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Gieß«, den 15. Decewbet.
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Vermögen von 10,000,000 Dollars unb zieht den Gesammt. besitz der MillionärSklasie von dem National Deimögen ab, so fallen immer noch 500 Dollar- auf den Kopf der Bevölkerung, was 66 pCt. mehr ist, als vor 45 Jahren in Amerika auf den Kopf der Bevölkerung kam. Man dürste daraus schließen, daß die MillionärSklasie nicht dadurch reicher geworden ist, daß sie die ander-n Klaffen ärmer machte.
staltung einer Obstausstellung für die Bezirke Büdingen und Schotten in hiesiger Stadt zu Herbst 1897 beschlossen worden.
n. Trais - Mnnzenberg, 14. December. Bei der heute hier stattgefund nen Betgeordneten-Wahl wurde der in weiten Kreisen bekannte und allseitig beliebte Oecouom Herr Wilhelm Philippi auf die Dauer von neun Jahren einstimmig erwählt.
H. AuS dem tzorloffthale. 14. December. Häufiger als sonst erscheint in diesem Herbste das falsche Geld. Heute kam dem Einsender ein falsches Markstück mit der Jahreszahl 1885 und dem Münzzeichen in die Hand. — Der Heu» handel und der Handel mit Christbäumen hat begonnen,- hoch aufgethürmre Wagen mit diesen Erzeugnissen sieht man jetzt die Richtung nach Frankfurt etnschlagen. — Die Holz- Hauereien in unseren Waldungen haben seit einiger Zeit be» gönnen. Sie machen bet dem milden Wetter gute Fort» »chritte. Manche Bahnarbriter betheiligen sich an diesen Beschäftigungen, obgleich sie weniger im Walde verdienen, als bet der Bahn, sie wollen den Verdienst für spätere Jahre nicht einbüßen, während der Bahnbau höchsten- noch für ein halbe- Jahr Beschäftigung gibt. — Da der December bis jetzt mild und schneelos vergangen ist, darf nach den Witterungs» regeln angenommen werden, daß vor dem 28. December Kälte und Schnee nicht in Aussicht stehen.
Airfeld, 14. December. Gestern Nachmittag hielt der Bund der Landwirthe tm großen Saale des Deutschen Hauses dahier seine Hauptversammlung tm 6. Ober» hessischen ReichstagSwahlkrei- ab. Die Versammlung war ^ark besucht und sah man auch Landwirthe von weiter her, ;l. B. aus den Kreisen Lauterbach und Gießen. Den Vorsitz 'sührte Herr Graf Oriola, der zeitige Provinzialvorsitzende ü»eS Bunde- der Landwirthe. Derselbe sprach einleitend über Sie Lage der Landwirthschaft, über die Mittel, die eine Besserung derselben herbeizusühren im Stande seien. Den chauptvortrag hielt der Geschäftsführer de- HaupivorstandeS Mr Südwestdeutsch and, Herr Lucke aus Pattershausen. Der» sselbe fchilderte die Lage der Landwirthschaft als einen cultur- ßzeschicktlichrn EutwickelungSgang und wies insbesondere auf Sie falschen Wege hin, die die Reichspolitik seit Caprivis Meichskanzlerschaft etngeschlagen hat. Es sprachen noch die Herren L-'tz Elpenrod, Backhaus Rudlos, Schade Altenburg.
Büdingk». 14. Decemder. In der gestern dahier ab- Aehaltenen ordentlichen Hauptversammlung des Vereinsbezirks Wüdingen des Obrrheffiichen ObstbauvercinS ist die Veran'
Dermifd?t€S»
• Zeitz, 6. December. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ist hier zum zweiten Mal an ein und demselben Geschäft zur Anwendung gekommen. Die Firma L. Rothmann u. Co. hatte neulich Maaren zu „noch nie dagewesenen Preisen" öffentlich angeboten, wiewohl bet verschiedenen der angepriesenen Artikel festgestellt werden kann, daß sie zu gleichen Preisen auch in anderen Geschäften zu haben find. Die Firma wurde daher zu 150 Mk. Geldstrafe verurtheilt. Heute kam vor dem Schöffengericht der zweite Fall gegen dieselbe Firma zur Verhandlung. Wegen der Bemerkung in einer Anzeige, „daß sie das einzige Ge« schäft am Platze sei, daß im Preise dem Käufer gegenüber nichts Vorschläge", erfolgte Bestrafung mit 100 Mk.
