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Der
Vvtfctett Anreiger irscheint täglich, ■it Ausnahme de- MontagS.
Die Gießmer
«mitten vtätter vecden dem Anzeiger »-chentlich dreimal beigelrgt.
Erstes Blatt.
Freitag den 16. Oktober
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Gießener Anzeiger
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Neueste Nuebrniehten.
Äolff» teUgraphischeS Lorresvouüent-Boruiü
Berlin, 14. Oktober. Der Bun deSrath hat in seiner gütigen Sitzung den AuSschußanträgeu, betreffend die Zoll tehemdlung der auS dem Hamburgischen Freihafengebiet mit in dost eingehenden Theeproben, und betreffend die Der» »Innung der Brennsteuerüberschüffe, sowie betreffend die «chmalige Erhebung der Stempelabgabe für die convertirten Pfandbriefe der Frankfurter Hhpothekevbank in Frank« furt a. M, die Zustimmung erthetlt. Ein Antrag Badea, ittri ffend die Errichtung zweier weiteren Schiedsgerichte für len Iveztrk der badischen landwirthschastlichen Berufsgenoffen« schassten, wurde dem zuständigen AuSschuffe überwiesen.
Lübeck, 14. October. Kanonenschüsse zeigen den Be« tojuein deS südlichen StadttheileS steigendes Hoch- nasser an.
Triest, 14. October. Infolge wolkenbruchartiger Regen« M« traten die Kanäle aus, namentlich in der Neustadt, »ad führten Ueberschwemmungen herbei. Ganze Straßen gab Plätze stehen meterhoch unter Waffer. Zahlreiche Maga« jine find überschwemmt und große Waarenmengen ruinirt. Der angerichtete Schaden ist enorm.
Depesch« bei Ihnen .HerilL".
Berlin, 14. October. I« „Reichsanzeiger" werden •tinc Anzahl Ordensverleihungen an Beamte der ilm-'p'schen Fabrik in Essen publicirt.
Berlin, 14. October. Die Verleihung deS rusfischeu Sndi eaS-OrdenS an den Ehef des Milttär-EabinetS, General hahnke und des russischen weißen Adlerordens an den ScießSmintster v. Go ßler werden heute im „Reichsanzeiger" ..Micirt.
Berlin, 14. October. Die Ausschüsse des Colo« oial.rathS treten bereits morgen im Auswärtigen Amt Wammen, um zu der Frage der Strafrechtspflege in den lotenden, der Vorbildung der Lolonialbeamten und der Auf« stbumg der HauSsclaverei Stellung zu nehmen.
Berlin, 14. October. Major vonWißmann gedenkt silltr: Abend mit seiner Gemahlin aus Lauterberg hier ein« -plrrffen.
Berlin, 14. October. Gelegentlich der Rekruten« ita'stellung kam eS gestern am Kaiser Franz-Grenadier« flah, zu tu mul tu arischen ©eenen, indem eine Rotte pngetr Burschen Ruhestörungen verursachten. Die Polizei |i| fstch genöthigt, einzuschreiten. Da sie auf Widerstand stieß, pgem die Schutzleute blank, ohne jedoch von der Waffe Gebrauch p machen.
Gotha, 14. October. Socialdemokratischer ?or teitag. BormittagSsitzung. Abg. Bock eröffnet die 'tzitzang. Auf der Tagesordnung steht die parlamentarische Üsätigkeit. Die gestellten Anträge beziehen sich hauptsächlich iu| »te Invalidität«- und AlrerSverficherungSgesetze. Gegen ihn Antrag auf Herabsetzung der Altersgrenze auf 60 Jahre slilköhen die Abgg. Bebel und Molkenbuhr. Dr. Quarck liisünwortet die Selbstverwaltung der Krankenkaffen. Schwartz« lilbext beantragt, au das Marineamt eine Interpellation zu !d)ten betreffend die Anstimmung des FlaggenltedeS bet fchUSuntergängen hinsichtlich des JltiS-FalleS. ES seien lstch-ei Menschenleben verloren gegangen, weil man die IMLNgSarbetteu eingestellt habe. Die Abstimmung über Uiijea Antrag wurde abgelehnt, dieselbe aber der Fractiou jp Berücksichtigung überwiesen. Betreffs der Maifeier wird ihiidlbe Beschluß gefaßt wie im Vorjahre.
