Ausgabe 
16.7.1896 Erstes Blatt
 
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Nr 165

Der

Kiaßttier Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.

Die Gießener Pamtkien Vtätler werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt.

Donnerstag den 16 Juli

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Gießener Anzeig er

Keneral-Wnzeiger.

Vierteljähriger AVonncmcntsprelLt 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Lxpedttl»» und Druckerei:

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Aurts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

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Annahme vo» Anzeigen zu der Nachmittags für de» IVlfU*» dxtOXXOY rtonfifttf-for ÄDc Annoncen-Bureaux deS In. und Auslandes nehm«

fslgmden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr. | ^UmUUUVlUUUe Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

2tmtiid?er Tbeil.

Gr. Districts-Einnehmerei Gießen I.

Directe Steuern 2. Ziel, BrandversicherungSbeittäge für 1895 und Forst- und Feldftrafen 2. Periode 1896 werden an den Zahltagen Dienstag, 14. Juli 1896 \

Donnerstag, 16. Juli 1896 I von Vormittags 8 Uhr bis Freitag, 17. Juli 1896 ( Nachmittags 1 Uhr.

Samstag, 18. Juli 1896 1

in dem Kaffenlocale (Alicestraße 18, Parterre) nach den ge- fetzlichen Bestimmungen zur Erhebung kommen.

I. E.: Wolfschmidt, Districts-Einnehmerei-Verwalter.

Aus den Verhandlungen der Ersten Kammer der hesfischeu Stände.

rjm. Darmstadt, 14. Juli 1896.

Die Berathuugen werden heute um 10 Va Uhr fortgesetzt mit dem zurückverwiesenen Antrag des Grafen SolmS-Laubach auf Verwendung der Kretstechniker bei der Neu­organisation deS Straßenbaues als Ersatz für die vor­gesehenen Bauiuspectoren. Graf SolmS-Laubach zieht diesen Antrag heule zurück. Damit ist daS Kunststraßengesetz nach den Beschlüflen Zweiter Kammer genehmigt.

Ein Antrag des Abg. Zinßer, Errichtung einer Weberschule in Lauterbach und der Antrag deS Abg. Muth, die Revision des Normallehrplans der Volksschule, finden nach dem Beschluß Zweiter Kammer Annahme.

Bei dem Eventualantrag des Abg. Dael von Köth, den Schulunterricht auf dem Lande betr., wünscht Bischof Haffner eine beflere Berückfichtigung der Wünsche der Eltern, denen in Schulangcl-genheiten zu wenig Rechnung getragen werde. Diese Bevormundung der Eltern wirke schädlich in vielen Beziehungen. Gerade in der vorliegenden Frage, wo über 20 000 Eltern durch ihre Unterschrift ihre Ansicht ausgedrückt haben, ist es deren Wunsch, in der Zeit der schweren Arbeit auch die Hülfe ihrer Kinder zu haben. Geh. Oberschulrath Eisenhut bestreitet, daß der ländlichen Bevölkerung bezüglich der Schulferien nicht genügend Rechnung getragen sei. Er verweist auf Baden und Württem­berg, wo man ebenfalls zum Normalschultag in der Zeit der Ernte zurückgekehrt sei Wenn die Kinder von 9 Uhr Morgens nnb Nachmittags von 3 Uhr bis Abends auf dem Felde be­schäftigt würden, so sei daS mehr wie genügend. Die Kinder- taglöhnerei dürfe nicht emgeführl werden. Zum Schutz der Jugend vor körperlicher Ueberanstrengung sei eS nöthig, eine Grenze zu setzen. Die Vortheile der Eitern in finanzieller Beziehung würden sicher überwogen dmch die Nachtheile, die den Kindern in physischer Beziehung zugefügt werden. Im Jntereffe der socialpolitischen Seite ersucht er, den Antrag ebzulehnen. Dies geschieht gegen 3 Stimmen.