• Als wahnsinnig wurde dieser Tage ein 24 jähriger Student, Jurist, auS München in seine Heimath nach Bonn befördert. Wegen einer Lappalie mußte er sich auf Ausspruch des Ehrengerichts hin mit einem Collegen schlagen. Eine schlecht parirte Hochquart durchschlug die Schädelbecke, Blut ergoß sich in das Gehirn, und er ist unrettbar dem Wahnsinn verfallen. Aber — seine Ehre ist gerettet.
e Das National Vermögen der Bereinigten Staaten beträgt gegenwärtig nach bester sachverständiger Schätzung ungefähr 76,000 Millionen Dollars oder 304,000 Millionen Mark und die Zahl der Millionäre wird auf ungefähr 4000 angegeben. Rechnet mau für jeden dieser 4000 ein
Seife mit der Sule in hoch- eleganten Cartons zum 33er* kauf. — Wir machen alle Hausfrauen, Herrschaften, die Damen und
Schwurgericht.
W. Gießen, 14. December.
Verhandlung gegen den Etsenbahn-Asfistenten Karl August Laatsch wegen Verbrechens im Amte. (Schluß.^ Die Beweisaufnahme gegen den Angeklagten gestaltete sich für denselben sehr aünstig. Er selber behauptet, das bereit- gelocht gewesene Fahrbillet 3. Klaffe kurz nach seinem Dienstantritt am Morgen von einem Reisenden zum Umtausch erhalten zu haben. Er habe an dem Vormittag alle Hände voll zu thun gehabt, denn außer dem Innendienst der Station habe ihm auch der Außendienst obgelegen und so habe er in der Eile den Stempel weiter nicht angesehen, auch nicht, al- er e- wieder verausgabte. Wenn er die Fahrkarte noch einmal stempelte, als er sie an Metzler verausgabte, so geschah dies mehr in der Eile, wozu noch die Macht der Gewohnheit ihr Thetl beitrug. Er habe dann die Karte vernichtet, um sich die Schreiberei zu ersparen, die e- doch gegeben hätte, wenn die Karte an die VerkehrScontrole gesandt worden wäre. Man habe in Butzbach in ähnlichen Fällen stet- so verfahren, eS beruhte dieser Brauch auf Vereinbarung unter den Collegen. — Der Vorsteher Lucan gibt dem Angtklagten, deffen Vorgesetzter er seit acht Jahren ist, das Zeugniß eine- gewissenhaften und fleißigen Beamten, dem er nicht nur nicht die geringste Unredlichkeit nachsagen könne, sondern dem er auch die in Frage stehende Unredlichkeit nicht zutraue.
Nach erfolgter Zeugenvernehmung, die den Angeklagten nicht sonderlich belasteten, wurden an die Geschworenen folgende Fragen gestellt: Ist der Angeklagte schuldig, am 10. Mai und 8. August zu Butzbach al- Beamter der Kgl. Preußischen Main-Weser-Bahn eine ihm amtlich anvertraute oder zugängliche Urkunde in der Absicht, sich einen widerrechtlichen Ver- mögenSvortheil zu verschaffen, verfälscht, beschädigt oder ver- nichtet zu haben? Hat er sich deS Betruges zum Nachtheil des Metzler schuldig gemacht ? Im Fall der Bejahung beider Fragen: Liegt eine Begangenschaft vor?
