April und Mai 1813", worin er für die Auslieferung Deutschlands an Napoleon und die Franzosen Propaganda machte. Blücher hatte von diesem famosen Elaborat schon unmittelbar nach der Schlacht bei Leipzig Kenntniß erhalten. Al- der Feldmarschall tn Gießen euaücfxe, hatte sich Crome au- bim Staube gemacht. Blücher ließ dem akademischen Senat erklären, Crome körne ruhig zurückkehren, was solch ein Lamp denke, sei höchst gleichgtltig. Crome sagt, er habe die schmachvolle Schrift nur der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, verfaßt, da- Mannscript sei ihm auf Drängen der Franzosen hin aus den Händen gewunden und brühwarm in die Druckerei geschickt worden. WaS Crome hier zu feiner Bertheidigung anführt, beruht höchstwahrscheinlich auf freier Erfindung. Preußen und Russen find ihm al- Cutturseiude völlig identisch. Die Idee eines einigen Deutschland- verweist er als Ausgeburt kranker Gehirne ins TollhauS. Frankreich gehöre, all seine Sympathlcn, Frarkreich ist ihm tat Land der ausgehenden Morgenröthe, und die Lohe, die vor Westen Deutschland Überflammt, Hai ihn vollkommen geblendet. Leider war dieser politische Standpunkt (Sromei damals vielen Deutsche» gemeinsam. Auch >n seiner Napoleon - Schwärmerei zäh te Crome viele Gesinnungsgenossen. Redner citirt Goethes Worte über Napoleon, erinnert an die Worte und Thate, d'.s Historiker- Johanne- von Müller und an die Ansprache de- „deutschen" König- von Sachsen an den Dre-dener Magistrat: „An den Kaiser Napoleon, den Sieger von Lützen, richtet Euern Dank- er errettete Sachsen und befreite Deutschland von seinem Untergänge." — Auf Blüchers Befehl begab fich Henrik Steffen- von Gießen nach Marburg, um für die nationale Sache zu wirken. Hier empfing den preuß scheu Emissär jubelnde Begeisterung, und die Menge war so erregt, daß der „Matte" für die Franzofenfreunde, die bte S>adt beherbergte, »e zittern begann. Marburg und Gießen zeigen tn dieser bedeutenden Epoche eine ganz entgegengesetzte Physiognomie. Marburg, obwohl unter französischer Herrschaft, fühlt sich Preußen innerlich verbunden, Gießen steht noch unter dem Banne Napoleons und der Gloire der französischen Nation. Dem ganzen südlichen Deutschland galt Napoleon als ter prädestinirtt Beherrscher deS europäischen Kontinente. I de Auflehnung gegen die französische Herrschaft, und bafl ist bezeichnend für den Fatalismus, der sich der Gemüther bemächtigt hatte, wurde selbst nach dem Ausgang deS unglücklichen russischen Feldzuges al- Wahnwitz verschrieen. De Hall e der Ruf „Freiheit" von den Ostmarken Deutschlands herüber, Blücher siegt an der Katzbach, bei Leipzig wird der unüi' iroinbltdje Napoleon niedergeworfen, und der greise Marschall „Vorwärts" fliegt an den Rhein, Blücher, durch feine machtvolle Persönlichkeit dazu außerfeben, die Idee der Freiheit biß zur Begeisterung zu steigern. In seiner Heldengestalt stellt sich daß völlig Jncommensurable des Freiheitskämpfer- dar. Der strenge Sittenrichter wird manches a, ihm tadeln, aber er war die Triebkraft deß ganzen Kriege-. (Sein Vorsatz war Napoleon- Vernichtung. Der Haß gegen den Tyrannen verichmolz sich bei ihm mit der zum Instinkt gewordenen Ueberzeugung, daß er berufen sei, den Kaiser der Franzosen zu stürzen. Er war fein Mann der ehrgeizigen Reflexionen, und die Künste der Diplomatik waren ihm fremd. Er repräfentirte den furor teutonicun und sein „Vorwärts" war der Zauberfporn, der ferne Soldaten mit SturmeSgewalt tn den BernichtungSkampf gegen den Erbfeind trieb.
Während der Freiheitskriege war die Frequenzziffer der Gießener Universität auf ein Minimum zurückgegangen. Der StudentenzuwachS im Wintersemester 1813/14 erreichte nur die Zahl 32 Recior und Senat machten Blücher ihre Aufwartung, und erhielten von ihm die Versicherung, daß er die Stadt, und besonder- die Universität tn (einen Schutz nehmen werde. — Blücher war in Gießen nicht müßig. Hier reifte in ihm der Entschluß, mit der schlesischen Armee den Rhein zu überschreiten, Holland und Brabant zu erobern, und alsdann in Frankreich einzufallen. Bei vollen Bechern genoß man die Vorfreude dieser kühnen Krieg-sahrt. Den thüringen- scheu Dichter Adolf Bube, (geboren 1802 tn Gotha) hat diese- Trinkgelage zu einem schwungvollen Gedicht „Blücher in Gießen" begeistert, daß der Redner citirt. Da- Poem ist von Wilhelm Tschirch in Musik gesetzt worden. — Bo» 4. November ist jener merkwürdige Btief Blüchers aus Gießen öatirt, worin er seine FeldzugSpläne eingehend auseinander setzt. In Frankfurt sucht Gneisenau vergeblich bei« großen Generalstai» für Blücher- Project Stimmung zu machen. Al- man ihn mit tausend Bedenken hinhielt, brach Blücher auf eigene Faust am 7. November von Gießen auf. In Altenkirchen zurückberufen marschirte Blücher am Mittel- rhein mit feiner Armee auf, und griff erst am 2. Decemder wieder zum Schwert, da- er grollend in die Scheide gesteckt hatte. Am 31. December, in jener denkwürdigen Neujahrsuacht ging er bei Laub über den Rhein, um bald daraus auf französischem Boden da- preußische Banner zu entfalten. — Auf die Bedeutung der bevorstehenden patriotischen Gedenkfeier übergehend schloß der Redner: Bi« in das Herz Frankreichs hinein war auch der Akademiker und Fnihheit-kämpfer Henrik Steffens dem Siege-zuge Blücher» gefolgt. In Paris forderte er seinen Abschied und kehrte, mit dem eisernen Kreuze geschmückt, in den Schooß ferner Familie zurück. Aber nicht im überwallenden Srolzgefühl de- krauzgcschmückten Siegers, sondern in der wehmüthigen Stimmung des enttäuschte» Patrioten schrieb er damals die Worte nieder: „Em anderes Deutschland, so mußte ein jeder glauben, nicht das frühere, welche» verschwunden war, solle fich a»S dem Kampfe e»t