Bezüglich deS Antrags Metz, den Betrieb von Wirthschaften und den Kleinhandel mitBrannt- wetn betr., beharrt die Kammer auf ihrem früheren ab­lehnenden Beschluß.

Durch ein Versehen ist daS s. Z. von der Zweiten ikammer abgelehute Weinfteuer-Gesetz nicht in die Erste Kammer zur Berathung gelangt. Heute wird dieses Ver­sehen gut gemacht und nimmt die Kammer ohne Debatte den Gesetzentwurf in der Fassung der Regierungsvorlage gegen 5 Stimmen an.

Eine Eingabe der Assistenten bei den Großh. Steuer-Commissariaten um Gehaltserhöhung wird sür erledigt erklärt. Ebeoso ein Antrag der Abgg. haaS und Genossen, die Reguliruug des AltrheinS betr.

Die Regierungsvorlage, die Kosten des Trebur-Ast- Heimer Abschlußdammes und die Regulirung der Ufa, wird nach dem Beschluß Zweiter Kammer genehmigt.

Bezüglich deS Antrags HaaS Offenbach wegen Ab- ävderung des Art. 14 des .Dammbau gesetzes Dom 14. Juni 1887 wird gegen eine Stimme Beitritt zum Beschluß Zweiter Kammer angenommen.

DaS Gesuch der Forstwarte um N euregulirung ihrer GehaltSverhältnisse, sowie daS Gesuch des Verbandes hessischer Forstassessoren, die Gründung stän­diger Assistentenstellen bet den Oberförstereien betr., wird für erledigt erklärt.

Zu dem letzteren Gesuch erklärt Fürst zu Jsenburg- virsteiu, daß er demselben sympathisch gegenüberstehe,

bedauert aber den Weg, welchen die Forstassessoren ein- geschlagen haben zur Erreichung ihrer Wünsche. Ueberhaupt mache fich eine eigenthümltche nicht vortheilhafte Stömung geltend, der er nicht zusttmmen könne. (Bravo!)

Bezüglich der Nebenbahn OppenheimDarm­stadt erfolgt Beitritt zum Beschluß Zweiter Kammer, da­gegen bezüglich der Nebenbahn BensheimLinden­fels und DarmstadtLindenfels Ablehnung.

Zu einigen weiteren Anträgen ohne Belang erfolgt Beitritt zum Beschluß Zweiter Kammer.

Auf eine Anfrage des Präsidenten an den StaatS- minister wegen der nochmaligen Berufung Erster Kammer erklärt derselbe, die Sitzung Zweiter Kammer am 21. Juli werde zur Berathung des Staatsvertrags bezüglich der LudwigSbahn nicht mehr wie zwei Tage in Anspruch nehmen. Wenn eine Verständigung in dieser Zeit nicht stattgefuuden habe, dann sei überhaupt nicht mehr darauf zu rechnen.

Nach dieser Erklärung wird der Zusammentritt der Kammer auf den 23. Juli festgesetzt und die Sitzung um Val2 Uhr geschlossen.

Neueste Nachrichten.

Wolff- telegraphisches Eorrespondeuz-Burea».

München, 15. Juli. Nach den im Staatsministerium des Innern vorliegenden Nachweisungen betrug das Ver­mögen der 325 bayrischen Sparkassen Ende 1894 ins- gesammt 245 798 930 Mk.

Würzburg, 14. Juli. In dem Prozeß des Frhrn. v. Thüngen gegen die Gemeinde Burgsinn wurde heute das Unheil verkündet/ nach demselben werden die beiden Klagen des Freiherrn v. Thüngen vom 18. Juli 1888 und vom 15. Juli 1894 wegen eingetretener Verjährung abge­wiesen und dem Kläger die Kosten und Erstattung der Aus­lagen an die Gemeinde Burgsinn auferlegt.

AliAnssee, 14. Juli. Der Reichskanzler Fürst Ho Heu- lohe hat sich nach Ischl begeben, wo er vom Kaiser Franz Josef empfangen wird und an der Mittagstafel theilnehmen wird. Der Reichekanzler gedenkt am Abend hierher zurückzukehren.