Herr GerichtSaffessor vr. Friedrich, als Vertreter der Staatsbehörde, plädirte für Schuldig im vollen Sinne der Anklage. — Der Vertheidiger, Herr RechtSanwalt Grünewald, trat in überzeugender Weise für die Unschuld, mindestens aber für die nicht genügend nachgewiesene Schuld deö Angeklagten ein. Nach ganz kurzer Berathung wurde dec Wahrfpruch der Geschworenen von dem Bravo der Kopf an Kopf gedrängten Collegen des Angeklagten, die den Zuhörerraum füllen, begleitet, verkündet. Er lautete auf Nichtschuldig in beiden Fällen. Nur die Kosten der Wahl- Vertheidigung legte das Urtheil dem Freigesprochenen auf.
von dem LuSstellungScomitö zurückgewiefen. Der Spargel dürfte in feiner Größe eine besondere Seltenheit sein.
f L* ®$®c&ein&flu8» In der gestern abgehaltenen Gene- k a erJanLmlun9 bc6 »Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege" erklärten fich 16 von den 22 erschienenen Mitgttedern für die Erbauung de- Schwesternhauses auf dem Platz an der Moltkestraße.
*• Stadttheater. lieber den heute Abend als Gast aus- tretenden Herrn Oscar Bohnöe vom Kölner Stadttheater liegt uns eine Kritik vor über eine jüngst stattgehabte Auf- sührung von Sch ller'S ^Tell- am Crefelder Stadttheater, welcher wir Folgende- entnehmen: „O-car BohnSe vom Stadttheater in Köln gastirte noch zum Schluß der Satfon vor dicht besetztem Hause al- Wilhelm Tell in einer außer. orbentHdj beifälligen Ausführung, die insbesondere auf das kräftige, wohltönende Organ und die urwüchsige Lharakteristtk der Figur zurückzuführen ist. Seine Hauptfcene im dritten Acte, da- Zusammentreffen mit Geßler, war von erschüttern- der Wirkung und zeigte den Künstler auf der Höhe feiner Aufgabe. Nach diesem Act wurde Herr Bohner durch eine prachtvolle Lorbeerspende vom Theater-Actien-Verein ausgezeichnet. Der Monolog in der hohlen Gaffe brachte dem Künstler lebhaften Beifall auf offener Scene. Hoffentlich haben wir die Freude, Herrn Bohnve im nächsten Winter w eder als Gast hier begrüßen zu können und rufen dem so überaus beifällig aufgenommenen Künstler „Aus Wieder- sehen!" zu.
** Das Panorama des Herrn Schmidt erfreut fich gegen- ttärtfg einer ganz besonderen Anziehungskraft bei Jung unb »lt, denn eine der schönsten unb reizvollsten Serien gibt eS jetzt zu schauen: eine Reise in bie tropischen Gefilde unserer afrikanischen Colonien, nach Deutsch - Ost- und Süd-Westafrika, ferner nach Zanzibar, Madagaskar, Dahomeh, Mauritius, Capstadt rc. rc. Die Naturtreue de- LocalcoloritS der an unserem erstaunten Auge vorüderziehen- den Bilder aus dem dunkeln Erdtheil ist ganz vorzüglich, wir fühlen uns mit einem Schlage mitten in die eigenartige Scenerie dieser fremden W:lt versetzt, die um so mehr unser Jntereffe erweckt, al- eß meist die Bilder deutschen Colonial» leben- sind, die wir hier sehen und die einen lehrreichen Slnblitf in Land unb Leute gewähren. Jedem aufmerksamen Befchauer wird e- sich fest einprägen, wa- er hier in Plastischer und farbenprächtiger Darstellung zu sehen be- kommt, um so mehr, alS eß an Abwechslung und Vielseitig- kett nicht fehlt- wir wollen hier nur kurz an die Bilder von der Expedition Gravenreuth, Stationen in Kllwa, Ltndi, Tanga, Bagamoyo, Dar-es-Saalam rc., Land und Leute von Dahomcy Sultanspalast in Zanzibar, Plantagen, Urwälder, Gebirge, Wafferfälle rc. erinnern. Auch die Bilder „Wiß^ mann im Tropenzelt", ^Capstadt mit Teufelsberg", König und Königstochter von Dahomcy, Kirchen, Lazarethe rc. rc. sind von eigenartigem exotischen Reiz, so daß ein Besuch für Jeden von großem Interesse sein wirb.
