Ausgabe 
15.11.1896 Erstes Blatt
 
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M?. 270 Erstes Blatt. Sonnlag den 15 November

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2lmtitd?er Thell.

Bekauutmachung.

Wegen AuSbruchS der Maul- und Klauenseuche In Dreihausen find die Gkmetndru HeSkem, Mölln, Drei Hausen, Roßberg und Leidenhofen, Kreis Marburg, als BeobachtungSgebiet im Sinne deS § 59a der BundeSiathS- tustructiou vom 27. Juni 1895 (ReichSgesetzblatt S. 373) bestimmt und zwar bis zum 21. d. MlS. etnschl ich. Bls bahtn dürfen Wiederkäuer, einschließlich des FahroieheS und Schweine, aus diesem Gebiet nicht ausgeführt werden und ist der Durchtrieb solcher Thtere durch daS BeobachtungS- gebiet verboten. AuSnahmegeftattungeu find bet den de« treffenden OrtSpolizeibrhörden unter Borlage einer thier- ärztlichen Bescheinigung über den Gesundheitszustand der uuSzuführenden Thtere zu beantragen. Die thterärztltche Untersuchung muß unmittelbar vor dem Transport statt« Kaden.

Gießen, den 13. November 1896.

Großherzogliches KreiSamt Gießen, d. Gagern.

Bekanntmachung.

Die Maul« und Klauenseuche in den Gemeinden Duten» Hofen, Hohensolms und Kraftsolms, Kreis Wetzlar, tst erloschen. Die augeordueten Sperrmaßregelu sind wieder aufgehoben Worten.

Gießen, am 13. November 1896.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung.

Nachdem io einem Gehöfte in Alsfeld die Maul' und Klauenseuche ausgebrochen ist, wird die Erlaubntß zur Ab- Haltung deS auf den 18. l. MlS. in Alsfeld geplanten Vieh« Marktes zurückgezogen.

Alsfeld, den 6. November 1896. GroßherzogltcheS KreiSamt Alsfeld.

I. V.: Hammann.

Gefunden: 3 PoriemonnaieS mit Inhalt, 1 Zwicker, 1 Brache, 1 Schulheft, 1 Brieftasche, 1 Handschuh, 1 Spazier- Kock, 1 seidenes Tuch, 1 Paar Handschuhe, 1 Regenschirm, 1 Rosenkranz, 1 Stück schwarzes Band.

Gießen, den 14. Navembcr 1896. Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.

WslfiS lelezcavbifche» Eorrespondeur-Bnre«.

Berlin, 13. November. DasMarine Verordnungsblatt" enthält eine CabinetSortre betreffend die Trennung deS Santtätcorps der Marine von denjenigen der Armee. Die Wahrnehmung der bisher von dem Generalstabsarzt der Armee in der Marine auSgeübten Befugntffe wird einem Generalarzt der Marine übertragen. Zugleich werden die AuSführungS Bestimmungen zu vorstehender Ordre Seitens bes Marin-amtS veröffentlicht.

Berlin, 13. November. Dem Reichstag ging ein Gesetz- entwurf zu, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der B-rwaltungen deS Reichsheeres, der Marine und der RetchSetfenbahnen bis zum Betrage von 56,763,747 Mk. znr Bestreitung der einmaligen Ausgaben dieser Berwal« tuugen für daS EtatSjahr 1897/98.