Innsbruck, 14. Juli. Vorgestern ist der bei einem Conditor tu Kussftein beschäftigte Karl Kruckenhauser, Sohn einer hier wohnenden Wittwe, beim Abstieg vom Kitzbühlerhorn auf einer steilen, stets gemiedenen Stelle abgestürzt. Er ist tobt.

Paris, 14. Juli. Die Waffe, deren fich Francois bediente, ist ein sogenannter Bulldoggrevolver, welchen er dieser Tage imBazar Hoteville" gekauft hatte. Der Revolver war noch mit drei blinden Schüffen geladen. Untersuchungs­richter CoSnac ist mit der Untersuchung betraut. Der Ches der Sicherheitspolizei, Cochefort, hatte sich unverzüg­lich nach der Wohnung FranxoiS begeben, um eine Haus­suchung vorzunehmen. AlS daS Attentat bekannt war, be­mächtigte sich des Publikums eine große Erregung. Hunderte von Menschen stürzten dem Zellenwagen nach, in dem Francois saß. Der Kutscher wurde herabgeriffen und Francois wäre gelyncht worden, wenn die berittenen Garden nicht den Wagen umringt hätten. Nach Ansicht der Polizei ist Francois geisteskrank.

Paris, 15. Juli. Infolge der glühenden Sonnenhitze bei der heurigen Truppenrevue kamen zahlreiche Sonnen- stichfälle vor,- man zäblte im Ganzen 226, davon ent­fallen 55 auf Soldaten, 171 auf Civilprrsonen. Kein Fall ist tödtlich verlaufen.

London, 14. Juli. Nach einer Meldung derTimes" aus Kanea vom 12, ds. lauten die Nachrichten aus Rethymnon ernst. ES wird gemeldet, daß vier tür­kische Ortschaften in der Nachbarschaft der Stadt niedergebrannt seien und daß in Rethymnon eine Panik entstanden sei, welche dadurch hervorgerufen wurde, daß ein Christ in der Nähe des britischen ConsulatS zufällig einen Schuß abfeuerte. Es habe fich nunmehr ein Kampf 'n der Nähe deS ConsulatS entspannen, in deffen Verlauf ein Polizist und ein Muhammedaner gelödtet und zwei Personen ver­wundet wurden.

Athen, 14. Juli. In Herakleon (Kreta) wurden die Letcken von 5 Christen aufgefunden. Hierüber empört, überfielen die christlichen Bewohner bewaffnet zwei türkische Dörfer.

Kairo, 14. Juli. Der gestrige Cholerabericht weift 354 Neuerkrankungen mit 334 Todesfällen auf. Von letzteren kommen auf Fagum 101, auf Wady- Haifa unter den Civilpersonen 52; unter den eghptischeu Truppen ist 1 Cholerafall in Assuan, 6 in Wady-Haifa, 1 südlich

von Wady-Haifa vorgekommen. Ferner ist in Germai ein englischer Soldat gestorben.

Depesch°r» 8«<«m ,Heroik*.

Berlin, 14. Juli. Aus Lärdalfören wird tele- graphirt: Kaiser Wilhelm unternahm heute früh 7 Uhr eine Canalfahrt nach Borgend, hin und zurück 60 Km.

Berlin, 14. Juli. Der Bundesrath hat in seiner heutigen Sitzung den Entwurf deS Margarinegesetzes in der vom Reichstage genehmigten Fassung abgelehnt und dem Entwurf deS bürgerlichen Gesetzbuchs, sowie dem Einführung-- gesetz dazu seine Zustimmung ertheilt.

Berlin, 14. Juli. Der französische Botschafter, Marquis No ailleS, wird, wie daSBerl. Tagebl" hört, am 14. oder 15. August zur Uebernahme der Geschäfte von Paris hierher zurückkehren.

Berlin, 14. Juli. Beim französischen Botschafter fand heute auS Anlaß des NationalfefteS großer Em­pfang statt.