•• Weimar Lotterte. Hauptgewinne fielen auf die Loofe: 9tr. 102232, 348503, 128356, 97689, 196603, 57126, 74141, 61525, 78713, 109340, 179081, 196982, 105590, 173887, 194650, 327498, 377742 rc.
•• WeihnachtSnrlanb beim Militär. Wie Berliner Blätter erfahren, wird in diesem Jahre die Zahl der Wethnachtßurlanber im Soldatenftande eine be» fonberß große fein. Auf den directen Befehl des Kaisers hin soll b:tm Gewähren von Urlaub beim Militär den An« trägen soweit wie trgenb möglich Folge gegeben werden. Die Urlaubszeit für die einzelnen Soldaten ist so weit hin» außzu'ch eben, wie ks nur irgend angängig ist.
Sd?ift$nad?rid?teiu
Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl LooS und I. M. Schulhof.
Bremen, 14. December. sPer tranSatlantischmTelegraph.^ D« Postdampfer Karlsruhe, Eapilän I. Röben, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist gestern 6 Uhr Morgens wohlbehalten In Newport angekommen.
Verkehr, €cmb» unb VsUrwirthschaft
Sie-««, 15. December. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochcnmarkt kostete: Butter pr. Pfd. Jt 1,10—1,16, Hühnereier pr. St. 7—8 2 St. 00 H, Enteneier i 2 St t 4, Gänse
eier pr. St. CO—00 H, Käse pr. St. 5—8 Käsematte pr. St. 3 4, Erbsen pr. Liter 17 Linsen pr. Liter 28 A, Tauben pr. Pa« JL 0,50 biS 0,60, Hühner pr. Stück 0.9) bis 1,00, Hahnen pr. Stück X 0,60—1,00, Enten pr. Stück X 1,50—1,70, Gänse pr. Pfund X 0,44-0,54, Ochsenfletsch pr. Pfd. 66-74 A. Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 60—66 Schweinefleisch pr. Pfd. 66 bis 66 4, Schweine« leisch, gesalzen, pr. Pfd. 70 A, Kalbfleisch pr. Pfd. 60—54 4» Hammelfleisch pr. Pfd. 50—65 Kartoffeln pr. 100 Kilo 4 50 btl 5,00 X, Weißkraut pr. Stück 0--00 4/ Zwiebeln pr. Centn er X 4,00-0.00, Milch pr. Liter 16 4
Literatur und KttnfL
, — -Irmgard" von Max Procella. (Preis drosch. Mk. 1.50, geb. Mk. 2- Verfasser schildert in fesselnder Weise den Seelen Con- ttct eines OlfizierS, der seinen leickifinnigen and schuldbeladenen ungeren Bruder lobtet, um ihm die Qualen eines verlorenen Lebens u ersparen, und dadurch in das LiedeSglück eines Brautpaares auf daß schmerzlichste eingreift. Der Gewiffenskampf des älteren BruderS wtrd blS in« kleinste Detail autzaeführt und spitzt die Handlung am Schluffe der Erzählung dramatisch zu.
Für de« WethnachtSiisch.
. , — Ettlle Leute, von Hermann Oeser. Vierte durch- gesehene und vermehrte Auflage Basel. R. Reich. 108 S. l>0 Mk.