München, 14. October. Der Ehef deS bayerischen GenS- km.erie'CorpS, Generallteutenant von Hellingrath, ist g|tiic Morgen 2 Uhr nach schwerem Leiden gestorben.
Rim, 14. October. Entgegen den officiösen Dementis 8d iKonstantinopel, betreffend die Ueberretchung eines ßipsstltchen Handschreibens au den Sultan zu Mionen der Armenier erklärte Bonetti bei seiner Durchreise tibNmedig, Leo XIII. sendet mich mit einem Handschreiben oebütt Sultan, um von ihm Beileid uod Barmherzigkeit für ih Armenier zu erflehen. Ich werde meine Mission erfüllen, We auch mein Blut mit demjeutgen unserer Brüder fließen.
Rizza, 14. October. Hier erschoß sich ein Belgier in fsinu Billa, nachdem er in Monte Carlo sein ganzes 8er« uhem in Höhe von zwei Millionen verspielt hatte.
!DtottB, 14. October. Die Zahl der auSständtscheu arbeiter beläuft sich heute auf 1300. Dieselben eine Lohnerhöhung von 20pCt. Man befürchtet, bcif Mer AuSstand weiter um fich greifen werde.
kparis, 14. October. Der „Gaulois" meldet: Der WzLifische Prinz Ludwig Napoleon, der Bruder K.isrr Napoleons, der bisher Oberst in einem Kaukasus«
Regimente war, sei in die kaiserlich russische Garde versetzt worden.
Parts, 14. October. Nachdem Admiral Gervais heute die gesetzliche Altersgrenze erreicht hat, wird er sein Commando niederlegen.
Paris, 14. October. Die monarchistischen Ab« geordneten werden bet der Eröffnung der Kammer den Antrag stellen, die Regierung zu beglückwünschen, angesichts des prachtvollen Verlaufs der franco-russischen Feste.
Cherbourg, 14. October. Die Abfahrt der russischen Kaiser-Uacht konnte bisher wegen des schlechten Wetters nicht erfolgen. Dieselbe wartet hier daS Ende der gegenwärtigen Seestürme ab.
Loudon, 14. October. Seit drei Tagen herrscht an der englischen Küste ein furchtbares Unwetter. Gestern wurden drei Handelsschiffe tu der Nähe von Liverpool an die Ufer geschleudert. Nur ein Theil der Mannschaft konnte gerettet werden. Der Sturm war von Schneegestöber begleitet, welches den Gesichtskreis bis auf 10 Meter beschränkte.
Athen, 14. October. Die Weigerung der Pforte, den griechischen StatiovSschiffen die Fahrt nach Kon« stantinopel zu gestatten, hat hier einige Erregung hervor- gerufen.
Konstautiuopel, 14. October. DaS Geschenk deS Sultans an den Fürsten Bismarck besteht in zwei kostbaren Basen.
Koustaultuopel, 14. October. Nachdem alle Versuche, eine Anleihe bei den Banken zu entriren, gescheitert sind, trägt sich die Pforte mit der Abficht, eine ZwangSanleihe vorzunehmen.
Koustanlinopel, 14. October. Wie ein hiesige» Blatt meldet, haben 16000 Armenier Konstantinopel behufs Auswanderung verlassen.
Konstantinopel, 14. October. Oesterreich verlangt 6000 Pfund für die Familie de» von Räubern getödteten Bice-ConsulS.
Berlin, 15. October. Zur Nachfeier de» 75. Geburtstags Virchows fand gestern Abend ein Fest- Comm erS statt, wobei dem Jubilar große Ovationen dargebracht wurden, welcher gerührt dankte.