Berlin, 14. Juli. In der letzten Nacht wurden in dem nahegelegenen Rixdorf drei Arbeiter von einer heran­brausenden Maschine überfahren. Zwei derselben wurden getödtet, einer schwer verletzt.

Berlin, 14. Juli. Vom 18. bis 20. September sinder hier ein deutscher Samaritertag statt.

Berlin, 14. Juli. Seit gestern Mittag ist der Pächter des Restaurants im American-Theater in der Gewerbe- Ausstellung, Franz Lange, verschwunden. Man glaubt, daß er daS Opfer einer falschen Speculation geworden ist und fich daS Leben genommen hat.

Bonn, 14. Juli. Der Universitätsprofessor der Chemie, Kekule von Stradonitz, ist gestorben.

Würzburg, 14. Juli. In dem EhescheidungSprozeß des Freiherrn von Thüngen sprach das Gericht die Trennung der Ehe aus und erklärte Herrn von Thüngen für den allein schuldigen Thetl.

Wien, 14. Juli. Aus der Tasche eines Angestellten der Firma Sckodler u. Comp. stahl ein Unbekannter einen Chek auf 10,000 Gulden und erhob den Betrag sofort bet der Postsparkasse. Bisher hat man nicht die geringste Spur von dem Diebe.

Essegg, 14. Juli. Der sür den 16. dss. Mts. ein­berufene Congreß croatischerStudenten, zu welchem auch zahlreiche ausländische Studenten slawischer Nationalität fich angemeldet halten, wurde polizeilich verboten.

Arco, 14. Juli. General Baratieri erklärte einem ihn interwievenden Journalisten, Niemandem über die un­glückliche Schlacht und über die eigentliche Ursache der Kata­strophe Mittheilung zu machen. Sollte er ober doch dazu gezwungen werden, so werde er dies nur der italienischen Kammer gegenüber thun.

Brüssel, 14. Juli. Die katholischen Blätter verlangen in heftigen Artikeln die Demission des Bürger­meisters Buls, welcher die Liberalen aufgefordert hatte, für die Socialisten zu stimmen.

Antwerpen, 14. Juli. 30 englische Agitatoren, welche unter den Hafenarbeitern einen Ausstand herauf­beschwören wollten, um den Verkehr zu Gunsten Englands zu stören, wurden gestern aus Belgien ausgewiesen.

Paris, 14. Juli.Figaro" undEclair" widmen der vom Kaiser Wilhelm inS Werk gesetzten Flottmachung deS französischen DampferSGeneral Chanzy" durch den deutschen KreuzerGefin" Worte wärmster Anerkennung. Sie betonen, daß der Kaiser keine Gelegenheit versäume, fich Frankreich entgegenkommend zu zeigen.

Paris, 14. Juli. Die hiesige Ausgabe desNew-York- Herald" meldet, Kaiser Wilhelm habe der Zarin einen von ihm selbst compouirten Krönungsmarsch gewidmet.

Paris, 14. Juli. Infolge Entgleisung eines Eisenbahnzuges in St. Georgs Daurac wurden acht Personen getödtet und mehrere verletzt.

Paris, 14. Juli. In dem Augenblick, wo Präsident Felix Faure gegenüber der Mühle von Long champ an­langte, feuerte ein Individuum zwei Revolverschüsse auf ihn ab. DaS Publikum stürzte fich auf den Mann und hätte ihn ohne das Einschreiten der Polizei, welche denselben nur mit großer Mühe den Händen des Publikums entreißen konnte, gelyncht. In demselben Augenblick rief ein anderes Individuum:ES lebe die Anarchie!" Derselbe wurde eben­falls festgenommen und nach dem Polizeigewohrsam gebracht. Der Polizeipräsident Lepine verhörte den Attentäter, der FranxoiS heißt und ein ehemaliger Bauaufseher der Stadt Paris ist. ES ist derselbe Mensch, welcher kürzlich in der Deputirtenkammer gedruckte Zettel in den Saal geschleudert