en $a$ren Hobe ich das Büchlein bei seinem ersten Gang in die Welt besprochen und empfohlen. Damals war uns Oeser als Schriftsteller noch ein Fremdling und nur um feines 9iumens als des Sohnes unseres beliebten hessischen VolkSschriftiiellers R. Oeser (Glaudrrcht) unb aus den persönlichen Beziehungen zu ihm, der unter uns ausgewachsen war, brachten wir auch feinem Erstlingswerk ein lebhaftes Interesse entgegen. Aber rasch gewann ,r?,ne begeisterte Lesergemeinde. Und das ist nur begreiflich. Alle geistig lebendigen Menschen unserer Tage sehnen sich ja heraus auS den ausgefahrenen Gleisen nach wirklich neuen Gedanken, man hungert nach echter wahrer Wirklichkeit, nach echtem wirklichen Lebm. Hier fktzt die modernste Kunst in allen ihren Zweigen ein, und da liegt das gute Recht ihrer Bestrebungen. Diesem «edürfniß entspricht auch Oeser in hohem Maße. Er ist rin Denker und Schriftsteller von durchaus ausgeprägter und durchgebildeter Eigenart. Aber rote weit ab liegt diese Eigenart von den Wegen deS modernen Realismus und Naturalismus. Er ist gewiß ein scharfer Beobachter der Wirklichkeit, er besitzt ein überaus feines und tiefeS Naturempfinden und weiß mit großer Anschaulichkeit zu malen, er kennt auch die Menschen biS in die tiefsten Falten ihres Wesens, und die Menschen, die er schildert, find wirkliche Menschen von sehr concreter Lebendigkeit. Aber die Wirklichkeit, die er darstrllt, greift er nicht von der Oberfläche deS Tageslebens und nicht aus dem Schmutz der Großstädte. Ihn interessiren nicht die Probleme, die dem sittlichen und socialen Gährungs- und ZerfetzungSproceß unserer Tage entstiegen. Er schöpft auS der Tiefe feines eigenen Innenlebens, und eine feiner Hauptoorzüge ist die Kraft und Tiefe feiner Innerlichkeit. ES ist kein Wunder, daß er sich, je länger, je mehr, von Jakob Böhme angezogen fühlt und sich in einem neuen Stück dieser vierten Auflage als dessen oerständnißvollen Schüler erweist. Mit besonderer Vorliebe geht er den feineren Problemen des sittlichen und religiösen Leben- nach und hält gerne mit feiner Ironie der pharisäischen Selbstgerechtigkeit ihr wahres Spiegelbild vor. Nehmen wir dazu eine hecoorragende Gabe für Kleinmalerei, das zarte poetische Empfinden, den feinen Humor, die OrserS Werke durchwehen, und eine Sprache von seltener Plastik und Schönheit, so wird die immer wachsende Anziehungskraft, die er ausübt, wohl verständlich werden. Außer jenem kleinen Heftchen „Stille Leute" ist von ihm erschienen: „Vom Tage", „Des Herrn Archemoros Gedanken über Irrende, Suchende und Selbstgewisse", „Am Wege und abseits" und etliche- Andere. Sie alle sind nicht ganz leichte Speise, und darum nicht nach Jedermanns Geschmack. Wer nach Sensation lüstern ist, wer den Werth eines Buches nach dem Grade der Spannung beurtheilt, für den ist Oeser nichts. Sinnig, wie er ist, bedarf er sinniger Leser, die sich gern sinnend vertiefen, Menschen, die für Stimmung empfänglich sind und für die Realität des innerlichen Lebens. Daß sich deren so viele gefunden haben, daß diese äußerlich so bescheidenen Schrfftchen sämmtlich mehrmals, die „Stillen Leute" sogar zu» vierten Male aufgelegt wurde, gehört mir zu den Hoffnung erweckenden Zrich'n unserer Zeit. Was diese neue Ausgabe speciell anlangt, so sei sie alten unb neuen Freunden besonder- empfohlen. Sie enthält außer den beiden ursprünglichen Stücken eines, da- früher in „Vom Tage" erschienen war, und zwei neue, das eine: „Wie der Präceptor Röhrle einen Schüler exemplarisch bestrafen ließ", ein wahres Cabinetsstückchen an Humor und feiner Ironie über die pädagogische Pedanterie, die sich heute vielfach als Gipfel pädagogischer Weisheit breit macht, unb daS schon erwähnte auS Böbme'schem Geist geborene: „Der Gnaduhtsch!" AlS Weihnachtsgeschenk für sinnige Leute wüßte ich nichts Besseres zu empfehlen. Ich will es auch verrathen, daß der Verfasser mit glühender Liebe an seiner hessischen Heimath hängt, und daß ihm nichts wohler thut, als wenn er dort Verständniß findet.
Schlo ff er, Pfarrer.
Meyers Konversations-Lexikon