Berlin, 15 October. ES verlautet, der Kolonial« director Kaiser führe die Geschäfte bis zum Abschluß der Verhandlungen des Colonialraths weiter. Seine Demiffion sei unabhängig von der Affaire PeterS. Als Nachfolger deS Major Wißmann wird Dr. Stübel, Generalkonsul in Shanghai, genannt.
Ploeu, 15. October. Die Prinzen begeben sich am 21. October, dem Geburtstag der Kaiserin, nach Potsdam.
Gotha, 15. October. Socialistisch er Parteitag. NachmittagSfitznng. Auf der Tagesordnung steht die Berichterstattung über den Londoner Kongreß. Abgeordneter Bebel referirt über die Beuachtheiligung der Trades UntonS, den Abfall John BurnS und über die Anarchisten-Debatte. In der darauf ftattfindeuden DiScusfiou nimmt der Delegirte Grenz-Leipzig daS Erscheinen der Anarchisten auf dem internationalen Kongreß in Schutz und betont dabei, der Kongreß sei nicht eine geschloffene Körperschaft, sondern daS Barometer aller proletarischen Anschauungen. Die Delegirten Hilde bürg, Schaepflin und Liebknecht ergehen sich hierauf in heftigen Auslaffungen gegen den Anarchismus. Sodann wendet fich der Kongreß dem Punkte der Organisation zu. Referent Auer beantragt Aufrechterhaltung des Provisorium» gegen den Partei Ausschuß in Hamburg.
Graz, 15. October. Der Thronfolger Oesterreichs wird einige Zeit in Meran verweilen und dann nach Sicilien reisen, wo er den ganzen Winter verbleiben will.
Rom, 15. October. Das Ministerium be« Aeußern erklärt officiell, daß der Zar nicht hierherkommt. — Am 24. October wird eine sehr weit gehende Amnestie erfolgen. Rudini gibt den Bürgermeistern ein Prunkmahl. Am 28. October findet eine große nationale Regatta auf der Tiber statt.
H. Köln, 15. Oktober. Seit heute Morgen ist daS Gerücht verbreitet, ein mit Rekruten besetzter Extrazug sei in Saargemünb entgleist, wobei angeblich eine große Anzahl Rekruten verwundet, etwa fünfzig gröbtet würben. AuS der Eifel angekommenen Eisenbahnschaffner bestätigt« die Nachricht- die amtliche Bestätigung liegt bisher nicht vor.
CoceUs «nd protHwikUef«
Gießen, den 15. Oktober.
** Empfang. Seine Königl. Hoheit der Großherzog empfingen am 14. Oktober u. A. den Bürgermeister Köhler aus Langsdorf, den Profeffor D. St ad e, Rector der Lande«- Uatocrfilät Gießen.
*e Eine seltene Feier hat Herr Oberrabbtner Dr. Benedict S. Levy gestern begangen, nämlich den Tag, wo er in das 91. Lebensjahr getreten ist. Nur wenig Sterblichen ist eß beschieden, wenn Überhaupt, so bei körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische, wie cß bei dem Jubilar der Fall, ein so hohes Alter zu erreichen. Mit dem 23. Lebensjahre wurde Herrn Dr. Levy die Stelle als Rabbiner in Gießen verliehen, in der er 67 Jahre segensreich wirkte. Seine Thätigkeit als Seelsorger erstreckte sich seit 1842, wo daS Rabbinat Friedberg aufgehoben und mit der Stelle in Gießen verbunden wurde, über ganz Oberheffen. Von Seilen unserer Hochschule wurde dem Jubilar am 7. November 1878 das Doctor-Diplom erneuert -und nach weiteren zehn Jahren erhielt Herr Dr. Levy von der Hochschule eine ehrende Gratulationstafel ausgehändigt. Unserer Univerfität hat der Greis seine Dankbarkeit bewahrt und derselben seine werthvollen talmudischen, radbinischen und hebräischen Schriften zum Geschenk gemacht. Den gestrigen Tag verlebte Herr Dr. Levy itn Kreise seiner Familie und Freunde. Am Vormittag sprach Herr Oberbürgermeister Gnanth dem Jubilar seine Glückwünsche auS. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde erschien in corpore, beglückwünschte seinen greifen Seelsorger und überreichte demselben eine Urkunde, der zusolge daß Kapital der Levystiflung um 500 Mk. erhöht wird. Die Rabbiner auS Darmstadt, Mainz und Worms waren hierher gekommen, um ihren Amtöbruder persönlich zu beglückwünschen. Unsere Stadtverordneten hatten ihre Glückwünsche dem Jubilar schriftlich übersandt. Zahllose schriftliche Wünsche von Nah und Fern und prächtige Blumenspenden legten Zeugniß ab, welch' großer Liebe und Verehrung sich Herr Dr. Levy erfreut. Am Nachmittag fand in „Steins Saalbau" ein Festmahl, statt. Auch wir bringen Herrn Dr. Levy, dem nunmehrigen ältesten Bürger Gießens, die besten Glückwünsche dar.