Berlin, 13. November. DerNordd. Allg. Ztg." zu« folge ist für die Beraihungen der demnächst in Berlin zu- fammentreteuden russisch-deutschen Commission deutscherseits der Direktor der handelspolitischen Abtheilung des Auswärtigen Amtes Reich ar d t mit der Führung der Verhandlungen betraut worden. An den Verhandlungen nehmen Thetl: LegationSrath Raffauf und Vieeconsul Goebel Non Harrand. Für die Berathung gewtffer Stnzelfragen ist die Zuziehung von Delegirten der betheiligteu engeren ReffortS dorbehalten. ____________

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 18. November. Der provisorische Börsen- Ausschuß wird am nächsten Donnerstag im Reichsamt deS Innern zufammentreten und fich zunächst mit folgenden Be- rathuogSgegeuständeu zu befaffen haben: 1) Entwurf von Bestimmungen bett, die Zulassung von Wertbpapiereu zum VSrfenhaudel, 2) Eingabe deS Bundes der Landwtrthe vom 19. v. M. wegen Neuordnung der Verkehrsnormen an den

deutschen Productenbörseo, soweit die Eingabe an den Bundes« rath gerichtet ist.

Berlin. 13. November. Major v. Wißmann ist in den Ausicpuß der deutschen Colonialgesellschaft gewählt worden.

Berlin, 13. November. Wie dasBerl. Tagebl." wissen will, hat der Kaiser gestern Nachmittag unmittelbar im Anfch. an die Rekrutenvereidigung an die versammelten, zu dem Zweck zu engster Gruppe herangezogenen Offiziere ernste Worte über den Fall Brüsewitz gerichtet. Die Aus­sprache war streng intim und so leise gehalten, daß natur­gemäß von dem Inhalt kein Wort in die weitere Oeffent- ltchkeit gelaugte.

Berlin, 13. November. Reichskanzler Fürst Hohen­lohe, welcher tu Begleitung des Geheimraths v. WilmowSkh heute Früh aus Bromberg hier wieder eiugetroffeu ist, hat fich heute, einer E nladung des Kaisers folgend, zu den Hof­jagden nach Letzlingen begeben.

Berlin, 13. November. Der Entwurf eines Handelsgesetzbuches nebst zugehörigem EtnführungS- gesetz ist dem Bundesrath zugegangen.

Berlin, 13. November. Eine von etwa 600 Mitgliedern der hiesigen Bank weit besuchte Versammlung, welche der Verein für die Interessen der Fondbörse zu gestern Abend einberufen hatte, nahm eine Resolution an, welche be tont, daß die Versammlung die Nothwendigkeit der Eintragung in das Börsenregister nicht anzuerkennen vermöge, vielmehr glaube, daß daS Zeitgeschäft auf Treu und Glauben fich auf- recht erhalten ließe. Sie richtet an die Stempel Bereinigung das Ersuchen, den Beschluß betreffend die Eintragung auf­zuheben und beantragt, daß eine Commission des Vereins für die Interessen der Fondbörse gemeinschaftlich mit der Stempelvereinigung die aus der Nicht-Eintragung erforder­lich werdenden Einrichtungen an der Börse vorbereite.

Hamburg, 13. November. DerHamb. Corresp." schreibt ossictös: Es unterliege keinem Zweifel, daß Deutschland zu einer Pression gegen England behufs Räumung Eghp- tens die Hand nicht bieten werde.

Wien, 13. November. DaSExtrablatt" meldet aus London: Nachdem nmerdings Versuche gemacht worden feien, die damalige Glückwunsch-Depesche Kaiser Wilhelms an den Piäsidenten Krüger gegen Deutschland auszunutzen, erklärte Lord Lonsdale, vom deutschen Kaiser ermächtigt zu sein, die Entstehung des Telegramms wie folgt darzustellen: Präsident Klüger hat den Kaiser noch vor dem Einfall Dr. JamesonS um Hilfe gebeten, was aber Kaiser Wilhelm ablehnte. Als dann der Einfall erfolgte und zurückgeschlagen wurde, habe der Kaiser den Präsidenten Krüger zu diesem Erfolge einfach beglückwünscht. Hätte er ahnen können, daß daS Glückwunschtelegramm in England einen üblen Endruck machen würde, so hätte er dasselbe unterlassen, da ihm jede Absicht fern gelegen habe, England zu beleidigen.