•• DataillistenBerein. Wie auS dem Annoncentheil ersichtlich, ist beabsichtigt, hier nach dem Beispiel anderer Nachbarstädte einen Detailliften-Verein zu gründen. Zweck des Vereins wird sein, die Jntereffen seiner Mitglieder, insbesondere auch gegen unlauteren Wettbewerb, an der Hand des bestehenden Gesetzes zu vertreten und zu schützen. Nach eingezogenen Erkundigungen haben derartige Vereine in Frankfurt a. M., Kaffel und Siegen, trotz ihres kurzen Bestehens, außerordentlich günstig gewirkt, infoferne lieber« schreitungen in den meisten Fällen, ohne den Klageweg einschreiten zu müffen, abgestellt wurden. Angeregt durch einige Herren haben sich schon 57 Kaufleute als Mitglieder eingezeichnet und liegen nun an drei Stellen Listen zu weiteren Einzeichnungen auf, um allen Detatllisten unserer Stadt Gelegenheit zum Anschluß zu geben. In der am nächsten Montag Abend itn Einhornsälchen stattfindenden Versammlung, zu der alle bis dahin eingezeichneten Herren gebeten find zu erscheinen, sollen die ausgearbeiteten Statuten be« rathen und der Vorstand gewählt werden. Wünschen wir dem nützlichen und zeitgemäßen Unternehmen besten Erfolg.
• * Darmstädter Pferdemarkl-Berloofung. In die Kollekte deS Loosegeschäftes von Richard Buchacker hier fiel ein Hauptgewinn auf Loo« Nr. 19063. Die glücklichen Gewinner sind zwei Arbeiter aus Gr.-Bufeck, welche heute Morgen nach Darmstadt abgedampft find, um ihren Gewinn einzuheimsen.
** Ausübung des Hnsdeschlags. Nachbenannte Personen haben u. A. nach Maßgabe der Verordnung vom 7. Novbr. 1885 die Berechtigung, baß Hufbeschlaggewerbe ohne weitere Prüfung selbstständig außzuüben, erlangt: Heinrich Heep in Rodheim, Kreis Friedberg, Heinrich Horst in Ober- Ohmen, Kreis Alsfeld, Johannes Kaiser in Stockhausen, Kreis Lauterbach, Ernst Lehning in EckartShausen, Kreil Büdingen, Hermann Mär le in Lich, Kreis Gießen, Otto Stein in Grünberg, Kreis Gießen, Heinrich Weil in OpperShoseu, Kreis Friedberg.
* • Zar Beachtung. Im Jntereffe deS Publikums sei daraus hingewiesen, daß daß Abnehmen und arteignen der Gummiringe und -Schlerfen von Bier« und Mineralwasser- flaschen nach dem Gesetz alS Diebstahl bestraft wird.
* * Zum Handelskammerbericht erhalten wir folgende Zuschrift:
Ja der Nr. 214 de« „Gießener Anzeiger" befindet fich ein Artikel „Zum Handelskammerbericht", in welche« der über Getreide, Landesproducte ufw. handelnde Theil bei