Rom, 13. November. Ein zur Zoll Ueberwachung hier stationirreS Torpedoboot ist mit der ganzen Besatzung infolge eines Unwetters uutergegangen.

Pari», 13. November. DerFigaro" schreibt: Von dem Tage an, an welchem Belgien seme Armee verstärken und ein mächtiger Milttärftaat werden wolle, fei eS mit der Unabhängigkeit und Neutralität dieses Staates vorbei.

Belgrad, 13. November. AuS dem Dotna-Gebiet wer­den furchtbare H och wassers ch äd en gemeldet. 150 Häuser, sowie sämmtliche Brücken erlitten schwere Beschädigungen.

Berlin, 14. November. Wie daSBerliner Tageblatt" erfährt, hat man tu CentrumSkreifen bei der Einbringung der Interpellation über die Enthüllungen der Hamburger Nachrichten" von Anfang an keineswegs tue Absicht einer Demonstration gegen den Fürsten Bismarck gehabt. Es sollte gegenüber den bekannten Nachrichten des Hamburger BlatreS eine klare Interpretation unseres Der- hältniffeS zu Rußland im Besonderen und unseres Verhält­nisses zu den Dreibund-Mächten veranlaßt werden. Sine ruhige und sachliche Erörterung wäre von vornherein seitens der CentrumSfraction zum Princip gemacht worden und soll in der Erklärung deS Grafen Hompesch zur Interpellation die Stellung der Fraktion zu den Enthüllungen ganz ob­jektiv gekennzeichnet werden. Demselben Blatte zufolge u'mwt die Polenfraction dieselbe Stellung zu der Interpellation ein und würde deren Redner in der Debatte der lebhaften Be­unruhigung Erwähnung thun, welche die Enthüllungen der Hamburger Nachrichten" in Oesterreich und Italien hervor« gerufen hätten. WaS die Beantwortung dieser Interpellation betrifft, so weiß dasselbe Blatt zu melden, daß eine Ent­scheidung darüber während deS Aufenthalts der Reichskanzlers beim Kaiser in Letzlingen getroffen werden wird. Wichtige

Depeschen, die dem Reichskanzler be- feiner Ankunft au* B.omderg übergeben wurden, werde dieser mitnehmeu, um ste dem Kaiser selbst zu überreichen.

Berlin, 14. November. DemKl. Journal" zufolge soll im Polizeipräsidium ein chemische- Laboratorium zur regelmäßigen Untersuchung von Nahrungsmitteln errichtet werden. Die Kosten trage die Stadt Berlin.

Wien, 14. November. Die Polizei verhaftete gestern den Kaufmann Josef PolouowSkt aus Groduo (Ausstich Polen) wegen Hrrauslockung von Sensen von den ober- österreichischen und steyertschen Sensenwerken im Werthe von 6700 Gulden.

Budapest, 14. November. Aufsehen erregt die gestrige Verhaftung deS angesehenen Arztes Korotnay wegen Verdachts, einer reichen, kürzlich verstorbenen Dame während deren Bihandlung Pretiosen und Effecten gestohlen zu haben. Bei einer Haussuchung wurden diese vorgefundev. Der Arzt behauptet, daß die Dame die Werthsachen ihm geschenkt habe.

Petersburg, 14. November. Der französische Botschafter bleibt hier 12 Tage, um mit Steledow über die Regelung der türkischen Angelegenheiten zu conferiren. Er reist bis Nenjahr zurück nach Frankreich.

Kiew, 14. November. Der Curterzug KiewOdessa stieß bei Konzanka mit einem Güterzug zu­sammen. Letzterer wurde fast vollständig zerttümmert. Bei dem Courierzug wurden drei Wagen zertrümmert, vier Reisende und ein Maschinist verletzt.

Gießen, den 14. November 1896.

Verzeichuiß der Hauptgefchworeueu für die am 7. December 1896 beginnende Sitzungsperiode des Schwur« gertchtS der Provinz Oberheffen: 1, Fenchel, Friedrich II., in Griedel. 2. Wenzel, Jacob, in Butzbach. 3 Jensch, August, in Nidda. 4. Zimmermann, Hermann Philipp, in Sich. 5. Fauerbach, Wilh. Gerh. Michael, in Dortelweil. 6 Küchel. Wilhelm Jacob, in Butzbach. 7. Steuernagel, Carl, in Windhausen. 8. Nottwkyer, Max, in Nteder-Ohmen. 9. Philippi, Heinrich, in Wohnbach. 10. Rappolt, LouiS, in Friedberg. 11. Vogt, Wilhelm Hermann, in Reichelsheim. 12. EnderS, JohS. IV., in Münzenberg. 13. Schudt, Hein­rich,'belheimer Mühle. 14. Kraft, August, in Butzbach. 15. Stichler, Heinrich, Stumpertenrod. 16. Schwan, August, in Gießen. 17. Hölscher, Heinrich II., in Alsfeld. 18. Bär, Löb, in Gießen. 19. Pröicher, Wilhelm IV., in Schotten. 20. Netto, Eugen, Professor tu Gießen. 21. Loos, Carl, In Gießen. 22. Merz, Philipp II., in Ruppertenrod. 23. v. Löw, Freiherr, Gilbrecht, tu Nieder - Florstadt. 24. Häberle, Ernst August, in Friedberg. 25. Ohmes, Ferdinand, in Ober Erlenbach. 26. Jacobi, Gg. Conrad Emil, in Rodheim v. d. H. 27. Amend, Philipp III., in Allendorf a. d. Lahn. 28. Fischer, Adolf in Gießen. 29. Fiedler, Jost, in Landenhausen. 30. Klingelhöfer, Joh I., in Mainzlar.

** Nochmals der Handelskammerbericht. Der Vorsitzende des Landesausschuffes der landwirthschaftlichen Vereine des Großherzogthums hat das nachstehende Schreiben an die Handelskammer Gießen gerichtet:

In dem in Nr. 212 desGießener Anzeigers" ver­öffentlichten Jahresbericht der Großh. Handelskammer Gießen für das Jahr 1895 sind im Abschnitt über das Geschäft in Getreide, Landesproducten, Kraftfutter und Düngemitteln Mirtheilungen und Ansichten enthalten, welche der sachlich be- urtheilten wirklichen Lage der Landwirthschast und des Ge­schäfts in landwirthschaftlichen Erzeugnissen und Bedarfsstoffen derart widersprechen, daß ich mich veranlaßt sehe, gegen die Auffassung Großh. Handelskammer Stellung zu nehmen und Sie ergebenst ersuche, von Nachstehendem gefälligst Kenntniß nehmen zu wollen: Wenn es in dem betreffenden Abschnitt des Jahresberichtes heißt:Das Geschäft in Getreide hat sich nicht wesentl ch gegen das Vorjahr verändert, in keinem Falle ist es als schlechter zu bezeichnen, die Ursache erblickt man darin, daß die Getreidepreise an Stabilität gewonnen und ungefähr 2 Mk. pr. 100 Kilogr. für Weizen und Roggen gegenüber dem Durchschnittspreis des vorigen Jahres höher gegangen si>-d", so liegt in dem Inhalt der beiden aufeinander­folgenden Sätze an und für sich schon ein deutlicher Wider­spruch. Es ist richtig und erfreulich, daß in einzelnen Perioden des Jahres 1895 die Weizen- und Roggenpreise um ca. 2 Mk. über den Durchschnittspreis des Jahres 1894 hinaufgegangen sind. Setzt man jedoch den Durchschnittspreis vom Jahr 1895 demjenigen des Jahres 1894 gegenüber, so ergibt fich kaum eine nennenswerthe Preisbesserung; keinesfalls ist man berechtigt, die Preislage von 1895 anders als nach wie vor